Feinschmecker und Liebhaber guter Rapmusik aufgepasst:

Seit 2007 steht der Künstler am Mikrofon, seit 2007 macht Fill Mc Rap. In der Zwischenzeit ergaben sich Zusammenarbeiten und Featuretracks mit namhaften Künstlern und Untergrundgrößen wie zum Beispiel Mach One, Sleepwalker, Patrick mit Absicht oder DJ Craft von K.I.Z. Dazu konnte der MC auch massig viele Live-Erfahrungen sammeln. Gigs mit bekannten Rappern – namentlich Cr7z, Edgar Wasser, Trailerpark, Snowgoons oder DCVDNS – stehen ebenfalls auf seiner Habenseite.

Seine Diskographie ist auch mehr als beachtlich: Man darf einige Sahnestücke raptechnischer Kunst bewundern. 2009 kam die „7 freien Künste“-EP auf den Markt und Ende des gleichen Jahres die EP „E.F.A.A.F.M.“ Drei Jahre später folgten Veröffentlichungen mit mehr Hintergedanken:

LP „Fillosophie“ (2012)
Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben und oft sind es diese Geschichten, die in der Musik oder anderen Künsten zu einprägenden Werken verarbeitet werden. Im Fall seines ersten Albums „Fillosophie“ ist es die Geschichte seines bisherigen Lebens, begonnen im musikalischen Elternhaus, geformt durch den morbiden Charme und Humor der Donaumetropole und eine Jugend voller Höhen und Tiefen, verbal geschliffen durch Rap, den er bereits mit acht Jahren kennenlernte und der ihn in seiner Entwicklung als Musiker über die Jahre noch entscheidend prägen sollte. Das Wort „Konzeptalbum“ hört man in den digitalen Zeiten von YouTube-Singles, Internet Downloads und sinkenden Verkaufszahlen immer seltener. Bei dem Debütwerk kann man allerdings durchaus von einem solchen sprechen. Auf 14 Tracks präsentiert der Mittzwanziger einen autobiographischen roten Faden.

Überwiegend produziert vom steirischen Produzentenduo Schieber & Teig sowie dem Freiburger Snarez, welcher auch grafisch mitgeholfen hat, malt der Wiener darin mit schneller Zunge und geschliffenen Wortspielen eine Anzahl an Geschichten und Phantasien aus seiner Welt und macht dabei weder vor heiklen Themen, gesellschaftlichen Tabus noch den Ex-Freundinnen Halt. Unterstützung bekommt er am Mikrofon von bekannten Untergrundgrößen wie dem Berliner Mach One und anderen talentierten Wortschmieden aus Wien, Bonn und Freiburg. Zum Beispiel trugen DJ Burnee und DJ Kapazunda ihren Teil bei, indem sie für Recording und Mix verantwortlich waren.

Schwarzer Humor, irrwitzige Wortspiele und schonungslose Selbstkritik – alles Bestandteile von Fill Mc’s eigener Form der Philosophie. Nun darf man sich das Snippet des Tonträgers zu Gemüte führen.

EP „Über:wunden“ (2014)
Über Wunden schreiben ist manchmal schwierig, zum Beispiel wenn die Kunst das Leben scheinbar nicht nur abbildet, sondern im Entstehungsprozess auch wieder provoziert. Ein Kreislauf,  wenn die Kunst wieder zum Pflaster für die Wunden wird. Auf sieben Tracks präsentiert Fill MC einen aktuellen Einblick in den musikalischen Weg, der mit dem Album „Fillosophie“ 2012 begonnen wurde. Der Sound wurde durch mehrere Produzenten bewusst unterschiedlich gestaltet. Die Geschichten des Wieners dienten erneut als roter Faden. Der Bonner Produzent Wudi (Mix) und das Hamburger Urgestein Sleepwalker (Mastering) gaben dem Ganzen noch den richtigen Schliff. Wir haben es hier also mit einem talentierten Musiker zu tun, der leider nicht die mediale Aufmerksamkeit bekommt, die ihm durch sein künstlerisches Schaffen zusteht.

Interview

music-news.at:Wie hat deine musikalische Karriere begonnen, was genau waren die Ursprünge?
Fill MC:Begonnen hat alles 2007. Mit meiner ersten Crew LDN (Liga der Nation) hatte ich erste Gigs in Wien und Wiener Neustadt. 2009 veröffentlichte ich meine ersten zwei Free EPs „Septem Artes Liberales“ (Die 7 freien Künste) und „E.F.A.A.F.M.“ (Einer Für Alle – Alles Für Mich).

