Treffen sich zwei Österreicher und zwei Deutsche in Mannheim und machen harte, deutschsprachige Rockmusik mit einem Hang zu Progressive und Psychedelic. Kein Witz, sondern Katinkas voller Ernst.

Seit vier Jahren bündeln Katharina Münz (Gesang), Raphael Neikes (Gitarre) und Thomas Woschitz (Bass) ihre kreativen Kräfte. Seither haben sich Katinka den Rang eines hervorragenden Live-Acts erspielt. Mit Michael Nowatzky als Nachfolger der früheren Schlagzeugerin soll 2017 das Debütalbum erscheinen. Das Potenzial zur Kultband ist vorhanden.

PARADOX: Ein Salzburger, ein Tiroler und zwei Deutsche – wie kam’s dazu, dass ihr euch in Mannheim gefunden habt?

Raphael Neikes: Ich habe vor vier Jahren beschlossen, meinen Beruf an den Nagel zu hängen und nach Mannheim zu gehen, um Musik zu studieren. Dort habe ich diese netten Herrschaften kennengelernt.

Thomas Woschitz: Bei mir war‘s eigentlich fast gleich, nur habe ich nie gearbeitet. Ich wollte nach dem Zivildienst Musik machen, und wenn man aus einer Touristenregion kommt, dann muss man vielleicht woanders hingehen, wenn man das machen will. Ich habe gedacht: „Mannheim, wunderschöne Stadt, Industrieromantik, da will ich hin.“

PARADOX:Katinka ist eine sehr extrovertierte Band; euch liebt oder hasst man. Das liegt zu weiten Teilen an deiner Stimme, Katha. Du hast Gesang studiert und singst schon seit deiner Kindheit.

Katharina Münz: Ich bin als kleines Kind schon zuhause herumgerannt und habe meine Eltern so hart mit meinem Geplärre genervt, dass meine Mom mich in den Chor gesteckt hat. Ich hatte auch vor dem Studium schon viel Gesangsunterricht. Es ist so ziemlich das Einzige in meinem Leben, was ich schon immer mache.

PARADOX:Du wurdest schon mit Nina Hagen verglichen, es gibt Vergleiche mit der Band Ideal aus den 80ern. Ist das etwas, womit du konform gehst?

Münz: Es geht so. Die Vergleiche, die man bekommt, kommen ja immer von außen. Ich kann das durchaus nachvollziehen.
Nina Hagen ist eine total krasse Persönlichkeit, eine krasse Sängerin. Ideal kenne ich natürlich auch, ist aber nichts, was mich beeinflusst oder begleitet hätte. Man hat auch 10.000 andere Einflüsse. Ich bin zum Beispiel ein mega Rammstein-Fan – da hab ich das R-Gerolle her. Insgesamt gefällt es mir, mit der Stimme abgefahrene Sachen zu machen.

PARADOX:Ihr wart anfangs eher funky, habt aber eine Wandlung durchgemacht. Wie verlief der Leidensweg?

Neikes: Das hat damit zu tun, wie wir anfangs Songs geschrieben haben. Da waren einige Songs von Katha, die am Klavier geschrieben worden sind, schon vorhanden. Dementsprechend haben wir die Songs bearbeitet, umgemodelt, aufgemotzt und auf dieses Band-Ding übertragen. Im Laufe der Zeit haben der Tom und ich uns aber wesentlich mehr am Songwriting beteiligt.

PARADOX:Kam dadurch die progressive Komponente dazu?

Neikes: Das kann schon sein. Ich betrachte das eigentlich gar nicht als progressiv.

PARADOX:Es ist schon ziemlich ausgefuchster Shit, der da passiert.

Woschitz:[/do] „Ausgefuchster Shit” ist wahrscheinlich besser als „progressiv”.

Neikes: Wir alle haben unterschiedliche Einflüsse, jetzt kennen wir uns auch schon länger – man wächst immer mehr zusammen. Louisa, unsere Schlagzeugerin, ist im Dezember 2015 leider ausgestiegen. Wir haben mit dem Michael Nowatzky aber supercoolen Nachschub bekommen. Leider kann er heute nicht hier sein, weil er in Chicago ein Auslandssemester macht. Er kommt aber Ende des Jahres wieder zurück.

PARADOX:Dann geht es mit der Albumproduktion weiter?

Neikes: Genau, dann recorden wir die zweite Hälfte des Albums – die erste ist schon im Kasten.

PARADOX:Auf was kann man sich gefasst machen?

Neikes: Das kommende Album wird auf jeden Fall psychedelische Elemente enthalten.

PARADOX:Ihr seid gerade acht oder neun Stunden nach Graz gefahren, welche Musik lief im Auto?

Woschitz: Wir haben es leider vercheckt, CDs mitzunehmen. Wir haben uns einer Studie der Radiosender von Baden-Württemberg, Bayern und Österreich gewidmet und haben festgestellt: „Wir hätten CDs mitnehmen sollen.“

PARADOX:Was würde normalerweise laufen?

Neikes: Wir haben sonst alles von Tame Impala, Band of Skulls, Royal Blood dabei – Red Hot Chili Peppers geht auch immer wieder mal zwischendurch. Katha hört zum Schlafen immer Knife Party. Led Zeppelin natürlich – was man halt hört, wenn man Rockmusik macht.

PARADOX:Katha, erzähl uns mal ein wenig von „Der Sandmann“.

Münz: „Der Sandmann“ ist mein persönliches Manifest meiner jahrelangen Schlafprobleme. Das kennen vielleicht einige Leute, wie das ist, wenn man sich nachts hart rumwälzt und der Schlaf kommt einfach nicht vorbei. Das ist ein ewiges Thema für mich. Ich habe mich mit diversen Tabletten und Tees herumgeschlagen, um das irgendwie in den Griff zu kriegen. Am Ende kam dieser Song dabei raus.

PARADOX:Hat‘s geholfen?

Münz: Das hilft schon. Zumindest kann man mal ein bisschen herumschreien, wie behindert das alles ist.

PARADOX:Gab es schon Beschwerden von Eltern, weil ihr dieses schöne Schlaflied so rangenommen habt?

Woschitz: Wir haben mal ein Konzert gespielt, da waren Eltern mit kleineren Individuen. Als Katha mit dem Intro begonnen hat, bei dem sie den Sandmann ein wenig diskreditiert, haben die Eltern sehr entsetzt geschaut und den Kindern die Ohren zugehalten. Das war so ein Moment, wo ich mir gedacht habe: „Jahh…“

PARADOX:Schauen eure Gigs so aus wie das Video zu „Der Sandmann“?

Woschitz: Ja, wir leiden für die Kunst. Es ist immer sehr energiegeladen.

PARADOX:Ist Mannheim für euch ein fruchtbarerer Boden als Österreich?

Woschitz: Die Stadt Mannheim macht viel: Man bekommt Busse zur Verfügung gestellt und Proberäume werden gefördert. Wenn du dann noch in einem Umfeld bist, in dem viele Leute Musik machen oder gar studieren, dann hast du viele Einflüsse und bist sehr offen als Musiker.

PARADOX:Was steht bei euch mittelfristig am Plan?

Münz: Der Hauptplan ist die Platte. Wir sind noch am Arbeiten, am Songschreiben, am Rumbasteln. Das ist eine größere Sache, weil es die erste Platte ist und wir das schön machen wollen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.