Die Grazer Blues-Funk-Rock Formation Johnny Goes To Bad hat 2015 zum Kreativjahr ausgerufen. Neben der Veröffentlichung ihrer ersten EP, nutzen sie die Zeit, um in ausgelassenen Jamsessions neue Songs zu kreieren. Als Ergebnis soll es Ende des Jahres ins Studio gehen, um ein Album aufzunehmen.

PARADDOX: Wer ist Johnny?
Jule: Jeder Mensch kann ein Johnny sein und jeder Mensch kann böse sein. Es geht darum was man als Mensch sein kann, und dass man Dämonen in sich trägt. Es gibt Menschen die das mehr ausleben und andere weniger. In unserer Welt gibt es Menschen, die ihre Dämonen ganz stark ausleben.
Igi: So wie du!
Jule: Ja, so wie ich. (lacht)

PARADDOX: Verfolgt ihr mit eurer Musik ein bestimmtes Ziel oder geht es nur um den Spaß am Musizieren?
Con: Weltfrieden… Nein, mir geht es hauptsächlich um den Spaß dabei, nicht nur um den eigenen, sondern auch um den Spaß der Hörer. Natürlich sind unsere Texte thematisch oft schwierig, aber wir machen sicher keine finstere depressive Musik. Wir sind auch keine Band, die sich darum kümmert, ob wir kommerziell erfolgreich sind. Es geht wirklich um den Spaß. Jule: Beim Texte schreiben verarbeite ich schon gewisse Dinge und möchte auf Themen aufmerksam machen.

PARADDOX: Einige Songs haben kaum Text. Ist das ein Stilmittel oder gab es keinen passenden Text?
Jule: Ich finde, ein Text ist überhaupt nicht obligatorisch. Die Musik und der Gesang an sich sind eine Form der Sprache, eine Sprache die jeder versteht, in der es nicht diese Barrieren gibt. Jeder Mensch fühlt sich angesprochen von Musik und deswegen ist es auch nicht so wichtig immer einen Text zu haben.

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© Olivia Fürnschuss

PARADDOX: Schreibt ihr eure Lieder gemeinsam?
Igi: Das ist verschieden. Oft passiert es beim Jammen und manchmal fällt einem Zuhause etwas ein. „Heartbreaker“ habe ich begonnen. „Moving“ ist entstanden, als wir im Park gesessen sind. Es passiert… Es ist aber noch kein einziger Song zur Gänze alleine Zuhause entstanden.

PARADDOX: Gibt es Musik die ihr wirklich abgrundtief hasst?
Igi: Dubstep… Das halt ich nicht aus.
Jule: Bei mir ist es Minimal Techno.
Cruz: Ich mag eigentlich alles. Wenn es mir gefällt, gefällts mir.
Con: Ich habe meine Probleme mit dem Großteil der volkstümlichen Musik.
Richie: Wenn es gut gemacht ist gefällt mir jede Musik.
Igi: Da hast du recht. Wenn ein Instrument geil gespielt ist, dann gefallen mir auch einzelne Passagen.
Jule: Außer das Banjo.
Igi: Gerade das Banjo, ich werde mir jetzt eines kaufen.
Con: Es gibt Musik, die ich nicht gerne höre, aber jede Musik ist toll zu machen.

„Ich glaube, ein riesen Problem ist das Konkurrenzdenken.“

PARADDOX: Wie denkt ihr über die österreichischen Musikszene?
Richie: Ich glaube es gibt sehr viele gute Bands, in jeder Musikrichtung. Aber es ist schwer fußzufassen. Es gibt sehr viele unbekannte gute Bands.
Cruz: Der Markt bei uns ist nicht so groß. Es gibt drei oder vier große Radiosender, um da reinzukommen musst du bestimmte Musik spielen.

PARADDOX: Was müsste sich eurer Meinung nach ändern, dass unbekannte Bands eine Chance haben?
Richie: Ich glaube, ein riesen Problem ist das Konkurrenzdenken. Graz ist zum Beispiel eine kleine Stadt in der es hundert oder zweihundert Bands gibt, die sich bekämpfen, anstatt gemeinsam Konzerte zu machen.
Con: Jetzt hört man die ganze Zeit, dass der Austropop wieder da ist, aber in Wirklichkeit gibt es Unmengen an Stonerrock und Alternativerock Bands und Metal Bands, die ihren eigenen originellen Sound haben. Man tut so, als gäbe es nur volkstümliche Musik und Austropop, aber das stimmt nicht. Es gibt Landesweit zu wenig Selbstbewusstsein, um das Potential zu nutzen. Das müsste sich ändern.

PARADDOX: Wie steht ihr zur Club- und Festivalszene in Österreich?
Igi: Als Besucher ist es super.
Con: Als Band müssen wir erst mehr Erfahrungen sammeln.
Jule: Auf österreichischen Festivals – Nova Rock, Frequency – wird auch immer das Gleiche gespielt. Es wäre cooler mehr kleine Festivals zu haben, auf denen jede Band spielen kann. Auf den großen Festivals gibt es irgendein Casting um einen Slot zu Mittag in einem kleinen Zelt.
Igi: Das ist wieder das Kokurrenzdenken. Auf diesen Contests treten Bands auf, die sich gegenseitig ausschalten müssen.
Richie: Ich will keine Fans beleidigen, aber zum Beispiel eine Band wie Metallica ist live grottenschlecht, trotzdem gehen die Leute hin und zahlen zweihundert Euro. Wenn es ein kleines Konzert mit fünf Euro Eintritt gibt, ist keiner bereit das zu zahlen. Aber zu irgendeiner Band mit großem Namen stürmen die Leute hin, egal ob die gut sind oder nicht. Das ist ein riesen Problem beim Publikum. Die sind nicht bereit fünf Euro für eine kleine Band zu zahlen, sondern schmeißen das Geld für ein Dreckskonzert raus. Das muss man mal sagen. Nur weil eine Band Metallica heißt oder wie auch immer… Ich habe Metallica gesehen, das ist ein riesen Scheiß.

PARADDOX: Wer sind eure Lieblingskünstler aus Österreich?
Cruz: Mother’s Cake
Jule: Modula Nation sind unheimlich geil.
Igi: Kinky Natalie Jule: Spring and the Land
Con: Palindrome, Blank Manuskript… Drei Bands sind einfach zu wenig. Lausch, Jigsaw Beggars.
Richie: Ich tu mir schwer und Falco lebt nicht mehr.

PARADDOX: Was gehört für euch zu einem unvergesslichen Live-Auftritt?
Igi: Ein geiles Publikum.
Jule: Das Publikum gibt einem den Kick. Man braucht eine gewisse Rückmeldung. Da brauchen nur zwei oder drei zum Schreien anfangen, dann merkt man, dass es passt. Für mich ist es bei einem Konzert das Schönste, wenn ich merke, ich kann mich völlig frei fühlen. Je freier ich mich fühle, desto geiler ist es für mich und desto glücklicher bin ich. Desto mehr kann ich mich mit meiner Band und dem Publikum connecten. Das ist für mich dieser Rausch.

PARADDOX: Darf Musik auch politisch sein?
Igi: Musik darf alles sein.

PARADDOX: Seht ihr euch als Künstler in einer besonderen politischen oder sozialen Verantwortung euren Hörern gegenüber?
Con: Das ist man automatisch, weil man sehr vielen Leuten Messages mitgibt. Aber wir wollen keine Predigten halten. Eigentlich sind unsere Texte und Inhalte eher Dinge bei denen sich die Menschen verstanden und weniger belehrt fühlen sollen.

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