Esseker werden im Frühling wieder ins Studio gehen. Bis dahin ist Songwriting angesagt.

Ich treffe Mike von der Wiener Band Esseker im Metal-Lokal Escape in der Neustiftgasse in Wien. Er ist dort, um als Juror die Bands des SPH-Bandcontests zu bewerten und Feedback zu geben. Ich schaue mir den Ablauf des Contests an, weil ich nächste Woche im „Local“ den Showleiter machen soll. Nachdem alle Bands ihren Auftritt hatten, die Jury und das Publikum ihr Urteil gefällt haben, die Bands sich einzeln bei der Jury Feedback abgeholt haben, setzen wir uns im Backstagebereich zusammen und plaudern über das letzte Jahr in dem Esseker das Album „Coalescence“ mit der neuen Sängerin Susi Q Cook herausgebracht haben und dieses nach allen Regeln der Kunst an den Mann oder die Frau gebracht haben.

www.music-news.at: Was kannst du uns über das letzte Jahr seit der Release des neuen Albums „Coalescence“ erzählen?

Mike: Wir haben letztes Jahr nach der Coalescence-Release noch mehr Gigs gespielt und haben versucht das Album zu vermarkten. Wir haben jetzt wieder eine typische Winterpause hinter uns. Letzten Freitag haben wir einen Gig in der Szene mit „Blind Petition“ gespielt. Wir sind wieder in der Entstehungsphase, wir sind dabei wieder neue Songs zu schreiben. Es ist auch gig-mäßig ein bisschen Pause, das heißt wir haben derzeit auch keine Gigs anstehen.

www.music-news.at: Keine Festivals im Sommer?

Mike: Nein, wir haben auch kein Booking betrieben, daher stehen jetzt keine Konzerte auf dem Plan. Dieses Jahr müssen wir verschärft schreiben, weil wir nächstes Jahr wieder im Studio sind. Die Entstehung von neuen Nummern dauert halt doch ein wenig. Beim letzten Album hatten wir auf Grund des Sängerinnenwechsels wenig Zeit. Die Suzy ist zu uns gekommen und wir haben in der Zeit mit ihr das alte Material lernen müssen. Das hat aber zum Glück sehr schnell funktioniert. Suzy hat alles sehr schnell drauf gehabt. Sie war schon beim Vorsingen sehr gut vorbereitet und alles hat sehr gut geklappt. Als wir soweit waren, stand schon das Recording von Coalessence an. Ein halbes Jahr hatten wir Zeit was Neues zu schreiben. Das ist uns auch gut von der Hand gegangen. Coalessence ist im Stil sehr unterschiedlich zu Forsaken (2012), gerade mit Suzys Stimme. Die melodischen Parts haben wir ausschmücken können, das Growling ist stärker hineingekommen.

www.music-news.at: Singst du in den melodischen Parts auch mit, oder beschränkst du dich aufs Growlen?

Mike: Es gibt natürlich auch von mir Gesang, aber der hat sich schon sehr reduziert. Wir wollen aber, dass sich das mit dem neuen Album wieder ändern wird. Es wird wieder melodiöser, den Gesang betreffend.

Im Frühjahr 2016 gehen Esseker wieder ins Studio

www.music-news.at: Wann sind die nächsten Studiozeiten geplant?

Mike: Im Frühjahr 2016 wollen wir ins Studio gehen. Die Aufnahmen werden bis in den Sommer dauern, im Herbst werden wir releasen. Bis dahin wird es wieder Shows geben, aber der starke Fokus liegt jetzt auf dem Songwriting.

www.music-news.at: Wie ist es jetzt mit den anderen Bandmitgliedern, sind die alle schon seit 2008 dabei?

Mike: Es hat schon einige Besetzungsswechsel geben. In die Band bin ich eigentlich als Schlagzeuger gekommen, und dann zum Sänger „aufgestiegen“ (grinst). Wir haben damals noch mit Ali gesungen, dannach haben wir mit der Julia das Forsaken Album eingespielt. Wir haben uns danach doch nach einer anderen Sängerin umgeschaut. Die Laura hat uns für eine Show unterstützt und dann sind wir schon auf die Suzy gestoßen.

