Get Well Soon – das langjährige Projekt von Konstantin Gropper – präsentiert sich im fünften Studioalbum von einer neuen Seite. Im Album „The Horror“, welches am 8. Juni 2018 released wurde, verarbeitet der deutsche Multiinstrumentalist neben seinen eigenen Träumen auch die Thematik der Angst. Untermalt werden diese Texte durch opulente orchestrale Klänge. Wir hatten die Möglichkeit uns mit Konstantin Gropper über das neue Album, den kreativen Prozess dahinter und das Thema Horror zu unterhalten 

music-news.at Du verarbeitest in deinem neuen Album ja Albträume, wie kommt es dazu?
Konstantin GropperAlso zuerst war das Thema Angst da, und dann geht’s mir immer darum, ein Thema von möglichst vielen Seiten zu beleuchten oder möglichst viele Aspekte abzudecken. Und eines davon, welches mir am logischsten erschien und wo ich bei mir persönlich anfangen konnte, waren eben Albträume. Zumal ich Traumgeschichten mag. Ich lese sehr gerne Traumtagebücher von anderen Leuten – ich selbst führe allerdings keines, ich vergesse es immer. (lacht) Aber letztendlich finde ich Träume ein sehr interessantes Thema.

music-news.atEs geht ja um deine Träume, wie hast du diese festgehalten und ausgewählt?
GropperDie Auswahl an Träumen, an die ich mich überhaupt erinnern konnte, war nicht besonders groß. Insgesamt waren es vielleicht fünf Träume und ich habe mich dann für diese drei entschieden, die jetzt auch auf dem Album zu finden sind.

music-news.atBeschäftigst du dich viel mit dem Thema Horror oder Angst?
GropperAlso es ist definitiv ein sehr interessantes Thema. Dass Angst mein Hobby ist, würde ich jetzt aber nicht sagen. (lacht)
Es ist momentan auch ein sehr präsentes Thema. Ich bin zu dem Thema Angst schon dadurch gekommen, dass ich gesagt habe, wenn ich ein Album mache, muss es auf eine Art Haltung haben oder zumindest aktuell sein – ansonsten hätte ich Probleme gehabt, das vor mir selbst zu rechtfertigen. Und Angst ist dabei ein sehr offensichtliches Thema, das aber noch abstrakt genug ist, um nicht tagespolitisch gesehen zu werden. Das interessiert mich wiederum auch nicht.

music-news.atWelche Bedeutung hat der schwarze Hund am Cover?
GropperDas Bild ist nicht für das Cover selbst gemacht worden, sondern ist von einer französischen Künstlerin, die sich ebenfalls mit der Thematik der Angst und des Horrors beschäftigt. Ich habe mich auch während der Vorbereitung auf das Album sehr viel mit den Bildern von ihr beschäftigt. Ihre Werke sind sehr düster und im Verhältnis dazu, ist dieses sehr hell. Ich finde, dass gerade dieses Bild das Thema sehr gut visualisiert. Es ist sehr schlicht und einfach, und bietet dadurch einen schönen Kontrast zum opulenten Sound. Man kann, wenn man will dabei natürlich viel in das Bild hineininterpretieren, muss man aber auch nicht. (lacht)

music-news.atWie gehst du bei der Recherche vor einem Album vor?
Gropper Das Thema ist das eine, die Musik ist dabei das andere. Das muss dann natürlich auch irgendwie zusammenpassen. Ich höre natürlich viel Musik; Bücher, Filme und Bilder von denen ich denke, dass sie zur Thematik passen, sehe ich mir auch an. So einfach loslegen, ohne dass ich mir ein Thema überlege und dazu recherchiere, kann ich glaube ich nicht. (lacht)
Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja noch in Zukunft.

music-news.atWas kam zuerst: Text oder Musik?
GropperBei diesem Album kam auf jeden Fall zuerst die Musik. Es gibt immer einige Zitate, bei denen ich schon weiß, dass ich sie gerne im Album hätte. In diesem Fall war es aber so, dass die Texte erst entstanden sind, als das Album musikalisch komplett fertig war. Das Thema steht aber trotzdem schon da, und danach suche ich auch die Musik aus. Das ist natürlich genauso Recherche. Ich wollte schon lange ein Album machen, das sich mit diesem Sinatra-Sound auseinandersetzt; zumindest mit der Epoche, es ist ja kein Bigband Sound, sondern eher dieses getragene Orchestrale.
Es ist ja ein relativ idyllisches Album, das dann durch so düstere Momente wieder aufgebrochen wird. Da trage ich auch viel zusammen und habe am Ende einen musikalischen Fundus.

