Ein Newcomer ist Joshi Mizu in Österreich keinesfalls mehr. Bereits in den 2000er Jahren hat der Wiener als Teil der Gruppe Family Bizz schon Erfolge gefeiert. Mit seinem Debütalbum MDMA, welches letztes Jahr erschien, konnte er an diese Erfolge anknüpfen.

Nun arbeitet Joshi Mizu an seinem zweiten Album. Wir trafen den Rapper und er verriet er uns alles zum Thema Songwriting und seinem Plan für den Festivalsommer.

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Peter Schings I HAD Studio

PARADOX: Du bist schon seit den 2000er Jahren im Hip Hop aktiv, man könnte dich durchaus schon als Oldie in der Szene bezeichnen. Hast du dich in den Jahren verändert? Wie viel Joshi Mizu von damals, findet man im heutigen Joshi Mizu?
Joshi Mizu: Zur Oldie Frage. Laut meinem Pass bin ich vielleicht ein Oldie. Meine Karriere, Laufbahn, alles was ich gemacht habe macht mich vielleicht zum Oldie. Aber mit den Sachen, die ich jetzt in Deutschland rausgebracht habe, generell in Deutschland, da bin ich noch kein Oldie. Da gehöre ich eher noch in die Newcomer Kategorie.
Zu den Veränderungen, körperlich habe ich mich auf jeden Fall verändert. Vielleicht bin ich ein bisschen reifer geworden. Aber ich bin immer noch so verrückt wie damals. Musikalisch habe ich mich natürlich verändert. Es wäre schlimm, wenn sich Musiker während ihrer Laufbahn nicht verändern würden. Ich habe mich von Album zu Album, von Track zu Track verändert, was eigentlich logisch ist, wenn man das wie ich schon 14 Jahre macht. Aber der harte Kern, ja der Charakter ist auf jeden Fall immer da.

PARADOX: In den vergangenen 14 Jahren hast du auch viel erlebt. Du warst und bist immer noch Teil der österreichischen Hip Hop Szene. Wie hat die ganze Szene sich in den letzten Jahren deiner Meinung nach entwickelt?
Joshi Mizu: Es sind mehr Leute geworden, mehr hungrige Leute. Die Leute, die mit Rap angefangen haben, sind immer jünger geworden. Jetzt gibt es auch ziemlich viele Sparten, auch schon in Österreich, in Deutschland natürlich noch viel mehr. Mittlerweile hat sich Hip Hop meiner Meinung nach sehr gut entwickelt, mal abgesehen von den Verkaufszahlen. Das ist aber jedem Musiker klar, dass die Verkaufszahlen nicht mehr so wie damals sind. Aber speziell im Hip Hop Bereich, finde ich, dass mittlerweile alle Sparten abgedeckt sind. Es gibt nicht nur die NullSiebenElf-Clique oder die Mongo-Clique, jetzt mal auf Deutschland gesagt, sondern es gibt auch für jeden Bereich jemanden, der das bedient. Es gibt verschiedene Straßenrapper, es gibt verschiedene Gute Laune Rapper, Backpack-Rap ist wieder zurückgekommen, Pop-Rap wie man an Cro sieht. Ich finde das hat eine gute Entwicklung genommen, jetzt von der musikalischen Seite her. Aber von der finanziellen Seite her, von den Verkaufszahlen, ist das eine andere Geschichte. Da will ich jetzt aber auch nicht zu sehr ins Detail gehen.

PARADOX: Du bist seit deiner Geburt in Wien, du lebst hier, oder?
Joshi Mizu: Ja, durchgehend die meiste Zeit in Wien. Es gab so ein paar Abschnitte in meinem Leben, wo ich in Berlin gewohnt hab, aber auch nicht für lange Zeit. Mittlerweile pendle ich sehr viel. Die Hälfte vom Jahr bin ich dort, und die andere Hälfte bin ich hier.

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PARADOX: Ich habe gehört, du ziehst jetzt nach Berlin. In einem anderen Interview habe ich gelesen, dass du dir nicht vorstellen kannst Wien zu verlassen. Wie schaut das jetzt aus, bist du dann ständig in Berlin oder kommst du auch ab und zu wieder zurück in deine Heimat?
Joshi Mizu: Ich komme auf jeden Fall zurück, mehr als ab und zu. Meine Familie ist hier, ich habe auch einen kleinen Bruder und auch sehr viele Freunde. Mittlerweile ist auch das Reisen nicht mehr so anstrengend, man kriegt immer wieder günstig Flüge. Dadurch, dass ich schon so viel gependelt bin, ist es für mich eigentlich schon ein Katzensprung. Ich kenne auch die Strecke mit dem Auto, und habe da immer meine Anhaltspunkte. Wenn man die Strecke mal richtig gewohnt ist, ist sie gar nicht mal so lang.

