Ein kurzes Interview mit Stefan Kirisits, der linken Gehirnhälfte der „Goldenen Murmeln“.

Anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Albums spricht Stefan Kirisits ganz offen über Schönheitsoperationen, die es ermöglichen den IQ zu steigern, Selbstfindung als Pflichtfach, Ablaufdaten für unreflektierte Personen und die Abschaffung der Freunderl- bzw. Misswirtschaft. Es war mir eine große Freude, eine der beiden Murmeln durchleuchten zu dürfen und in einem sehr persönlichen Interview Themen wie die beiden Alben „52“ und „Kurze Rede, langer Sinn“, ihre wenigen Facebookfreunde, rare Auftritte und das „Jazzgesicht“ ansprechen zu können. Hier ist es:

www.music-news.at:: