Der Allrounder ist auf der Bühne zu Hause und fühlt sich pudelwohl.

Er macht alles. Wirklich. Seit 2009 tummelt sich der sympathische Mannheimer auf den Kleinkunstbühnen Deutschlands. Egal, ob mit Texten über Dummheit, improvisierten Songs oder schmerzhaft ehrlicher Stand-Up Comedy: Er weiß, wie man entertaint.

Nach fast 1000 Auftritten bei Poetry Slams, Comedyclubs und Improtheater-Shows und einem Intensiv-Studium für Comedy in Chicago hat er sich zum Ziel gesetzt, auch die Stand-Up Bühnen Deutschlands zu erobern. Und zwar mit ehrlicher und verdammt lustiger Stand Up Comedy direkt aus dem Leben.

Außerdem ist er der geborene Moderator. Wenn sie ihn nachts um halb drei Wecken würden, er würde die Anwesenden in seinem Schlafzimmer herzlich begrüßen und die einzelnen Möbelstücke vorstellen.

Textuelle Belästigung

Sein Programm „Textuelle Belästigung“ ist ein Best-Of von Texten, Songs und Geschichten, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben.

Jens Wienand liebt es, sowohl mit spitzen Pointen und notfalls auch mit stumpfem Wortwitz das Publikum auf der Reise durch seine Welt zu unterhalten. Zwar nicht so gut gelaunt wie ein Urlaubsanimateur, dafür aber wesentlich pauschaler: Denn ob Frisöre, Fussballfans oder Fernsehköche: Alle bekommen etwas ab.

Spätestens, wenn das improvisierte Drama vorbei ist, und er sich mit einem musikalischen Merci verabschiedet hat, weiß das Publikum, wie schön es sein kann, textuell belästigt zu werden.

Da der „junge Mann“ einfach nur megalustig ist, kann man ihn nur derbe abfeiern. Seinen Grenzen sprengenden Humor darf man sich bei seinem Auftritt beim NightWash Talent Award 2015 zu Gemüte führen. Vorhang auf für den Imperator in Hochform:

Kunst ist ein großes Wort, in der heutigen Zeit macht jeder Kunst. Künstler ihres Fachs sind doch nur wenige. Wenn die Bezeichnung auf jemanden zutrifft, dann auf Jens Wienand. Er bringt ein breit gestreutes Repertoire an Fähigkeiten mit, schlüpft in mehrere Rollen und blüht in ihnen nur so auf. Der Entertainer unterhält Menschen, aus diesem Grund haben wir ihm einige Fragen gestellt und interessante Antworten erhalten.

music-news.at:Hi Jens, ich bin durch den Rapper Luis a.ka Luis Baltes auf dich aufmerksam geworden, Imperium für Dummies – der Name allein hat schon gereicht, und mein Interesse war geweckt. Erzähl uns doch bitte, was du alles machst um deinen Lebensunterhalt zu verdienen?
Jens Wienand: Meine Facebookseite heißt ja nicht umsonst: jenswienandmachtalles. Ich mach wirklich alles. Zumindest alles, was irgendwie mit Kleinkunst zu tun hat. Vor allem bin ich Stand-Up-Comedian und Improvisations-Spieler. Außerdem organisiere ich Veranstaltungen wie Poetry-Slams und die offene Bühnen-Reihe „Kunst gegen Bares“, bei der das Publikum mit Geld abstimmen darf, wer ihnen am besten gefallen hat. Des Weiteren war ich lange Club DJ, moderiere, schreibe, hab früher auch mal in einer Band gespielt und und und und…

music-news.at:Wenn ein Schizophrener mit Selbstmord droht – ist das dann eine Geiselnahme?
Jens Wienand:Ich glaub, wenn jemand mit Selbstmord droht, ist das oft vor allem ein Ruf nach Aufmerksamkeit und wenn nicht mal deine imaginären Freunde da auf dich einreden, würd ich mir wirklich Sorgen machen. Depressionen liegen aber nicht wirklich in meinem Kompetenzbereich, das machen aktuell andere Künstler besser. Aber wenn man sich zum Beispiel den Tod von Robin Williams vergegenwärtigt, vielleicht liegt das mit dem Lachen und der Verzweiflung dann doch näher, als man denkt.

music-news.at:Sehr gutes Beispiel, das du aufgezeigt hast. Schenke uns eine Lebensweisheit. Was war der entscheidene Punkt, dem normalen Leben „Ade“ zu sagen und als Entertainer-Allzweckwaffe durchzustarten?
Jens Wienand:Ich hab mich ja nicht vor ein weißes Blatt gesetzt und dann gesagt: So, was für 10 Dinge kann ich denn nicht und wovon will ich denn leben? Ich hab relativ „normal“ studiert an der Popakademie Mannheim, aber den Business Studiengang, und dann einen Job bei einem Veranstalter für Musicals und Showtourneen bekommen. Erst 2009 hat das bei mir angefangen, dass ich mich selbst auf die Bühne gestellt hab. Damals hab ich zwar schon als DJ gearbeitet, aber eine Selbstständigkeit war hier nie eine Option. 2010 hab ich dann die ersten eigenen Events gestartet – und jetzt ist das knapp 800 Auftritte her. Es kommen immer wieder spannende Projekte dazu, zuletzt der Podcast: Imperium für Dummies, bei dem ich mich mit verschiedenen Künstlern über alle möglichen Themen unterhalte.

