Eine junge Künstlerin singt untypisch deutsch und berührt schon nach wenigen Sekunden

Natasha Gweneth Thomas a.k.a GWEN war schon immer da, aber nie so richtig. Das möchte die junge Dame aus Hamburg fortan ändern. Die Sängerin möchte gute Musik machen und viele Menschen mit ihrer Kunst erreichen.

Einige kennen die Wahlberlinerin vielleicht als Backgroundsängerin von Cro, Teesy, Megaloh oder Julian Williams oder durch ihre unzähligen gefühlvollen Akustik-Cover-Versionen. Die Künstlerin sang früher im Hamburger Gospelchor, für das Musical „Soul Sisters“ und war auf der Europatour als jüngste Darstellerin mit dabei. Letztes Jahr erschien ihre EP „#ichbingwen„. Ihre Musik darf als sehr gefühlvoll bezeichnet werden, die wohldosierte Brise Soul schwingt bei ihr immer mit. Das Jahr 2016 soll ganz groß werden, im Moment wird intensiv an neuem Material gearbeitet. Hinter der Musik steckt noch dazu eine interessante Frau, die uns gerne einige Fragen beantwortet hat.

Interview

music-news.at:Seit wann machst du denn Musik, wie hat alles begonnen? Gab es einen musikalischen Background?

GWEN:Es gibt keinen direkten ‘‘musikalischen Background‘‘, aber ich komme aus einer künstlerisch begabten Familie, Meine Großeltern sind Künstler, mein Vater war Bildhauer und meine Mutter ist auch Bildende Künstlerin. Die Stimme war schon immer da, damals habe ich nur meine Geschwister mit improvisierten Kinderliedern genervt. Heute schreibe ich meine eigenen Songs und inzwischen sind meine Geschwister nicht genervt, sondern sehr stolz. Meine Mutter hat mich sehr früh und wie sie nur konnte unterstützt.

Sie hat mich mit zu Ihren Auftritten auf Kampnagel mitgenommen, ein Hamburger Theater für Tanzperformance, wo sie als Choreographin und Tänzerin tätig war und ich bin früh in Hamburg zu Gospel-Chören gegangen, wo ich immer die Solistin war. Wir hatten nie viel Geld, aber ich hatte viel Glück das Menschen an mich geglaubt haben. Es gab für mich noch nie eine andere, größere Leidenschaft als das Singen, also kam mir auch nie der Gedanke etwas Anderes machen zu wollen und dabei wurde ich Gott sei Dank von meiner Familie unterstützt.
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music-news.at:Was kannst Du an Dir überhaupt nicht ausstehen?

GWEN:Dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Meine Gefühlswelt ist wie eine Achterbahnfahrt, das kann spannend sein, aber auch manchmal sehr anstrengend, gerade für mein Umfeld. Und das ich immer so rastlos bin, ich kann selten lange ruhig sitzen bleiben, es muss sich anfühlen, als wenn sich immer was bewegt bei mir oder um mich herum.

Wann kam der ausschlaggebende Punkt vom Musical zur reinen Musikkarriere zu wechseln? Wie bist du bei den Tracksetters gelandet?
Ich wollte eigentlich immer meine eigene Musik machen und auch schon immer RnB, aber wusste nicht wie. Als ich dann ein Stipendium von der Stage School in Hamburg bekam, war das für mich wie ein Traum, da ich mir diese Ausbildung nie hätte leisten können und ich wollte unbedingt auf die Bühne und der Welt zeigen was ich kann. Ich hatte nur nie wirklich was mit Musicals zu tun und hatte mich zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Schon während der ersten eineinhalb Jahre auf der Schule, fühlte ich mich nicht richtig. Als ich aber ein Engagement von dem Gospel Musical, Soul Sisters‘‘ bekam, war das für mich eine gute Mischung, Kirchenlieder wie „Amazing Grace“ kannte ich gut, meine Eltern haben das immer gehört als ich klein war.

