Ein trauriger Anlass, aber doch eine geniale Metal Show: The Final Chapter von Chaos Beyond. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge zum Abschiedsgig.

Wieder wirft mit Chaos Beyond eine viel versprechende Metalband in Wien das Handtuch und macht sich zu neuen Zielen auf. Ich bin seit der Neueröffnung der SimmCity zum ersten Mal wieder hier und werde somit die erste Metal-Veranstaltung in der Simm-City miterleben. Die Veranstaltungshalle gibt es ja schon seit Jahren, aber nun hat man einiges Geld in die Hand genommen und die Raumakustik, Ton- und Lichtanlage auf den neuesten Stand gebracht, damit auch größere Live-Konzerte veranstaltet werden können. Ich kann nur vorausschicken, man hat sich bemüht, der Sound ist ganz passabel, wenn auch die Halle nicht mit dem Charme eines typischen Metal-Kellers mithalten kann.

Der Anlass ist ja eigentlich ein Trauriger, auch wenn Chaos Beyond bemüht ist, sich nach der Devise zu geben: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Die Burschen gaben kurz vor dem ultimativ letzten Kapitel ihrer Bandgeschichte www.music-news.at ein Interview, in dem sie sich zu den Gründen, die zu diesem Schritt geführt haben, äußern.

www.music-news.at: Ihr habt es selbst The Final Chapter genannt: Wieso habt ihr euch entschieden in Zukunft getrennte Wege zu gehen?

Chaos Beyond – Mike: Unsere Streitereien sind zu sehr ausgeartet, wir haben uns so viel geprügelt… (Gelächter)

Chaos Beyond – Martin L.: Nein, wir haben so viel Geld veruntreut, dass wir jetzt auf Jamaica leben können… Nein, nur ich habe das gemacht…

www.music-news.at: Hm, besonders glaubwürdig ist das ja nicht gerade, wenn man sich die Umsätze heimischer Metalbands so anschaut….

Chaos Beyond – Nino: Wir wollten das Wort Farewell vermeiden, „Final“ ist viel kreativer. (Gelächter)

Chaos Beyond – Martin P.: Nein, mal im Ernst, wir wollen uns in unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln und sind draufgekommen, dass jetzt der beste Zeitpunkt dafür da ist. Wir wollen einen Schlussstrich mit der Show setzten. Wir haben uns nicht zerstritten, wir sind noch immer Freunde. Es war eine kreative Entscheidung.

www.music-news.at: Also ein musikalischer Schlusspunkt, oder gibt es auch externe Faktoren?

Chaos Beyond – Martin P.: Ja, wir haben unser letztes Album „The Drawing Board“ herausgebracht und auch eine DVD produziert. Leider ist der Erfolg, den wir uns erwartet haben, ausgeblieben. Wir haben uns einfach mehr erwartet. Jetzt wäre die Zeit gekommen, zu überlegen was wir jetzt machen und da haben wir keinen Konsens gefunden, ob wir jetzt ein drittes Album produzieren wollen oder nicht, und daher dann der Schlusspunkt. Es haben einfach die Ziele und die Motivation gefehlt. Wir haben super Sachen gemacht und wir stehen dazu, was wir alles erreicht haben und sind sehr froh darüber. Der eine Sprung aufs nächste Level hat dann gefehlt, das Glück ist ausgeblieben und wir haben sicher auch falsche Entscheidungen getroffen. Daher ist es so gekommen, wie es gekommen ist.

Chaos Beyond – Steve: Weil wir die LED-Wall nicht bekommen haben… Ok, das ist ein Insider…

www.music-news.at: Also ich finde schon, dass das verständlich ist, eine Band mit LED-Wall beim Gig ist was anderes, als eine Band, die keine hat…

Chaos Beyond – Martin P.: Es ist am einfachsten so zusammenzufassen: Sehr viele Leute haben uns viel versprochen und es ist einfach sehr wenig gehalten worden und irgendwann ist man dann sehr enttäuscht.

Chaos Beyond – Martin L.: Uns ist die Luft ausgegangen.
Wir haben sicher die letzten fünf Jahre 2-3 mal pro Woche geprobt, und irgendwann leiden andere Dinge und dann geht’s einfach nicht mehr.

www.music-news.at: Wie habt ihr das mit dem Geldverdienen gemacht? Nino, du hast mir zuerst gesagt, du suchst dir jetzt einen faden Bürojob?

Chaos Beyond – Nino: Ja, wir waren eigentlich alle Studenten wie wir angefangen haben und hatten Nebenjobs. Inzwischen sind wir keine mehr… Oder Mike, studierst du noch?

Chaos Beyond – Mike: Ja, eigentlich schon. Nur mehr die Bachelorarbeit fehlt.

Chaos Beyond – Nino: Ok, Mike ist noch Student.

Neue Pläne, neue Projekte

www.music-news.at: Was ist jetzt geplant?

Chaos Beyond – Martin P.: Wir bleiben alle musikalisch aktiv. Ich und Martin L. wir machen ein Studioprojekt. Das ist derzeit in der Konzeptphase, aber es gibt ja keinen Stress. Als Band muss man ja Inhalte liefern, aber davon wollen wir nichts mehr wissen.

www.music-news.at: Das wird auch im Metalbereich bleiben?

Chaos Beyond – Martin L.: Also auf jeden Fall Stromgitarre…

www.music-news.at: Naja, Stromgitarre hat der Gabalier auch in der Band.

