Er tüftelt an warmen ausgereiften Instrumentalen und bereichert nicht nur die Hip-Hop-Szene Österreichs.

Heute widmen wir uns keinem Rapper, sondern beleuchten die andere Seite der Medaille und beschäftigen uns mit der Produzenten-Ebene. Die Beatbastler sind meist nur im Hintergrund aktiv und stehen nicht so in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel die amerikanischen Kollegen.

CJToxic, seit 2005 aktiv, ist ein versierter und facettenreicher Produzent aus Wien, der definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Der Künstler produziert tagtäglich für namhafte Rapper und hat ziemlich gute Referenzen vorzuweisen, wie z.B. EMC aus Wien und BOZ, Manuellsen, Eko Fresh, Du Maroc, Sadiq, SinanG, Majoe, Kay One oder Automatikk aus Deutschland. Aus diesem Grund haben wir dem Instrumentalisten ein paar Fragen zukommen lassen.

Hinter der Kulisse

music-news.at: Wie hast du das Produzieren erlernt? Warst du vorher schon musikalisch aktiv, das heißt gab es einen Background?
CJToxic: Mein Cousin und ein Freund von ihm haben damals auf dem Programm FT 2 (Fasttracker 2) Jungle, Hardcore und Gabba, also elektronische Musik, produziert und das fand ich damals hoch interessant. Ich dachte mir, das will ich auch können, und habe mich entschlossen, das Produzieren Schritt für Schritt zu erlernen, um meine eigenen Tracks zu kreieren. Ich habe mir alles Stück für Stück selber beigebracht und mich jeden Tag damit 24/7 beschäftigt. Damals gab es leider keine Youtube-Tutorials, wie es heute der Fall ist, und somit war alles „learning by doing“. Liebe Grüße an die Jungs.

music-news.at: Die gute alte Schule also. Mit welcher DAW arbeitest du denn?
CJToxic: Ich arbeite am liebsten mit FL Studio und diversen Plugins.

music-news.at: Nenne uns bitte deine drei Fruity Loops Lieblings-Plugins:
CJToxic: Kontakt von Native finde ich sehr vielseitig, außerdem sind diese sehr gut von der Qualität der Sounds. Meine drei Faves sind:

*Kontakt Plugins
*Gladiator2 von Tone2
*Nexus von Refx

music-news.at: Schenke uns eine Lebensweisheit.
CJToxic: Ein guter Freund und Rapper aus Frankfurt namens „Secandar“ rappte mal auf einem Track: „Egal ob Arm oder Reich, Schwarz oder Weiss, Tod sind wir alle gleich.“ Auf jeden Fall sehe ich das genauso wie er, sei gegrüßt mein Frankfurter Freund.

Referenz

Den Track „Gerüchte 2.0“ hat CJToxic in Zusammenarbeit mit Freshmaker & Joznez produziert.

music-news.at: Wie ist deine Meinung zu Ghost-Producing?
CJToxic: Ich kenne einige namhafte HipHop Produzenten in Deutschland, die um jeden Preis an einer Produktion beteiligt sein wollen – selbst, wenn sie nur eine Kick oder eine Hihat geändert haben. Ich finde diese Art von Ghost Producing peinlich und respektlos gegenüber der Arbeit vieler Produzenten, die mit Herz und Seele dabei sind und für die künstlerischen Werte einstehen.

music-news.at: Wie kann die Deutschrap-Szene erreichen, dass die Produzenten eine erhöhte Wahrnehmung erhalten wie es zum Beispiel in den USA oder in Frankreich der Fall ist?

CJToxic: Indem alle Deutschrap-Produzenten die Arbeit niederlegen und Streiken würden. (lacht) Dann, denke ich, würden die Deutschrapper begreifen, wie wichtig wir Produzenten für deren Erfolg eigentlich sind.

Future

music-news.at: Wo siehst du die Szene in zehn Jahren?
CJToxic: Also in zehn Jahren sehe ich da keine große Veränderung zu heute. Mich würde eher interessieren, wie sich die Szene und generell die Musik in 100 Jahren weiter entwickeln wird.

music-news.at: Okay Stichwort 100 Jahre – wie kann sich Musik noch weiter entwickeln, was würdest du dir wünschen? Wie viele verschiedene Stile können sich überhaupt noch entwickeln?
CJToxic: Bekanntlich muss heute ja alles schneller voran gehen. Manche Leute sind sogar von Intros in Beats oder von Songs genervt, die sie vorspulen müssen. Diese Entwicklung finde ich einfach krank und beschämend. Das Gefühl, Musik zu genießen, verschwindet mit der Zeit immer mehr. Ich denke in 100 Jahren wird es keine Alben mehr geben, sondern nur noch digitale einzelne Songs von dem jeweiligen Star oder Trendsetter, der im Moment von der Masse gefeiert wird. Ich denke es wird jede Menge neue Instrumente geben und dadurch wird es auch jede Menge neuer Musikstile geben. Jeder wird Musik produzieren können, ohne jegliches Wissen zu besitzen. Ich würde mich gerne dahin beamen und mir wünschen, es einmal erleben zu können.

Der Song „Syrien“ von BOZ bezieht Stellung und blickt ein bisschen „Dahinter“, arrangiert und produziert wieder mal von CJToxic.

music-news.at: Welche drei Dinge nimmst du mit auf eine einsame Insel?
CJToxic: Auf jeden Fall einen Hubschrauber, jede Menge Geld und einen endlosen Spritvorrat. Ich will da nicht lange bleiben. (lacht)

music-news.at: Was ist das Peinlichste, das du je erlebt hast?
CJToxic: Es sind einige peinliche Sachen in meinem Leben passiert, die mir zum Glück im Moment nicht einfallen. Nächste Frage bitte. (lacht)

music-news.at: Nenne uns deine Top5 Worldwide Producer und begründe das kurz.
CJToxic: Scott Storch, Sven Väth, Danja, Gregor Tresher und Quincy Jones. Unabhängig vom Genre sind das für mich die Produzenten, die ihren eigenen Sound erschaffen und konsequent weiter geführt haben.

music-news.at: Lieblingszahl?
CJToxic: Meine Lieblingszahl ist die „Drei“, da ich im dritten Wiener Gemeindebezirk geboren und aufgewachsen bin und mich gerne an die Zeit erinnere.

music-news.at: Lieblingsfilm(e)?
CJToxic: Ich bin ein absoluter Film-Freak, der sehr viel Zeit in dieses Hobby investiert. Da gibt es sehr viele, aber jetzt auf die Schnelle würde ich sagen:

*Zurück in die Zukunft 2
*Die unendliche Geschichte
*Blow
*Catch me if you Can
*Das Waisenhaus

music-news.at: Glaubst du an (einen) Gott? Wenn ja, an welchen und warum?

CJToxic: Ja, ich glaube an meinen Gott. Nicht unbedingt an genau das, was in den Büchern geschrieben steht, aber es gibt definitiv jemanden, der auf uns aufpasst und der alles um uns herum erschaffen hat.

music-news.at: Wie lautet dein Tipp, um als Newcomer im Business wahrgenommen zu werden?

CJToxic: Um dir das zu beantworten, muss ich selbst erst mal richtig wahrgenommen werden.

music-news.at: Dankeschön für deine ehrlichen Worte

CJToxic: Vielen Dank für das Interview und alles Liebe, CJToxic.

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