Als die Europa-Tour vorbei war, musste ich um weiter im Musical-Bereich Engagement zu bekommen, zu Auditions gehen und da habe ich von der Jury immer wieder zu hören bekommen „ich liebe deine Stimme, ich würde mir deine CD kaufen, aber sie ist nicht Musical genug‘‘ was mich in meiner Entscheidung dann nur bestätigt hat, das Musicals nichts für mich sind. In der Zeit sind dann die Jungs von Tracksetters auf mich aufmerksam geworden. Ein Freund, der auch singt und mit dem ich zusammen aufgewachsen bin, hat da sozusagen den Vermittler gespielt. Ich habe dann aber noch zwei Jobs auf einem Kreuzfahrtschiff angenommen, wo ich viel gelernt und gesehen habe. Der Kontakt zu Tracksetters ist nie abgebrochen und als ich den Entschluss gefasst habe, dass ich meinen eigenen Sachen machen will, waren sie Feuer und Flamme.

music-news.at:Wenn du ein Tier wärst, welches und warum?
GWEN:Ich liebe Erdmännchen und ich mach gerne Faxen und albere rum. Ich finde die sind auch frech und bewegen sich einfach süß. Ich bin ein Erdmännchen.

music-news.at:Ich habe gelesen du hast südafrikanische Eltern. Inwieweit spielt dieser Einfluss eine Rolle in deiner Musik?
GWEN:Eine Große, weil meine Eltern mir CD’s wie ,,miriammakeba‘‘ geschenkt haben, mich zu südafrikanischen Kirchen-Messen mitgenommen haben, wo das Singen ganz normal ist. Die Messen nennt man auch ,,HappyClappy‘‘. Mein Vater war außerdem ein großer Musik -Liebhaber. Er hatte Unmengen Kassetten zuhause und hat viele davon selber als ,,Mixtapes‘‘ zusammengestellt. Meine Mutter singt immer noch in Chören und meine Familie in Südafrika lebt sehr offen und unkonventionell, das hat mich auch inspiriert zu machen was ich liebe.

music-news.at:Du singst eigentlich ganz untypisch deutsch, kann man das lernen oder hat man das einfach im Blut? Welche Vorbilder hattest du früher?
GWEN:Das ist interessant, darüber mach ich mir selber gar keine Gedanken. Aber ich habe viel Soulmusik gehört oder die CDs meiner Cousins oder meines Bruders, was eigentlich nur aus Hip-Hop bestand. Ich liebe aber auch guten Pop, der mich einfach glücklich macht. Meine große Schwester hat zuhause immer ,,Suzann Vega‘‘ gehört und Ich fand ,,Christina Aguilera‘‘unfassbar toll. Als ich so acht oder neun Jahre alt war, bin ich nach der Schule immer mit einer Freundin in Altona ins Mercado, einen Musikladen, gegangen um mir, Tic TacToe‘‘ anzuhören und ,,Sabrina Setlur‘‘. Damit fing das Interesse für deutsche Urbanmusik an. Später waren Xavier Naidoo & J-Luv dann meine absoluten Helden und sind es auch heute noch.

music-news.at:Wann kann man dich mal auf Tour erleben?
GWEN:Wir sind gerade fleißig am Planen und da stehen schöne Dinge vor der Tür. Musikalisch sind wir sehr fleißig und wollen das auch bald Live zeigen.

music-news.at:Als Kind wolltest du sein wie . . .?
GWEN:Ist zwar ein Zufall wegen des Namens aber ,,Gwen Stefanie‘‘ war für mich ein Idol. Ihr Look, ihre Art, ,,No Doubt‘‘ war auf jeden Fall auch ein Einfluss.

music-news.at:Ist deutscher Rap eine deiner Inspirationsquellen? Du benutzt häufig Doppelreime?
GWEN:Auch noch nie genauer drauf geachtet, aber das passiert wahrscheinlich unterbewusst. Ich meine die Rapkultur ist was coole Reime angeht, einfach die beste Inspiration. Und was deutsche Musik angeht sind es momentan eben öfter die Rapper, die in authentischer Sprache reimen. Ich will das Träumende in meiner Musik, was ich habe wiederspiegeln, aber trotzdem „Ich“ sein und nicht aufgesetzt und ich denke da kann man sich von ein, zwei Rappern schon inspirieren lassen.

