Am 18. November 2016 werden Drescher ihr jüngstes Werk „Steinfeld“ auf dem Markt vorstellen. Wir haben die Band mit dem härtesten Volksmusik-Sound vor ihrem Gig beim Metal on the Hill-Festival in Graz getroffen und mit Gitarristen Gernot Engel und Sänger Bernd Wograndl über ihre Karriere, ihren „dreschigen“ Sound und ihr neues Album gesprochen.

Paradox: Nach langer Vorarbeit in der Musikbranche in diversen Konstellation könnt ihr mit Drescher ziemlich große Erfolge verbuchen: Euer erstes Album „Erntezeit“ aus dem Jahr 2014 ist gleich ziemlich eingeschlagen und ihr habt auch schon nach nur dreijährigem Bestehen einen Vertrag bei Napalm Records. Geht mit Drescher ein Traum für euch in Erfüllung?

Bernd Wograndl: Wir verfolgen noch immer den Traum der 90er. Aber sagen wir ja.

Gernot Engel: Wir sollten glaub ich ein bisschen ausholen. Ein 30-jähriger oder 25-jähriger Leidensweg in der Musikbranche [liegt hinter uns]. Das „Erntezeit“-Album wollte gerade zu Beginn in Österreich niemand – in Deutschland wurde es schon gekauft und die [Deutschen] sind dort auch auf Konzerte gegangen, bevor wir in Österreich überhaupt zum ersten Mal ernst genommen wurden. Ein Jahr später spielten wir dann auch in Österreich die ersten größeren Gigs. Dann kam zu guter Letzt Napalm und hat uns jetzt völlig gekauft. Jetzt sind wir reich und schön.

Bernd: Schön waren wir vorher schon.

Paradox: Was glaubt ihr, ist das Entscheidende an eurem Stil oder eurer Band , das euch auf Erfolgskurs gebracht hat?

Bernd: Es [unser Stil] ist einfach unvergleichlich. Es gibt nichts in dieser Art. Ich hätte zumindest nichts gefunden – und ich habe gesucht.

Gernot: Das war schon der Missing Link, den die Menschheit gesucht hat.

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Drescher haben mit Kelten nichts am Hut. (c) enzigraphie

Paradox: Sind Volksmusik und Tradition als solches auch Teil eures Lebens, oder beschränkt ihr eure Auseinandersetzung mit diesen Gebieten auf euer Bandprojekt und euer Auftreten bei Konzerten?

Gernot: Ich glaube, man erkennt nach einiger Zeit in der Musikbranche, dass man etwas machen muss, das echt wirkt und echt ist. Nachdem wir 20 Jahren Thrash Metal auf Englisch gesungen haben, haben wir gesagt, dass das eh hunderttausend andere auch machen – und auch besser. Machen wir etwas, das sonst niemand macht. So sind wir auf das gekommen. Bei uns ist auch ein zentraler Punkt, dass, was wir sagen, offensichtlich auch angenommen wird. Ein Appell an alle Metaller: Übersetzt doch einmal all diese Metal-Songs, es wird euch das Kotzen kommen. Völlig abstruse Sachen, worüber die singen. Wir eh auch – aber unsere sind so arg, dass sie wieder gut sind.

Bernd: Wir sind keine Ritter, wir haben mit Kelten ganz wenig am Hut – was soll ich dann mit irgendwelchen Wikinger-Songs machen? Da nehme ich, wenn dann, schon die österreichische Musik her. Das war der einzige logische Weg, sonst wären wir weiter im Keller geblieben.

Paradox: Und wie sieht es mit Tradition in der Praxis aus? Lederhose im Schrank oder Schuhplattln als Hobby?

Bernd: Naja, eher dürftig (lacht).

Paradox: Wie ist eigentlich der Verantwortliche für den Akkordeon-Sound, Filip Rado, zu euch gestoßen? War er gleich begeistert?

Bernd: Über eine österreichische Thrash Metal Ikone namens Manuel Ortega. Der hat uns den quasi vorgestellt. Der Rado wollte ihm ein Auto abkaufen und hat ihn irgendwo getroffen. Daraufhin hat er angerufen und gesagt, er hätte einen Quetschn-Spieler für mich.