music-news.at:Bester Gig ever?
Fill MC:Vor drei Jahren war ich der Voract von Trailerpark und Jaw in der Szene Wien. War eine runde Sache, da hat alles gepasst -volles Haus, motiviertes Publikum und eine gute Show abgeliefert. War ein toller Abend. Auch erwähnenswert wäre, dass ich vor drei Jahren am Hanfwandertag mit Macka B am Haupttruck vor tausenden Menschen mitten auf der Mariahilferstraße live gespielt hab. Da war die Atmosphäre echt etwas Besonders. Als Zuschauer: KIZ auf Splash 2011 & Slipknot auf dem NovaRock 2015

music-news.at:Wenn ein Schizophrener mit Selbstmord droht – ist das dann eine Geiselnahme?
Fill MC:Eher Gruppensuizid. Herrscht in der betroffenen Person eine Demokratie, so kann man davon ausgehen, dass hier der Fürsprecher der anderen Persönlichkeiten bzw. Charaktere sich zu Wort meldet. Somit würde ich es als einvernehmlich ansehen.. ist dem nicht so, kann man von einer Geiselnahme ausgehen.

music-news.at:Wenn du ein Tier wärst, welches und warum?
Fill MC:Gepard – schnell auf 180. Oder vielleicht auch ein Elefant: „Nichts vergessen, dicke Haut, trotzdem dankbar und entspannt“ (Zeile aus Fill MC – Fillosophie)

music-news.at:Welches Equipment benutzt du denn?
Fill MC:Focusrite ISA One Analog Mic-Preamp, Focusrite Scarlett 6i6, Sontronics STC-2 (Großmembrankondensatormikrofon/älteres Modell)

music-news.at:Hast du einen Lieblingswitz? Wenn ja, erzähle ihn.
Fill MC:Zeit heilt alle Wunden. Beste.

music-news.at:Kannst du von der Musik leben bzw. was machst du beruflich?
Fill MC:Nein, leider noch nicht. Wie jeder andere, der im „Untergrund“ und „independent“ Musik macht, ist es immer wieder ein Kampf. Als kleiner Künstler ohne finanziellen Backup bricht einem die Überflutung an illegalen Downloadlinks deines Produkts das „Genick“. Ich würde gerne mit meiner Leidenschaft den Kühlschrank füllen und so mein Leben bestreiten. Die Kunst sollte aber nicht mit Sachen wie Geld abgewogen werden. Da ist mir meine zu wertvoll. Ich arbeite derzeit nebenbei im sozialen Bereich und übe einen normalen 40 Stunden Bürojob aus.

music-news.at:Treibst du viel Sport? Wenn ja, welche Sportart?
Fill MC:Ab und zu geht das klar, hauptsächlich Skateboarden. Vor den Auftritten hält das Proben fit.

Live Impressionen © Jonathan Meiri

Live Impressionen © Jonathan Meiri

music-news.at:Liest du sonstige Lyrik?
Fill MC:Ich lese Sachen von Immanuel Kant, Jean-Paul Sartre, Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche, Nagarjuna etc. Hauptsächlich über Philosophie.

music-news.at:Warum sind Möhren orangener als Orangen?
Fill MC:Wäre mir nicht aufgefallen. Vielleicht eine Art Verschwörung der Illuminati, Bilderberger, Reptiloiden oder es sind doch die Chemtrails daran schuld. Möglich wäre alles.

music-news.at:Bist du ein Frühaufsteher oder eher ein Morgenmuffel?
Fill MC:Seit zwei Jahren stehe ich aufgrund meines Jobs um 05.00 Uhr morgens auf. Laune kommt erst nach ein paar Stunden in einen für meine Umwelt tolerierbaren Modus. Vorher ist es eigenes Risiko, mich von der Seite an zu labern.

music-news.at:Was ist für dich das Wichtigste im Leben, bzw. woran glaubst du wirklich?
Fill MC:Eine gute Zeit mit korrekten Menschen zu haben. Glauben heißt nichts wissen. Ich beschäftige mich mit Philosophie und Buddhismus. Da kann man für sich selbst den gewissen Mittelweg finden.

music-news.at:Gibt es ein Lieblingsbuch (oder mehrere), das du jederzeit immer wieder lesen könntest?
Fill MC:Das ändert sich immer wieder. Derzeit sind es „Buddhismus und Quantenphysik: Schlussfolgerungen über die Wirklichkeit“ (von Christian Thomas Kohl) und „Wie Siddhartha zum Buddha wurde: Eine Einführung in den Buddhismus“ (von Thich Nhat Hanh)

music-news.at:Erzähl uns ein paar Sätze über deine zukünftigen Projekte. Sind Kollabos oder andere Dinge geplant?
Fill MC:Nächstes Jahr kommt definitiv wieder was. EP oder LP. Bin derzeit unter anderem mit Freshmaker Beats in Kontakt und paar Feats für’s neue Album sind auch schon aufgenommen. Will das Jahr wieder mehr live spielen. Der letzte Gig war 2014 mit Cr7z und das ist gefühlte fünf Jahre her.

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