Ein ausgiebiger Talk mit Brasiliens Drum and Bass Superstar

Wagner Borges Ribeiro de Souza aka DJ Patife ist jedem langjährigen Drum and Bass Fan ein Begriff. Seit über 2 Dekaden macht er nun schon seine Musik am anderen Ende der Welt in Brasilien. Mit Hits wie dem „Sambassim“ Remix und einigen großartigen Kollaborationen mit Szenegrößen wie DJ Marky, XRS, Bryan Gee, Makoto, Cleveland Watkiss, u.a. hat er sich ein Denkmal in der Szene geschaffen. Für ein Open Air Event in der Wiener Kantine reiste er nun nach Wien und so habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ihn in der gemütlichen Wohnung von Jazzsticks Labelboss Paul SG und in Gesellschaft von Host Jay Rome (Blu Saphir) und Freundin zu einem inspirierenden und informativen Plausch getroffen.

Interview DJ Patife

www.music-news.at: Wie bist du zum Drum and Bass gekommen und was waren deine größten Einflüsse?

Patife: Um ehrlich zu sein, ich habe erst in den letzten 10 Jahren zu meiner musikalischen Identität gefunden, wenn man das so sagen kann. Wie alle anderen Kinder aus den 80ern war ich damals ein großer Fan von Michael Jackson und dem frühen Hip Hop von Run DMC, Public Enemy, NWA, Ice T usw. Ich war ein großer Fan dieser Musik und als sie dann im September 1991 auch die ersten Male nach Brasilien kam, war das für mich die erste wirklich markante Live-Musik-Erfahrung. Das war damals unsere Bewegung, die Stimme der Straße, die der Hip Hop zum Ausdruck brachte. Es war meine erste „Schule“, die Hip Hop Bewegung. Ich war Teil einer Hip Hop Gruppe für ungefähr 2 Jahre von ’92 bis ’94.

Ich kaufte meine Platten nur aus Liebhaberei der Musik wegen und versuchte mich noch nicht als DJ, die Platten waren lediglich ein Hobby. Ich ging immer im ein kleines Gebiet im Zentrum von Sao Paolo, das für seine vielen Recordstores bekannt ist, um meine Platten zu kaufen. In einem der Läden lernte ich einen Typ namens Marco kennen, der später als DJ Marky zu großer Bekanntheit gelangen sollte. Eines Tages ging ich zu ihm in den Shop und er spielte etwas sehr schnelles mit Ragga Vocals und ich war verblüfft und fragte was das denn sei. Er antwortete: „Das ist Jungle Musik – ist gerade groß im Kommen in London.“. Das war so ca. ’93 oder ’94.

Um alles richtig zu erzählen müsste ich noch ein Stückchen weiter zurückgehen, ca 1991. Ich war 14 und wollte unbedingt abends bzw. nachts fortgehen, aber meine Mutter ließ mich gerade mal auf die Sonntags-Events gehen, die von 14 bis 18 Uhr gingen und natürlich nicht so spannend oder interessant für mich waren wie das Nachtleben, von dem man mir erzählte. Also schmuggelte ich mich mit der Ausrede, bei einem Freund zu übernachten, mit dem ich dann natürlich in Wahrheit ausging. In der Nacht hörte ich zum ersten Mal etwas Schnelleres als ich gewohnt war. Es war Rebel MC’s „The Weakness of Sound“ und bereits damals hatte ich sofort die Frage im Kopf „Oh Mann, WAS ist das?“. Da ich aus dem Hip Hop kam und dann diese fetten Basslines und die gebrochenen Beats hörte, war es Liebe auf den ersten Blick bzw. das erste Hören. Oft kamen auch meine Freunde zu mir nach Hause und wir alle, zwischen 10 und 15 Jungs, waren in meinem winzig kleinen Zimmer und waren total am Ausrasten. Ich machte auch ab und zu eigene Partys zu Hause, zu denen ich noch mehr Freunde einlud.

So um ’95 herum bekam ich dann meine erste Residency in einem Club in Sao Paolo, der eines meiner Stammlokale war. Für mich war das eine große Sache vom Dancefloor in die DJ Booth aufzusteigen, speziell weil ich viel Zeit in dem Club verbracht hatte über die Jahre. Ich arbeitete dort als DJ für 4 Jahre. Damals hätte ich mir nie vorstellen können, eines Tages von der Musik leben zu können und behielt auch meinen 40-Stunden-Job um mich sicher finanzieren zu können. Ich denke das ist so ziemlich die Geschichte, wie ich zum Drum and Bass kam.

