Seit mittlerweile 20 Jahren sind Fettes Brot erfolgreich im Geschäft und haben vielleicht sogar schon ein kleines Stück Musikgeschichte geschrieben.

20 Jahre, das ist eine lange Zeit, doch König Boris, Björn Beton und Doc Renz sind es noch immer nicht müde geworden, ihren Fans etwas zu bieten. Erst im September haben sie ihr neues Album „Teenager vom Mars“ veröffentlicht und seit kurzem touren sie durch Österreich und Deutschland. Wir haben sie schon vor ihrem Auftritt im Grazer Orpheum getroffen und da haben die drei Hamburger mit viel Charme, Humor und Selbstironie gemütlich mit uns geplaudert. Sie haben uns verraten, was Versprecher mit ihrem Erfolg zu tun haben und was an Laserstrahlen so faszinieren ist.

Neues Album, neue Tour

music-news.atMit eurer Tour habt ihr gerade erst angefangen und man könnte sagen, ihr habt eigentlich in Österreich gestartet…
Boris: Das ist nicht ganz richtig. Zürich gehört ja nicht zu Österreich, noch nicht…. Aber fast in Österreich.
Björn: Ja zuerst Linz, dann Graz und dann Wien.

music-news.at Hat das einen bestimmten Grund, dass ihr mit eurer Tour in Österreich gestartet seid?
Boris: Hinterhältige Geister vermuten ja, wir würden uns nur ausprobieren, das sind nur Testshows. Das ist natürlich völliger Unsinn. Wir haben Zuhause geprobt und sind top vorbereitet. Ehrlich gesagt hat das ganz dumme logistische Gründe – Reiseroute, Termine… Wir mögen es sehr gerne hier und es ist uns fast egal, in welcher Stadt wir sind. Es geht darum, dass wir Musik machen und es geht um Konzerte. Das eint die Leute, die finden uns alle gut, die kommen. Ein paar Verrückte kommen, finden uns nicht gut, kaufen sich trotzdem ein Ticket – gut für uns. Insofern gilt es auch nicht: In Österreich ist es besser als in Deutschland… Die sind alle super und der einzige Unterschied ist: Die Städte sehen anders aus.

music-news.at In Graz seid ihr ausverkauft. Sind die Erwartungen an das Publikum dann höher?
Martin Wir erwarten uns schon ein sehr aufgeregtes Publikum, das Bock hat mit uns zu feiern. Und dass wir dann gerne mit einem zerrissenen T-Shirt und einem Lächeln im Gesicht nach Hause geschickt werden, wenn denn genehm ist…

music-news.at Weil es schon Teenager vom Mars heißt, darf man sich vielleicht eine spacige Show erwarten?
Boris: Da liegst du natürlich schon ganz richtig, aber da wollen wir nicht zu viel davon vorweg verraten. Aber so viel dazu, wir tragen Weltraumjacken und es landet ein Ufo, wenn man die Augen zumacht.

Wir tragen Weltraumjacken und es landet ein Ufo…

music-news.at Euer neues Album heißt ja auch „Teenager vom Mars“ und wenn man das mit den alten Alben vergleicht, dann ist es doch etwas Neues, ein bisschen was anderes. Habt ihr euch da vielleicht von jemandem, oder auch von etwas inspirieren lassen? Oder woher kommt das?
Björn: Naja, wir versuchen ja bei jedem Album etwas Neues zu machen und oft, oder eigentlich immer, ist es so, dass wir anfangen ein Album zu produzieren und wir wissen nicht, wie es am Ende dann sein wird. Welchen Themen oder welchen musikalischen Dingen wir uns widmen. Es kommt dann jedes Mal etwas Neues hinzu und genau da versuchen wir eben, uns selbst nicht zu wiederholen und etwas zu machen, was wir bisher noch nicht gemacht haben. Dieses Album jetzt wird, finde ich, oft kategorisiert als ein Album, das halt sehr inhaltsschwer ist und große Themen anspricht, wie beispielsweise Flüchtlinge usw. Aber ich würde jetzt sagen, dass es nicht nur ausschließlich so ist, sondern dass es viele Lieder gibt, die auch spaßorientiert sind, ohne schwere inhaltliche Aussagen zu treffen. Ich glaube, es liegt einfach an der Zeit, dass über so viele solche Dinge gesprochen wird.

music-news.at Wie in eurem neuen Song „Ganz schön Low“?
Björn: Genau.

music-news.at Also findet ihr es wichtig, dass auch ernstere Themen in euren Songs angesprochen werden…
Boris: Wir sind so als Typen. Wir wissen ne gute Party zu nehmen, aber wir unterhalten uns auch über andere Sachen. Wir machen uns Gedanken über die Welt in der wir leben und insofern spiegelt sich das auch automatisch in der Musik wider, die wir machen. Das, worüber wir als Menschen reden und nachdenken, das landet dann auch auf der Platte. Gar nicht so, weil wir jetzt denken, das müssen wir so machen, sondern das passiert automatisch.