Der Chris ist seit 2012 unser Schlagzeuger. Er ist also am Ende von Forsaken zu uns gekommen. Das Album hat noch Tom von Devastating Enemy eingespielt. Der Chris hat schnell alles einstudiert und spielt seitdem bei uns.

www.music-news.at: Du hast es ja schon angesprochen, du bist nicht nur Sänger, sondern auch Drummer und hast noch eine zweite Band.

Mike: Ja, ich habe auch eine zweite Band: High Heeler. Bei dieser Gruppe bin ich auch schon viel länger als bei Esseker, nämlich seit 14 Jahren. Mit High Heeler machen wir die zweite LP, es soll ein Tonträger mit mindestens zehn Tracks werden. Wir lassen die Songs gerade von Norbert Leitner abmischen, der insgesamt eine super Arbeit macht. Wir haben nicht das beste Recordingmaterial gehabt, aber da ist es gut, wenn man einen Produzenten hat, bei dem man sicher ist, dass er was aus dem vorhandenen Material macht. Wir kennen jetzt schon einige Arbeiten von ihm, wir wissen wo wir hinwollen, wir wissen wohin Norbert will und was er kann, und das Ergebnis klingt sehr gut. High Heeler ist aber musikalisch eine ganz andere Geschichte als Esseker.

www.music-news.at: Das läuft alles parallel, die beiden Bands? Ist doch nicht so einfach da Prioritäten zu setzten?

Mike: Es ist relativ schwierig sein Privatleben dann noch zu genießen, weil mit zwei Bands hast du ja doch die wöchentliche Verpflichtung proben zu gehen. Neben einem Fulltime-Job ist das schon eine Herausforderung.

www.music-news.at: Ist es nicht schwierig die beiden Bands und die Instrumente, die du jeweils spielst, zu trennen?

Mike: Ja, aber ich machs gerne und Schlagzeug macht unheimlich Spaß, Singen macht auch Spaß und daher hab ich mich für beide Wege entschieden.

www.music-news.at: Gitarre spielts du nicht?

Mike: (lacht) Ja, ich habe auch schon Gitarre gespielt, sogar Bass habe ich schon gespielt. Ich mache ja schon mittlerweile über 20 Jahre Musik und habe mit Gesang und Gitarre angefangen. Dann habe ich ein anderes Projekt gehabt, bei dem ich angefangen habe Schlagzeug zu spielen. Das ist in Richtung Metalcore gegangen, aber es hat nicht lange zusammengehalten.

www.music-news.at: Hast du immer in Richtung Metal gespielt? Genremäßig hast du keine Ausflüge gemacht?

Mike: Faux-pas?

www.music-news.at: Es gibt keine Faux-pas in der Musik.

Mike:Nein, selten; ich habe tatsächlich auch Bass gespielt in einer Austrorock-Partie, das war auch ganz nett, es war halt eine ganz andere Schiene. Wir hatten da ganz anderes Publikum. Dieses Projekt hat sich nicht lange gehalten, weil ich da zeitlich auch eingeschränkt war, und es ist sich nicht ausgegangen. Die Band hat auch sehr bald einen sehr guten Ersatz am Bass gefunden, dieser Bassist hat auch perfekt die zweite Stimme singen können. Sonst war bei mir immer alles metal-lastig, es ist halt doch die Musik mit der ich mich am meisten identifizieren kann. Beim Writing für Metal-Projekte habe ich schon ein gutes Gefühl dafür, was gut wirkt. Am Anfang habe ich auch eher rockigere Geschichten gemacht, daher ist Esseker gar nicht so der ultraharte Metal…

www.music-news.at: Ihr variiert ja sehr viel.

Mike: Genau, wir sind facettenreich, du kannst uns nicht auf ein Festl mit einer Deathmetal-Partie schicken, wir passen auch nicht mit einer Blackmetal Band zusammen. Es ist schon sehr mainstreamig, teilweise kann es auch härter werden. Ich hab auch gehört dass wir manchmal in Richtung Pantera rutschen. Unser Gitarrist, Andi, ist ja ein sehr großer Anhänger von Darrel Dimebag und Pantera. Pantera ist etwas mit dem man halt aufgewachsen ist, und das merkst du vom Riffing her. Auch seine Soli weichen oft in diese Richtung ab.

