Johnny und Flo mischen die Dancehall-Szene kräftig auf und stehen doch erst am Anfang

Das Motto der beiden ambitionierten Dancehall Produzenten und DJ’s Johnny Rockswell und Flo lautet Dancehall ah we everything. Das Duo gründete sich erst Mitte 2014 um gemeinsam kreative und zeitgenössische Dancehall Produktionen zu veröffentlichen. Bereits mit ihren ersten Veröffentlichungen sorgten sie sogar außerhalb der Szene für Furore, machten sich schnell einen Namen und drückten der Welt ihren Stempel auf.

Ihr erster Release, der Sunscreen Riddim schaffte es sofort auf die Spitzenposition der deutschen Reggae Charts. Mitte 2015 folgte eine deutschlandweite Clubtour. Das Gespann ist zwar erst seit knapp zwei Jahren zugange, aber aus dem Dancehall-Kosmos nicht mehr weg zu denken. Sie durften bereits eigene Single & Riddim Produktionen mit Größen wie zum Beispiel Beenie Man, Elephant Man, Vybz Kartel, T.O.K. Jah Vinci, Voicemail, D-Flame oder Gappy Ranks und vielen weiteren Artists veröffentlichen. Nebenbei werfen sie auch regelmäßig neue Mixtapes in das Netz und veranstalten Events in Mannheim und Umgebung.

Da wir hier zwei interessante Leute ausfragen durften, präsentieren wir euch ein Mega-Interview, an dem ihr viel über die Menschen hinter den Musikern erfahren könnt.

Interview

music-news.at:Seit wann macht ihr Musik, wie hat alles begonnen?
Johnny Rockswell:Gemeinsam machen wir seit April 2014 Musik. Wir haben uns davor in Mannheim kennengelernt, als Flo bei Dancehallevents aufgelegt hat. Ich habe ihn einfach gefragt, ob ich auch mal bei einer seiner Veranstaltungen spielen kann. Ich hatte davor schon aufgelegt und Dancehall gehört, kam frisch aus Kenia zurück und wurde dort dann wirklich final infiziert. Dort läuft an jeder Straßenecke, im Bus und im Club sowieso Reggae und Dancehall. Der positive Vibe der Musik steckt jeden an und so war für mich klar, ich muss damit weiter machen. Flo ist der beste DJ in Mannheim, das hatte ich schon herausgefunden. Deswegen wollte ich mit ihm zusammenarbeiten. Ich produzierte zum Spaß ein paar Riddims und schickte sie ihm. Der Sunscreen Riddim gefiel ihm so gut, dass wir uns direkt trafen, Flo alle Artists aus seinem Netzwerk anschrieb und wir tatsächlich 16 Songs zusammen bekamen.

Den Namen „DancehallRulerz“ hatte Flo schon davor als Hashtag benutzt, ich fand ihn stark und wir haben ihn einfach übernommen. Wir hatten so viel Spaß an der Arbeit und ähnliche Ziele, sodass wir beschlossen hatten, ein Team zu werden. Wir flogen zusammen für einen Monat nach Jamaika, was eine sehr aufregende Zeit war. Dort nahmen wir sehr viele Künstler auf und gaben noch mehr Geld aus. Die Resultate sind auf dem Way Up Riddim und den kommenden Riddims zu hören. Für Liveauftritte war für mich klar, dass Flo auflegen muss, da kann ich ihm einfach nur bedingt das Wasser reichen. Also blieb für mich die Rolle des MC’s. Da ich als Johnny Rockswell zuvor schon Bühnenerfahrung als Rapper gesammelt hatte, war es für mich kein komplettes Neuland. Wir übten ein paar Mal und gingen auf Tour, am Ende gab es viele Komplimente und ich musste sogar ab und zu für fremde Soundsysteme MCen, wenn ihre eigenen MC’s zu besoffen waren.

