Am Nova Rock 2015 hatte ich die Gelegenheit mit Chrigel und Anna von Eluveitie zu sprechen. Was Sie mir erzählt haben erfahrt ihr natürlich gleich!

Auf dem diesjährigen Nova Rock Festival bekam ich die Möglichkeit Christian „Chrigel“ Glanzmann und Anna Murphy von der Schweizer Folk-Metal-Band Eluveitie zu interviewen. Seit 2002 gibt es die achtköpfige Truppe und kann mit sechs Studioalben aufwarten.

Eluveitie

Eluveitie beim Nova Rock 2015

www.music-news.at: Ihr kommt ja quasi frisch von eurem Gig auf der Blue Stage…

Anna: Mehr oder weniger frisch (lacht)

www.music-news.at: Wie war es denn für euch? Also zumindest aus der Publikums-Perspektive war es super.

Anna: Heiß war es!
Chrigel: Ja, aber es ist ein schönes Festival und es hat mir Spaß gemacht hier zu Spielen.

www.music-news.at: Also seid ihr auch mit dem Publikum und den Reaktionen zufrieden?

Anna: Ja, sehr!

www.music-news.at: Okay, und wie mögt ihr es generell in Österreich zu spielen?

Anna: „I mog des imma“ (lacht)
Chrigel: Ja ich auch. Ich bin total gern in Wien und finds geil hier in Österreich…Ich weiß gar nicht warum, aber ich mags einfach.
Anna: Es ist irgendwie ähnlich wie die Schweiz.

www.music-news.at: Es gibt euch ja bereits seit 2002, aber lt. Recherche ja nur als Studio-Projekt. Wie kam es dann zur vollbesetzten Band?

Chrigel: Der Grund war eigentlich dass es damals noch keine Folk-Metal-Szene oder etwas in der Art gab. Als es 2002 dann endlich geklappt hat, war das eigentlich einer meiner letzten Versuche.
Ich habe schon fast 10 Jahre vorher versucht eine Band in dieser Art zu gründen, aber es ging einfach nicht Leute zu finden die Bock haben auf so was.
Die Kombination aus Volksmusik und Metal war nicht so bekannt wie heute und die Berührungsängste zwischen den beiden Lagern einfach groß.
Wenn du Musiker gesucht hast für eine Metal-Band, die aber noch Flöten und Dudelsäcke beinhalten soll, haben die dich angeschaut als ob du vom Mond kämst und in der Folk-Szene haben die Musiker Angst gekriegt, wenn du sie fragst ob sie in einer Metal-Band spielen wollen – Das klappt einfach nicht.

In der Folk-Szene haben die Musiker Angst gekriegt wenn du sie fragst ob sie in einer Metal-Band spielen wollen

Das war dann auch der Ausschlag, der mich dazu bewegt hat zu sagen: „Ok ich mach jetzt ein Studio-Projekt!“. Da hat eigentlich keiner der beteiligten Musiker eine Verpflichtung: Die konnten bei sich zu Hause ihr Zeug üben, kurz ins Studio kommen und wieder gehen…es gab keine einzige Bandprobe oder irgendwas in der Art bevor wir das erste Album aufgenommen haben.
Das einzige Mal als sich alle gesehen haben war fürs Band-Foto.
Das war halt der Grund warum es ein reines Studio-Projekt wurde, weil es anders nicht geklappt hat.
Dann später ist das Demo sehr gut angekommen und wir haben ganz schnell sehr viele Live-Anfragen gekriegt und ich fand es ist Zeit eine richtige Band zu machen. Es war zu dem Zeitpunkt bereits einfacher Leute zu finden. Zum einen weil man halt sah, dass es funktioniert und nicht irgendeine bescheuerte Idee ist, das Thema war ja schnell ausverkauft und hat überall gute Kritiken gekriegt, und zum anderen hab ich was zum Vorweisen und ich musste nichts beschreiben, sondern konnte den Leuten eine CD in die Hand drücken und sagen „So klingt das!“.

www.music-news.at: Und wie kamt ihr überhaupt auf den Folk-Metal? War das von Anfang an geplant oder hat sich diese Mischung irgendwann ergeben?