„Sambass“ made in Brasil

www.music-news.at: Deine Musik hat sehr starke Samba und Latin Einflüsse. Ist das für dich ein wichtiges Element für deine Musik oder bist du gar Tänzer oder ist das einfach dein Musikgeschmack der hier einfließt?

Patife: Ich denke das kam ganz von allein. Die ersten Beats, die ich mit XRS, Matt Zoo usw. gemeinsam produziert habe, habe ich in diesem Stil gehalten. Ich wusste damals noch nicht wirklich, was ich mache, aber als ich die ersten Male in den großen, teuren Studios von Freunden und Bekannten war und die Produktion vieler portugiesischer Vocalists mitbekam, hatte ich einfach das Gefühl, diese Elemente in meine Musik intergrieren zu müssen. Immer wenn ich etwas neues schraubte, hatte ich auch diesen Samba-Beat m Hinterkopf, der ich dann einfach nicht losließ. Ich hatte nicht wirklich den Vorsatz, diese Elemente einzubauen, es ergab sich einfach , ohne, dass ich das als „meinen Style“ identifiziert hätte. Es war einfach ein Schritt auf meinem Weg, als ich dem Groove mit meinem Herzen folgte. Zu der Zeit waren auch gerade Jazz, Dub und Raggae ganz stark im Kommen und ich versuchte dann immer wieder diese Stilrichtungen in meinen eigenen Werken einzubauen. Bei der großen Masse an Musik ist es oft schwer sich durchzusehen und das macht es auch konstant schwieriger mit der Zeit, aber am Ende haben wir eben einfach Spaß.

www.music-news.at: Welches Equipment nutzt du zum Musikmachen? Bist du Teil der digitalen Revolution oder eher ein Analog-Enthusiast?

Patife: Ich sehe mich eher als Teil der digitalen Generation und ich bin sehr dankbar für die Technologie, die es mir überhaupt erst ermöglicht Musik zu machen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, früher im Studio bei Freunden zu sitzen und zu sehen wie teuer das ganze Equipment war und wie viel es kostete nur 2 oder 3 Stunden dort zu sein. Ich nahm immer an, Musik sei diese Riesensache und extrem komplex und schwierig. Ich dachte immer, man müsse Musiker oder zumindest Komponist oder Songwriter sein um das zu können. Ich hätte mir niemals vorstellen können, eines Tages selbst Musik oder Remixes bzw Bootlegs machen zu können. Dann kam die notwendige Technologie.

Ich bin definitiv ein Liebhaber der organischen Töne von alten Kompressoren oder Limitern, jedoch gibt es auch ihre Äquivalente als Plug-Ins für Ableton, Logic, Cubase und dergleichen, also wenn ich die Möglichkeit habe, vermische ich beide Welten miteinander für ein optimales Ergebnis. Ich mache zum Beispiel alles digital und bereite es dann so vor, das ich es durch die analoge Hardware schicken kann. Dann geht es wieder an den PC zum verfeinern. Ich habe selbst Tontechnik studiert und weiß, dass es einen sehr großen Unterschied macht ob man seine Lieder nur am PC macht oder sie auch durch das analoge Equipment jagt. Als Kind der 80er vermisse ich heute auch den Sound von damals. Die Wärme und dieses heiße, schmeichelnde Feeling bei der Musik. Ich selbst liebe Raggae Musik und versuche auch immer den charakteristischen „Sonic-Sound“ aus dem Raggae in meine Mixdowns einzubringen. Wenn du digital und analog mischt, wirst du am Ende immer zufrieden sein mit deiner Musik. Garantiert.

Ich arbeite hauptsächlich in Ableton und Logic und bei einigen Freunden auch in Pro Tools, das ist jedoch nicht mein Favorit.

www.music-news.at: Welches deiner Lieder hat den meisten Spaß beim Produzieren gemacht?