Flo:Als mir Johnny kurze Zeit später eine Riddim Produktion von sich rüberschickte, war für mich klar das man das Potential nutzen muss. Ich habe anschließend meine Kontakte zu Artists, die ich bereits von meiner ersten Jamaika Reise hatte, angefragt und auch sie waren sehr von der Produktion überzeugt. Wir hatten von Anfang an einen super Vibe, Spaß an der Sache und so haben wir uns entschieden, als „DancehallRulerz“ Dancehall zu produzieren und aufzulegen. Johnny war schon zuvor als Rapper unterwegs und hatte daher eine gewisse Routine am Mic. Mitte 2015, kurz nach unserer Way Up Riddim Veröffentlichung, gingen wir auf Deutschland Tour und spielten unsere ersten gemeinsamen Shows. Die Reaktion der Crowd und das Feedback der Veranstalter war so positiv, dass wir uns entschieden haben auch als „Soundsystem“ weiter aktiv zu sein.

music-news.at:Auf welchen Solopfaden seid ihr vor eurem Zusammenschluss entlang gewandert?
Johnny Rockswell:Ich habe wie gesagt als Rapper Johnny Rockswell eine steile Karriere hingelegt. Nein Spaß, das ist nach wie vor mein Herzensprojekt, ich bin zur Zeit auf der Suche nach einem passenden Label für mein erstes Soloalbum. Sonst habe ich als Posaunist für verschiedene Bands gespielt, als DJ in Clubs und für Businessevents aufgelegt und viele, viele Songs geschrieben.
Flo:Angefangen aufzulegen habe ich mit „Banana Sound“, welchen ich damals mit einem guten Freund gegründet habe. Kurze Zeit später traten wir in einem „Soundclash“ gegen „Convict Sound“ an, welchen wir verloren. Janis, der damalige MC von „Convict Sound“ war jedoch von meinen DJ Skills so überzeugt, dass er mich gefragt hat, ob ich nicht auch mit ihnen auflegen möchte. Von da an bin ich mit „Convict Sound“ durch ganz Deutschland und halb Europa gezogen, habe mit „Banana Sound“ aber weiterhin Events in Mannheim und der näheren Umgebung veranstaltet. Später ist Janis zu „Sentinel Sound“ gegangen und die restlichen Mitglieder haben sich entschlossen den Sounds nicht weiter zu spielen. Von da an habe ich meinen Fokus wieder voll auf „Banana Sound“ gelegt und Dancehall Events in ganz Deutschland aufgemischt.

Dancehall Rulerz Live, (c) Fotonoid

Dancehall Rulerz Live, (c) Fotonoid

music-news.at:Schenkt uns bitte jeweils eine Lebensweisheit?
Johnny Rockswell:Eminem trifft es in Lose Yourself sehr gut: „You only have one shot, do not miss your chance to blow. This opportunity comes once in a lifetime.“ Wenn du die Chance bekommst, etwas großartiges zu tun, dann tu es sofort.
Flo:„Time will tell“ – du weist nie, was die Zukunft bringt. Doch die Zeit wird dir alle Antworten geben

music-news.at:Wo siehst du die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen könnten sich ergeben?

Johnny Rockswell:Ich bin 26, in 50 Jahren bin ich 76, wenn ich überhaupt noch lebe. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Vielleicht sind Musiker dann wieder Gaukler und Penner. Ich weiß nur eines: Menschen werden immer feiern, sie werden immer saufen und dazu brauchen sie Musik. Gerade ist es wahrscheinlich wirtschaftlich gesehen cleverer, einen Getränkehandel aufzumachen, als Musik zu schreiben. Dennoch – das eine funktioniert ohne das andere nicht, dass wird sich nicht ändern und ist schon immer so gewesen. Auf welchem Revenuestream der Musiker nun sein Geld in 50 Jahren verdienen wird, kann heute niemand voraussagen. Wie viel Musik den Menschen wert sein wird, ist auch unklar. Die 90er sind vorbei, auf einen Goldrausch stelle ich mich nicht ein. Trotzdem wird es einen Weg geben, 2066 Geld mit Musik zu verdienen.

Flo:„Time will tell“. Das ist eine sehr schwierige Frage, die niemand sicher beantworten kann. Vor zehn Jahren gab es noch Viva und MTV im Fernsehen, heute gibt es YouTube.  Die Musik, ihre Industrie und die Medien, über die Musik konsumiert wird, entwickeln und ändern sich rasend schnell. Ein Trend folgt dem nächsten und auch die technische Entwicklung tut ihr übriges. Musik hat es in unsere Kultur schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben. Eine entscheidende Frage ist jedoch wie sich die Wertschätzung für Musik entwickelt und wie Musik von den Hörern konsumiert wird.

