Frank Lemon ist DnB-DJ, Produzent und Besitzer des hauseigenen Labels FRESH RECORDZ. Mit seinen gerade einmal 22 Jahren ist der junge Grazer dabei sich einen Namen in der österreichischen Drum and Bass Szene zu machen.

Fresh Birthdaybash

© Julia Pirkenau

PARADOX: Wie bist du auf die Musikrichtung Drum and Bass gekommen?
Frank Lemon: Ganz allgemein waren meine musikalischen Einstiege über Pendulum und The Prodigy. Später kamen dann Freunde von mir auf SPOR und der spielte damals auch in der Postgarage. Dort bin ich hin, hab mich in die erste, zweite Reihe gestellt und war einfach voll weggeblasen. Ab dem Zeitpunkt dachte ich irgendetwas in die Richtung muss ich machen, das fasziniert mich.

PARADOX: Das war im Jahr 2009. Wie lange hat es von da an gedauert bis du selbst mit dem Auflegen angefangen hast?
Frank Lemon: Es hat dann eigentlich nicht so lange gedauert bis ich mir Equipment zugelegt habe. Kurz nach dem Event habe ich mir einen kleinen PlastikController von Hercules um 80-100 Euro gekauft. Das richtige Equipment kam dann ein paar Monate später zu meinem 17. Geburtstag. Pioneer 400er, alles schön in Limited Edition in Blau, die hab ich immer noch daheim herumstehen und die werde ich glaub ich nie verkaufen, mein ganzes Leben lang nicht, weil das sind einfach die Player mit denen ich angefangen habe.

PARADOX: Kannst du dich noch an deinen ersten wirklichen „Auftritt“ erinnern und wenn ja, wie war er?
Frank Lemon: Das war mit unserer damaligen Veranstaltungs-Crew MOONBASS im Keller vom GÜ in Judendorf. Aber an wirklich viel kann ich mich nicht erinnern und wahrscheinlich hab ich es auch schon absichtlich vergessen.

PARADOX: Beschreibe ein klassisches Frank Lemon DJ-Set in drei Worten?
Frank Lemon: Erfrischend, abwechslungsreich, unerwartet

PARADOX: Was unterscheidet deine Sets von anderen?
Frank Lemon: Ich glaube die Hauptmerkmale sind, dass ich schon immer versucht habe mich nicht auf eine spezielle Stilrichtung festzulegen. Es geht halt darum, dass die Leute einem vertrauen wenn du das spielst, was sie ohnehin schon kennen. Nachdem du ihr Vertrauen gewonnen hast sind sie bei dir, egal was du auflegst und dann schockst du sie mit irgendwas komplett Perversem. Jump-Up oder so.

PARADOX: CD, Vinyl oder Digital?
Frank Lemon: Also ich finde sich auf Formate festzufahren ist komplett unnötig. Durch mein Equipment hab ich mit CDs angefangen. Das Gerät hatte aber auch einen USB Slot. Da ich nur eine CD zu Hause hatte, hab ich die Tracks auf den USB-Stick gespeichert. Dann hat es eine Zeit gegeben in der ich dachte, ich bin jetzt ein richtiger DJ und kaufte mir einen Plattenspieler.
Auf jeden Fall fühlt man sich mehr mit der Musik verbunden. Ich bin aber auch schnell draufgekommen, dass ich mit der Geschwindigkeit nicht klar komme und das ist eine der wichtigsten Sachen beim Auflegen: Flexibel zu sein und schnell agieren zu können. Im Endeffekt bin ich aber dann komplett auf Digital umgestiegen.

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@ Fresh

PARADOX: Was ist der Worst Case bei einem Auftritt?
Frank Lemon: Für mich ist der Worst Case, wenn die Musik ausfällt und das ist schon so oft passiert. Ein Kollege ist bei der ersten FRESH-Veranstaltung über ein Kabel gestolpert und das war das Stromkabel… oder einmal haben wir die Turntables nicht zum Laufen gebracht…

PARADOX: Du veröffentlichst ständig neue Tracks, kann man bald mit einem Album rechnen?
Frank Lemon: Im Moment nicht. Vor allem bis meine Produktionsqualität auf dem Level ist, bei dem ich sagen kann: ok, jetzt muss ich der Welt ein Album schenken, weil sonst verschwende ich da irgendwas. Es steht auf jeden Fall auf meiner Bucket List. Davor kommt noch eher eine EP.

PARADOX: Mittlerweile ist die Technik fortgeschritten und DJ-ing ist relativ leicht geworden. Was macht deiner Meinung nach einen guten DJ aus?
Frank Lemon: Das Wichtigste ist die Verbindung zur Crowd. Die Leute die auf dem Dancefloor stehen sind dein Chef. Sie bestimmen deine Arbeit. Die Leute wollen von ihrem Alltag abgelenkt werden, was komplett neues erleben oder einfach nur ihren Lieblingstrack zum 10.000 Mal hören.

