Entwicklungshilfe für die Grazer Hip-Hop Szene

Dirty South Entertainment existiert bereits seit dem Jahr 2002 und ist verantwortlich für Partys, Clubevents und Konzerte im Bereich Urban Black Music. Kaum ein Grazer oder eine Grazerin im Alter von 15 bis 30 Jahren kennt die Veranstaltungen von DSE nicht. Ivo Zaricin alias „DJ Lil Dirty“ ist der Gründer und das Mastermind hinter dem Unternehmen. Gemeinsam mit „DJ Seth One“ und „DJ Lazy Skills“ sorgt er jedes Wochenende in einer Vielzahl von Grazer Lokalitäten für fette Partys.

PARADOX: Fakt ist, „Dirty South Enertainment“ ist einer der wichtigsten und
präsentesten Veranstalter in der Grazer Fortgehszene. Was denkst du, welche Rolle du und dein Team hier einnehmen?

Ivo Zaricin: „Fakt ist“, klingt schon mal sehr gut. Wichtig und präsent für die Szene zu sein, daran arbeite ich täglich und es freut mich sehr, dass ihr das so seht. Hip-Hop ist die meist gehörte Musik der Welt, somit hat man da schon einen Vorteil. Die meisten Clubs, die früher nur elektronische Musik gespielt haben, haben jetzt R ‘n’ B und Hip-Hop im Programm und buchen uns. Früher hatten sie eher Angst vor uns aufgrund der Besucher. Wir sind jedes
Mal so multikulti wie keine andere Veranstaltung in Graz. Ich denke, nicht einmal der Multikulti-Ball ist so multikulti. Doch mittlerweile ist die Stadt offener und toleranter und es ist nicht nur eine kleine Community unter sich. Momentan sind wir mit einer Reihe von Veranstaltungen in den Grazer Clubs wie PPC, Thalia, Motion, Bollwerk, Bur und Café Bar Orange vertreten.

PARADOX: Neben den regelmäßigen Veranstaltungen in diversen Clubs hast du bereits große Künstler nach Graz geholt, was für enormes Aufsehen in der Szene gesorgt hat. Wie kam es dazu?

Ivo Zaricin: Dank Radio Soundportal sind wir zu sehr vielen Künstlern und Connections gekommen wie Xzibit, Kollegah, Marteria und so weiter. Mit DMX haben Andreas Schenk aka „DJ Smoke Dogg“ und ich uns zum ersten Mal selbst getraut, einen großen namhaften Künstler nach Graz zu holen. Aber das hätten wir auch nicht machen können, wenn uns Philipp Heiges von der Thalia nicht unterstützt hätte. Wir hatten zwar nur eine Woche Zeit für die Werbung, aber die Show war ein voller Erfolg.
DMX selbst hatte nach einer Flasche Hennessy innerhalb von 30 Minuten auch selbst viel Spaß und spielte immerhin zwei Zugaben für das Grazer Publikum. Auch Xzibit war sehr cool. Der alte Hase war stets nett und man bemerkte seine Erfahrung. Er hat eine Flasche Grey Goose getrunken und den ganzen Backstageraum im PPC eingenebelt. Auf der Bühne war er schließlich Bombe.

Dirty South Entertainment (c) we shoot it

(c) we shoot it

PARADOX: Resümierend würdest du sagen, dass du mit der Entwicklung von Dirty South Entertainment zufrieden bist? Gibt es ein langfristiges Ziel, auf das du hinarbeitest?

Ivo Zaricin: Als ich damals die erste Party veranstaltet habe, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal davon meine Familie ernähren werde. Aber 13 Jahre später ist man dann schon zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Natürlich kann man mehr machen und hat auch den Gedanken daran aufzuhören, denn so wie überall gibt es Ups und Downs. Aber ich sage immer, man soll das machen, was man am besten kann, und das ist in meinem Fall Partys zu organisieren. Auch wenn es nicht immer leicht ist, ständig zu feiern, zu lachen und andere Menschen zu unterhalten. Ich habe mir für heuer einige neue Ziele gesteckt, da ich mit der Entwicklung der Szene nicht sehr zufrieden bin. Ich finde, Hip-Hop wird vernachlässigt und da würde ich mich gerne ein bisschen mehr einsetzen, damit die Kultur nicht vergessen wird. Zusammen mit Andreas Schenk plane ich ein Hip-Hop Magazin für die Stadt, welches erstmals 2016 erscheinen soll. Ich sehe es als ein Medium, welches der Community fehlt, ein Medium, mit dem man die Hip-Hop Community unterhalten und supporten kann. Wenn das funktioniert, ist der nächste Schritt eine qualitative Radiosendung.

PARADOX: Mit Rising Girl und dem Song „I know you’ll wait for me“ konntest du vor zwei Jahren selbst bereits Chartluft schnuppern. Erzähle bitte von deinen Erfahrungen im österreichischen Popzirkus.

Ivo Zaricin: Wir erreichten Platz 1 auf Soundportal und wurden auch auf Antenne Steiermark gespielt. Des Weiteren verkauften wir den Track einige Hundert Male auf iTunes. Für mich war es einfach einmal etwas anderes. Ich wollte immer schon einmal singen und mich selbst im Radio hören.
In der Grazer Orange-Bar habe ich Simon Koscher von Rising Girl kennengelernt und mich mit ihm von Anfang an gut verstanden. Wir waren eine Zeit lang unterwegs und saßen im Studio herum. Irgendwann haben wir entschieden, einen neuen Rising Girl Hit zu machen feat. Lil Dirty. Wir riefen den Herrn Fritz Jery, der mit „Tim Tim“ in den 90ern seine Hits hatte und nebenbei für die EAV produzierte, an und fragten, ob er Lust hat, zusammen mit uns etwas zu produzieren. Und auf einmal sang ich „I Know You’ll Wait For Me“ mit Rising Girl vor Publikum.
Ich habe damals aber leider auch erkannt, dass, wenn kein Major Label
hinter dir steht, es wirklich schwer ist, etwas zu erreichen. Die Major Labels entscheiden, was verkauft beziehungsweise in den Radios gespielt wird. Wenn man sich die Charts anschaut, sind es fast immer die gleichen drei Major Labels, die vertreten sind.

Dirty South Entertainment (c) Julian Koch

(c) Julian Koch

PARADOX: Zum Abschluss hätte ich noch eine etwas andere Frage. Ich weiß, du bist ein Mensch mit Migrationshintergrund. Wie siehst du die momentane Flüchtlingssituation?

Ivo Zaricin: 1989 bin ich mit der Familie nach Graz gekommen ohne ein Wort Deutsch zu können. Damals war ich neun Jahre alt und bin super empfangen worden. Die Lehrer und Freunde haben sich um mich gekümmert. Integration ist das A und O in Sachen Zuwanderung. Ich sehe die Dirty South Veranstaltungen auch als eine Art Integrationsarbeit. Es gibt Gäste, die kommen seit 13 Jahren und wenn man sich die Fotos von früher anschaut und die von heute, dann sieht man, wie positiv sie sich entwickelt haben und sich integriert haben. Das Wichtigste ist, Menschen mit Respekt und Liebe zu behandeln, denn nur da, wo man sich wohl fühlt, gibt man auch Respekt und Liebe zurück.

PARADOX002_Sujet

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.