Ich denke, dass sich der Streaming Trend etablieren wird, viele Künstler Musik nur noch als Promotion für ihre Live Auftritte produzieren und Musik immer visueller wird. Seit Jahren genügt nicht mehr nur eine Audio, es werden Musik Videos erwartet und auch live wird sich einiges in der Richtung entwickeln.
Ich hoffe jedoch sehr, dass die Leidenschaft der Musiker erhalten bleibt und Musik nicht nur als ein kostenloses Produkt, sondern auch als Kunst angesehen wird und die nötige Wertschätzung der Hörer erhält.

music-news.at:Was macht/arbeitet ihr im „normalen“ Leben?
Johnny Rockswell:Ich bin Musiker. Ich habe gerade meine Masterarbeit an der Popakademie Baden-Württemberg abgegeben und arbeite hauptsächlich als Songwriter. Angefangen mit deutschen Texten schreibe ich inzwischen auch international auf englisch. Sonst habe ich eine kleine Agentur, die Musiker und DJs vermittelt und lege selbst viel auf.
Flo:Musik und Entertainment. Ich studiere Audio Engineering an der SAE in Frankfurt, erledige verschiedene Video-Vertonung-Jobs und veranstalte Events. Auch wenn ich jetzt noch nicht von der Arbeit leben kann, die ich in DancehallRulerz investiere, ist das aber das große Ziel das ich mir gesetzt habe.

music-news.at:Als Kind wolltet ihr sein wie . . .?
Johnny Rockswell:Die Prinzen. Als ich sechs Jahre alt war, bekam ich eine Acapella-Kassette der Prinzen geschenkt. Wie Text und Musik eine neue Welt erschaffen können. In diesem Fall auch komplett ohne Instrumente. Hat mich so sehr beeindruckt, dass ich, sobald ich schreiben konnte, meine ersten Texte mit Wachsmalkreide gekritzelt habe. Es gibt sogar eine Aufnahme auf Kassette von einem Freestyle von mir, als ich fünf war.

Flo:Mein Opa. Ich bin ohne Vater und die ersten Jahre quasi bei meinen Großeltern aufgewachsen, da meine Mutter immer arbeiten musste. Sie haben mir alles beigebracht, was ich für mein Leben brauche und sind auch heute noch eine große Stütze für mich, wenn ich einen guten Rat benötige. Musikalisch gesehen kann ich mich erinnern, dass Bob Marley mein erstes großes Vorbild war. Zum ersten Mal habe ich ein Lied von ihm gehört, als ich Neun war und obwohl ich damals kein Englisch verstanden habe, habe ich die Message der Musik erkennen können. Das hat mich fasziniert.

music-news.at:Wie kam der Kontakt und die Zusammanarbeit mit den Dancehall-Größen eigentlich zustande?
Johnny Rockswell:Zu Beginn hatte Flo einige Kontakte zu Jamaikanern von seinem Besuch dort. Die Kontakte zu Beenie Man, Elephant Man und den anderen großen Artists kamen teilweise über diese alten Kontakte. Teilweise über neue Kontakte, die wir dort knüpfen konnten, zustande.
Flo:2012 war ich das erste mal auf Jamaika und habe dort einige Dubplates für meinen alten Sound aufgenommen, wo ich erste Kontakte zu Studios und Artists knüpfen konnte. Über die Jahre kamen natürlich immer mehr Kontakte hinzu. Ausschlaggebend war jedoch, dass wir bei unserer gemeinsamen Reise 2014 entweder im Big Yard Studio oder im Black Scorpio Studio aufgenommen haben, wo recht viele Artists immer zugange sind. Die Artists haben sich untereinander weitererzählt, dass gerade junge, ambitionierte Produzenten aus Deutschland auf der Insel sind und haben unseren Kontakt weitergeleitet. Andere wurden durch Interviews auf uns aufmerksam, die in der Jamiakanischen Tageszeitung abgedruckt wurden. Selbst als wir wieder in Deutschland waren, riefen uns Artists an und meinten, sie wären jetzt bereit um aufzunehmen und wo wir gerade sind. haha.