Songwriting nach Esseker-Art

www.music-news.at:Du hast ja gesagt bei euch schreibt hauptsächlich der Leadgitarrist die Lieder und du und die Suzy schreibt die Lyrics?

Mike: Genau. Bei uns steht in erster Linie die Idee der Harmonie, der Parts wie man sie arrangieren kann und dann versuche ich zu schauen, wie sich da Lyrics dazwischen ausgehen. Da unterscheiden wir uns vielleicht von anderen Bands.

www.music-news.at: Es gibt ja die verschiedensten Zugänge zum Songwriting.

Mike: Ja, genau, bei uns basiert alles auf der Musik und dann erst kommen die Lyrics dazu, von denen ich tatsächlich den Großteil schreibe.

www.music-news.at:Du schreibst auch für eure Sängerin?

Mike: Ich versuche abzuschätzen, wo die Männerstimme am besten passt und wo die weiblichen Lyrics reinpassen. Damit das ganze zur Geltung kommt.

www.music-news.at: Du konzipierst ihr auch die Melodie vor? Singst ihr das vor, was du gerne hättest?

Mike: (lacht) Ja, wenn ich da den Norbert mal zitieren darf, der Esseker produziert: ‚Es ist im Studio so abgelaufen, dass es teilweise nach einem „Eunuchenchor“ geklungen hat.‘

www.music-news.at:Es ist ja nicht so einfach als Mann einen Sopran zu imitieren.

Mike: Ja, wenn man in der absoluten Kopfstimme die Parts vorgesungen hat, dann ist das schon etwas merkwürdig, aber die Suzy hat das sehr schnell verstanden, was ich damit ausdrücken will und das hat dann auch ganz gut funktioniert. Sie hat das sehr gut umgesetzt, wo ich gedanklich hinwollte. Wir sind da im Studio auf sehr viel draufgekommen. Drei, vier Nummern sind erst im Studio wirklich gereift. Wir haben zwar das Konzept für die Songs gehabt, wir hatten Aufnahmen, die Parts und das Arrangement waren fertig, aber da haben wir noch im Gesang ausschmücken können. Da haben wir wirklich den Vorteil gehabt, dass wir uns auch die Zeit nehmen konnten, daran zu feilen.

www.music-news.at: Das heißt das ist vom Label vorfinanziert worden?

Mike: (grinst) Nein, gar nicht. Leider, wie bei so vielen Bands ist es auch bei uns, dass wir uns die Kosten privat finanzieren mussten. Wir haben jetzt ein Label, wir sind bei „Earcatcher-Records“, die für uns hauptsächlich den Vertrieb übernehmen. Wir haben dadurch einen digitalen Vertrieb und das hilft uns sehr.

www.music-news.at: Das ist ja auch das Wesentliche heutzutage, was ein Label macht und machen sollte.

Mike: Ja, wir werden auch das neue Album bei Earcatcher releasen. Wir müssen schauen, dass wir nächstes Jahr noch einiges in Richtung Booking machen, weil, wenn wir sagen im Herbst wird das Album released, müssten wir im Frühjar schon einen Tourplan für 2017 haben. Das ist ja schon weit vorgegriffen und wir werden dazwischen schon einige Shows haben, aber ich glaube, der Fokus wird jetzt auf der Release liegen. Wir brauchen noch Artwork, das ist alles erst im Entstehungsprozess.

www.music-news.at: Wer von euch ist Grafiker, oder habt ihr da Freunde, die das für euch machen?

Mike: Das letzte Album Cover hat Gerhard Roscher gemacht, der hat das Design gemacht. Der erste Vorschlag hat nicht mit dem Titel zusammengepasst. Es war zu düster, aber der zweite Vorschlag hat uns sehr gefallen. Das war vom Konzept genau das, was wir uns vorgestellt haben.

