Unter diesem schlichten, negativ behafteten Namen startet eine österreichische Band von den USA aus durch. Hierzulande ist es noch vergleichsweise ruhig um Hunger, bis jetzt.

Wie es dazu kam, was sich die Jungs von diesem ungewöhnlich mutigen Schritt erwarten und was Rainhard Fendrich und Starmania damit zu tun haben, haben uns Hunger erzählt. Außerdem erfahren wir, dass wir die drei Musiker hinter dem Projekt schon lange kennen, ohne es bislang gewusst zu haben.

PARADOX: Dass seit kurzem eine österreichische Band von den USA aus für Furore sorgt, ist noch wenigen bekannt. Für alle Nicht-Insider: Wer ist Hunger?

Hunger: Wir haben dieses Projekt ursprünglich als Songwriter-Trio gegründet. Nach jahrelangem Bandspielen wollten wir gemeinsam Filmmusik, aber auch Songs für andere KünstlerInnen schreiben. Als wir dann mit unserem langjährigen Freund und Produzenten Dan Weller ins Studio gingen, um die ersten Demos aufzunehmen, wurde uns klar, dass wir dieses Projekt auch selbst als Band präsentieren wollen. Als wir unsere Demos verschickt hatten, hatten wir das Glück, ein Label in Los Angeles zu finden. Seither haben wir zwei Singles – „Gravity“ und „Amused“ – veröffentlicht.

PARADOX: Einfach nach Amerika gehen und von dort aus Karriere machen – klingt wie eine Geschichte aus einer wenig glaubwürdigen Doku Soap. Was hat euch dazu bewogen, diesen doch großen Schritt zu wagen?

Hunger: Als wir unser Projekt erstmals im deutschsprachigen Raum bemustert haben, bekamen wir durch die Reihe Absagen. Niemand wollte mit uns den Weg, den wir uns vorgestellt haben, gemeinsam gehen. Gleichzeitig konnten wir sehr positives Feedback aus England durch unseren Produzenten einholen, was uns dazu bewegt hat, es auch in den USA zu versuchen. Ein paar Wochen später bekamen wir dann auch schon das erste Flugticket zugeschickt und hatten die ersten Meetings in Los Angeles.

PARADOX: Wenn man Rockgrößen wie zum Beispiel Dave Grohl in Interviews zuhört, hat man oft das Gefühl, diese Leute überspringen in ihren Biographien ein paar Details. Da kommt nach dem Geschenktbekommen der ersten Gitarre oft übergangslos der Headliner Gig am Glastonbury. Was war bei euch vor Hunger los und wie kann man sich das Auswandern nach Amerika vorstellen, wenn man vorhat, von dort aus ein Leben als Profimusiker zu starten?

Hunger: Man darf nicht vergessen, dass wir schon seit über zehn Jahren im Bandbereich arbeiten. Die Schritte, die in der Geschichte von Hunger übersprungen wurden, wurden bereits in anderen Bands geschrieben. Dafür sind wir auch sehr dankbar. Ohne diese Erfahrung wäre das alles nicht möglich gewesen. Unsere ersten Erfahrungen in der USA haben uns sofort zu verstehen gegeben, dass dort ein anderer Wind weht. Der Konkurrenzkampf ist enorm und die Eintrittsbarrieren sind riesig. Wir stehen hier in den USA noch ganz am Anfang, aber es ist sehr schön zu sehen, wie sehr man als Künstler aus dem Ausland geschätzt wird – ähnlich wie bei uns Musik aus Amerika.

PARADOX: Womit hat man sich – abgesehen vom Musikmachen – in den Anfangszeiten in den USA herumzuschlagen?

Hunger: Da gibt es viele Punkte, die einem das Leben nicht leichter machen. Es beginnt bei Arbeitvisa und den großen Distanzen bis hin zu enormen Lebenshaltungskosten. Wir haben glücklicherweise mit unserem Label einen Partner, der uns bei diesen Angelegenheiten unterstützt.

PARADOX: Könnt ihr bereits vom Musikmachen leben beziehungsweise inwieweit unterstützt euch euer Label?

Hunger: Ohne die Unterstützung unseres Labels wäre es nicht möglich, eine Band auf diesem Level zu betreiben. Es ist ein Vollzeit-Job, und wenn jemand in dich investiert, musst du auch abliefern. Wir erledigen den Großteil aller Aufgabenbereiche nach wie vor selbst.

PARADOX: Ihr seid zwar noch nicht weltbekannt, arbeitet aber schon mit Größen des Musikgeschäfts zusammen, wie zum Beispiel mit Christian Lamb, der für seine Videoarbeiten mit Coldplay, Bob Dylan, Madonna, Taylor Swift und Rihanna bekannt ist. Simpel gefragt: Wie fühlt sich das an, wenn man bedenkt, dass ihr vor drei Jahren noch nicht einmal eine Band wart?