music-news.at:Wollt ihr etwas zu den Verkaufszahlen sagen?
Johnny Rockswell:Joa, also leben können wir davon nicht, so viel kann man sagen. Auch die Kosten, die in der Produktion entstehen, durch Künstlergagen, Cover, Vertrieb, Promotion und Werbung, werden nicht mal ansatzweise gedeckt. Dennoch verkaufen wir teilweise mehr als Größen wie Alkaline oder Kartel. Das liegt vor allem daran, dass diese Artists ihre Releases nicht vernünftig bewerben und noch mehr daran, dass alle einfach herunterladen. Da kann man jetzt das große Geheule anfangen, bringt aber nichts, man muss sich überlegen, wo man sonst Geld verdient. Obwohl die Releases den Großteil der Arbeit ausmachen, sind sie inzwischen, und nicht nur im Dancehall, zu einem Marketingtool verkümmert. Ob sich das ändert, keine Ahnung. Aber so viel steht fest: jeder, der sich unsere Musik legal herunterlädt oder streamt, supportet uns. Dafür sind wir sehr dankbar. Big Up.

Flo:Schließe ich mich Johnny voll und ganz an.

music-news.at:Welchen Song würdest du einem fremden Menschen vorspielen?
Johnny Rockswell:Ich als Producer: Natürlich „The Bug“, den wir mit Vybz Kartel gemacht haben.
Flow:Den „Way Up Riddim“ Megamix, da ich davon überzeugt bin, dass es bisher unsere beste Produktion ist.

music-news.at:Mit welcher Workstation arbeitet ihr und was wollt ihr euch noch unbedingt für die Zukunft zu legen?
Johnny Rockswell:Ich produziere die Riddims auf Cubase. Da fühle ich mich wohl. Was für mich ansteht, sind Gitarren, Mikrofone und Plug-Ins. Eben die üblichen Produzentendinge und natürlich eine schnelle Internetverbindung. Die Files gehen mir noch zu langsam über den Teich.
Flo:Ich arbeite für Video-Vertonung-Jobs mit Pro Tools, habe aber auch angefangen Riddims mit Logic zu produzieren. Nebenher baue ich mir im Moment ein kleines Studio in Mannheim mit einem befreundeten Musiker auf. Mikrofone, DAW´s und Plug-Ins stehen ganz oben auf der Einkaufsliste.

music-news.at:Könnt ihr euch vorstellen in andere Musikstile einzutauchen wie zum Beispiel Hip-Hop oder Drum & Bass?
Johnny Rockswell:Ich bin selbst Rapper und schreibe Musik von Pop über Rock bis Metal, aber auch Schlager. Als Teenager habe ich in vielen klassischen Orchestern Posaune gespielt und hätte das beinahe studiert. Genres sind mir nicht wichtig, es geht um gute Musik.
Flo:Drum and Bass hat mich damals erst zu Reggae und dann zu Dancehall geführt. Ich war zwölf Jahre alt und mit der Jüngste in unserer Clique. Die meisten waren so fünf bis sechs Jahre älter als ich und hörten Jungle / Drum & Bass. Das sind meine Roots. Wenn die Zeit und die Idee passen bestimmt, doch im Moment haben wir schon genug mit unseren Dancehall Produktionen um die Ohren.

music-news.at:Bester Gig ever? Was hat sich in deinem Kopf manifestiert?
Johnny Rockswell:Für mich als Gast: D’Angelo in Hamburg. Pino Palladino ist so ein gestörter Bassist, niemand auf der Welt groovt so wie er. Mit DancehallRulerz kann ich den Gig im Yaam in Berlin nicht vergessen. Meiner Meinung nach der beste Reggaeclub in Deutschland mit einem abwechslungsreichen Booking. Der Laden war bis hinten picke packe voll und alle haben geschwitzt.
Flo:Yaam in Berlin. Es war unser viertes Booking überhaupt, die Energie und Reaktion der Leute war einfach nur unfassbar positiv. Seit über einem Jahr spiele ich DancehallRulerz live alleine und habe auch hier sehr viele gute Erinnerungen an Gigs sammeln dürfen. Die Party Reihe „Baba Roots“ in Zürich ist für mich immer etwas ganz Besonderes und gehört definitiv zu meinen Highlights.