music-news.at Kommen wir nun zurück zu eurem Song „Teenager vom Mars“. Das Video ist etwas crazy und zu sehen sind auch Laser-Brüste. Was kommt jetzt danach noch? Gibt’s etwas Besseres?
Boris: Gibt’s was Besseres als Laser-Brüste? Ich glaube wohl nicht… Ähm… da kann man sich bei uns nie so ganz sicher sein, ob es nicht noch etwas Verrückteres gibt. Spontan fällt mir jetzt auch nichts Verrückteres ein, vielleicht denken wir uns noch etwas anders aus. Aber wir spielen ja mit dem Genre B-Movie, Science Fiction, und da ist so etwas erlaubt. Einige waren auch böse, dass wir Brüste gezeigt haben in unserem Video.

music-news.at Jetzt gibt es ja auch eine zweite zensierte Version…
Björn: Das liegt aber nicht an uns, dass es die geben musste, sondern an den strengen Regularien von Youtube.

Martin Wer solche Verrücktheiten mag, der sollte sich unbedingt den Film von Oliver Tietge angucken, „ABCs of Superheroes“. Er hat die Regie geführt bei „Teenager vom Mars“. Abendfilme und Spielfilme macht er auch mit großem Erfolg, auch am Fantasy-Filmfest. Und da ist auf jeden Fall noch mehr Craziness abzuholen.

In einer fremden Kultur

music-news.at Es heißt ja auch „TEENAGER vom Mars“…
Boris: Sind wir gar nicht, ne? (lacht) Am Mars hingegen ticken die Uhren anders.

music-news.at Ah, deswegen? Ich dachte mir schon, vielleicht handelt es sich um eine midlife crisis…
Boris: Noch nicht!
Martin  Der nächste Planet wird sich dann mit der midlife crisis auseinandersetzen.
Boris: Midlife crises vom Mars… Ne, eigentlich ging es uns mehr um die Perspektive, von außen auf die Welt zu gucken und sich anzugucken, was hier auf der Erde so stattfindet und unseren Kommentar dazu abzulassen. Das mit dem Teenager fanden wir hauptsächlich nur witzig. Uns selber als Teenager zu bezeichnen… Ist ja klar, dass wir da schon etwas rausgewachsen sind.
Björn: Mir geht es da eher darum, das Wort zu benutzen. Als jemand, der da irgendwie herkommt und noch nicht so richtig Bescheid weiß, was die Erwachsenen sich hier so für Regeln ausgedacht haben und wie das hier so läuft in unserer Welt, da fühlt man sich dann so als junger, ungestümer Mensch mit ganz verrückten Ideen. Das ist dann seltsam, wenn man sich so denkt: „Wo bin ich denn hier gelandet?“. Das Gefühl kennt ja jeder, wenn man wohin kommt und man denkt sich: „Was ist denn hier los? Irgendwie passe ich mit meiner Idee vom Leben nicht so ganz rein“. Und da fühlt man sich dann eben wie ein Teenager vom Mars. Irgendwie fremd, jung und verrückt.

music-news.at Verrückt – ein gutes Stichwort. Man weiß nie, was einen hinter den verrückten Songtiteln erwartet…
Martin Vielen Dank.

music-news.at Wie kommt man denn auf diese Songtitel? Entsteht zuerst der Song, zuerst der Titel?
Martin Es gibt dann beides. Entweder man hat ein Thema im Kopf, über das man was sagen will, und dann sucht man quasi nach der adäquaten Ausdrucksform und macht den textlichen Anfang, der dem Song die Struktur verleiht. Oder man hat ne tolle Überschrift und man denkt „Oh, das muss ein geiles Lied werden.“ Das klingt ja schon so super, da wird man total hellhörig, wenn man das nur hört. Das muss man sofort auf ne Platte schreiben oder auf ein T-Shirt drucken.
Boris: Das hab ich mir erst gestern wieder gedacht…

Man muss dann halt ein Lied machen, damit man die Berechtigung hat, ein T-Shirt zu drucken.

Martin Und wenn das so ist, dann muss man sich dranmachen, ein Thema zu suchen, das zu diesem Satz passt. Eigentlich ist es ein Lied, aber es sollte nur ein T-Shirt werden. Man muss dann halt ein Lied machen, damit man die Berechtigung hat, ein T-Shirt zu drucken.

music-news.at Also man hat eine Idee und über die schreibt man dann ein Lied…
Boris: Ha, ja so kann man das auch sehen. Es kommt auch darauf an. Manchmal klappt’s nicht, manchmal klappt’s erstaunlich gut. Viel entsteht auch, wenn wir zu dritt unterwegs sind, uns unterhalten, unsere Scherzchen miteinander treiben.