music-news.at:Nenne etwas, was Du schon immer mal machen wolltest, Dich aber nie getraut hast?
GWEN:Puh schwere Frage. Ich war als Teenager ziemlich frech, da habe ich mich schon manche lustigen Sachen getraut. Aber genau das ist es, ich wünschte ich würde mich heute manchmal genauso viel trauen wie damals als Teenager. Nicht so viel nachdenken, einfach machen. Da gehören dann viele Dinge dazu, einfach Alltags-Situationen, wie z.B wenn man beim Schwarzfahren erwischt wird, einfach wegrennen. Einfach machen.

Gwen Promo (c) Tracksetters

Gwen Promo (c) Tracksetters

music-news.at:Deine EP „#IchbinGwen“ ist seit August auf dem Markt, welche Türen haben sich seit dem geöffnet?
GWEN:Es war mein erstes Lebenszeichen, viele wussten nichts von mir, obwohl ich schon ewig Musik mache. Von daher hat es viel verändert. Auch für mich persönlich, weil ich total dran gewachsen bin. Früher musste ich immer zu Produzenten und versuchen, zu überzeugen, das ich gut bin, nicht nur eine Stimme hab, sondern was zu sagen habe. Das war oft schwer und durch diese EP, kamen wirklich gute Produzenten auf mich zu, hatten Interesse und dadurch hab ich jetzt neue, tolle Musik geschaffen mit anderen tollen Musikern, das bedeutet mir sehr viel.

music-news.at:Nenne uns drei deiner Lieblingsfilme?
GWEN:Ich liebe Liebesgeschichten, da bin ich ein richtiges Mädchen. So Mittelalter-Geschichten wie z.B ,,Jane Eyre‘‘, ,,Es war einmal in Amerika‘‘ oder „In den Straßen der Bronx‘‘ kann ich immer wieder gucken, da geht’s um Liebe und er ist trotzdem irgendwie witzig.

music-news.at:Was passiert, nachdem man sich zwei Mal halbtot gelacht hat?
GWEN:Man wird müde. Haha, chillt mit seinem besten Menschen und denkt für sich selber noch mal über das Lustige nach.

music-news.at:Was ist deine Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writern?
GWEN:Ich nehme selber auch an „Songwriting Camps“ teil und schreibe Songs für den südkoreanischen oder chinesischen Markt. Ich finde man sollte so wohl als Schreiber wie auch Produzent die Anerkennung bzw. den Lohn für seine Arbeit erhalten, nur kann ich es auch verstehen, dass manche Künstler aus Imagegründen, das nicht unbedingt preisgeben wollen, dass sie sich die Songs schreiben lassen. Was ich aber für mich entdeckt habe, ist es mich mit Freunden oder befreundeten Künstlern hinzusetzten und sich auszutauschen und sich inspirieren zu lassen. Das ist ein Geben und Nehmen finde ich, man kann da nur voneinander profitieren, wenn man offen dafür ist und seinen Horizont erweitern möchte.

Ich habe meinen Kreis, die meine Geschichte und meinen Background kennen, da ist es ein familiäres Miteinander und ganz ungezwungen. Die Welt ist groß und manchmal sieht dieselbe Geschichte oder Idee aus einer anderes Sicht nochmal andere Facetten. Das kann auch spannend sein. Aber einfach nur einen Song in die Hand gedrückt zu bekommen, finde ich für mich persönlich schwierig. Ist nicht wirklich mein Ding.

music-news.at:Schenke uns eine Lebensweisheit?
GWEN:Wow, so alt bin ich noch nicht und mit so Sprüchen bin ich ganz schlecht, aber meine Mama sagt immer, du musst immer für deine Seele arbeiten, nie den Faden verlieren, du musst es aus Liebe tun und aus keinem anderen Grund, ansonsten wirst du nicht strahlen. Darauf versuche ich zu achten.

