Udo Reisner alias Cariba Feierabend ist seit mehr als zehn Jahren in der Grazer Rapszene vertreten. Sowohl als Backup-Rapper als auch als Frontmann sorgte er bereits an zahlreichen Abenden für gehörige Stimmung in der Hip-Hop-Szene der steirischen Hauptstadt.

Wir haben Cariba zum Interview gebeten und mit ihm über seinen Style, sein neues Album und die Probleme der steirischen Szene gesprochen.

PARADOX: Du gehörst bereits seit vielen Jahren zu den fixen Bestandteilen der Grazer Rap-Szene, erzähl unseren Lesern bitte von deinen Anfängen.

Cariba Feierabend: Also ich kam erst mit circa 18 Jahren in Berührung mit Rapmusik, bei einem Festival in Wiesen. Davor konnte ich überhaupt nichts mit dieser Musik anfangen und hörte eher Sachen aus dem Alternative- und Rock-Bereich. Allerdings war ich von der Performance der Künstler damals derart beeindruckt, dass ich schön langsam anfing, mich in die Materie Hip-Hop einzuleben und bald darauf meine ersten eigenen Texte zu schreiben.

PARADOX: Wie würdest du deinen Stil zu rappen selbst beschreiben? In wie weit lebst du auch den Hip-Hop-Lifestyle?

(c) Daniel Gärtner3

Cariba Feierabend (c) Daniel Gärtner

Cariba Feierabend: Mein Stil wechselt je nach Stimmung. Ich versuche facettenreich zu sein und alle Geschmacksrichtungen dieser Musik so gut wie möglich abzudecken, wobei ich selbst eher meine humorvolle Seite und den sogenannten “Punchline Rap“ feiere. Ich muss ehrlich sagen, konkret Künstler, die meine Musik beeinflussen, kann ich gar nicht nennen. Ich hör mir allerdings so ziemlich alles, was in Sachen Deutsch- und Amirap auf den Markt kommt, an. Ich finde davon viele Sachen sehr gut und höre das ein oder andere Album dann auch mal eine Zeit länger. Also dieser Hip-Hop-Lifestyle ist ja so eine Sache an sich. Ich war nie ein Fan dieses übertriebenen „Rumgeposes“ à la “Alter, ich bin Rapper – ich mache einen auf hart oder übercool und dergleichen“. Diese Typen sind dann meistens ja genau die, die gar nichts auf dem Kasten haben. Hauptsache große Klappe, den Harten markieren und so weiter, und die Musik rückt in den meisten Fällen in den Hintergrund beziehungsweise Skills werden komplett vernachlässigt. Ich bin zwar im Herzen Rapper, muss das allerdings nicht bei jeder Gelegenheit präsentieren, geschweige denn mich damit profilieren.

PARADOX: Wo und wann schreibst du deine Texte am liebsten? Gibt es einen besonderen Ort an den du dich dafür zurückziehst?

Cariba Feierabend: Die Idee kommt meistens mit dem Instrumental, das ich von meinem Produzenten Mandrill Beats geschickt bekomme. Der Prozess ist dann eigentlich immer der gleiche: Ich hau den Beat rein, setze mich an meinen Laptop und fange an zu schreiben. Einfach drauf los, je nach Stimmung und Gefühl. So entsteht bei mir ein Song.

PARADOX: Du hast vor kurzem das Album B.Z.V.D.M. (Bis zum Verlust der Muttersprache) herausgebracht. Was war dir bei der Arbeit an diesem besonders wichtig? Was erwartet die Fans bei B.Z.V.D.M.?

Cariba Feierabend: Ich wollte einfach einmal ein Soloprojekt releasen und hab dann frei aus dem Bauch heraus angefangen, Songs zu machen und zu recorden. Nachdem in dieser Phase Party machen ein wesentlicher Bestandteil des Entstehungsprozesses war, fiel mir auch auf Anhieb dieser Arbeitstitel ein, der in weiterer Folge auch der endgültige Titel des Albums werden sollte. Bis auf zwei Titel sind es alles Party-Rap-Tracks. Ich wollte einfach mal auf die Kacke hauen. Mein Album ist bei mir persönlich zu haben – jeder, der eines haben will, soll mich einfach auf Facebook anschreiben.

PARADOX: Deinem Facebook-Profil war zu entnehmen, dass gerade an einem Video zu „NYC“ gearbeitet wird. Wie läuft die Arbeit daran?

Cariba Feierabend: Genauer gesagt, wird sogar an zwei Videos gearbeitet und zwar an “NYC” und an “Graz Soprano”. Es läuft soweit sehr gut. Mit den Dreharbeiten sind wir bald fertig. Bei “NYC” ist ein ruhiges dunkleres Video mit vielen Bildern passend zum Track zu erwarten, wobei bei “Graz Soprano” so richtig die Post abgeht mit ordentlich Action und ein paar Überraschungen.

PARADOX: Auf deinem Album hast du auch mit verschiedenen anderen Künstlern zusammengearbeitet. Waren Features für dich ein großes Anliegen?

Cariba Feierabend: Also nachdem ich einige sehr gute Musiker in meinem Freundeskreis habe, war es mir natürlich ein Anliegen, diese auf mein Album zu holen. Sei es in Form von einem Beat oder einem Rap-Gastpart. Bei allen Tracks war es so, dass ich die Songidee hatte und mir dann gedacht habe, der oder der würde da ja gut darauf passen. Dann habe ich denjenigen kontaktiert, und das Ding war wenig später im Kasten.

PARADOX: Du als Insider, wie würdest du die steirische beziehungsweise die Grazer Rapszene selbst beurteilen? Von großer Aufbruchstimmung ist von außen nur wenig zu merken oder ist deiner Meinung nach hier gerade etwas Großes am Entstehen?

Cariba Feierabend: Es gibt in Graz wirklich ein paar ganz starke Rapper, gar keine Frage. Allerdings wird es im Bezug auf Projektentwicklung, -verwirklichung und Vermarktung bei den meisten problematisch. Man muss sich einmal vorstellen, wie viel Arbeit und vor allem Kosten da auf einen zukommen, wenn man alles selbst, ohne Label, in die Hand nimmt, um mit seiner Musik an die Öffentlichkeit zu gehen. Daran scheitern dann die meisten. Und wenn man sich dann auch noch ansieht, wie das Musikbusiness wirklich funktioniert und was einem da speziell in Österreich im besten Falle erwartet, kann ich gut verstehen, dass da dann einige Kollegen den Hut drauf hauen. Mit Rap ist es sowieso extrem schwierig, erfolgreich zu werden. Nichtsdestotrotz hat Graz ein sehr großes Potenzial und natürlich wird bei uns immer weiter gearbeitet.

PARADOX: Zum Abschluss, was steht in Zukunft bei dir an? Arbeitest du schon an einem neuen Projekt oder gönnst du dir erst mal eine Pause nach dem jetzigen Album-Release?

Cariba Feierabend: Nachdem ich ein sehr motivierter Mensch bin, arbeite ich schon an meinem nächsten Projekt. In welcher Form das veröffentlicht wird, kann ich allerdings noch nicht genau sagen. Auf jeden Fall habe ich schon wieder ein paar Songs aufgenommen und werde auch weiterhin viel Zeit im Studio verbringen. Als nächstes kommen jetzt mal die beiden Videos und dann werden wir sehen wie es weitergeht.

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