Mit ihrer aktuellen Single “My Sweet Oblivion” gelang es Polkov, zu überraschen: Auf Wiedersehen Folk- und Countryanleihen, hallo Synths und ordentlich Hall auf der Stimme. Dennoch schmiegt sich auch der neue Song so nachhaltig in die Gehörgänge, wie man es von den Tracks des ersten Albums aus dem Jahr 2014 und der im Sommer 2015 erschienenen EP gewohnt war.

Im Jahr 2012 gegründet, zählt die Formation um Laurenz Jandl mit Florentina Finder, Alexander Hackl, Jakob Kolb, Günther Paulitsch, Paul Pfleger und Jürgen Schmidt mittlerweile sieben Mitglieder, von denen man einige aus anderen Zusammenhängen kennt. So ist etwa Alex Hackl auch bei Farewell Dear Ghost für die Gitarre zuständig.
Auch das im Herbst erscheinende Album wird dem Sound der Vorab-Single folgen und einige wichtige Zutaten seines Vorgängers durch neue ersetzen, wie wir im Interview in Erfahrung bringen konnten. Außerdem verriet uns Polkov, unter welchen außergewöhnlichen Bedingungen das neue Album entstand, auf welche Begegnungen die Band besonders gerne zurückblickt und wie sie die momentane Situation für österreichische Bands einschätzt. Ach ja, und irgendwas war da auch noch mit Ingwer und George W. Bush…

PARADOX: Eure neue Single “My Sweet Oblivion” klingt deutlich weniger folklastig, als man es von euch gewohnt ist. Welcher Umstand hat diese Veränderung bewirkt?

Polkov: Wir haben uns im Herbst 2014 drei Wochen in einem Haus in der Bretagne eingenistet und haben gemeinsam gekocht und gegessen und versucht, neues Material als zum Leben zu erwecken. Zu dem Zeitpunkt war das Debütalbum zwar noch gar nicht veröffentlicht, allerdings haben wir gemerkt, dass wir im Vergleich dazu die ganze Sache ein bisschen anders angehen wollten. Anstatt von einem rudimentären Arrangement mit Westerngitarre oder Piano auszugehen und darauf dann aufzubauen, haben wir gemeinsam als Band versucht, aus einem Guss zu arrangieren – das hat uns den Weg gezeigt, wohin die Reise geht.

PARADOX: Welche Überraschungen darf man sich von eurem im Herbst erscheinenden Album erwarten?

Polkov: Durch die gemeinsame Arbeitsweise ist das neue Album mit Sicherheit eine schlüssige Platte geworden, wobei – ähnlich wie auf dem Debüt – wohl auch einige Überraschungen lauern. PedalSteel Gitarre wird es aber diesmal keine geben und auch kein Sax oder Trompeten. Streicher kommen diesmal von analogen Synths.

PARADOX: Was sind abgesehen von der Albumveröffentlichung eure Pläne für die nächste Zeit?

Polkov: Wir möchten gerne wieder reisen, viel reisen, möglichst weit reisen, und im Idealfall dort schöne Konzerte spielen.

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PARADOX: Wo soll der Weg von Polkov im Idealfall langfristig noch hinführen?

Polkov: Zu den besten Songs, die uns möglich sind.

PARADOX: Mit eurer aktuellen Besetzung von sieben Leuten sprengt ihr die übliche Bandgröße. Welche Vorteile ergeben sich für euch daraus?

Polkov: Eine komplexe Organisation und Logistik, sodass wir möglichst wenig unter Langeweile leiden.

PARADOX: Und wo liegen die Schwierigkeiten dabei?

Polkov: Wir sind alle sehr gut befreundet und müssen immer so viel privates Zeug reden.

PARADOX: Was war das Highlight eurer bisherigen Bandgeschichte?

Polkov: Eines unserer Highlights im letzten Jahr war ein Straßenmusiker in Tallinn, mit dem wir uns angefreundet haben. Er ist australischer Jude und hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Er wohnt alleine in einer alten sowjetischen Olympia-Halle im Industriegebiet am Hafen von Tallinn. Die überdimensionale Halle war Austragungsort der Olympischen Spiele in Russland 1980 und ist seit Jahren stillgelegt und verfallen… und jetzt sein Zuhause und Studio.

PARADOX: Und gab es auch so etwas wie einen absoluten Tiefpunkt?

Polkov: Leider haben wir eine offizielle Absage von George W. Bush bekommen, weil wir so gerne eines seiner Hundeportraits als Albumcover verwendet hätten.

Glaubt ihr an die allheilenden und heiligen Kräfte des Ingwer Strunks?

PARADOX: Gibt es eine Frage, die ihr immer schon gerne beantwortet hättet, die euch aber in Interviews noch nie gestellt wurde?

Polkov: Glaubt ihr an die allheilenden und heiligen Kräfte des Ingwer Strunks?

PARADOX: Und was wäre dann die Antwort auf diese Frage?

Polkov: Ja.

PARADOX: Spürt ihr momentan so etwas wie einen Aufwind in der österreichischen Rock- und Popszene?

Polkov: Ja! Es wird deshalb vielleicht auch in Deutschland mehr und selbstbewusster österreichisch von den Österreichern gesprochen. Das ist schon lange überfällig.

PARADOX: Und wie sieht es mit KollegInnen in der Szene aus? Überwiegt Kollegialität oder Konkurrenzdenken?

Polkov: Es gibt echt sehr viele super Sachen und auch einige nicht so besondere. Aber jeder sollte respektiert werden, der es riskiert, sein Herzblut für eine Sache zu bündeln.

PARADOX: Wie schwer ist es wirklich für eine (österreichische) Band, über die Runden zu kommen?

Polkov: Leider schon oft sauschwer. Aber das ist nicht nur in Österreich so, auch, wenn wir das manchmal gerne glauben wollen.

PARADOX: Mit unserer Website musicnews.at und dem PARADOX Magazin haben wir es uns zum Ziel gesetzt, die österreichische Musikszene zu fördern. Darum die letzte Frage: Habt ihr irgendwelche Tipps für junge, ambitionierte österreichische Musikerinnen und Musiker?

Polkov: Im Zweifelsfall lieber Songschreiben als Netzwerken und nicht zu viele Bandwettbewerbe spielen.

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