Hunger: Das ist verrückt und vermutlich haben wir das selber auch noch nicht realisiert. So einen Videodreh einmal direkt mitzuerleben und zu sehen, wie eigene Visionen und Inszenierungen auf diesem Niveau umgesetzt werden, ist ein Privileg. Christian Lamb ist mittlerweile ein guter Freund und wichtiger Teil dieser Band geworden. Wir sind unglaublich dankbar für diese Möglichkeit und seine Unterstützung.

PARADOX: Ihr habt Ende August ein Album mit dem clever gewählten Titel For Love veröffentlicht, dessen Name in Verbindung mit dem Wort Hunger eben jenes in ein positives verwandelt („Hunger For Love“). Hierzulande hat man nicht viel von dem Release mitbekommen und momentan ist das Album auch nicht mehr online zu finden. Könnt ihr uns aufklären?

Hunger: Wir können momentan leider nichts Konkretes dazu sagen, aber wir befinden uns seit einiger Zeit in Verhandlungen mit US-Labels, die direkt nach dem Release auf uns aufmerksam geworden sind. Wir werden diesbezüglich relativ bald für Aufklärung sorgen und in der Zwischenzeit konzentrieren wir uns auf unsere Singles.

PARADOX: Parov Stelar hat es auf ähnliche Weise wie ihr von Amerika aus versucht und damit Erfolg gehabt – gilt er als einsames Vorbild oder beheimatet Amerika wirklich den einzigen Markt, von dem aus man weltweit etwas erreichen kann?

Hunger: Prinzipiell wurden durch das Internet und die sozialen Medien die Eintrittsbarrieren, um im Ausland Fuß zu fassen, wesentlich geschmälert. Die traditionellen Labels haben kurzfristig enorm an Einfluss verloren. Speziell die Elektro-Szene hat das vorgezeigt. Andererseits gibt es dadurch eine enorme Reizüberflutung an Musik und KünstlerInnen, was es allgemein wieder schwerer macht. Speziell in Österreich haben wir auch das Problem, dass unsere Musikindustrie scheinbar nicht das nötige Selbstvertrauen und die Werkzeuge hat, um Bands auch im Ausland zu pushen. Glücklicherweise ist es mit deutschsprachiger Musik wieder gelungen, großartige Erfolge im Ausland zu erzielen, wovon letztendlich die ganze Musikszene profitiert.

PARADOX: Ewiges Pendeln über den großen Teich – was bedeutet für euch Heimat?

Hunger: Richtig, momentan pendeln wir noch und sind dort, wo wir gebraucht werden. Nichtsdestotrotz bleibt Wien beziehungsweise Österreich unsere Heimat.

PARADOX: Alternative MusikliebhaberInnen werden die Namen Daniel Rumpel und Johannes Herbst noch vom eigentlich ziemlich erfolgreichen Projekt From Dawn to Fall kennen. Vielen ist aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass euer Sänger Lucas Fendrich, Sohn von Musikerlegende Rainhard Fendrich, ist. Deshalb eine Frage direkt an Lucas: Wie sehr nerven dich Fragen in diese Richtung?

Hunger: Es ist schwierig, so einen Namen in Österreich und speziell in der Musikbranche abzulegen. Man wird ständig verglichen und Medien suchen nach großen Headlines. Mit der Zeit lernt man damit umzugehen. Wir versuchen dem Thema möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken, weil es mit unserem Projekt überhaupt nichts zu tun hat.

PARADOX: Und jetzt ernsthaft, Lucas: Wie prägt einen die Teilnahme an einer Castingshow wie Starmania?

Hunger: Das prägt sehr. Ich war noch sehr jung und musste erst mehrmals auf die Schnauze fallen, um zu lernen, dass die Medien bei meinem Namen nur auf Stories aus sind. Jedes Wort wird dir dreimal im Mund umgedreht. Außerdem hat es mir gezeigt, dass ich diesen Weg keinesfalls einschlagen möchte.

PARADOX: Was ist euer Ziel mit dem Projekt Hunger? Wo wollt ihr hin, für was steht ihr?

Hunger: Wir wollen weiterhin unsere Visionen und Ideen umsetzen. Das ist das Schönste am Bandleben. Es betrifft so viele verschieden Bereiche, in denen man sich kreativ ausleben kann. Jetzt freuen wir uns aber erstmal auf’s Livespielen.

PARADOX: Wenn jemand eines von Hunger wissen sollte, dann…?

Hunger: … dass wir gekommen sind, um zu bleiben.

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