Patife: Puh, eine sehr schwere Frage. Es ist schwer, weil es jedes Mal eine völlig neue Erfahrung für mich ist, vor allem deshalb, weil ich imer mit einer Menge Leute im Studio bin. Ich kann mich eigentlch gar nicht erinnern, jemals allein im Studio gewerkt zu haben. Wenn ich gute 10 Jahre zurückdenke, zu meinem letzten Album zum Beispiel, dann erinnere ich mich sehr gut an ein Cover von einem Stevie Wonder Song names „Overjoyed“, den wir damals gemacht haben und wir hatten Sessions mit Streichinstrumenten. Das war eine ganz große Sache für mich, weil ich noch nie eine solche Erfahrung mit Streichinstrumenten gemacht hatte. Es hat eine Menge Spaß gemacht und war sehr emotional für mich. Wir waren gute 4 oder 5 Stunden im Studio und bei jedem neuen Take, den wir aufnahmen, hatte ich Tränen in den Augen. Es ist ein solch grundlegender Untertschied, ob wir das Ganze mit Plug-Ins machen oder live eine solche Energie wie bei 5 gleichzeitig spielenden Musikern mit Geigen, Violinen, Chllos usw. spielen zu hören. Es hat einfach ein unglaubliches Feeling und das hat die Overjoyed Sessions sehr. Auch eine prägnante Erfahrung war es Cleveland Watkiss aufzunehmen, er hat eine tolle Stimme.

Bei einem weiteren Lied namens „Made in Bahia“ hatte ich eine der besten Zeiten meines Lebens. Ich hatte schon auf dem Hinweg die Idee, die in Bahia sehr beliebten „Afro Drums“ aufzunehmen. Die sind quasi der charakteristische Rythmus der Stadt – ihr Herzschlag sozusagen. Ich fuhr also mit MC Fats und Cleveland Watkiss dorthin, was für die beiden auch eine tolle Erfahrung war, weil sie noch nie zuvor in Bahia waren. Wir trafen dort auf diese Gruppe von 18 Kindern, genannt „Cortego Afro„, die so eine Art Orchester aus Kickdrums, Shakern, Cabassas und so weiter sind und arbeiteten mit Ihnen. Es war eine unvergessliche Erfahrung, vor allem weil zu dieser Zeit in Bahia so viele andere Erlebnisse und Einflüsse hinzukamen, die uns alle sehr berührt haben. Der Vibe war einfach intensiv und wir alle fühlten das. Es war grandios.

www.music-news.at: Du bist nun schon seit über 2 Dekaden DJ, wie haben sich in deiner Meinung nach die lokalen Szenen in Brasilien und Europa verändert und was macht diese beiden so weit von einander entfernten Szenen aus?

Patife: Verändert hat sich einfach alles. Für mich selbst ist das in gewisser Weise schockierend. Für mich ist die Kluft die sich aufgetan hat sehr hart aufzunehmen. Auf der einen Seite ist die Veränderung gut, weil Sie dem Drum and Bass auf eine neue Ebene gebracht hat, die es vorher so nicht gab. Auf der anderen Seite ist da ein völlig neues Segment an Produzenten, über deren Qualität und Talent ich nur sehr wenig sagen kann. Einem Großteil der Musik heutzutage fehlt einfach sehr deutlich die Essenz, nach der man als Musiker doch eigentlich strebt, wobei ich hierbei hauptsächlich kommerzielle Musik meine.

Wenn man sich jedoch die kleinen Labels und Produzenten anschaut, die mit ganzem Herzen hinter der Sache sind, merkt man doch dass da noch ganz schön viel qualitativ hochwertige Musik rauskommt. Man nehme nur meine geliebten Wiener Kollegen Jay Rome und Paul SG, deren Labels Blu Saphir und Jazzsticks haben konstant einen hochwertigen Output. Ich finde jedoch auch, dass wir in einer der besten Zeiten für Dance Music leben, sei es im Drum and Bass, House, Progressive, Deep und so weiter, weil jetzt die frühen Pionioere „alt“ geworden sind und sehr viel neue Erfahrung haben, mit der wir nun auf das nächste Level gehen können.

