Man möchte sich ein kleines, düsteres Hotelzimmer in einer Hintergasse von Hanoi vorstellen. Hans Hauser sitzt mit seiner Gitarre am Bett, von der herrschenden Schwüle sichtlich gezeichnet, und schreibt die ersten Songs, die später zur Grundlage seines neuen Musikprojekts werden sollten.

Tatsächlich spielte ein Trip nach Hanoi eine wichtige Rolle bei der Gründung der Band. Hanoi und Hans Hauser – macht hhanoi. Zurück im beschaulichen Tirol begann Hauser mit einem Solo-Akustik-Projekt. Doch früher oder später wollte er mehr. So setzte er Lucas Geiler ans Schlagzeug und das Duo hhanoi war geboren. 2014 folgte der erste gemeinsame Longplayer, ein teils akustisch, teils unter Strom stehendes Album, das nicht nur eingängig, sondern auch mal herausfordernd sein konnte. Zwei Jahre später steht die nächste Veröffentlichung in den Startlöchern. Heute klingen hhanoi anders – das Herausfordernde hat das Eingängige in großen Teilen zurückgedrängt. Ein Grund, mit Hans Hauser zu reden.

PARADOX: hhanoi präsentiert sich 2016 völlig anders als noch 2014 auf „Changing My Ways“. Ihr seid experimenteller, ausschweifender und sphärischer geworden. Habt ihr euch damit einen Gefallen getan?

Ja, auf jeden Fall. Du hast recht, bei einigen Songs merkt man die Veränderung, die vielen Live-Konzerte und auch, dass wir die Songs im Studio live eingespielt haben – zum Teil mit Publikum. Es gibt aber auch wieder sehr kompakte poppige Songs, falls du darauf anspielst. Es ist natürlich die Frage, wie man Erfolg definiert, oder? In unseren Augen ist Authentizität der einzige sinnvolle Weg, um langfristig mit seiner Arbeit zufrieden sein zu können. Von „Dawn“ (2012) zu „Changing My Ways“ (2014) war es auch ein großer Schritt und ich vermute, dass auch das übernächste Album wieder sehr anders sein wird als das kommende. Am Ende des Tages versuchen wir einfach, gute Lieder zu schreiben, wie diese dann umgesetzt werden, hängt davon ab, in welcher Lustphase wir uns gerade befinden.

PARADOX: Könnt ihr euch vorstellen, dass die neuen Songs euren Zuhörern den Zugang zu eurer Musik erschweren?

Das ist natürlich möglich, es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein.

PARADOX: Ihr seid zwar ein Duo, führt aber eine innige Dreiecksbeziehung mit eurem Tontechniker Andreas Freudenschuss. Wo genau liegt hier die Abhängigkeit bei euren Live-Shows? Würde hhanoi ohne ihn nicht funktionieren?

Andi macht einen super Sound und schaut drauf, dass immer alles funktioniert. Dadurch können wir uns voll und ganz auf die Musik und das Publikum konzentrieren, das ist vielleicht der größte Vorteil für uns. Er kümmert sich aber an den Abenden auch um viele andere Sachen und ist auch Abseits von den Konzerten inhaltlich stark involviert und nimmt auch unsere Alben auf. Wir haben live aber auch schon ohne ihn oder mit anderen Technikern gespielt, was auch funktioniert.

PARADOX: Du bist nach wie vor immer wieder mit hhanoi Songs solo unterwegs. Ist das gut für euer Bandgefüge? Wird dein Bandkollege Lucas da manchmal eifersüchtig?

Unplugged-Konzerte waren der Anfang von hhanoi und werden immer Teil davon sein. Ich kann an anderen Orten für ein anderes Publikum in einer völlig anderen Atmosphäre spielen und genieße es dann sehr, zum Beispiel mal in einem alten Schlossgewölbe oder einem Kulturkeller zu spielen. Wir reden auch immer wieder darüber, gemeinsam einen Akustik-Gig zu spielen, es hat aber bisher noch nie so richtig gepasst. Von Eifersucht kann glaub ich keine Rede sein, aber vielleicht ist das dann eher eine Frage für „hhanoi – behind the scenes“.

PARADOX: Im Ernst, wie bevorzugst du eure Songs? Solo oder in voller Besetzung?

Das variiert von Song zu Song und Abend zu Abend, jedenfalls bin ich sehr froh, beides machen zu dürfen.

PARADOX: Euer nächstes Album ist fertig eingespielt, aber noch nicht veröffentlicht. Wie soll es nun weitergehen?

Wir sind mit ein paar Labels in Kontakt und werden dann entscheiden, ob wir wieder über seriously records in Innsbruck veröffentlichen oder mit einem neuen Partner. Auf das neue Album sind wir jedenfalls sehr stolz und freuen uns darauf, es auf die Welt loszulassen.

PARADOX: Was erwartet ihr euch von einer Zusammenarbeit mit einem Label?

Die ganze Arbeit rundherum, also Booking, Promotion, Presse wird uns langsam zu viel, und da hoffen wir auf einen Partner, der uns auf das nächste Level helfen kann.

PARADOX: Wie soll es langfristig weitergehen? Wirtshaus-Tour? Zeltfest-Band? Weltruhm?

Wir suchen derzeit immer noch nach einer Bassistin oder einem Bassisten, leider vergeblich. Letztens hat sich ein zweiter Gitarrist angeboten, das wäre auch eine Option, aber nur in Personalunion mit Koch und Masseur. Wir wägen unsere Optionen noch ab, es bieten sich auch immer wieder Triangelspielerinnen und Sängerinnen an. Sobald wir das endlich entschieden haben, steht dem Weltruhm nichts mehr im Wege. Bis dahin werden wir möglichst viele geile Konzerte spielen, Songs schreiben, zwischendurch mit einem Bier im Proberaum stehen und möglichst viel Spaß dabei haben. Den Songcontest würden wir auch gern mal moderieren.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.