Ein Ausnahmekünstler, der schon ewig Kunst betreibt und die Musik immer lieben wird

Kimoe steht seit knapp 20 Jahren vor dem Mikrofon, hat vieles erlebt und gefühlte tausend Konzerte und Festivals gespielt. Als Support für Größen wie Sean Paul, Shaggy oder Culcha Candela besitzt er den Ruf eines exzellenten Live-Künstlers. Mit Hip-Hop angefangen, und mithilfe von Reggae und Dancehall seinen eigenen Stil geprägt. Den Künstler kann man nicht in irgendeine Kiste stecken.

Letzten Monat hat er seine neue EP „Meine Zeit“ veröffentlicht. Pumpende, drückende Beats treffen auf experimentelle Bassmusik, Rap, Gesang und Melodien. Der Rapper vereint karibische Klänge, urbane Grooves und die nötige Brise Leichtigkeit. Grund genug ihm einige interessante und nicht alltägliche Fragen zu stellen.

Das Interview mit Kimoe

music-news.at: Seit wann machst du denn Musik, wie hat alles begonnen?
Kimoe: Professionell, also mit eigenen Releases jetzt seit ca. zehn Jahren. Auftritte und Aufnahmen um einiges länger. Musik generell, seit dem ich eine Klapper in meinem Babywagen hatte.

music-news.at: Wie sieht denn dein typischer Tagesablauf aus, wenn du einmal nicht viele Auftritte hast?
Kimoe: Das ist schwer zu sagen, „typisch“ gibt es in meinem Leben nicht wirklich. Aber es gibt immer etwas zu tun. Entweder starte ich den Tag mit frischen Brötchen und Kaffee und fahre den Rechner in meinem Heimstudio hoch oder ich besuche Musikerkollegen mit einer Frühstückstüte in ihrem Studio. Am liebsten bei Ganjaman, der hat mal locker zwanzig Sorten Honig in seinem Küchenregal. Aber ich arbeite inzwischen auch noch in einer Art Kreativagentur. Ich war lange Zeit Berufsmusiker. War eine schöne Zeit, aber du spürst dann auch den Druck mit Musik Geld verdienen zu müssen, was dazu führt, dass man dann schnell auch mal Gigs annimmt, auf die man eigentlich eher verzichten wollen würde. „Nein“ sagen zu können, kann ein echter Luxus sein.

music-news.at: Wie kam der Kontakt zu den DancehallRulerz zustande, was fasziniert dich an ihren Produktionen?
Kimoe: Oh, gute Frage, ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Ich glaube, ich habe Produktionen von ihnen gehört und habe Flo bei Facebook angeschrieben. Wir hatten von Anfang an gleich einen super guten Vibe miteinander, unfassbar sympathischer Typ. Ich feier ihre Produktionen einfach sehr. Sie sind voll on point, modern, ausgetüftelt, druckvoll und ich nenne es mal „mutig“. Ich bin sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit ihnen für meine neue EP „Meine Zeit“, für die sie nicht nur zwei Produktionen beigesteuert, sondern auch gleich noch den Megamix gezaubert haben.

music-news.at: Wo siehst du die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen könnten sich ergeben?
Kimoe: Das ist sehr schwer zu sagen. Das ganze Musikbusiness hat sich ja noch nie so schnell und stetig verändert wie in den letzten paar Jahren. Aber ich denke, dass der Tonträger an sich auf jeden Fall ausgedient haben wird. Streaming wird das Ding sein. Für die jetzige, junge Generation ist es schon genauso absurd Musik tatsächlich zu besitzen, zu kaufen. Als hätte man uns vor ein paar Jahren noch gebeten im TV jede einzelne Sendung, die ausgestrahlt wird, zu bezahlen.

Weißt du was ich meine? TV guckt man, das will man nicht besitzen, auch wenn es gut ist. Ich denke in Sachen Musik ist ein ähnliches Verständnis entstanden. Ist Klein-Steffan doch egal, ob ihm die mp3 rein theoretisch gehört oder nicht, bei einer CD weiß er gar nicht wohin damit. Da soll Musik aus seinem Handy kommen und das passiert, wenn er sich YouTube, Soundcloud oder jetzt eben Streaming-Dienste zu Nutze macht. Fertig.

music-news.at:Als Kind wolltest du sein wie . . .?
Kimoe: Jean Claude Van Damme. Ich beherrsche zwei Kampfsportarten (Karate & Judo). Van Damme war für mich der Coolste. Ich hatte ein Plakat von ihm in meinem Kinderzimmer, was mein Papa dem Typen aus der Videothek abgeschwatzt hat.

music-news.at: Mit welchem Mikrofon nimmst du deine Songs auf?
Kimoe: In meinem Heimstudio ist es ein Rode-K2, was in ein GoldMike (Spl) geht. Recorden tue ich mit Cubase.

music-news.at: Bester Gig ever? Was hat sich in deinem Kopf manifestiert?
Kimoe: Puh … Mein tatsächlich bester Gig ever war mein Auftritt beim Reggae Jam Festival (Bersenbrück) 2013. Unfassbar geiler Tag. Perfekter Slot, großartige Crowd, eine Mega-Stimmung. Unvergesslich. Es gibt aber noch einen zweiten Auftritt, der aus einem anderen Grund meine Nummer Eins ist. Meine Support-Show für Sean Paul 2007, in der ausverkauften Columbia Halle in Berlin. Als Teenager war Sean Paul für mich so etwas wie ein musikalischer Superheld. Er war auch ein wichtiger Grund, warum ich Dancehall und Reggae in meine Musik einfließen lassen habe. Ich kam ja ursprünglich aus der HipHop-Szene. Dass ich dann plötzlich für ihn Support spielen durfte, war natürlich das aller Größte überhaupt für mich.

music-news.at: Was ist deine Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writern?
Kimoe: Hmm … Schwer zu sagen. Ghost-Producing ist albern. Entweder ist der Beat von dir oder eben nicht. Einen Artist auf einem Beat von irgendjemanden aufzunehmen, zu mischen, etc. ist ja auch ein ehrenwerter Job, aber dann muss trotzdem klar sein, wer den Beat eigentlich kreiert hat. Co-Producing find ich wiederum völlig in Ordnung. Kreativen Input zu konzentrieren ist doch super, wenn der Beat daran gewinnt.