Esseker

Esseker

www.music-news.at: Du hast es schon anklingen lassen, wie ist das jetzt ein Metalmusiker in Wien zu sein mit Fulltimejob, wie geht das?

Mike: (lacht) Wenn ich Hüttengaudi singen würde, würde ich wohl mehr verdienen. Aber das ist nicht Meines, das erfüllt mich nicht. Es gibt ja viele Metalbands in Österreich, die tatsächlich sehr gut sind, aber wahrscheinlich nicht mehr damit verdienen als wir. Eine Band lebt hauptsächlich vom Merchandising. Vielleicht kannst du es dir irgendwann leisten eine bestimmte Gage zu verlangen, aber die wenigsten Veranstalter haben auch das Budget jeder Band ernsthaft etwas zu zahlen. Du bis oft froh, wenn du die Anreise retourniert bekommst, vielleicht die Nächtigung bezahlt bekommst oder Verpflegung. Aber wir haben auch in Budapest schon gespielt und auch nicht wirklich verdient. Das ist nicht auf Österreich beschränkt.

Wie finanziert man ein Metal-Album?

www.music-news.at: Ganz indiskrete Frage: Sind die Kosten vom letzen Album gedeckt, oder habt ihr da noch immer genug vom eigenen Geld hineingesteckt?

Mike: Das ist eine gute Frage: man hat schon in Österreich die Möglichkeit verschiedene Kanäle zu nutzen, also das Marketing ist ja ganz wichtig bei einer Band, wenn man die Möglichkeit hat in einer Fernsehsendung dabei zu sein. Wenn man im Radio gespielt wird. Die Produktionskosten von beiden Alben kann ich mir nicht vorstellen, dass das wieder hereingekommen ist, ich kenne aber die genauen Zahlen nicht. Es wird sich irgendwie die Waage halten. Das neue Album ist bei weitem noch nicht finanziert, da gibt es ja auch Möglichkeiten wie Crowdfunding und ähnliche Konzepte. Ist aber auch schwierig.

www.music-news.at: Habt ihr auch bisher nicht gemacht.

Mike: Nein, aber es gibt sicher diese Kanäle, dass die Finanzierung dann steht. Es kommt ja auch drauf an, wo du aufnimmst, wie lange das dauert, und auf viele andere Faktoren. Man muss damit rechnen, dass ein gewisser Teil des Einkommens für die Bands drauf geht und wenn du in zwei Bands bist, ist das natürlich die doppelte Belastung.

www.music-news.at: Teilt ihr die Kosten durch die Anzahl der Mitglieder?

Mike: Ja klar, das ist recht unproblematisch, da ziehen wir an einem Strang, vielleicht gibt es den einen oder anderen der sich das leichter leisten kann, aber es ist ein gemeinsames Etwas, daher gibt’s auch keine Diskussion, du bist Member und musst deinen Anteil tragen. Vielleicht ist es einfacher, wenn zum Beispiel das Pressing finanziert wird, aber du bist dadurch dann auch wieder abhängiger und der Druck ist dann größer. Label haben kann positiv sein, ich selber hab noch keine negativen Erfahrungen gemacht, aber ich hab von anderen Partien schon gehört, dass es da zu Problemen gekommen ist. Da denkst du dir zum Glück haben wir kein Label. Wenn wir sagen wir releasen im Februar und dann dauert es doch bis in den Sommer, weil wir daran feilen wollen, dann ist das kein Problem, aber wenn das Label sagt Frühjahr ist Abgabetermin dann hast du natürlich viel Druck. Ein Major-Label-Deal ist sicher gut, weil man da ein gutes Booking hat eine gute Tourauslastung, das ist sicher auch sehr gut…

www.music-news.at: Das muss aber die Band dann aber auch aushalten.

Mike: Ja, wenn man in diese Richtung arbeitet ist das was ganz anderes. Wie haben noch keine wochenlangen Touren gehabt, also wir kennen das noch gar nicht. Es ist auch zeitlich schwierig, wenn man nebenbei auch einen Job hat, bei dem man dann und wann anwesend sein muss.

www.music-news.at: Was machst Du im zivilen Beruf?