music-news.at:Was ist eure Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writern?
Johnny Rockswell:Wenn der Song gut wird, ist es nicht verwerflich, wenn man sich Unterstützung holt. Bei „The Bug“ hat mein bester Freund und Produzent Michel Schulz aka Arschtritt Lindgren mitproduziert. Resultat: es ist geil geworden. Ich schreibe für andere Künstler Musik, das ist mein täglich Brot. Ich finde, es ist eine tolle Chance, durch Zusammenarbeit mit anderen Menschen über sich hinaus zu wachsen. Man bekommt einfach neue Ideen, auf die man alleine nicht kommen würde. Solange diejenigen, die mitgeholfen haben, dafür ihren gerechten Lohn bekommen, finde ich das super. Klar mag das dem ein oder anderen Fan sauer aufstoßen, man sei nicht real oder sowas. Nur schneidet sich die Person ja auch ihre Haare nicht selber.
Flo:Alles cool solange jeder seine Credits für die geleitstete Arbeit bekommt.

music-news.at:Sehe ich auch so, der Prozess muss transparent sein. Wie kam es zu eurer „Arbeitsteilung“, dass Flow live spielt und Johnny sich um das Produzieren kümmert?
Johnny Rockswell:Durch meinen Umzug nach Berlin und meine neue kleine Familie (ich wurde im Januar Vater) habe ich keine Zeit mehr am Wochenende durch Deutschland zu tingeln. Ich lege selbst viel auf und muss etwas Geld verdienen. Dadurch, dass Flo in Mannheim wohnt, ist er beim Produzieren seltener dabei, vertraut mir da aber und ich weiß meistens, was er meint, wenn er was anders haben will.
Flo:Ich habe bereits vor DancehallRulerz aufgelegt und auch dem Publikum am Mic eingeheizt, sodass es für mich kein Neuland ist. Die Reaktion der Crowd und der Veranstalter war bisher sehr positiv. Johnny ist der beste Produzent, den ich kenne. Von daher mache ich mir keine Sorgen und vertraue ihm. da voll. Die Ideen für Riddim Produktionen finden wir auch weiterhin gemeinsam.

music-news.at:Welche drei Dinge nehmt ihr mit auf eine einsame Insel?
Johnny Rockswell:Dinge, nicht Menschen: meinen Laptop, einen Generator und viel Benzin.
Flo:Feuer, Paper und Ganja, die Musik spielt dann von ganz alleine in meinem Kopf.

Dancehall Rulerz meets Beenie Man, (c)

Dancehall Rulerz meets Beenie Man, (c) Jonathan Strauch

music-news.at:Nennt uns bitte drei eurer Lieblingsfilme oder Lieblingsbücher?
Johnny Rockswell:Ich stehe auf die Filme von Josef Bierbichler, den kennt ihr ja. Winterreise finde ich genial. Lost in Translation ist mein Mainstream-Lieblingsfilm. Wenn ich ein Buch bestimmen müsste, wären es die Kurzgeschichten von Franz Kafka.
Flo:Das Buch das ich wohl am häufigsten gelesen habe ist „Bass Culture“ von Lloyd Bradley, indem er über die Entwicklung des Reggae/Dancehall von der Entstehung bis heute schreibt. Ein Muss für jeden Reggae / Dancehall Nerd. Mein Lieblingsfilm ist „Shottas“ mit Ky`mani Marley und Spragga Benz in den Hauptrollen. Den Film kannst du dir einfach immer wieder anschauen, aber bitte in der englisch/jamaikanischen Original Fassung. Leider fehlt mir oft die Zeit um Filme zu schauen, lesen bildet und daher verschlinge ich eigentlich alle Musikzeitschriften. Das Riddim Magazin kann ich besonders empfehlen.