music-news.atIst die Zeit vor der Veröffentlichung stressig für dich?
GropperDer Horror! (lacht) Von dem Zeitpunkt, an dem ich das Album schon anderen Leuten zeige, bis zur eigentlichen Veröffentlichung, ist schon sehr stressig. Ich habe da immer noch große Angst – das wird auch nach dem fünften Album nicht besser. Dann denke ich, dass das Ganze eh keinen mehr interessiert.

music-news.atSpielen da auch Existenzängste mit?
GropperVor zehn Jahren kam das erste Album raus und da war das alles noch sehr unschuldig und naiv. Da habe ich einfach irgendetwas gemacht und seitdem ist das einfach mein Beruf und da hängt auch etwas daran. Ich bin auch seitdem in der luxuriösen Situation, dass ich nichts machen muss, auf das ich keine Lust habe. Aber gerade die Musikbranche ist immer im Umbruch, man weiß nie wie es weitergeht.

music-news.atWie selbstkritisch gehst du mit dem fertigen Album um?
GropperWenn es fertig ist, höre ich es mir noch manchmal an, später eher weniger. Ich kann aber tatsächlich damit abschließen. Es ist jetzt nicht so, dass ich mir ständig denke, dies oder das konnte besser sein. Vielleicht Jahre später – wenn ich mir zum Beispiel mein zweites Album anhöre, fallen mir schon einige Dinge auf. Aber ich finde das Album ja auch gut, sonst würde ich es ja nicht veröffentlichen. (lacht) Das schlimmste finde ich ja, wenn jemand sagt, dass quasi alles gleich ist. (lacht)

music-news.atWelche musikalischen Vorbilder hast du?
GropperDas wechselt bei immer ziemlich stark. Ich bin da relativ vielseitig, glaube ich. Bei diesem Album ist es natürlich Frank Sinatra. Ihn natürlich als Sänger – rein technisch ist er da unerreicht finde ich- und natürlich auch was die Coolness angeht. (lacht)
Grundsätzlich mag ich Künstler die vielseitig sind, die versuchen sich zu verändern und zu erneuern. Was mich dann eher stört, sind Bands, die ich gut finde und ich dann irgendwann merke, dass die sich nicht weiterentwickeln.

music-news.atDeine Videos wirken oft so, als wären sie aus einer anderen Zeit/Welt und sind sehr ästhetisch, z.B „It’s Love“ oder „Roland, I feel you?“. Was können wir da in Zukunft erwarten?
GropperEs ist noch theoretisch, aber geplant wäre für die Zukunft eine Serie von fünf Songs und eben fünf Videos, die eine zusammenhängende Story erzählen. Es ist sehr ambitioniert und daher möchte ich noch nicht zu viel versprechen. (lacht)

music-news.atWie viel Input bringst du selbst bei den Videos rein?
GropperIch habe was die Videos angeht einen meiner besten Freunde dabei. Philipp Käßbohrer und seine Produktionsfirma produziert den Großteil der Videos. Auf das bin ich auch angewiesen, da ich mit meinem Budget ansonsten keine solchen Videos produzieren könnte. Da kann ich einfach sagen, hier, das ist das Album; mach mir bitte ein Konzept dazu. Wenn ich da mit meinen über ambitionierten Ideen komme, hat er schon die passende Umsetzung im Kopf.

music-news.atGab es auch Kritiken zur Thematik von „It’s Love„?
GropperDie Umsetzung war schon umstritten, aber lange nicht so sehr, wie ich gedacht hätte. Es ist ja schon ein sehr österreichisches Thema. Das lustige ist, dass wir Udo Kier natürlich wollten, wir haben aber auch andere Schauspieler angefragt, unter anderem Karl Marcovics. Der meinte dann, dass er das Projekt sehr interessant findet, aber dass er das Video als Österreicher nicht machen kann. Es war aber nicht ganz so umstritten, wie ich gedacht habe. Die Leute haben mehr über Udo Kier, als den doch sehr schockierenden Inhalt des Videos geredet.

Vielen Dank für das Interview.

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