„Man muss seinen eigenen Style finden.“

PARADOX: Würdest du sagen, es reicht die Interaktion durch die Musik oder muss der DJ auch eine Art Animationsprogramm liefern?
Frank Lemon: Also Animationsprogramm im Sinne wie es die neuen EDM-DJs machen, die alle zehn Sekunden ins Mikro schreien „Are you ready…?“ ist meiner Meinung nach nur mehr wie die Animateure bei den All-inclusive-Urlaubsressorts. Ich finde es ein bisschen lächerlich. Grundsätzlich sollte die Musik sprechen, aber du solltest auch nicht nur hinterm Pult stehen und aussehen wie eine Schlaftablette. Ab und zu reicht es die Leute anzusehen oder sie anzulächeln.

PARADOX: Welche Tipps hast du für angehende DJs?
Frank Lemon: Ich persönlich würde sagen, immer mit offenen Augen und Ohren auch andere DJs beobachten. Es geht darum was man selbst will, wenn man in den Club kommt. Man muss seinen eigenen Style finden.

„Ich hab eigentlich eine Grundregel und die lautet: Immer nüchtern auflegen.“

PARADOX: Was war dein peinlichster Auftritt?
Frank Lemon: Ich hab eigentlich eine Grundregel und die lautet: Immer nüchtern auflegen. Leider habe ich diese Regel schon mehr als einmal gebrochen unter anderem beim Urban Art Forms Festival, wie ich gemeinsam mit MatCap beim Infected Tour Bully gespielt habe. Ich habe fast gar nicht zu dem Tour Bully gefunden, weil ich schon so angetrunken war.

PARADOX: Welche Musik kannst du unter keinen Umständen hören beziehungsweise würdest du nie selbst auflegen?
Frank Lemon: Ich versuche immer offen zu sein. Gewisse No-Gos gibt’s natürlich. Musik, die ich persönlich nie hören würde, ist zum Beispiel Schlager oder Volksmusik. Das ist einfach nicht mein Ding.

PARADOX: An welchen Artists orientierst du dich, wer sind deine Vorbilder?
Frank Lemon: Das wechselt. Rob Swire ist ein bisschen ein Idol für mich, denn er hat einfach Eier genau das durchzuziehen was ihm gefällt und er sagt auch immer ehrlich seine Meinung. Außerhalb der DnBSzene sehe ich mir auch die SocialMedia-Profile von Artists an und wie sie mit ihren Fans umgehen. Da finde ich Deadmau5 teilweise witzig.

„Also mit 27 muss ich sowieso sterben, das ist ganz klar.“

PARADOX: Was bedeutet „der Durchbruch“ für dich, was gehört dazu und gibt es eine persönliche Deadline für deinen Durchbruch?
Frank Lemon: Also mit 27 muss ich sowieso sterben, das ist ganz klar (lacht). Mein Durchbruch und zwar in meinem ganzen Leben ist, wenn ich mit dem was ich gern mache auskommen kann, meine Brötchen verdienen kann. Ich muss nicht super bekannt werden oder super reich, mir geht’s nur darum das zu machen, was ich gerne mache.

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@ Fresh

PARADOX: Was ist Musik für dich? Was bedeutet sie dir?
Frank Lemon: Leben. So wichtig wie das Blut in meinen Adern. Ich denke ohne Musik würde ich nicht wirklich lange meinen Verstand behalten.

Stay FRESH! Eine Community, um die Szene ein Stückchen besser zu machen.

FRESH ist eine von Frank Lemon gegründete Community mit dem Hintergedanken junge Künstler zu finden und zu supporten, sei es bei den hauseigenen Events, mit einem Release auf Fresh Recordz, als Gast im Podcast oder als Push auf diversen Social Media Plattformen.
An diesem Projekt arbeiten Max & Steve alias White Locusts, Fabe, MatCap und Frank Lemon selbst. Sie teilen sich mitunter Organisation, Sponsoring, Podcast-Umsetzung sowie Planung und alles was sonst noch dazugehört. Das Projekt feierte erst kürzlich seinen ersten Geburtstag und konnte bis dahin mit bereits vier Veranstaltungen aufwarten. Hierbei versucht die Truppe unter anderem auch internationale Acts als Headliner zu booken, bisheriges Highlight: Heist. Für die Zukunft steht vor allem eins im Fokus: Weg vom Konkurrenzdenken, um ein gut funktionierendes Netzwerk aufzubauen, das nicht nur einzelne Artists unterstützt, sondern auch Veranstalter aus ganz Österreich, MCs, Visualizer, Produzenten und so weiter.

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