Der ehemalige Wahlgrazer Andreas Klinger-Krenn kann bereits auf einige Projekte zurückblicken: Er ist Mitbegründer der Alternative Band Viech, brachte ein Soloalbum auf den Markt, feiert derzeit das gemeinsame Album mit seiner Frau Katharina, kümmerte sich nebenbei auch noch um sein eigenes Label Hörmirzu-Records und sein soziales Musikprojekt LautStark ist am Gedeihen.

Wir haben mit dem Musiker über seinen Fortgang nach Leipzig, seine Beziehung und soziales Engagement gesprochen.

PARADOX: Fühlst du dich durch deinen klingenden Nachnamen zum Musikschaffen bestimmt?

Dass Klinger ein cooler Nachname zum Musikmachen ist, ist mir eigentlich erst recht spät aufgefallen. Beim Klinger-Projekt wollte ich das dann einmal umsetzen. Das war eben das erste Projekt, das ich selbst gemacht und komponiert habe. Da hat das gut als Titel gepasst.

PARADOX: Was ist der gemeinsame Nenner all deiner Projekte?

Der gemeinsame Nenner ist das Innere, mich selbst auszuprobieren und herauszufordern, durch einen spielerischen Zugang und einen Zugang, bei dem gewisse Sachen einfach passieren dürfen und nicht das Korsett vom Radiohit im Vordergrund steht, sondern eher der Raum und die Ideen, die so eine Musik zulassen und das Ganze öffnen. Das war bei Viech immer so und auch bei den anderen Projekten. Mal ganz hoch singen, mal ganz tief, mal ganz wenige Instrumente, mal ganz viele. Der gemeinsame Nenner ist, sich selbst einen Raum zu geben, wo über das Medium der Musik viele Sachen passieren dürfen und man sich selbst gut entdecken kann.

PARADOX: KlingerKrenn dürfte dich von all deinen Projekten wohl gerade am meisten beschäftigen. Habt ihr mit KlingerKrenn eure Beziehung zum Projekt gemacht?

Die ganze Beziehung hat von vornherein immer viel damit zu tun gehabt, dass wir Ideen gehabt haben, die wir umsetzen wollten. Dann ist das mit der Beziehung und mit der Liebe mehr geworden und wir wollten auch den Alltag gemeinsam gestalten. Unsere Spinnereien haben sich immer mehr vermischt. Irgendwie wollten wir einfach auch ein gemeinsames Album daraus machen.

PARADOX: Tauchte auch einmal die Diskussion auf, was zu privat sei, was nicht an die Öffentlichkeit dürfte?

Ich glaube, dass es in der Musik eh so übersetzt ist, dass es zwar sehr persönlich ist, aber trotzdem immer Musik. Wir singen ja nie „I love you“ oder „I miss you“. Vielleicht kann man sagen, dass es in dem ganzen Album eher um eine gewisse Stimmung geht, wo sehr sensible und sehr persönliche Momente dabei sind, aber auch laute und überdrehte Komplexe. Wir haben probiert, unseren Alltag in die Musik zu übersetzen.

PARADOX: Was war zuerst da: Das gemeinsame Musizieren oder die Beziehung?

Das war die Beziehung. Mit dem Album haben wir ja erst nach der Hochzeit begonnen. Im Prinzip ist es eine Reflexion vom ersten Hochzeitsjahr. Das Leben und die Beziehung sind schon vordergründig.

PARADOX: Nun seid ihr nach Leipzig gegangen und somit nicht nur fort aus Graz, sondern aus ganz Österreich. Warum habt ihr euch für diese Stadt entschieden?

Es hat auf uns den Eindruck, dass Leipzig eine Stadt ist, die noch sehr viele Ressourcen und Freiräume zur Verfügung stellt. Das ganze Stadtbild ist im Entstehen. Wenn man sich bewegt, merkt man, man kann noch etwas erfinden, etwas gründen oder irgendetwas übernehmen. Im Vergleich dazu ist Graz schon irgendwie sehr fertig. Die öffentlichen Räume sind so vergeben, dass der Alltag sehr von dem, was die Stadt vorgibt, bestimmt ist. Da ist man in Leipzig noch ein bisschen freier.

PARADOX: Was war der Hauptgrund für euren Weggang aus Österreich? Habt ihr für euch in Österreich keine musikalische Zukunft gesehen?

Mit Viech in Graz und auch mit den anderen Projekten haben wir alles sehr gut genutzt. Bei jedem Projekt haben wir geschaut, dass wir mit möglichst vielen neuen oder unterschiedlichen Leuten zusammenarbeiten. Da hat es eigentlich keinen Grund gegeben, wegzugehen. Wir sind froh, dass das in Österreich so gut funktioniert hat. Auch mit dem neuen Album sind wir schon zu FM4 zum Interview gekommen. Wir wollten keine musikalischen Dinge abbrechen, sondern eher einen Platz suchen, wo wir uns einfach wohlfühlen.

PARADOX: Neue Stadt – neues Projekt: Euer Konzept für das soziale Musikprojekt LautStark steht bereits.

Ich habe das die letzten zwei Jahre bereits in Graz gemacht. Da war ich ein paar Mal in der Woche für zwei Stunden im Jugendzentrum EggenLend. Dort konnten Jugendliche kommen und ich war dort, um ihnen beim Aufnehmen zu helfen. In Leipzig wollen wir das weiter umsetzen. Für uns ist es ein cooles Ding, um uns in der Stadt zu vernetzen. Wir kommen zu Organisationen und lernen so die Stadt kennen. Wir haben auch überlegt, welchen Zielgruppen wir das anbieten wollen. Wir haben es an Jugendzentren ausgeschickt und an Einrichtungen, wo Jugendliche wohnen, auch an Organisationen für Menschen mit Behinderung und an Organisationen, die mit Flüchtlingen arbeiten. Der Fokus liegt am Aufnehmen und das Ziel sind eigene Texte – eine eigene Stimme finden, Mund aufmachen und sich mit Sachen auseinandersetzen. Zum Beispiel gibt es in einem Wohnheim einen dreizehnjährigen Jungen aus dem Iran, der einen eigenen Text geschrieben hat, wo es um Religion geht und darum, sein Land zu verlassen. Da kann man mit jungen Menschen über Themen reden, an denen Politiker scheitern.

PARADOX: Wie schaut es in der Zukunft aus? Wird LautStark eure ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen oder plant ihr bereits ein weiteres Album als Duo?

Grundsätzlich habe ich gerade das Gefühl, dass wir uns einen guten Alltag zurechtgelegt haben, wo wir uns viel mit Musik beschäftigen können. Wir gehen mit den Projektsachen nach draußen, planen aber auch weitere Dinge. Die letzten Alben waren so aufwendig, dass die Live-Umsetzung oft recht schwierig war. Da sind wir gerade am Überlegen, wie wir das machen können, dass wir schnell mal wieder live auftreten können. In der neuen Stadt, im Osten, ist noch etwas mehr Underground vorhanden, also Lokale, wo man einfach so spielen kann. Wir haben gerade einen Schlagzeuger gefunden und werden wohl zu dritt etwas machen. Neue Musiker suchen, Proberaum einrichten – langweilig wird es nicht.

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