Constantin Luger ist Musiker, Moderator und Tattoo-Liebhaber. Sein musikalisches Schaffen als breit gefächert zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Der Begriff schizophren könnte einem in den Kopf kommen.

PARADOX: Deine Werke reichen von Rock’n’Roll und Country bis zu klassischer Musik. Lässt sich das miteinander vereinbaren?

Das ist de facto eine Frage, die mich seit den Anfängen meiner Studienzeit beschäftigt hat – gerade in der klassischen Musik ist die Toleranz gegenüber anderen Genres sehr gering.
Am Ende bleibt jedoch die Musik, und ich denke, dass es – fast – völlig irrelevant ist, welche Art von Musik man interpretiert, solange man mit dem gebotenen Respekt an diese Kunstform herangeht.

PARADOX: Wie darf man sich deine Platten- oder CD-Sammlung vorstellen?

Ich bin zugegebenermaßen kein großer Plattensammler.
Meine Sammlung kann ich quantitativ sehr genau beschreiben, weil ich – außer einigen Jazz- und Klassikplatten – alles in iTunes importiert habe, es sind etwa 500 Alben.
Was die qualitative Frage betrifft, so besitze ich zunächst mal alles, was jemals von Johnny Cash erschienen ist, und arbeite an einer ähnlichen Sammlung von Bruce Springsteen.
Ansonsten ist eigentlich alles dabei, was mich in den letzten Jahrzehnten besonders angesprochen hat. Natürlich Singer/Songwriter wie Leonard Cohen, meine Jugendidole Guns N’ Roses, aber auch eher non-Mainstream wie Stevie Ray Vaughan oder Emerson, Lake and Palmer.

PARADOX: Auch vor einem Disco-tauglichen Remix scheust du nicht zurück. Gibt es Musikrichtungen, die du meidest?

Ich bin grundsätzlich – und damit darf ich auf die erste Frage zurückkommen – keiner Musikrichtung gegenüber ablehnend eingestellt.
Das oben genannte „fast“ bezieht sich auf Dinge, denen sich mein musikalischer Verständnishorizont nicht unmittelbar öffnen möchte. Konkret: Eine belanglose „alles happy“-Berieselungsmusik ohne künstlerischen Anspruch oder Aussage zu verbreiten, jedoch gleichzeitig die dadurch erworbene Massenreichweite zu verwenden, um die eigene – teils fragwürdige – politische und soziale Meinung an den Mann – und weniger an die Frau – zu bringen.

PARADOX: Wie man unschwer erkennt, hast du nicht nur eine Tätowierung – welche ist deine neueste?

Ich habe mir gerade „Sexy Motherfucker“ auf den Bauch schreiben lassen. Ich glaube, dazu ist kein weiterer Kommentar notwendig.

PARADOX: Es gibt nicht viele, die es so wie du schaffen, von der Musik zu leben. Lässt dir dieses Leben noch Freizeit?

Es ist für mich fast ein Genuss, endlich auf diese Frage öffentlich antworten zu dürfen.
Die vorherrschende Meinung eines Großteils der regulär berufstätigen Menschen in meinem Umfeld ist nämlich, dass man als Berufsmusiker am Wochenende „ein Bissi singt und spielt“, dazwischen ein paar kühle Drinks und heiße Drogen zu sich nimmt und dann, sagen wir bis zum nächsten Donnerstag, den Herrgott einen guten Mann sein lässt und die Woche verschläft. Dazu bekommt man natürlich noch Unsummen an Gagen und Tantiemen bezahlt, kann sich in der aktuell hervorragenden Wirtschaftssituation kaum vor Auftrittsangeboten retten und von den Plattenverkäufen geht sich locker die dritte Rolex aus.
Die Realität sieht aus wie bei jedem anderen, der in Österreich schon mal versucht hat, sich als selbstständiger Unternehmer seinen Lebensunterhalt und vielleicht noch einen kleinen Wohlstand zu verdienen: Booking, Kundenbetreuung, Steuer, Buchhaltung, Website, Social Media, Fahrtkostenabrechnung, Tourplanung, Flugtickets buchen, und dazwischen hoffentlich noch künstlerisch kreativ sein und neue Songs schreiben und aufnehmen, Probe mit der Band, Pressetermine, Plattenfirmen, Radios.
Dann am Wochenende noch zwei bis drei hoffentlich akzeptabel bezahlte Auftritte inklusive der eigenen Kosten für Anreise, Sozialversicherung, Eigenwerbung, Klamotten, Equipment et cetera. Das alles soll keineswegs als Beschwerde über mein Leben oder meinen Tagesablauf zu verstehen sein, sondern einfach nur als Denkanstoß für den einen oder anderen, der denkt, dass die Gagenforderungen von Künstlern überzogen sind, wie das beispielsweise mancher Veranstalter gerne in Preisverhandlungen zu verstehen gibt.
Ich weiß sehr wohl, dass die Gastronomie auch kein leichtes Geschäft ist, aber ganz ohne eigenes Zutun sollte der Mehrwert einer Unterhaltungsveranstaltung einfach nicht zu haben sein.

PARADOX: Gibt es Tage, an denen du dir einen völlig normalen 9 to 5 Job wünschst?

Nein, niemals. Ich kann mir aktuell kein anderes Leben vorstellen – das soll aber nicht heißen, dass ich nicht irgendwann Schafe in Island züchte.
Einen regulären Job werde ich hingegen wohl nie herbeiwünschen oder annehmen. Das soll keinesfalls als Respektlosigkeit gegenüber normal berufstätigen Menschen zu verstehen sein, es ist nur einfach mein Bestreben, für mich selbst verantwortlich zu sein, und weder von fixen Bürozeiten noch von stundenlangen Pendlerstaus eingeschränkt leben zu müssen.

PARADOX: Deine neue Single ist am Start – wird auch ein Album kommen? Was hast du für den Rest des Jahres und für 2017 geplant?

Ich darf mich zurzeit über meine Buchungssituation und den Anklang beim Publikum als Livemusiker wirklich freuen.
Gleichzeitig bin ich, was die Produktion meiner Songs betrifft, leider an eine Grenze gestoßen. In den letzten Monaten konnte ich gute Kontakte zur Industrie und zu den Medien knüpfen, und feststellen, dass man mir und meinem Schaffen dort durchaus wohlwollend gegenübersteht. Meine Songs wären gut, die Texte teils ausgezeichnet – auch die Musikvideos, produziert von meiner Frau, die ebenfalls als Künstlerin und mit einer Multimediaagentur selbstständig ist, stoßen auf überaus positive Resonanz. Jedoch fehlen mir nach einhelliger Meinung die Skills betreffend Produktion und Arrangement, um alles auf ein aktuelles Niveau bezüglich großer Labels und Radiotauglichkeit zu bringen. Meine durchwegs selbst produzierten Songs klingen nicht mehr zeitgemäß, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Zeit meines eigenen Studios schon zehn Jahre vorbei ist. An der Art und Weise zu produzieren und an den Sounds hat sich in der Zwischenzeit so gut wie alles geändert. Die Konsequenz daraus ist, dass ich aktuell auf der Suche nach einem/r Produzenten/in bin, der/die am Puls der Zeit aktuelle Sounds produziert und mit dessen/deren Hilfe meine Songs und Projekte einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden können. Dann wird es 2017 auch weitere Singles und ein neues Album geben, Material ist jedenfalls genug vorhanden.

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