Provozierende Texte, rotziger Sound und tierische Auftritte: Die Rede ist von den Mostviertler Punkern Franz Fuexe.

Ein Interview von Sophia Lindner

Im Frühjahr 2017 beschenkten sie uns mit ihrem neuen Album „Die neue Unordnung“, welches wieder ein Genre-Mix aus Hardcore Punk, Rock’n’Roll, D-Beat und Funk ist. Auf der Bühne sind Franz Fuexe unverkennbar energiegeladen, binden das Publikum voll und ganz in ihre Show ein. Wir durften Bassisten Jürgen Schallauer und Sänger Luca Mayer einige Fragen zur Bandgeschichte, zum neuen Album sowie zur Thematik „Politik & Musik” stellen.

PARADOX: ALS BAND BESTEHT IHR NUN SCHON SEIT FAST FÜNF JAHREN. WIE IST FRANZ FUEXE ENTSTANDEN?

Jürgen Schallauer: Ursprünglich war die Band eher als Nebenprojekt gedacht, in welchem ich mich austoben und machen kann, was ich will. Luca war zu diesem Zeitpunkt mein Mitbewohner und ich wusste schnell, dass ich diesen Störenfried unbedingt dabeihaben will. Mit Matthias und Christoph verbindet mich auch eine lange Freundschaft. Außerdem sind sie sehr kompetent auf ihren Instrumenten. Es war zweifelsohne eine göttliche Fügung.

PARADOX: WIE SEID IHR AUF DIE IDEE GEKOMMEN, EURE TEXTE IM (MOSTVIERTLER) DIALEKT ZU VERFASSEN?

Schallauer: Authentizität ist in jeder Art von Kunst das Um und Auf. Ich bräuchte schon einen verdammt guten Grund, in einer anderen Sprache, als meiner alltäglichen, zu schreiben.
Luca Mayer: Hier kann ich Jürgen nur beipflichten. Es hat sich nie die Frage gestellt, Texte auf Hochdeutsch oder, Gott bewahre, auf Englisch zu schreiben. Wir haben kurz überlegt, russische Texte zu verfassen, entschieden uns aber dann doch noch im letzten Moment um, da uns unser Dialekt aus unerfindlichen Gründen ja doch irgendwie nähersteht.

PARADOX: FRANZ FUEXE KANN MAN NICHT EINEM MUSIKGENRE ZUORDNEN, MAN ERKENNT VIELE VERSCHIEDENE EINFLÜSSE. GIBT ES BANDS BEZIEHUNGSWEISE MUSIKER, DIE EUCH IN EUREM MUSIKALISCHEN SCHAFFEN BESONDERS INSPIRIEREN?

Schallauer: Natürlich gibt es die. Sie kommen aber meist aus vollkommen anderen musikalischen Bereichen. Wenn ich mir unsere CD-Kritiken durchlese, muss ich oft schmunzeln, weil ich die meisten Bands, die als unsere Einflüsse aufgezählt werden, gar nicht kenne beziehungsweise noch nie gehört habe.
Mayer: Das Ding ist ja auch, dass wir mit unserem Musikgeschmack alle zwar irgendwie aus der Punk-Ecke kommen, mittlerweile aber so breit aufgestellt sind, dass die Einflüsse von allen musikalischen Seiten auf uns einströmen und nur mehr zu einem kleinen Teil aus dem Punk-Bereich kommen. Trotzdem ist die Liebe zu kreativer, harter Musik immer geblieben. In Zeiten, in denen jede dahergelaufene Band meint, ihrem eigenen, oft noch so ausgelutschten Sound eine eigene Bezeichnung geben zu müssen, a la „XY-Core“ oder „Woswas-i-Metal“, beschreibe ich Franz Fuexe meist einfach als harte Musik, und wenn die Leute es dann noch genauer wissen wollen, als eine Art Crossover-Punk. Das muss reichen.

PARADOX: BEI EUREN LIVE-AUFTRITTEN BEMERKT MAN DIE HINGABE UND INTERAKTION MIT DEM PUBLIKUM. GIBT ES VOR- UND NACHTEILE BEI DER ARBEIT IM STUDIO IM GEGENSATZ ZU AUFTRITTEN AUF DER BÜHNE?

Schallauer: Im Studio könnte man ein bisschen tricksen, aber dafür sind wir zu faul. Wir haben die Platte gemeinsam in einem Raum, ohne Metronom live eingespielt. Das war in zwei Tagen erledigt.
Mayer: … das gibt dem Ganzen auch eine gewisse Dynamik. Trotzdem bleibt: Franz Fuexe ist eine Liveband und da zählt die Show in Kombination mit guten Liedern.

PARADOX: WIE KANN MAN SICH DEN ENTSTEHUNGSPROZESS EINES FRANZ FUEXE-ALBUMS VORSTELLEN?

Schallauer: Grundsätzlich entwerfe ich die Basis eines jeden Liedes – Strophe, Refrain, Ablauf – zu Hause. Die Feinheiten – Gitarrensoli, Drumfills – werden von den jeweiligen Mitgliedern im Proberaum beigesteuert.

PARADOX: IM VERLAUF EURER PLATTE FRAGT MAN SICH: WO HOLT IHR EUCH EURE INSPIRATION?

Schallauer: Da gibt es viele. Die Inspiration kommt aus allen erdenklichen Bereichen der Kunst und des alltäglichen Lebens – kann sowohl ein Buch, ein Film oder eine lustige Begegnung sein.

PARADOX: AUS DEN LYRICS ZU EUREN SONGS „I BIN’S, DE POLIZEI“, „PANZERDIVISION FUEXE“, „KANA GRIAT WOS“ EURER NEUEN PLATTE ODER AUCH „BLEDA OIS SCHEIßE“ EURER ERSTEN CD „NIHILISMUS 0.0“ GEHT EINE GANZ KLARE POLITISCHE MEINUNG HERVOR. WIE POLITISCH DARF MUSIK EURER MEINUNG NACH SEIN?

Schallauer: Musik darf alles.

PARADOX: ZUM ABSCHLUSS: WAS SIND EURE ZIELE FÜR DIE ZUKUNFT ALS BAND?

Mayer: Nachdem alternative, harte Musik ja gerade super trendy ist, man braucht ja nur MTV oder Viva einschalten, denke ich, dass wir eine ähnliche Zukunft wie Nirvana vor uns haben. Wir sind gerade drauf und dran, uns auszuknobeln, wer von uns sich eine galoppierende Drogensucht zulegt und die Rolle des Rock-Märtyrers übernimmt. Mal schauen, wie das endet, hoffentlich bringt‘s was.

[Dieser Artikel erschien im Sommer 2017 in PARADOX 05]

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