Mike: Ziviler Beruf? (grinst) Ja, ich sitze in der IT, unser Gitarrist ist Professor, der hat Sommerferien da wäre das leichter, er unterrichtet Chemie und Biologie.

www.music-news.at: Also kein Musiklehrer?

Mike: Nein, obwohl er das sicher sehr gut könnte. Das ist überhaupt lustig bei unserer Show auf der Donauinsel haben ihn Schülerinnen erkannt. Eine war Feuer und Flamme, wie sie ihn in der Schule dann gesehen hat. Der Rhythmusgitarrist ist bei Addicted to Rock in der Gastronomie, der Andi hilft mit und beide sind zeitlich auch sehr eingebunden. Der Chris ist der einzige hauptberufliche Musiker.

www.music-news.at: Welches Instrument spielt er?

Mike: Er ist der Schlagzeuger, er spielt daher in vielen verschiedenen Bands. Er ist aufgrund seines könnens sehr gefragt. Er spielt bei Madox, bei Teufelskreis und ist ein absoluter Professionist, er hats ja gelernt.

www.music-news.at: Also ein akademischer Musiker?

Mike: Ja, Konservatorium. Vom Fach.

www.music-news.at: Welche Metalbands wären deiner Meinung nach sonst noch wert zu hören?

Mike: Es gibt sehr viele gute Metalbands in Österreich, Black Inhale, sehe ich viel zu selten, die sind gerade auch am Album aufnehmen, glaube ich. coole Partie. Aber es gibt sehr viele interessante Bands da kann ich mich wirklich nicht auf einige Namen einschränken. High Heeler, Diamond Falcon, das möchte ich so nicht entscheiden. Ich könnte Death-Metal Bands aufzählen auch viele Black-Metal Partien, vielleicht komme ich auch aus dem Metal raus, viele gute Bands haben sich ja auch wieder aufgelöst wie Devastating Enemy, da ist das Konzept auch zerbrochen, obwohl es sehr gut war. Es hat ja jeder sein eigenes Geschmackl…

www.music-news.at: Ja klar, deshalb frage ich ja.

Mike: Mayburn, die „Rock in Vienna“ bespielt haben, sie machen Power Rock, sehr gutes Writing, guter Sänger.

www.music-news.at: Was sagst du zu den Auftrittslocations für Metalbands in Wien? Zwei, drei Lokale, das war es?
Mike: Nein, es sind schon mehr, es ist hier das Escape, der Viper Room im dritten Bezirk und dann das Arenabeisl, Gasometer geht auch, da ist es halt schwierig die Reichweite als Band zu haben, dass du im Gasometer spielen kannst.

www.music-news.at: Ja, die Szene gibt es ja auch noch, da sollen ja auch schon Metalbands gespielt haben.

Mike: Das Rockhaus gibt es ja nicht mehr.

www.music-news.at: Das wurde ja durch das Gasometer „ersetzt“.

Mike: Das Replugged gibt’s auch noch, aber sicher, die Gürtellokale lassen auch Metalbands spielen zum Beispiel das Venster, da werden High Heeler im Herbst spielen. Es gibt die Soulveranda, zumindest härteren Rock und auch Metal kann man dort spielen. Das Aera gibt’s ja auch noch im 1. Bezirk.

www.music-news.at: Da muss man aber schon wirklich ordentlich zahlendes Publikum bringen, was ich so von den Konditionen dieser Lokale weiß.

Mike: Ja, sich als Eigenveranstaltung einzumieten ist nie billig, aber man hat schon Möglichkeiten als Band in Wien. Sonst muss man dann in die Umgebung raus, aber das Angebot ist ja auch dort sehr dünn gesät.

www.music-news.at: Wo habt ihr mit Esseker außerhalb von Wien gespielt?