Ghost-Writing, weiß ich nicht genau. Es gibt halt tatsächlich Artists, die vielleicht eine super Stimme und Gesangsqualität haben und sicherlich auch einiges zu erzählen, aber eben nicht die Fähigkeiten, das alles kompakt und mit gut durchdachten Reimen, Worten, etc. zu verfassen. Wenn der „Ghostwriter“ also eher einen Posten bezieht, wie bei Büchern zum Beispiel der Lektor, finde ich das schon okay. Aber hey, es hängt auch immer von dem Künstler und dessen Output ab. Wenn der Künstler eher eine „Kunstfigur“ ist, warum sollen da nicht auch meinetwegen 20 Leute daran sitzen und einen schönen Text schreiben?

Peinlich wird’s nur, wenn der Artist eine besondere „Realness“ verkörpern will, seine Texte und evtl. auch Stories komplett von anderen konstruiert sind. Und ich finde gerade im Rap gehört es auch explizit zum Handwerk, selbst zu schreiben. Wenn dein Rapper-Kumpel, dann aber vielleicht den besseren Mehrsilben-Reim findet, als er dir nun ursprünglich einfiel, dann bitte schön, dann Entscheidung zu Gunsten der Qualitätsoptimierung.

Kimoe Promo © Lummert Photography

Kimoe Promo © Lummert Photography

music-news.at: Da sind super Ansätze dabei, mal eine ganz andere Frage. Warum werden Zigaretten an Tankstellen verkauft, wo das Rauchen verboten ist?
Kimoe: Ich vermute, dass es auch nicht erwünscht ist, im Supermarkt an der Fleischtheke den Grill auszupacken.

music-news.at: Nenne uns drei deiner Lieblingsfilme?
Kimoe: „Das Streben nach Glück“ drei Mal gucken, dann ist es drei Mal dein Lieblingsfilm.

music-news.at: Wer sind deine Lieblingsmusiker, die du im Moment gerne hörst?
Kimoe: Derzeit, hhhm. Anthony Hamilton, Tarrus Riley und John Legend.
Deutschsprachig finde ich die Sängerin Flinte gerade super. Wer sie noch nicht kennt, unbedingt abchecken.

music-news.at: Werde ich auschecken. Was passiert, nachdem man sich zwei Mal halbtot gelacht hat?
Kimoe: Das gleiche, wie wenn man zwei Mal ein Glas zur Hälfte mit Wasser füllt. Es war nie leer, es war nie voll. Sorry, für die trockene Antwort.

music-news.at: Genauso etwas wollte ich hören, das sagt viel über einen Menschen aus. Schenke uns eine Lebensweisheit?
Kimoe: Du wirst sterben, definitiv. Daran führt kein Weg vorbei. Aber alles was zwischen jetzt und deinem Tod ist, ist dein Leben, nutze die Zeit. Klingt hart, ist aber so.

music-news.at: Was ist das Peinlichste, das du je erlebt hast?
Kimoe: Das Menschen in Deutschland AfD oder NPD wählen.

music-news.at: Wenn du ein Tier wärst, welches und warum?
Kimoe:Mein Logo verrät es. Ich wäre ein Kater. Schlafen, fressen, toben, kuscheln und wieder von vorne.

music-news.at: Erzähl uns ein paar Sätze über deine zukünftigen Projekte?
Kimoe:Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher. Auch nicht darüber, wie lange ich überhaupt noch Musik machen werde. Vielleicht wird die „Meine Zeit“-EP meine letzte eigene Veröffentlichung. Wäre nicht unmöglich. Ich mach dieses Musikding ja wie gesagt seit über zehn Jahren. Ich hatte Veröffentlichungen, Radio-Singles, eigene Touren, Support-Shows für Sean Paul, Shaggy, Gentleman und viele mehr, Festival-Gigs, und, und, und.

Ich habe sehr viel Tolles erleben dürfen, wofür ich sehr, sehr dankbar bin. Aber tatsächlich fühlen sich einige Bereiche irgendwie „durchgespielt“ oder „abgenutzt“ an und so einiges brauche ich auch einfach nicht mehr wirklich für mein Leben. Ich meine, ich liebe Musik. Aber das kann ich auch vor der Bühne, dafür muss ich nicht zwingend oben drauf stehen. Ich kann es noch nicht sagen. Ich bin ein Gefühlsmensch. Dinge müssen sich für mich in allererster Linie gut anfühlen. Schauen wir mal. Jetzt ist erst mal diese wunderschöne EP frisch draußen, auf die ich sehr stolz bin. Ich liebe die Songs, ich liebe das geile Cover-Artwork, sehr runde Sache. Extrem zufrieden.

music-news.at: Wie lautet dein Tipp, um als Newcomer im Business wahrgenommen zu werden?
Kimoe: Oh, da kann ich leider nicht wirklich etwas Schlaues zu sagen. Die Zeiten haben sich krass geändert, seit den Tagen, als ich begonnen habe. Was wohl aber immer gilt: sei du, sei kreativ, sei originell, sei mutig.

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