Chrigel: Es gab Folk-Metal in dem Sinne ja damals noch nicht und es war nie so, dass wir gesagt haben „Wir wollen jetzt Folk-Metal machen“…Wir sehen uns selbst auch nur bedingt als das an.
Als ich damals die Band gegründet habe, war es einfach aus dem Wunsch heraus die beiden Arten von Musik zu verknüpfen die ich halt selbst schon seit vielen Jahren spiele und am meisten liebe, und das ist halt melodischer Death-Metal und traditionelle Gälische Volksmusik.
Das war die Idee und das ist sie heute noch.

www.music-news.at: Die meisten eurer Lieder sind ja auf Englisch, jedoch habt ihr auch, wie vorher gerade live gehört, Versionen in Schweizer-Deutsch und Gallisch, aber nichts in Hochdeutsch: warum denn eigentlich?

Anna: Ich würd nie deutsch singen, da würd ich lieber erst Chinesisch lernen oder so…also ich spreche gerne Deutsch, aber mir gefällt es als Sing-Sprache nicht…(Chrigel singt: „Du hast mich“)…das find ich furchtbar.
Chrigel: Also es ist ja nicht so, dass wir ab und zu in Schweizer-Deutsch singen, das war einfach irgendwie bei dem einem Song, den wir auf dem letzten Album (A.d.R.: Call of the Mountains) so „just for fun“, aber grundsätzlich sind unsere Texte in Englisch.
Dass wir ab und zu so pro Album ein bis zwei Songs in Gallisch haben entspricht halt dem Konzept: Eluveitie dreht sich mit jeder Phase der Existenz irgendwie um keltische Kultur und Geschichte. Es ist mehr künstlerisches Schaffen und es geht drum, dass wir der Geschichtserzählung die wir in unseren Texten betreiben, ein bisschen mehr Fleisch und Blut einzuhauchen, ein bisschen Leben einzuhauchen, aber grundsätzlich singen wir in Englisch.

www.music-news.at: Eure Instrumente sind ja auch Folk-mäßig bezogen wie zB. die Flöten und Dudelsäcke. Anna, dein Instrument ist eine Art Drehleier oder? Willst du das Instrument unseren Lesern vielleicht ein bisschen erklären? Ich denke, dass viele so was noch nie gesehen haben dürften.

Anna: Ja es ist eine Drehleiher und ist ein mittelalterliches Instrument und ursprünglich aus Frankreich. Es ist eine Art mechanische Geige: man hat Tasten und ein Rad, das Rad ist hier wie der Geigen-Bogen und bringt durch Kurbeln des Rades die Saiten zum Tönen. Es hat auch Bordunsaiten, so wie beim Dudelsack auch und man kann damit sehr viel machen.

www.music-news.at: Wie kommt man dazu, dass man so ein Instrument lernt?

Anna: Ich hab das mal live gesehen bei einer anderen Band und ich fand das einfach super, dann wollt ich das auch.

www.music-news.at: Chrigel wie war das bei dir? Dein Instrument ist ja eine Art Laute oder?

Chrigel: Ne, also als ich sechs Jahre alt war und mit klassischer Gitarre begann, hat mein Lehrer mich mal auf seiner Laute spielen lassen und ich fand das ganz geil, aber ich spiele keine Laute, sondern eine Mandola.
Eigentlich alle Instrumente die wir verwenden, abgesehen von den Metal-Instrumenten, sind einfach ganz total übliche Instrumente in der traditionell keltischen Volksmusik.

Eluveitie

Eluveitie live am Nova Rock 2015

www.music-news.at: Gut hier in Österreich sind uns diese Instrumente mit dem Begriff „Volksmusik“ leider weniger vertraut…hier erwartet man eher Ziehharmonikas

Chrigel: Ja gehört auch dazu, Österreich ist ein Land mit sehr wichtiger keltischer Geschichte – es ist ein ganzes keltisches Zeitalter nach einer österreichischen Stadt benannt worden.

www.music-news.at: Hallstatt.

Chrigel: Genau, und Drehleier wurde auch hierzulande gespielt, genauso wie Dudelsäcke und so weiter auch.

www.music-news.at: Da muss unsere ländliche Volksmusik wohl wieder etwas umsatteln (lacht)

Chrigel: Es gibt die weltweit einzige keltische Volksband, sag ich mal, die halt wirklich die alt-keltische Musik zu retten versucht, ist eine österreichische Band by the way, die heißt „Imbraxton“…das ist ein wissenschaftlicher Haufen, die versuchen das Zeug, die Instrumente und die Musik zu retten. Klingt ganz witzig, musst du dir mal geben!

www.music-news.at: Klingt auf jeden Fall interessant. Ihr habt ja in der Schweiz gestartet, seit aber jetzt in der ganzen Welt unterwegs. Wie kam es zu Auftritten im Ausland, ihr scheint ja zB. auch in Amerika eine große Fanbase zu haben?