Mike: Tirol haben wir noch nicht geschafft, aber sonst waren wir schon in jedem Bundesland, in der Steiermark haben wir schon öfters gespielt und auch viel im Umkreis von Wien. Kärnten war auch dabei… Wir haben nicht den Bekanntheitsgrad, dass wir permanent gebucht werden, und wir müssen uns daher um diese Sachen selber kümmern. Wenn du wo spielst, wo dich keiner kennt und du dann als Co-Headliner gebooked wirst, weil du dann die „Wiener“-Band bist, das ist dann schon recht schwierig. Du bist halt abhängig davon, dass die lokalen Bands Leute bringen.

www.music-news.at: Ja das stelle ich mir schon schwierig vor, gerade als Wiener ist man nicht unbedingt der Beliebteste, wenn man in die Bundesländer geht? Ich weiß nicht wie das mit Wiener Metal Bands ist?

Mike: Am besten du erwähnst es nicht! (lacht)

www.music-news.at: Ja, das glaube ich auch….

Mike: Aber so schlimm ist es nicht, ich glaube es ist schlimmer, wenn du in Graz spielst und aus Villach bist. Wir haben da noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber in Wien ist es oft zach, die Leute gehen nicht mit, aber es ist auch in den Bundesländer nicht so einfach… In anderen Ländern wie in Tschechien kann ich mir vorstellen, dass es ganz anders ist. Die haben einen anderen Bezug zur Musik, auch Richtung Serbien ist es sicher anders, in Russland sind Metaler Götter, wer hat in Wien schon Bezug zu Metal? Welchen Stellenwert hat Metal in Österreich? Praktisch keinen. Man hat durch die nationalen Awards dann vielleicht vier Bands die im Vordergrund stehen, aber die anderen kennt keiner. Es gibt ja bei uns große Festivals, wo dann internationale Bands gebucht werden, die kennen dann die Österreicher, aber die eigenen Bands kennt niemand. Ich glaube da haben es derzeit die Austrorock Bands leichter. Die ganzen deutschsprachigen Sachen gehen sicher leichter, aber ich glaub auch nicht, dass Punk in Österreich wirklich geht, da ist Österreich ein wenig ein zu verbissenes Land.

www.music-news.at: Ich glaube kommerziell geht bei uns eher mehr Schlager und Volkstümliches.

Mike: Ja, sicher, aber daran hängt mein Herz nicht, die Unterstützung ist halt schwach, es gibt viel zu viele Bands und man kann auch nicht alles unterstützen. Es ist schwierig eine gewisse Bekanntheit zu erlangen und diese auch zu erhalten. Einfach am Ball bleiben. Es gibt viele Partien, die aufgekommen sind, aber nach einiger Zeit war der Druck zu groß. Dann hat man sich das anders vorgestellt und es zerbricht wieder, was natürlich schade ist, aber das passiert. Man muss sich halt die Frage stellen, will ich das machen, um Geld zu verdienen oder weil ich es gerne mache. Da liegt eine große Welt dazwischen.

www.music-news.at: Du wirst auch nicht so weit kommen, wenn du versuchst es zu machen, weil es Geld gibt.

Mike: Sicher, die paar, die davon leben können haben dann das richtige Glück gehabt. Du musst in die richtige Kreise kommen, im richtigen Moment am richtigen Ort, genau dann die richtige Musik machen, die gerade wo reinpasst und dann ist es eine Marketing Geschichte. Da sieht man ok, das verkauft sich und dann wird es gepusht. Es ist halt das Problem, ob man das macht, was gewollt ist, oder das, was man selbst will, und dann macht man es oft nur für sich selbst.

www.music-news.at: Es ist auch immer das Problem, wem soll man vertrauen? Es gibt ja immer viele gute Ratschläge, was man tun soll…

Mike: Du hast dann einen Produzenten, der dir einen Riegel vorschiebt, und dann ist es auch nicht mehr das, was du machen wolltest, es ist immer so, man muss das ein wenig von außen sehen, ob das für die anderen Members das auch verkörpert. Das ist in einer drei Member-Band wohl leicher, als bei einer sechsköpfigen Band. Da ist jeder Entstehungsprozess schwieriger, aber du musst es dann so verkaufen, als wäre es das, was du ursprünglich wolltest. Einen gemeinsamen Konsens zu finden, aber man sollte sich immer ein wenig treu bleiben, weil auf lange Sicht, hat das am meisten Sinn. Sonst zerbricht das Projekt auch ganz schnell, weil irgendwann geht’s dir am Zeiger. Der Reiz ist dann weg, wie viele Musiker haben dann ganz mit Musik aufgehört. Sie hatten das Gefühl: ‚Jetzt g’freuts mich gar nicht mehr.‘, und haben komplett aufgehört und das ist natürlich total schade.