Chaos Beyond – Steve: Der macht keinen Metal?
Chaos Beyond – Martin L.: Ja, aber ist die E-Gitarre angeschlossen?

www.music-news.at: Auch wahr….

Chaos Beyond – Mike: Ich hab auch ein neues Projekt am Laufen, es wird zwar die Rockschiene bleiben, aber schon etwas entfernt von Metal.

Chaos Beyond – Steve: Ich werde sicher immer Musik machen, bis ich begraben werde, ich hab auch nie einen anderen Job gehabt, mein Job ist Gitarre spielen. Ich habe auch die Dummheit begangen, Gitarre zu studieren, aber das bade ich jetzt aus… Ich habe ursprünglich angefangen in einer Punkband zu spielen, für mich war immer der Grundsatz: „Revolution – Vier-fünf Leute gegen den Rest der Welt.“ Das spielt es nicht. Ich habe zu viele Musiker getroffen, die das auch wollten und jetzt andere Wege gehen. Ich werde unter eigenem Namen Musik veröffentlichen. Ich will nicht berühmt werden, ich will Gitarre spielen und Leute erreichen. Ich habe das jetzt schon zweimal durchgemacht, dass Bands aufhören, die ich sehr geliebt habe und die Songs werden so nicht mehr gespielt werden und unter eigenem Namen werden sie zumindest immer von mir gespielt. Ich habe mich in den letzten Jahren mehr mit Blues und 60ies Musik, als Ausgleich zu Chaos Beyond, beschäftigt. Und ich mag es, wenn es über das ursprüngliche Konzept hinaus geht, also wird die Ausgangsbasis Blues sein, aber es wird bis Heavy Metal gehen. Die Band wird ein Trio bleiben. Das Ganze heißt Kutscher’s Blues Band.

Chaos Beyond – Nino: Ich werde Musik machen, bei der man den Bass hört. (allgemeines Gelächter)

Chaos Beyond – Martin L.:Also wirst du alleine spielen?

www.music-news.at: Ich traue mich ja kaum nachzufragen. Metal Musiker in Österreich – Wollt ihr dazu noch etwas erzählen?
(Allgemeines Gelächter.)

Chaos Beyond – Martin P.: Ja, wir haben sicher den Fehler gemacht, es mehr als nur als ein Hobby anzusehen, sonst wären wir sicher noch dabei. Andere kaufen sich ein Motorrad und fahren dabei im Kreis…

Chaos Beyond – Steve: Ich hab ein altes Video von uns gesehen. Das war von einem Konzert im Escape, da war ich ganz frisch bei der Band dabei und hab gesehen, wie sehr es uns damals Spaß gemacht hat. Martin L. hat noch kurze Haare gehabt, Martin P. freut sich am Schlagzeug. Nach der ganzen Ambition, die du gehabt hast, ist es sehr schön zu sehen wie viel Spaß du gehabt hast. Heute Abend geht es auch nur mehr um den Spaß, Musik zu machen.

Chaos Beyond – Martin L.: Eigentlich geht es um Frauen.
(allgemeines Gelächter)

Chaos Beyond – Mike: Ja, wer im Publikum bei einem Metalkonzert lange Haare hat, hat meistens auch einen Bart… (Gelächter)

[flagallery gid=20 w=620 h=500]

Viele geniale Momente

www.music-news.at: Was nehmt ihr mit aus eurer Zeit mit Chaos Beyond?

Chaos Beyond – Mike: Mein Mikrofon (allgemeines Gelächter)

Chaos Beyond – Nino: War eine super Zeit. Viele Erfahrungen gemacht, die ich ohne die Band nie gemacht hätte, Studioerfahrung. Musikvideos, vor fast 500 Leuten in Barcelona gespielt. Die Amadeus-Nominierung war auch eine großartige Erfahrung. Ich schau zurück und erinnere mich an die positiven Zeiten.

(einige Meldungen mussten auf Wunsch der Band zensiert werden, es könnte ja sein, dass die Eltern der Bandmitglieder das Interview lesen.)

Chaos Beyond – Nino: Ich werde die Zeit sicher in meinem Lebenslauf drinnen lassen, und nicht als Hobby abwerten.

Chaos Beyond – Martin L.: Als berufliche Tätigkeit oder als Ausbildung? (allgemeines Gelächter)

Chaos Beyond – Nino: Im englischen Lebenslauf ist es einfacher, da fällt das unter: other activities.

Chaos Beyond- Martin L.: In Barcelona haben wir im „Sabado Veda“ gespielt. Das ist eine Clubbing Location, wie das U4 nur größer, also eher wie die Szene. Das war sehr genial.

Chaos Beyond – Steve: Ja, aber von der Stimmung wie das U4, wenn Clubbing ist, ist alles voll, wenn eine Band spielt ist niemand da…

Chaos Beyond- Mike: Auch die Albumveröffentlichung im U4 war sehr genial. Vorher waren wir im Kino und haben die DVD vorgestellt. Im Gasometer. Super Stimmung. Tolle Momente.

Chaos Beyond – Nino: Ich hab mich auf der Leinwand im Kino gesehen…

Chaos Beyond – Martin P.: Es gibt eine Menge Erinnerungen an eine geniale Zeit.

www.music-news.at: Vielen Dank fürs Interview. Und auf zum Final Chapter…

Chaos Beyond: Danke!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.