Joseh haben gerade ihre Tour durch den Süden Deutschlands abgeschlossen und standen uns kurz danach im Interview Rede und Antwort!

Anfang Februar haben Joseh mit ihrem Debüt-Album (Release: Joseh) die Folk-Pop-Szene aufgemischt und eine Harfe als ungewöhliches Instrument vorgestellt, das beim Publikum doch sehr gut ankommt! Wir hatten einige Fragen an den Komponisten der Band Joseph Hanopol, der uns Rede und Antwort gestanden hat.

www.music-news.at:Der Sound von Joseh kennzeichnet sich durch die Kombination von ungewöhnlichen Instrumenten für den Pop- bzw. Rockbereich. Wie seid Ihr auf das Verwenden einer Harfe gekommen? Und dann noch in Kombination mit Gitarre?
Joseph:Das kam eher zufällig. Ich war schon länger als die eigentliche Band als Folker unterwegs. Die meiste Zeit alleine, aber auch teilweise in unterschiedlichen Besetzungen. Und ja, die Harfe ist auf dem Album schon ein wichtiges Soundmerkmal. Es ist meistens so, dass ich die Songs schreibe und dann die Harfe oder auch alle anderen Instrumente mit ins Arrangement kommen. Doch die Verwendung der Harfe ist so daran gekoppelt, dass ich versuche sie in eine Art „americana folk“ oder „pop arrangement“ zu integrieren. Zum klassischen Irish Folk, Celtic Style oder Klassik-Folk zähle ich uns nicht.
www.music-news.at:Wie habt Ihr als Musiker überhaupt zueinander gefunden?
Joseph:Ich bin 2013 wieder nach Hamburg gezogen und habe für meine Band Leute gesucht. Dabei habe ich verschiedenste Personen kennengelernt, mit denen ich dann zusammen Joseh gründen konnte. So kam es, dass nun die Harfe Bestandteil der Band ist, geplant war das nicht. Unser Cajon-Mann und der Bassist sind Studienkollegen von Ulli (Harfe) und spielen noch in ihrem eigenen Punk-Popprojekt „Kommando Kant“ und kamen dann noch hinzu. Wir kennen uns also sozusagen auch privat und es war ein natürlicher Prozess im Sinne von: „na haste bock?“.
www.music-news.at:Wollt Ihr mit Eurer Musik etwas Bestimmtes ausdrücken? Sind es wirklich Lebensweisheiten wie „Genieß den Moment, er ist einzigartig?
Joseph:Die meisten Songs inspirieren sich von meinem bisherigen Leben. Die Rastlosigkeit, die Umzüge, die Suche nach dem Sinn, in dem was man tut, Verlust von Menschen, Freunden und Lieben und sind somit unsere Ausdrucksform zu sagen, wie ich damit umgehe, wie ich darüber fühle oder was ich als Resultat aus gewissen Ereignissen lernen und mitnehmen kann. Natürlich gehört dazu, dass man darüber nachdenkt, was dann sonst noch kommen könnte. Von daher recht menschliche Dinge.
www.music-news.at:Wer ist für das Schreiben der Texte verantwortlich? Einer alleine oder macht ihr das zusammen als Gruppe?
Joseph:Dafür bin ich alleine verantwortlich.
www.music-news.at:Als Musiker seid Ihr ständig zusammen, wie sehr beeinflusst das das Privatleben?
Joseph:Das ist gar nicht so schlimm, da Joseh im Schichtsystem arbeitet. Das heißt, je nachdem wer Zeit hat oder was die Location hergibt, sind wir von solo bis Quintett am Start. Wir hatten letztens unsere Südentour in Würzburg, Stuttgart und Ulm gemacht und waren so das erste Mal vier Tage und Nächte am Stück zusammen. Das war für eine lustige Erfahrung für mich! Auf der letzten Tour 2010 war ich fünf Monate komplett alleine unterwegs. Es ist dann nicht so einsam und auch allgemein lustiger. Natürlich ist es dann zeitweilen auch etwas anstrengender. Es hilft aber ungemein, dass wir uns auch privat sehr gut verstehen und befreundet sind.
www.music-news.at:Gibt es auch Dinge, die Euch aneinander nerven?
Joseph:Bestimmt, aber wenn man sozusagen ein Ziel hat und alle einen Beitrag dazu leisten, ist das eigentlich nicht so wichtig. Jeder ist eigentlich dafür verantwortlich seine eigenen stillen, privaten Momente zu haben, auch auf einer Tour. Es ist also von daher kein Problem mal zu sagen „hey ich setz mich mal in den Park oder in ein Café oder mach irgendetwas sonstiges alleine.“ Ganz klar ist superwichtig, dass man miteinander redet, wenn man zu viel aufeinander hockt und schnell versucht, Sachen auszumerzen, die vielleicht nerven. Aber wir führen da eine recht offene Gesprächskultur und haben somit eigentlich keine Probleme.

