Interview mit Yash und PhillyFlaZh

Der Grazer Rapper Yash und sein Producer PhillyFlaZh reden offen und ehrlich über den Schaffensprozess und die Tücken im HipHop/Rap-Business.

www.music-news.at : Erzählt uns mal ein bisschen von eurem musikalischem Werdegang und deine Inspiration für deine Texte

Yash: Ich wurde irgendwann in der Schule gefragt, ob ich gern rappen würde und bin dann so reingeschlittert. Anfangs war ich ziemlich schlecht, aber ich habe nicht aufgegeben und immer weitergemacht.

…und das war einfach der perfekte Nährboden für ein Video

Dann habe ich den PhillyFlaZh kennengelernt. Angefangen hat es mit Savas, Sammy und Prinz Porno. Ich versuche egal auf was zu rappen, ich fahr generell auf Musik ab. Hauptsache es klingt cool, das Genre ist mir scheißegal. Wie es klingt, darum kümmert sich PhillyFlaZh. Ich mach nur die Texte. Es soll auch die Leute ansprechen, ich will eine Message rüberbringen, wo die Leute dann sagen können „Das fühl ich“ oder „Das kenn ich“ oder „Das ist cool, was er da macht und sagt“.Das ist ein langer Weg vom Anfang zum Endprodukt.

www.music-news.at : Was war denn bis jetzt das größte Projekt von euch?

Yash: VBT 2012. Das ist so ein Video Battle Turnier aus Deutschland, wo deutsch-sprachige Künstler mitmachen können. Und da haben 2012 eben über 2.000 Leute mitgemacht und ich bin unter die letzten 64 gekommen, was für Österreich ziemlich gut war. Das war wirklich ein Projekt, wo viel Arbeit drin steckte. Es läuft so ab, dass man einen Gegner bekommt und man hat eine Woche Zeit, den Gegner zu analysieren. Man schreibt dann einen Text, dreht ein Video und lädt das Ganze hoch. Und das in sieben Tagen! Auf Knopfdruck kreativ zu sein ist hart, aber es war das, was wir wollten. Wir wollten etwas haben, was uns zwingt zu produzieren. Es hat dann, dafür, dass ich kein Battle-Rapper bin, besser geklappt, als wir uns erhofft hatten.

PhillyFlaZh: Wir brauchen einfach Druck dahinter.

Yash: Wir machen alles in letzter Minute. Denn dann haben wir es in einer Minute geschafft.

www.music-news.at : Euer bekanntestes Video ist sicherlich „Rockstarr“. Was war eure Intention so ein richtig geiles Video zu machen?

Yash: Alle Anwesenden waren gut drauf und partymotiviert und das war einfach der perfekte Nährboden um ein Video für „Rockstarr“ zu produzieren. Passenderweise hatte PhillyFlaZh die Kamera dabei und dann haben wir es gestartet. War superlustig und geil.

www.music-news.at : Wie bist du mit dem Erfolg von „Rockstarr“ klargekommen?

Yash: Am Anfang war es eher enttäuschend. Wir haben gedacht, dass das Video für Grazer Verhältnisse schon ziemlich cool war und dass wir vielleicht in zwei Wochen 10.000 Klicks haben, die wir erst nach einem Jahr hatten. Das ist etwas, das uns zeigt, dass man halt mehr dran arbeiten muss. Oder vielleicht war es nicht cool genug, oder marketing-technisch nicht ganz ausgeschlachtet. Im Radio war es in der ersten Woche auf Platz 19 und in der zweiten Woche auf Platz 6. Ich freu mich immer riesig, wenn mich die Leute auf das Video ansprechen, weil sie es cool finden. Ich bedanke mich dann auch immer höflichst bei jedem. Ich finde es einfach großartig.
Ich finde, dass das Lied „Rockstarr“ auch nur halb so cool wäre ohne das Video.

PhillyFlaZh: Hier kommt einfach das Feeling rüber. Daran scheitert es bei vielen unserer Lieder. Es ist zwar der Beat und der Text cool, aber das Feeling kommt oft nicht rüber.

www.music-news.at : Wie ist eure Meinung zu Hip Hop generell zum Rap gesellschaftlich gesehen und ist es wirklich so negativ behaftet wie alle meinen?

Yash: Wir finden es beide peinlich zu sagen, dass wir Rapper sind. Dieser Beruf oder dieses Wort ist so negativ behaftet, weil es so viele Gangsterrapper gibt. Da wird man gleich in eine Schublade gesteckt.

PhillyFlaZh: Auf jeden Fall.

Yash: Das Ganze hat sich durch Rapper wie Cro und Casper ein bisschen gelockert. Aber durch amerikanische Rapper haben die Leute ein sehr einseitiges Bild von Rappern bekommen und glauben, dass alle so sind.

www.music-news.at : Die Mehrheit der Leute hört Radio. Müssen Musiker ihr lyrisches Level so weit runterschrauben, dass auch Leute, die Musik nur nebenher hören, ihre Songs gut finden?

Yash: Die erste große Hürde für Musiker ist es ins Radio zu kommen. Man kommt gar nicht ins Radio, wenn man nicht massentauglich klingt. Ich glaube, dass vielen Hörern etwas gefallen würde, das nicht so mainstream ist. Aber so hat man nicht einmal die Chance ins Radio zu kommen. Also bei Soundportal oder FM4 kommst du sicher leicht rein. Aber bei Ö3 und Kronehit hört man höchstens Sido oder Bushido. Englischer Rap kommt leichter ins Radio, weil die meisten Leute nicht so gut Englisch können, um es zu verstehen.

www.music-news.at : Ist es euer Ziel massentauglich zu produzieren?

PhillyFlaZh: Ich finde schon. Wenn etwas massentauglich produziert ist, dann stimmt meistens der Vibe. Es ist mir mittlerweile sehr wichtig, dass der Vibe stimmt. Ich finde es viel schwieriger ein Lied zu machen, wo der Vibe stimmt. Diese Gabe hat man oder nicht. Einen kritischen Text mit guter Message kann man leicht zusammenzimmern.

Yash: Wir ergänzen uns da auch sehr gut. Er schaut auf den Vibe, ich schaue auf die Message. Dann kommt auch etwas Cooles raus.

PhillyFlaZh: Ich schätze den Yasha als Menschen und als Musiker und deswegen funktioniert das dann auch.

www.music-news.at : Also euer Projekt basiert auf 100%igem Respekt.
Yash: Auf jeden Fall.

www.music-news.at : Was bedeuten die Wörter Freundschaft, Familie und Respekt für euch?

Yash: Freundschaft bedeutet für mich ein Geben und Nehmen. Es muss aber auch eine Win-Win-Situation sein. Respekt ist für mich, jedem die Freiheit zu lassen, das zu tun, was die Person für richtig hält. Wenn die Handlung aber anderen Menschen schadet, sollte man etwas dagegen tun. Familie ist das Um und Auf. Es ist die Basis, wo man die ersten sozialen Schritte lernt und wo Richtlinien aufgezeigt werden, nach denen man dann lebt.

PhillyFlaZh: Du hast das sehr schön ausformuliert.

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