„Niemand kommt mehr raus, der kein komplettes Konzept hat. Die Musik alleine ist zu wenig.“

Paradox: Wie gelingt euch die Einbindung von Akkordeon in eure Musik? Schreibt ihr eure Songs gezielt darauf hin, oder passiert die Platzierung von diesem Sound dann eher spontan?

Bernd: Das passiert – mehr oder weniger. Man macht zuerst die Songs, baut sie zusammen und schaut dann, wer wo was spielt.

Paradox: Seht ihr Drescher nun eher als Hobbyprojekt, oder macht ihr die Band zu eurem Beruf?

Bernd: Also es nimmt mehr Zeit in Anspruch als ein Beruf. Aber man lebt immer noch dafür und nicht davon.

Paradox: Apropos Beruf: Ist jemand von euch beruflich in der Landwirtschaft tätig, oder wie seid ihr eigentlich auf euren Namen „Drescher“ gekommen?

Bernd: Thrash Metal heißt Dresch Metal. Das ist einfach nur die Übersetzung.

Gernot: Beim herkömmlichen Thrash Metal geht es eben ums „Dreschen“. Da ist nichts Naheliegender, als das zu übersetzen. Heißt jetzt nicht, dass wir Großbauern sind. Niemand kommt mehr raus, der kein komplettes Konzept hat. Nur die Musik alleine ist zu wenig – und das auch zu Recht. Da darfst du Kosten und Mühen nicht scheuen. Nur so hat es funktioniert und man konnte uns auch in Österreich nicht mehr völlig verleugnen.

Paradox: Bezüglich Produzenten: Hat euch Toni Meloni, der auch mit den Toten Hosen gearbeitet hat, geformt oder seid ihr mit einem solchen fertigen Konzept schon zu ihm gekommen?

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„Steinfeld“ (c) Drescher

Gernot: Wir haben schon einen gewaltigen Verbrauch an Produzenten, aber ich denke mir, um diese Gagen müssen sie sich schon einiges gefallen lassen. Vor sechs Jahren haben wir uns hier in Graz mit ihm getroffen als er gerade mit den Donots unterwegs war. Da haben wir das Projekt mit ihm besprochen. Er war eigentlich der erste, der meinte, er könne das professionell mit uns durchziehen.

Paradox: Nach „Erntezeit“, das 2014 heraus kam, erscheint nun im November euer neues Album, von dem bereits die Single „Adrenalin“ veröffentlicht wurde. Auf welchen Namen hört das gute Stück denn?

Bernd: „Steinfeld“ wird es heißen. Wir kommen ja aus dem wunderschönen Steinfeld neben der Buckligen Welt. Wir klingen wie Steinfeld, also muss es auch so heißen. Dieses Album haben wir mit Sky van Hoff von den Barracks Studios produziert. Der produziert Caliban, The Sorrow, Kreator – ist also eh ganz gut im Geschäft, glaube ich.

Gernot: Nach uns sicher (lacht).

Paradox: Könnt ihr uns jetzt schon ein Song-Highlight von dem Album verraten?

Bernd: Es sind nur Hits auf diesem Album – das ist die allerschwierigste Frage.

Paradox: Zu welchem Song wird die nächste Single beziehungsweise das nächste Musikvideo erscheinen? Habt ihr schon geplant, wie ihr das Album in Szene setzen werdet?

Bernd: Das ist schon geplant …

Gernot: … aber alles wollen wir noch nicht verraten. Um es so zu sagen: Wir versuchen, das Musikvideo zumindest wertig zu gestalten. Das ist heute in der Musikbranche nicht mehr üblich. Heute geht es um schnelles Geld, billigen Sex und viel Dreck im Social Media. Die Bandbreite wird noch erweitert – es gab bis jetzt nur wertige Videos und jetzt gibt es wieder wertige mit Specialeffects. Wir wissen schon worum es geht und der erste Trailer ist im Fertigwerden.

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