Ich sehe mich als Teil der zweiten Generation der elektronischen Tanzmusik und die Pioniere, von denen ich selbst schon ein Anhänger war, sind natürlich eine Nasenlänge voraus, was innovative Musik angeht. Wenn ich darauf zurückblicke,was wir schon alles getan haben und mir die jetzige Situation ansehe, gehe ich mit große Optimismus in die Zukunft und fühle Inspiration und Stolz mit dabei sein zu können. Für mich selbst habe ich erkannt, welchen Weg ich in meiner Karriere und in meinem persönlichen Leben einschlagen möchte und ich hoffe, dass ich bis an mein Lebensende fähig sein werde, das zu tun, was ich so sehr liebe – das Musikmachen. Solange ich ein klein wenig dabei bekomme um mich selbst durchzubringen, bin ich sehr glücklich damit und würde nichts ändern wollen.

Marky und Patife – Brasiliens DJ Duo Infernale

www.music-news.at: Du bist ein langjähriger Freund von DJ Marky, Ihr wart auch gemeinsam auf Tour durch Europa. Wie und wann habt Ihr Euch kennen gelernt?

Patife: Wie bereits vorhin erwähnt hatten wir unsere ersten Treffen in de Recordshop, in dem er arbeitete . Ein paar Jahre später, so um ’95 als Jungle gerade geichzeitig in Europa und Brasilien aufkam, hatte ich etwas mit einem Mädchen, das quasi seine Nachbarin war und so trafen wir uns öfter und er nannte mich seinen Nachbarn, wenn er mich traf oder von mir sprach und wenn wir uns sahen sagte er immer spaßhalber „Kuck, das ist der Typ der mir in meinem Gebiet Konkurrenz macht.“ Das war um die Zeit herum, als ich meine erste Residency bekam und unsere „Gebiete“ waren weit voneinander entfernt, da Sao Paolo eine Riesenstadt ist. Ich war von der „South-Crew“ und er von der „East-Crew„. So bauten wir diese Drum and Bass Community in Sao Paolo auf, die den Unterschied kannte zwischen dem East und dem South Drum and Bass Style.

Wir waren bereits auf täglicher Basis mit der Musik konfrontiert und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich mehr Connections auftaten. Marky war derjenige, der wusste wie er zu den notwendigen Kontakten in Europa und Amerika kommen konnte und baute Beziehungen auf, indem er für uns Magazine und Platten über befreundete Flugzeugbegleiter/innen bestellte. Er bestellte kleine Kontingente von 2, vielleicht 5 Magazinen nur für uns. Magazine wie DJMag, Jockeyslut und so. Das war alles was wir hatten um an die neuesten Innovationen und Track-Quellen zu kommen.

Eines Tages sagte ich zu ihm, wir sollten nach London reisen und diesen Traum ausleben. Kurze Zeit später lernten wir Adrian kennen, der gerade bei einem sozialen Projekt in Sao Paolo arbeitete. Das war unsere erste Verbindung nach England. Ich bekam einen Anruf von Marco, in dem er mir mitteilte, dass ich sofort zu ihm in den Shop kommen sollte, denn er hätte einen Engländer bei sich, der gerade in den Shop gestolpert sei und Jungle und Drum and Bass mache. Ich machte mich sofort auf den Weg und wir waren uns vom ersten Moment an sympathisch.

Etwas später, als er wieder in England war, schrieb ich Ihm einen Brief, in dem ich Ih mitteilte, dass ich und Marky planten im August nach London zu reisen. Das war 1997. Der Brief brauchte einen Monat bis er ankam und die Antwort einen weiteren. Dann hatte ich jedoch seine Telefonnummer und konnte mit Ihm telefonieren. Internationale Anrufe waren extrem teuer zu dieser Zeit, vor Allem in Brasilien. Wir fixierten die Details und trafen uns schlussendlich in Brüssel, da er dort seine Mutter besuchte und fuhren von dort mit dem brandneuen Eurostar Zug, der gerade mal 2 Wochen in Betrieb war. Ich selbst bin ein großer Fan von den verschiedensten Transportmitteln und mit diesem neuen Zug zu fahren, den Geruch des frischen Materials zu riechen und das noch so schöne unabgenutzte Innenleben zu sehen, war eine wirklich coole Erfahrung für mich.