Nun dürft ihr euch von den sprachlichen Qualitäten des Künstlers ein Bild machen.

music-news.at:Eine beachtliche Zahl, was sind genau die Vor- beziehungsweise Nachteile?
Jens Wienand:Vorteil ist, dass ich 24 Stunden am Tag das tun kann, was ich liebe. Nachteil ist, dass ich halt 24 Stunden am Tag arbeite (lacht). Ne, ich mach schon einfach zu viel. Da bleibt auch einiges Privates auf der Strecke, aber man hat auch viel Kontakt zu netten Leuten, die Menschen aus der Comedy- und Poetry Slam Szene möchte ich nicht in meinem Leben vermissen.

music-news.at:Warum werden Zigaretten an Tankstellen verkauft, wo das Rauchen verboten ist?
Jens Wienand:Weil Sie uns alle verrückt machen wollen. Und damit mein ich jetzt nicht den Staat oder die Illuminaten, die sind ja schon verrückt. Nein, ich denke, dass ist gezielte Zermürbung der Menschen. Da will irgendwer, dass eine Revolution ausbricht, denn irgendwann kann man ja diese Mischung aus Pegida-Naido-Aluhut-Desiree-Nick-und-Coke-Life nicht mehr aushalten. Obwohl: Coke Life ist ganz geil.

music-news.at:Was ist das Peinlichste, das du je erlebt hast?
Jens Wienand:Ich war mal Raucher, mit 18. Peinlich genug? Nein? Gut. Und ich hab eins konsequent in meinem Leben durchgezogen: Immer pleite sein. Auch nicht peinlich? Vielleicht als Kombi? Damals schon. Und auf einem Konzert von Mambo Kurt hatte ich keine Kippen dabei, und auch sonst niemand im Raum. Aber Mambo Kurt kam mit einer brennenden Zigarette auf die Bühne und hat die dann während des ersten Songs auf den Boden geworfen…. Und: Ja. Hab ich.

music-news.at:Warum sind Möhren orangener als Orangen?
Jens Wienand:Das ist mir noch nicht aufgefallen. Hab ich schlechte Augen? Merke: Mehr Möhren essen.

music-news.at:Welche drei Dinge nimmst du mit auf eine einsame Insel? Bitte beschränke dich auf drei Dinge.
Jens Wienand:Da sie wohl komplett einsam ist, und Facebook, Netflix und PS3 mit Mortal Kombat keine Option wären: Stift, Papier und ein Longboard. Hoffentlich ist zumindest ne Straße auf der Scheißinsel. Sagt meiner Familie Bescheid, dass es mir gut geht und schickt meine Freundin mal nach.

Der Wienand bei der Arbeit, (c) Tino Bomelino

Der Wienand bei der Arbeit, (c) Tino Bomelino

music-news.at:Wer ist für dich der beste deutsche Poetry-Slamer?
Jens Wienand:Wie kann man da jetzt jemand nennen ohne andere zu dissen? Mann. Also weit vorne immer noch Patrick Salmen, auch wenn der nicht mehr bei vielen Slams mitmacht. Ich bin großer Fan von Moritz Neumeier und ich steh auf die Texte von Jule Weber. Aber gibt auch ein Haufen junger Comedians, die ich abfeier: Tino Bomelino, Das Lumpenpack, Costa Meronianakis und Joachim Hahn. Hausaufgabe: Googlen!

music-news.at:Was tust du, wenn du nicht einschlafen kannst?
Jens Wienand:Ich brauch zum Einschlafen immer ein Hörbuch oder ein Hörspiel. Wenn ich mal Damenbesuch hatte. „Na, was machen wir jetzt?“ „Na das Hörnbuch an und gehen ins Bett!“ – Romantik kann ich. Ich steh total auf Hörspiele wie Sherlock Holmes, Offenbarung 23 oder Gabriel Burns. Oder alle Hörbücher, die Detlef Bierstedt vorliest!

music-news.at:Welche deutsche Lyrik liest du?
Jens Wienand:Richtige Lyrik ist nicht mehr so in meinem Themenfokus. Ich stand schon immer auf morbide Prosa, Clive Barker und Konsorten, dementsprechend fand ich Gottfried Benn immer super. Ich mag immer noch Erich Fried und einige Sachen von Erich Kästner. Und klar, Humormäßig die großen Drei: Heinz Erhard, Robert Gernhardt und Kollegah.

music-news.at:Als Kind wolltest du sein wie . . .?
Jens Wienand:Irgendjemand, der coole Klamotten hat und ich hatte schon immer Idole aus der Comedy Welt: Oliver Kalkofe, Harald Schmidt und ich wollte immer so sein wie die Menschen, die Kentucky Fried Movie gemacht haben. Ich glaub, da bin ich auf einem ganz guten Weg.

music-news.at:Wir bedanken uns bei dir für die unterhaltsamen Worte.
Jens Wienand:Danke Christoph, hat Spaß gemacht.

Hier kann man sich die neuste Folge seines Podcasts zu Gemüte führen:

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