Joseph bezeichnet Konzerte auch manchmal als „öffentliche Hinrichtung“

www.music-news.at:Ist Euch schon einmal etwas Peinliches auf der Bühne passiert?
Joseph:Bisher als Band zum Glück nicht. Mit persönlich ist aber einmal etwas Peinliches passiert. Als ich in Hamburg wieder angefangen hab, habe ich vor Auftritten gerne ein wenig getrunken. Einmal allerdings waren es dann mehr als nur ein Bier, da ich Auftritte gerne auch als „öffentliche Hinrichtung“ bezeichne und nur schwer damit klar kam. Ich habe dann auf der Bühne nur zwei Songs gespielt und in der restlichen Zeit versucht, meine Gitarre zu stimmen. Seitdem habe ich dann eine Weile nichts mehr getrunken, da ich meine Show sehr unprofessionell und peinlich fand.
www.music-news.at:Könntet Ihr Euch auch vorstellen, etwas Anderes als Musik zu machen? Schauspielerei, Malerei vielleicht oder etwas komplett Anderes?
Joseph:Nun ja, wir haben ja zwei Musikwissenschaftsstudenten, eine Psychologin, die ihren Bachelor abgeschlossen hat, und jemanden der eine Ausbildung macht (im Medienbereich, Bild und Ton). Ich bin Diplom-Designer und habe zuvor in der Werbung gearbeitet. Allerdings hatte ich irgendwann genug davon und entschied mich, Musik als Hauptaufgabe zu sehen. Im Moment kann ich es mir nichts anderes vorstellen, dafür liebe ich es zu sehr live zu spielen, Songs zu schreiben und aufzunehmen.
www.music-news.at:Ihr habt in Würzburg für Euer Konzert keinen Eintritt verlangt. Gibt es dafür einen speziellen Grund? Meint Ihr Musik und Kommerz passen nicht zusammen?
Joseph:Das ergab sich einfach aus dem Laden. Wir sind nicht oft in Würzburg, aber ich denke die Location verlangt generell keinen Eintritt. Was die Frage betrifft: Independent ist super, „Do it yourself“ ist eine tolle Sache, aber große Popmusik auch. Ich habe nichts gegen Kommerz in der Musik. Wenn Musik gut ist, ist sie gut, egal wie sie vertrieben wird.
www.music-news.at:Wofür meint Ihr, lohnt es sich zu kämpfen?
Joseph:Das man das tut, was man will. Es gibt keine Entschuldigung, es nicht zu tun.
www.music-news.at:Wie sehen Eure musikalischen Pläne für die Zukunft aus?
Joseph:Wir geben Konzerte. Vielleicht kommen wir dieses Jahr noch auf 80 Auftritte! Das ist so das Ziel, das wir uns gesetzt haben. Wir verbreiten das Album und unsere neue EP. Zielsetzung wäre, dass die Leute unsere Musik hören und das gerne tun.

www.music-news.at:Vielen Dank für Deine Antworten und das tolle Interview!

Joseh: Ich danke Euch!

Credits:
Photo by Joseh

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