Benni und Rene sind das Drum & Bass Duo Dossa & Locuzzed und kommen aus St. Pölten. Es ging Schlag auf Schlag, erst im letzten Jahr wurde der erste gemeinsame Kollaborations Track „Friday“ produziert. Getrost kann man die beiden Österreicher als zwei der heißesten Newcomer der Szene beschreiben.

Das Jahr 2016 war besonders erfolgreich: seit April stehen sie exklusiv bei dem UK-Label Viper Recordings unter Vertrag. Nun stehen Dossa & Locuzzed in einer Reihe mit klangvollen Namen wie Koven, Jaguar Skills, Trei oder Cyantific. Die Gründer des Labels Matrix und Futurebound waren sofort begeistert von den Produktionen des Gespanns. Ganz viel Funk, groovige Samples und Melodien, Härte, aber auch alle Spielarten von Drum & Bass spielen eine große Rolle. Sie versuchen mehrere Stile zu kombinieren, Alt und Neu zu vermischen, um Schritt für Schritt ihre ganz eigenen Sounds zu entwickeln. Wie das genau klingt, könnt ihr nun hören. Ihr neuster Streich ist der Remix des Dope Ammo Klassikers „Cold Rock A Party“, die Vocals von MC Tali werden bezaubernd eingesetzt. Der Tune erscheint am 31. Oktober 2016.

Dossa & Locuzzed im Interview

music-news.at: Zu aller erst möchte ich erfragen, was eure Künstlernamen zu bedeuten haben. Wie hat sich der Gedanke entwickelt?
Dossa: Als ich 13 war und anfing aufzulegen, war ich auf der Suche nach einem Pseudonym, nachdem meine Schwester mich stets liebevoll „Penner“ anstatt Benni nannte, googlete ich das Wort und fand die englische Übersetzung: Dosser.
Locuzzed: Also um ehrlich zu sein steckt bei mir nicht wirklich ‘ne großartige Story dahinter. Als ich meine ersten Tunes produziert habe, suchte ich nach einem Künstlernamen und irgendwie fiel mir dann Locust ein. Da es aber schon Artists unter diesem Namen gibt, habe ich mir die andere Schreibweise ausgedacht.

music-news.at: Ihr präsentiert sehr ausgereifte Produktionen. Seit wann macht ihr denn Musik, wie sieht euer Background aus und wie hat alles begonnen?
Dossa: Ich mache eigentlich Musik, seit ich zurückdenken kann. Als Kind Schlagzeug gelernt, in der Schule Gitarre und dann mit 14 angefangen Musik zu produzieren. Nach einigen Einzel-Releases seit 2011 haben wir zwei uns schließlich 2015 zusammengeschlossen, was unseren Sound stark gepushed hat.
Locuzzed: Ich habe vor ungefähr acht Jahren angefangen zu produzieren. Damals wollte ich nur einen Hintergrundtrack für ein Videospielprojekt von mir machen. Als ich dann Drum & Bass entdeckte, hat mich das Produzieren mehr gepackt als das Programmieren. Quasi der Gedanke “der Sound ist geil – sowas will ich auch machen”.

music-news.at: Was hat sich seit dem Viper Singning bei euch verändert? Legt ihr nun einen konsequenteren Fokus auf die Musik?
Dossa & Locuzzed: Die Idee hinter dem Vertrag war, dass wir uns nicht so sehr mit administrativen Sachen herumschlagen müssen, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können: Musikmachen. Wir haben beide noch ein zweites, „normales“ Leben neben dem Musikmachen, wenn alles zusammenkommt, hat man da schon mal eine 24/7 Woche.

music-news.at: Als Kind wolltet ihr sein wie . . .?
Dossa: Ich kann mich ehrlich nicht erinnern, ich glaube ich wollte nie wirklich wie jemand sein, sondern immer irgendwie mein eigenes Ding machen.
Locuzzed: Eiffel 65.

music-news.at: Was ist eure Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writing?
Dossa & Locuzzed: Man könnte jetzt philosophieren, ob es gut oder schlecht ist, aber letztendlich zählt das Produkt. Geile Musik ist geil. Für uns selbst wär es nichts, wir würden niemals unsere Musik aus der Hand geben. Musik ist für uns ein emotionales Ventil, das letztendlich den schaffenden Geist widerspiegelt, also wäre es ein Eigentor für sich produzieren zu lassen. Aber wenn andere das machen, ist das für uns okay.

music-news.at:Nennt uns bitte drei eurer Lieblingsfilme und begründet eure Auswahl kurz.
Dossa: Looper – ich mag die Storyline.
Wall E – gleicher Sounddesigner wie bei Star Wars, grandioser Job, unglaublich gut.
Die Star Wars Saga – abgesehen von der Märchenstory grandioses Musik-Scoring und Sounddesign.