music-news.at:Wo siehst du die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen könnten sich ergeben?
GWEN:Es vermischt sich gerade viel, wie in der Mode zum Beispiel. es gibt nicht mehr wie früher diese klassischen Klitsches Hip-Hopper sehen wie Hip-Hopper aus und Rocker wie Rocker. Auch in der Musik hat sich viel verändert, wir werden offener und ich hoffe wir lassen das Schubladendenken und die -grenzen in unserem Kopf. Alles ist erlaubt und die Gedanken sind frei. Ich hoffe wir kommen wieder zur Idee des ,,Schaffens‘‘ und nicht nur immer das Habens.

Ich finde die Entwicklung in vielen Bereichen schön. Wie ,,Banks‘‘ oder ,,FKA Twiks‘‘ erfolgreich und trotzdem künstlerisch. Musik soll was mit uns machen, sie bringt Freude, sie bringt Tränen, sie bringt Erinnerungen und egal ob es Pop, Rock oder RnB ist. Alles ist irgendwie miteinander verbunden und wenn das so weiter geht, gibt es vielleicht diese Grenzen nicht mehr.

music-news.at:Was fühlt ein Schmetterling im Bauch, wenn er verliebt ist?
GWEN:Das was ich fühle, wenn Menschen im Publikum meine Texte mitsingen .

music-news.at:Was ist das Peinlichste, dass du je erlebt hast?
GWEN:Also mir ist schon viel Peinliches passiert. Ich bin erstens ein totaler Tollpatsch, oft zu verträumt, manchmal zu naiv und quatsche gerne einfach drauf los ohne Nachzudenken, dadurch kamen schon oft lustige Situationen zu Stande. Mir ist meine Jeanshose zum Beispiel mal in der Bahn am Hintern gerissen oder ich hatte mal auf dem Kreuzfahrtschiff vor 1500 Leuten einen kompletten Blackout. Aber die ganz schlimmen Peinlichkeiten, behalt ich lieber für mich.

music-news.at:Bester Gig ever?
GWEN:In der Wuhlheide vor 30.000 Menschen bei Materia für Chefket im Background, das war schon eine sehr schöne Erfahrung. Aber der beste Auftritt war als ich vor ausverkauften Haus im Huxleys in Berlin als Support Act für Teesy mit meiner eigenen Band auftreten durfte. Alle Freunde waren da und schon die ein oder anderes Fans, die meine Texte auswendig kannten. Das ist das beste Gefühl.

music-news.at:Könntest du dir auch mal vorstellen in andere Musikstile einzutauchen?
GWEN:Auf jeden Fall, wie gesagt ich mache das worauf ich Bock habe und ich liebe einfach Soul. Aber alles kann mich inspirieren und das werde ich auch zulassen.

music-news.at:Erzähl uns ein paar Sätze über deine zukünftigen Projekte, mit wem sind Kollabos oder andere Dinge geplant?
GWEN:Es bringt gerade einfach nur Spaß, neue Geschichten zu erzählen und zu sehen wie die Songs wachsen. Zurzeit bin ich in den Hansa Studios in Berlin mit dem Produzenten Criss Tonino, der auch schon mit Keith Sweat oder Nelly zusammen gearbeitet hat. Außerdem arbeite ich noch mit David Manning, der in den Beatgees Studios sein Unwesen treibt und natürlich zusammen mit T-No von meinen Jungs aus dem Hause Tracksetters.

Es sind Anfragen für Zusammenarbeiten gekommen, die mich wirklich freuen und ehren, aber da möchte ich noch nicht zu viel verraten. Auf jeden Fall machen wir Mukke und haben alle gerade derbe Spaß daran kreativ zu sein. Ich habe ein super Team. Es gibt noch so viel zu erzählen und man lernt nie aus, also kann man sich definitiv auf schöne Musik freuen.

Gwen Promo (c) Tracksetters

Gwen Promo (c) Tracksetters

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