Das Geheimrezept

Martin Ein Versprecher ist ein klassischer Songtext-Generator. Irgendwer sagt was, man hört etwas anderes und man denkt: „Hä? Was hat der gesagt?“. Wenn man die beiden, die originale Bedeutung des Satzes und das was man verstanden hat, miteinander vergleicht, entsteht auch ein sehr interessantes Spannungsfeld. Also ich glaube, so sind schon viele Sachen entstanden – wie der Albumtitel „Auf einem Auge blöd“. Ich glaube, unsere Gehirne sind mittlerweile darauf programmiert, irgendwie Unsinn zu verzapfen.
Boris: Worte und Sätze zu verdrehen, zu verknoten, umzustellen, neu zu machen, anders zu interpretieren, das passiert die ganze Zeit so nebenbei. Dann kommt mal etwas raus, das Millionen von Menschen gut finden.

Worte und Sätze zu verdrehen… das passiert die ganze Zeit so nebenbei

music-news.at Ist das dann sozusagen euer Geheimrezept? Immerhin seid ihr schon seit 20 Jahren erfolgreich.
Boris: Geheim ist es ja nicht mehr. Wir haben es dir ja gerade erzählt.
Martin Dass wir noch immer zusammen sind, ist, weil wir zusammengewachsen sind. Wir sind nicht von Geburt an zusammengewachsen, aber wir sind mit der Zeit zusammengewachsen. Das sehen viele Leute nicht, weil wir uns scheinbar auch getrennt voneinander bewegen können, aber eigentlich sind wir miteinander verklebt.

music-news.at Wenn man jetzt schon so lange erfolgreich ist, hat man da noch Ziele oder möchte man unbedingt noch etwas erreichen?
Boris: So hat das nie funktioniert. Als wir angefangen haben eine Band zu sein, haben wir auch keine Ziele gehabt. Das Ziel war eine Band zu sein und das haben wir gemacht. Und dann sind irgendwie so Sachen passiert. Da hatte einer die Idee eine Platte zu machen, ein Video zu drehen. Ja geil, machen wir. Wir gehen auf Tour, denken wir uns was aus, wird schon nicht so schlimm werden.
Björn: Ja, das haben wir ja schon alles gemacht. Was kommt denn jetzt noch?
Boris: Das will ich ja gerade sagen, das weiß man ja nicht so genau…
Martin Das vergessen wir schon immer wieder, dass wir das schon mal gemacht haben.
Boris: Alle drei Jahre wieder: „Lass uns doch auf Tour gehen!“ „Oh, das wollt ich schon immer mal machen!“

music-news.at Also doch Alzheimer?
Boris: Ja! (lacht) Oder ne Radiosendung, ist doch ne gute Idee, lass uns das auch mal machen. Und so ergeben sich dann auch Sachen.
Martin Wir haben daraus die Sicherheit gewonnen, dass man Sachen machen kann, und man scheitert grandios damit oder es klappt. Und man braucht da keine große Angst davor zu haben, irgendwie wird uns schon was Tolles einfallen. Die meisten Leute, die, sag ich mal, heute in beneidenswerten Positionen sind, die haben damit immer als Amateure angefangen. Und haben behauptet, sie seien Schriftsteller, Schauspieler, Bundeskanzlerin, Rap-Superstar… Letztendlich ist es immer eine Behauptung gewesen und wenn möglichst viele Leute das glauben, dann stimmt es einfach (lachen). So war es bei uns auch.

music-news.at Man hat von Anfang an quasi so hineingelebt…
Boris: Eigentlich schon. Wir haben es immer vermieden, große lange Pläne zu machen, über die nächsten zehn Jahre. Unsere jetzigen Pläne gehen quasi bis zum nächsten Sommer, da sind nämlich die Festivals und viel weiter haben wir jetzt noch nicht gesprochen, was danach kommt. Aber irgendwas wird noch kommen.

Wir haben es immer vermieden, große lange Pläne zu machen.

music-news.at Bis jetzt hat es ja ganz gut funktioniert.
Martin Klar.
Boris: Ja kann man schon so sagen.

music-news.at Habt ihr noch eine wichtige Message?
Martin Ne, die haben wir alle auf ne Platte gepackt.

Trotz großem Zeitdruck haben sich die drei Hamburger die Zeit genommen, mit uns über ihre Tour und über ihren Erfolg zu Reden. Nach gemütlichem Zusammensitzen und einem zwanglosen Interview, durfte auch ein Gruppenfoto nicht fehlen.

Interview

Ein Gruppenbild darf nicht fehlen. (c) Maggie Humpert

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