2 Stunden nachdem wir in London angekommen waren, trafen wir gleich auf Goldie, der wiederrum total begeistert war uns kennen zu lernen und uns gleich erzählte, er spiele in 2 Monaten auf einem großen Jazz Festival in Brasilien und würde sich freuen dort bekannte Gesichter zu sehen. Ich selbst konnte kein Wort Englisch zu der Zeit und so war Adrian unser Übersetzer, da er auch gut Portugiesisch beherrschte. Ich denke die Summe all dieser Erlebnisse waren so quasi der Funke der die Freundschaft zwischen mir und Marko entzündet und auch gleichzeitig das gemeinsame Fundament unserer Freundschaft gebildet hat. Ich bin auch sehr gut mit seiner Familie befreundet und besuche Mrs. Da Silva immer wenn ich kann – sie ist eine ausgezeichnete Köchin.

www.music-news.at: Wen würdest du als die Schlüsselfiguren im Drum and Bass sehen – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart?

Patife: Auch eine sehr schwierige Frage. Wir haben derzeit so viele Leute, vor allem in Sao Paolo, die großartige Musik machen. Aber ich glaube einer sticht für mich persönlich sehr heraus, ein Artist namens L-Side. Sein Sound macht mich verrückt und berührt mich sehr. Er kommt ebenfalls von der Hip Hop Schiene, aber sein Musikgeschmack und sein Wissen ist unglaublich vielseitig. Ich habe auch gerade erst ein paar Tunes von einem Artist namens Andy Sim bekommen, die auch sehr fresh sind. DJ Chef von Kool.fm gab mir einen Ordner mit einer Menge Musik drin, in dem ebenfalls seine Werke drin waren und sie waren für mich die absolut besten aus der Selection. Die Sachen, die Command Strange in letzter Zeit so machen sind ebenfalls der Wahnsinn meiner Meinung nach und ein neuer Track von Riya mit Total Science und Frank Carter H III ist ebenfalls einer meiner derzeitigen Favoriten. Selbstverständlich wieder zu erwähnen die Sachen die auf Blu Saphir und Jazzsticks rauskommen sind großartig.

In Retrospektive denke ich gab es so viele Leute die großen Einfluss auf die Szene hatten. Den größten Einfluss auf mich hatte Peshay. Er war für mich der erste der Jazz in Drum and Bass inkorporierte. Wenn es um Jungle geht würde ich sagen könnte ich wohl jeden Einzelnen nennen, da mich jeder Track dazu bringt mich wieder wie 16 zu fühlen und verfalle ins Headbangen. Ansonsten Suburban Bass Records, Moving Shadow, Reinforced, die waren es die alles entfachten, im musikalischen Sinne. Ich liebe den Track „Universa Love“ – ich kriege sogar jetzt Gänsehaut wenn ich ihn in meinem Kopf höre. Der ist auch schon 20 Jahre alt – wow! LTJ Bukem, Marcus Intalex, Calibre, High Contrast. Ich denke an einem Punkt waren dreißig Prozent meines Sets High Contrast und Hospital Tracks. Es gibt einfach so viel, Drum and Bass ist reich, einfach reich. Man kann nie alle nennen, die es verdient hätten. Es ist einfach eine große Familie , all das und jeder fühlt das. Es erfüllt mich mit Stolz ein Teil dieser globalen Familie zu sein.

Karneval, World Cup, London und DJ Patife mittendrin

www.music-news.at: Was war dein schönster Moment bei deinen Auftritten?

Patife: In Bahia – zur Karnevalzeit im Februar/März. Wir haben da diese große Parade mit einem endlos langen Zug an Menschen der den Strand entlang zieht für 6 oder 7 Stunden. Es ist wirklich ein riesiges Event mit sicher 2 Millionen Besuchern. Tausende Teilnehmer pro Truck. 2006 haben ich Marky und Fatboy Slim das erste „Trio Electrical DJ“ gemacht bei der Parade und wir waren quasi der Startschuss der Parade. Der Manager kam zu uns und fragte wer denn anfängt zu spielen und ohne es vorher abgesprochen zu haben zeigten Fatboy Slim und Maerky beide gleichzeitig auf mich und sagten im Einklang“Patife!“. Also wurde ich zum Initiator der Parade.

Ich spielte als Erstes den Overjoyed Remix von Makoto. Ich werde es nie vergessen. Ich nahm das Mikrofon und sagte „S-S-S-S-Soundcheck…Test Test. EY! Whos ready for some music right now?“ und es stieg ein unglaublicher Aufschrei aus der Menge auf. Und als ich die ersten Töne anspielte wurde das Gebrüll aus der Crowd noch lauter und wilder und als dann die Beats einsetzen – Mann, einfach unbeschreiblich! Ich sehe es noch immer vor meinem inneren Auge – zu meiner Rechten – der Strand, überall um uns Kameras aus der ganzen Welt – und, als ich nach links sah, waren da zwei gute Freunde und Bono von U2 die auf einem VIP Dach standen. Ihn lernte ich später auch noch kennen. Es war einfach unglaublich!