PARADOX: Was hat das jetzt auch für Vorteile, wenn du nach Berlin ziehst? Ist Wien auch ein Dorf, wenn es um Hip Hop geht, oder muss man zwangsläufig irgendwann mal nach Berlin ziehen?
Joshi Mizu: Es muss ja nicht Berlin sein. Aber der Unterschied zwischen Österreich und Deutschland ist viel größer, einfach auch von der Einwohnerzahl her. Natürlich da wo mehr Einwohner sind, besteht auch eine größere Möglichkeit, dass es Leute gibt, die sich von deiner Musik angesprochen fühlen.
Das ist schon mal der ausschlaggebende Unterschied, warum man den Schritt nach Deutschland macht, wenn man wirklich Geld damit verdienen will. Wenn man sich sein Leben finanzieren möchte, dann muss man auf jeden Fall den Sprung rüber machen, als Hip Hopper jetzt. Ich kann nur als Hip Hopper sprechen, es gibt Pop-Künstler und Volkssänger, die halt nur von den österreichischen Verkaufszahlen leben können. Aber als Hip Hopper ist das ganz wichtig, es ist ja auch mein ganzes Management dort, mein Label ist dort. Wenn zum Beispiel eine Tour startet, dann geht die nicht in Wien los, dann geht die von Berlin aus.

PARADOX: Wo wir gerade von einer Tour sprechen, du bist im Juli bei den Hip Hop Open in Wien dabei. Du trittst neben Größen wie Afrob, Samy Deluxe oder A$AP Rocky auf. Wie ist für dich das Gefühl, neben so großen Namen auch selbst dabei zu sein?
Joshi Mizu: Es ist immer wieder ein schönes Gefühl um ehrlich zu sein. Es ist nicht mein erstes Festival mit so vielen großen Namen. Aber ich liebe Festivalauftritte einfach, es ist quasi wie ein Klassentreffen unter den Rappern. Man kennt sich ja untereinander, und freut sich wieder ein paar Leute zu sehen, die man auf Festivals trifft. Man hat eine gute Zeit, Festival bedeutet auch immer Sommer, da ist sowieso jeder immer glücklich.

PARADOX: Der Sommer steht ja vor der Tür, wirst du noch auf weiteren Festivals zu sehen sein, oder konzentrierst du mehr auf dein nächstes Album?
Joshi Mizu: Ich bin jetzt gerade in der Albumproduktionszeit, man ist aber auch ständig irgendwie in der Albumproduktionszeit, und man ist ständig auch auf Tour, nach dem Motto „Vor der Tour ist nach der Tour“ und „Vor dem Album ist nach dem Album“. Die Festivals, die mir noch einfallen sind Splash Festival, dann am Trailerpark Openair in Berlin, Trailerpark Openair im Hamburg mit SSIO, Eko, Trailerpark, Alligatoah, BRKN, Battleboi Basti und so weiter. Ich trete noch bei der offiziellen Afterparty beim Hip Hop Open in Stuttgart auf, das ist so ein Clubauftritt.

PARADOX: Also ein vollgepackter Terminplan. Du hast auch schon reichlich Bühnenerfahrung, hast mit Freestyles begonnen, du bist auch immer laufend auf Tour. Du warst auch bei Sierra Kidd Support Act. Bist du vor Aufritten eigentlich auch noch manchmal nervös?
Joshi Mizu: Ich bin bei Interviews nervöser, also vor Auftritten (lacht), nein ich mache Spaß. Nein, nicht wirklich nervös, es ist mehr aufgeregt, mehr so eine Freude. So ein Nervenkitzel ist nicht dasselbe, wie nervös sein. Es macht einfach Spaß, als Künstler auf der Bühne zu stehen. Zu sehen, dass Leute deine Musik lieben, dabei mitmachen und abgehen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich glaube viele Musiker machen das auch wegen dem Live-performen.

PARADOX: Wie schreibst du ein Lied? Gibt es irgendwelche Einflüsse von außen, die dich beeinflussen?
Joshi Mizu: Erlebnisse, die ich gesammelt habe, Dinge, die mir passieren, Stimmungen am Tag, Gefühle. Es ist eine gute Frage, das haben mich schon mehrere Leute gefragt. Aber man kann das eigentlich gar nicht so gut beschreiben, um ehrlich zu sein. Vielleicht habe ich gerade etwas erlebt, dass mich so sehr bewegt, das ich dann anfange einen Song darüber zu schreiben. Aber eigentlich ist es oft so, dass ich viele Instrumentals zusammensammle, und mich einfach heransetze. Dann überlege ich mir, was ich in letzter Zeit erlebt, was ich gefühlt habe, und versuch dann darüber zu schreiben.

PARADOX: Also ist zuerst immer der Beat da und dann kommt der Text, oder versuchst du schon einen Beat zu finden, zu dem ein bereits existierender Text passen könnte?
Joshi Mizu: Oft ist es so, dass ich ein Thema im Kopf habe und dann suche ich mir einen passenden Beat. Danach versuche ich das Ganze umzusetzen, und so entsteht der Sound. Am Ende kommt immer etwas dabei raus, ob es gut oder schlecht ist, das ist die andere Sache.

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