Locuzzed: Star Wars – no words needed.
Interstella 5555 – das ist der Film zum Daft Punk Album “Discovery”. Ich find das Konzept einfach geil, einen Film zum Album zu machen. Da kannst du das Konzept einfach auch nochmal visuell rüberbringen, auf jeden Fall sehenswert.
Pulp Fiction – hab den Film erst vor kurzem das erste Mal gesehen und war überwältigt vom Vibe.

music-news.at: Wie sieht eure Workingstation (DAW) aus, mit was wird produziert?
Dossa & Locuzzed: Sieht aus wie Cubase, Locuzzed hat letztes Jahr von FruityLoops auf Cubase gewechselt. Das war wichtig, weil wir so einfach nur mehr Projekte austauschen, ohne rendern oder anderem langwierigen Zeug.

music-news.at: Was würdet ihr euch in Zukunft an Equipment zulegen, wenn das Budget unendlich wäre?
Dossa & Locuzzed: Als erstes einen Memorymoog – der einzige polyphone Moog. Dann auf jeden Fall einen Fender Rhodes, ordentliche Studiomonitore und natürlich ein riesengroßes Studio mit Modularwand zum abhängen und Ideen basteln. Das wäre fein.

music-news.at: Wie lautet euer Tipp, um als Newcomer im Business wahrgenommen zu werden?
Dossa & Locuzzed: Dranbleiben. Einfach sein Ding durchziehen, möglichst viel Feedback von möglichst vielen Leuten einholen und viele Tunes fertigmachen, die man dann als Demos rausschickt. Letztendlich zählt ja die Musik.

music-news.at: Welche (D‘n‘B) Produzenten sind eure Vorbilder?
Dossa:Quincy Jones hat’s schon ziemlich drauf. Im Drum & Bass selber eigentlich nicht wirklich, wir versuchen uns da irgendwie eher zwischen den bestehenden Styles zu bewegen.

music-news.at: „Dossa & Locuzzed stürmen die Charts“ – Würdet ihr euch so eine Schlagzeile in Zukunft wünschen? Ist das realistisch?
Dossa & Locuzzed: Klar würden wir uns die wünschen, wer nicht? Die Sache ist eben die, dass wir ja teils jetzt schon so überwältigt davon sind, was da rund um unsere Musik passiert. Aber sie ist jetzt nicht wirklich an Charterfolge gerichtet – wir machen einfach den Sound, der uns gefällt.

music-news.at: Schenkt uns eine Lebensweisheit?
Dossa & Locuzzed: Es muss dir immer alles a bissl wurscht sein.

music-news.at: Was könnt ihr am Anderen überhaupt nicht ausstehen?
Dossa & Locuzzed: Da gibt’s nicht wirklich was Gewichtiges – wir sind da recht offen und sprechen immer gleich an, wenn uns was am anderen nervt.

Dossa & Locuzzed Promo (c) Pete Hasgard

Dossa & Locuzzed Promo (c) Pete Hasgard

music-news.at: Wo seht ihr die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen
könnten sich ergeben?
Dossa & Locuzzed: Puh. Wahrscheinlich ist die größte Veränderung, dass Musik nicht mehr verkauft, sondern frei zugänglich sein wird. Wohin sich das Musikalische hin entwickelt, kann glaub ich keiner so genau sagen – das ist aber auch das Spannende daran.

music-news.at: Welche drei Dinge nehmt ihr mit auf eine einsame Insel?
Dossa: Eine Hose, ein Leiberl und Schuhe.
Locuzzed:Einen Hubschrauber, einen Piloten und meinen Reisepass. Daheim ist es halt schon schöner.

music-news.at: Was ist das Peinlichste, das ihr je erlebt habt?
Dossa: Puh da gibt’s leider einige Geschichten von mir, die kennen eh schon zu viele Leute..
Locuzzed: Same here.

music-news.at: Wenn ihr ein Tier wärt, welches und warum?
Dossa: Ein Vogerl, dann könnt ich herumfliegen.
Locuzzed: Ein Faultier, weil die einfach das Gemütlichsein perfektioniert haben.

music-news.at: Treibt ihr Sport? Wenn ja, welche Sportart?
Dossa: Nicht wirklich, nur a bissl Radfahren und Spazierengehen.
Locuzzed: Theoretisch schon, praktisch aber nicht. Danke für’s erinnern.

music-news.at: Bester Gig ever?
Dossa & Locuzzed: Da gabs einige richtig gute Auftritte. Der größte Gig bis jetzt war das Nu Forms Festival. Kleine Clubs können aber auch cool sein, wenn die Leute unsere Tunes kennen und wegen unserem Style kommen. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

music-news.at: Könntet ihr euch auch mal vorstellen, in ganz andere Musikstile einzutauchen?
Dossa: Auf jeden Fall. Wir haben ja jetzt schon einige andere Musikprojekte am Laufen, also als Producer, Drummer, Gitarrist – da kommen halt dann die Sachen unter, die nicht unbedingt Drum & Bass tauglich sind.
Locuzzed: Genau, speziell wenn du selber Musik machst, ist es extrem wichtig auch andere Genres zu erforschen, sonst hängst du irgendwann im selben Trott fest und es wird langweilig.

music-news.at: Welchen Song würdet ihr einem fremden Menschen vorspielen und warum?
Dossa & Locuzzed: Das ist schwierig, kommt sehr stark auf den Menschen an. Vielleicht Herbie Hancock – Chameleon, weil er 18 Minuten lang ist und gut zuhören ohne reinquatschen wichtig ist.

music-news.at: Erzählt uns in ein paar Sätzen von euren zukünftigen Projekten, was sind eure Vorstellungen oder Träume?
Dossa & Locuzzed: Wir haben noch ein paar Tunes in Peto, die werden demnächst released. Nächstes Jahr wollen wir dann noch einige Singles raushauen und vielleicht dann irgendwann mal ein Album anreißen. Auf jeden Fall wollen wir unseren Sound weiter ausbauen, mal schauen wohin das führt.

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