Das erste Mal in Japan war auch eine schöne Reise, nicht zuletzt, weil für uns in Brasilien Japan so weit entfernt ist und wir Japaner immer als sehr weit voraus ansahen. Sie stellen ja neben den Deutschen und Italienern eine der größten Gruppen in Brasilien dar. Wir eröffneten den World Cup zusammen mit Nike. Das war 2002.

Natürlich war der erste Auftritt in London, zusammen mit Bryan Gee, Roni Size, LTJ Bukem und so vielen Anderen ein prägendes Ereignis. Es waren kleine Auftritte, aber das, was zählte war der Vibe! Es machte keinen Unterschied, ob die Party mit 10 oder 10000 Leuten lief, es hat immer Spaß gemacht. Die echten Liebhaber waren immer da. Es war natürlich schlecht für die finanzielle Seite, für die Promoter etc. aber es war gut für Herz und Seele. Man weiß ja auch nie was die Zukunft bringt – vielleicht haben wir schon morgen wieder 10000 Leute auf einer Party.

www.music-news.at: Dein liebster Drum and Bass und Non-Drum and Bass Track?

Patife: Einer? Du musst mir mindestens zehn geben! Na gut, es gibt ein Lied von Peshay „Mind Games“. Jedesmal wenn ich dieses Lied höre, weine ich, lache ich, wenn ich traurig bin werde ich noch trauriger. Dieser Track hat es mir einfach angetan und berührt mich auf einer eigenen Ebene. Non-Dnb Track würde ich sagen Alicia Keys mit „You Don’t Know My Name“. Alicia ist meine Queen. Die Frau meines Lebens!

www.music-news.at: Du hast schon mit so vielen Größen wie Stamina, Marky, Makoto, Cleveland Watkiss um nur ein paar zu nennen, gearbeitet – Gibt es jemanden, mit dem du noch unbedingt gerne arbeiten würdest?

Patife: Calibre!

www.music-news.at: Irgendwelche Tipps für zukünftige Produzenten und Musiker?

Patife: Liebe, Liebe, Liebe und Liebe und mehr Liebe! Liebe deine Musik. Liebe die Leute um dich herum, liebe dein Equipment, deinen Lernprozess. Wir sind im Informationszeitalter, alles ist auf Youtube – schau ein paar Youtube Videos, lern wie du deine Drums verbesserst, deinen Mixdown, deine DJ Skillz. Liebe ist eine Kraft, die dich überall hin bringen kann. Pack einfach ein bisschen Respekt oben drauf und bleib auf jeden Fall authentisch! Folge nicht dem Hype, denn dieser ist zu kurzlebig und nicht beständig. Wir brauchen derzeit jemanden mit total ausgeflippten Ideen, also wenn du gerade 15, 16 bist, dann schnapp dir die Knobs und Buttons und dreh und drück sie bis sie den seltsamsten Ton herausbringen, den wir jemals auf diesem Planeten gehört haben!

DJ Patife – Eine Legende aus Brasilien

Wenn man Wagner Borges Ribeiro de Souza gegenüber sitzt und sich seine Storys hautnah aus seinem Mund anhört, schwingt dabei eine solche Energie und Leidenschaft und so viel Emotion mit, dass mir heute noch das freudige Grinsen im Gesicht steht. Vor allem wenn man die Geschichte zu seiner ersten Fahrt mit einem großen Bus hört und dokumentiert durch ein iPhone Video lernt, wie viel Spaß jemand daran finden kann. Vielleicht ist es sein brasilianisches Blut oder einfach Leidenschaft zu seiner Profession – auf jeden Fall ist es ansteckend! Jeder sollte mal in den Genuss kommen ihn live zu erleben, denn nur dann kann man die Musik mit so viel Gefühl wie er erleben.

Wem der Artikel Lust auf mehr gemacht hat der kann sich hier weiter informieren und sich den legendären brasilianischen Groove aus der Ferne geben:

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Paul SG, DJ Patife, Jay Rome

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