Anna: Naja nicht überall.
Chrigel: Seit drei Alben machen wir zu jedem Album ne Welt-Tournee, die so zwischen eineinhalb bis zweieinhalb Jahre dauert. Und ja wie’s zustande kommt…schwer zu sagen. Also grundsätzlich spielen wir immer da wo Nachfrage besteht. Wir buchen die Konzerte nicht selber, sondern wir werden auf Tour angefragt, wie’s halt normalerweise läuft. In Nordamerika ist eine wahnsinnig starke Szene für diese Art von Musik, Südamerika auch – Warum? Ich weiß auch nicht, es gefällt den Leuten irgendwie. (lacht)

www.music-news.at: Wie ist die Crowd im Ausland verglichen mit dem europäischen Festland? Ich habe gehört, dass es da durchaus Unterschiede geben kann.

Anna: Ich find nicht groß…
Chrigel: Ich auch nicht. Das Einzige was ich wirklich anders fand oder finde sind die Leute in Indien und Japan. Sonst ist’s überall ähnlich – Metalheads sind einfach Metalheads, aber in Indien ist es wirklich anders.

www.music-news.at: Eher ruhiger?

Chrigel: Also in Indien war das krasseste Publikum das wir jemals hatten.
Anna: Die rasten völlig aus. Die Japaner sind dafür wiederum einfach sehr höflich.

www.music-news.at: Das es (fast) überall ähnlich ist hätte ich jetzt nicht gedacht.

Chrigel: Ich denke, und das klingt jetzt super-kitschig, das ist einfach das schöne an der Metal-Szene: es zeigt wie sehr das Menschen verbinden kann – das ist schön!

Das schöne an der Metal-Szene: es zeigt wie sehr das Menschen verbinden kann!

www.music-news.at: Gibt’s auch außergewöhnliche oder so richtige lustige Momente, die ihr auf Tour erlebt habt?

Chrigel: Mindestens einmal pro Tag
Anna: Ja mindestens. (lacht)
Chrigel: Ich wüsst jetzt ehrlich gesagt nichts, dass mir spontan einfällt. Es passiert so viel die ganze Zeit.

www.music-news.at: Bei so vielen Erlebnissen, sicher zu viel, um was rauszupicken.

Anna: Also beim ersten Mal als wir in Indien gespielt haben, mussten wir das Konzert abbrechen, weil die Leute komplett ausgerastet sind und angefangen haben die Barrikaden zu durchbrechen. Da musste dann, ich glaub der Rektor von der Universität dort, jemand auf die Bühne und eine Rede halten, damit die Leute sich beruhigen.
Chrigel: Wie Ghandi hat der gewirkt.
Anna: Wir wurden auch bewacht von Soldaten mit Maschinengewehren…es war völlig surreal das Ganze.

www.music-news.at: Ok das ist heftig. Da geht’s bei uns Gott sei Dank friedlicher zu. Da wir fast schon am Ende des Interviews sind, wollte ich euch noch über zukünftige Pläne fragen.
Das letzte Album ist ja letztes Jahr erschienen. Gibt’s da bereits Pläne nach der Tour?

Chrigel: Ja die Tour dauert eigentlich noch bis Ende nächsten Jahres, von dem her haben wir ja noch eineinhalb Jahre vor uns, aber wir haben schon über ein nächstes Album zu sprechen begonnen und nehmen das demnächst mal in Angriff.

www.music-news.at: Also noch nichts konkretes?

Chrigel: Sagen wir es ist noch nicht spruchreif.

www.music-news.at: Also ist es noch nicht über das gedankliche Konzept hinaus?

Chrigel: Wir wollen noch nicht zu viel verraten…es ist schon spruchreif…aber eben noch zu viel verraten.

www.music-news.at: Und wie schauts mit Plänen für die nähere Zukunft aus?

Chrigel: Ich werde jetzt erst mal ne Stunde lang duschen (lacht)

www.music-news.at: Na gut, dann sind wir jetzt eh schon am Ende des Interviews und ich möchte mich bedanken, dass ihr euch die Zeit für meine Fragen genommen habt und wünsche euch noch viel Spaß auf dem Nova Rock und auf der weiteren Tour!

Bildercredits: Gerald Rendl

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