music-news.at:Wer sind eure Lieblingsmusiker, die ihr im Moment gerne hört?
Johnny Rockswell:Das neue Drake-Album (Views) ist mal wieder ein Meisterwerk. Popmäßig stehe ich total auf Astrid S, eine Schwedin, die die unfassbarsten Melodien bringt. Und das Album „Skin“ von Flume läuft viel bei mir.
Flo:Da gibt es einige. Da ich auch privat fast nur Reggae & Dancehall höre, freut es mich sehr zu sehen, dass sehr viele neue, junge, talentierte Artists gibt. Teejay, Deep Jahi und Jahmiel gehören da zu meinen Favoriten. Vybz Kartel & Mavado liefern im Moment sehr guten Output und führen meine Playlists an.

music-news.at:Was passiert, nachdem man sich zwei Mal halbtot gelacht hat?
Johnny Rockswell:Man lacht sich ein drittes Mal halbtot.
Flo:Man ringt erstmal nach Luft und denkt man hätte 100 Sit Ups gemacht, zumindest geht es mir dann so.

music-news.at:Was ist das Peinlichste, das ihr je erlebt hast?
Johnny Rockswell:Mir ist nichts peinlich.
Flow:Mir ist einmal der Laptop bei einem Gig abgestürzt und es gab kein Mikrofon, sodass ich die Leute hätte unterhalten können.  Die zwei Minuten bis die Musik wieder lief waren schon peinlich.

music-news.at:Erzählt uns in ein paar Sätzen etwas über eure zukünftigen Projekte.
Johnny Rockswell:Es kommen natürlich tolle Riddims raus. Als erstes wird jetzt der „Melon Riddim“ rauskommen, auf dem ich sogar Gitarre gespielt habe. Danach haben wir noch zwei Bretter fertig, zum einen einen Hardcore-Riddim, auf dem es lyrisch hoch her geht und zum anderen einen Soca-/Afrobeat-lastigen Riddim, der sich zum Feiern eignet. Der wird wohl zum Carnival im Winter kommen. Ich selbst werde mein Rapalbum herausbringen und als Songwriter viel arbeiten.
Flo:Es wird viel passieren, ich gehe im October mit Voicemail auf Europatour. Außerdem planen wir eine weitere Ep mit einem befreundeten Artists Namens Wonda Prince. Musikvideos von neuen und bereits veröffentlichten Produktionen werden auf unserem YouTube Kanal erscheinen, wir werden vermehrt Dancehall Events in Mannheim und Umkreis veranstalten. Mehr möchte ich jedoch noch nicht verraten, auch wenn schon mehr geplant ist.

music-news.at:Wie lautet euer Tipp, um als Newcomer im Business wahrgenommen zu werden?
Johnny Rockswell:Versteckt euch nicht, weil ihr denkt, ihr seid nicht gut genug. Das war immer mein Problem. Flo hat aber immer richtig Gas gegeben mit Promo und Werbung. 90% der anderen da draußen sind eh schlechter als ihr und die anderen 10% holt ihr schon noch ein.
Flo:Oberste Regel: arbeiten, arbeiten und arbeiten . Von nichts kommt nichts. Im Grunde hat man aber immer drei Möglichkeiten. Entweder man tritt einer bereits bestehenden Crew bei oder man versucht sich alleine etwas aufzubauen oder mit neuen, motivierten und begabten Leuten sich zusammen zu schließen. Oft ist auch der eigene Anspruch wichtig, wo will man überhaupt hin und was will man erreichen?

Die heutigen Medien geben jedem Newcomer eine sehr gute Plattform sich einen Namen zu machen. Es ist viel einfacher geworden als noch vor Jahren, wo man Agenturen bezahlen musste, die einen gesucht haben. Ich kann es allen empfehlen, sich hinzusetzen und einen Plan zu machen. Das klingt im ersten Moment etwas bieder, aber am wichtigsten ist, dass man sich Ziele setzt. Selbst wenn man diese nicht erreicht, ist man weiter gekommen, wie wenn man nicht versucht hätte diese Ziele zu erreichen. Niemals aufgeben, egal wie lange es dauert. Lasst euch nicht einreden, dass ihr nicht gut genug seid oder etwas nicht könnt, man wächst an den Herausforderungen. Bleibt euch selbst treu und versucht nicht auf Teufel komm raus erfolgreich zu sein oder einen Hype zu kreieren und euch zu verstellen. Wenn ihr von euch selbst überzeugt seid, dass es gut ist was ihr macht, werden es auch andere Leute sein.

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