Der Sänger: die Marketingabteilung?

www.music-news.at: Gerade als Sänger muss man ja „verkaufen“ auf der Bühne, und man muss von der Band respektiert werden, dass die Band das dann gutheißt, was man als Frontman mach.

Mike: Ja, es ist sicher gut, wenn die Band einem vertraut. Auch hat man dann als Sänger mehr Selbstbewusstsein. Es müssen alle an einem Strang ziehen, es hängt viel am Sänger, aber auch nicht alles. Es gibt ja auch Bands ohne Sänger, nur zwei Leadgitarren, die den Sänger komplett ersetzen, gerade im Progressivmetalbereich. Es ist schon die Aufgabe von jedem, das live zu verkaufen. Gerade für junge Bands ist das sehr schwierig. Die größte Hürde ist oft, dass sie das, was sie präsentieren wollen auch präsentieren. Aber es kommt mit der Routine, je öfter du spielst, desto besser wirst du. Es gehört halt auch Übung dazu, Selbstvertrauen, eine gesunde Portion Eier, aber es gibt nix Leiwanderes als die Interaktion mit dem Publikum. Wenn man in die erste Reihe schaut und da wedeln die Köpfe und wenn die Nummer vorbei ist und nach jeder Nummer brüllt dich der Typ an, es taugt ihm so sehr und du willst am liebsten zurückbrüllen, weil das so ein geniales Gefühl ist. Es kommt echt auf jeden Einzelnen unten an, der dir das Gefühl gibt, dass das so leiwand ist, was du tust. Für viele Bands ist das das Einzige, was sie für ihre Musik bekommen. Zu einer coolen Show gehört, dass du dem Publikum was gibst, und das Publikum gibt dir etwas zurück. Es ist immer ein wenig Herzklopfen vor jeder Show dabei, ob das jetzt aufgeht oder nicht. Wenn du es schaffst das Publikum an dich zu reißen und sie machen mit dir Party, ist das unbeschreiblich.

www.music-news.at: Wie ist das bei dir mit Lampenfiber?

Mike: Schwierig, ich bin ja recht viel auf der Bühne gestanden, es kommt halt drauf an, welches Instrument du spielst. Wenn ich Schlagzeug spiele, hab ich vor der Show und nach der Show wenig Zeit für Lampenfieber, weil ich den Stress mit Auf- und Abbau habe. Grad am Schlazeug ist es in der Umbauphase stressig, weil du ja meist nur 15 Minuten hast. Bei Esseker hab ich da mehr Zeit, geh nochmal alles durch, mach noch ein paar Stimmproben, aber du hast vor jeder Show ein bischen Lampenfieber, es kommt vor allem auf deinen Allgemeinzustand an. Manchmal ists gut, wenn du was isst vor der Show, das beruhigt dich ein bisschen, manchmal ists besser dass du nichts isst, sonst ***** dich vor der Show an. (lacht) Aber so schlimm ist es schon lange nicht mehr, so schlimm wars auch nie, aber ich hab durchaus Bandmitglieder gehabt, denen der Kreislauf vor der Show auch mal Meier gegangen ist, vielleicht doch aufgrund der Masse die vor der Bühne gestanden ist. Prinzipiel gehört ein wenig Nervosität dazu, das macht ja den Kitzel aus.

www.music-news.at: Wenn man das Adrenalin nicht mehr spürt, dann….

Mike: … dann ist es ja uninteressant.

www.music-news.at: Es ist ja was anderes, zwischen Adrenalin spüren und Nervenzusammenbrüchen, Panik-Attacken, also alles schon…

Mike: … gesehen (lacht)

www.music-news.at: Ja, vielen Dank für das Gespräch, Mike.

Mike: Vielen Dank.

Foto: Mit Mike (re.) von Esseker imEscape. Credit: Roland Schrotter

Foto: Esseker imEscape. Credit: Esseker

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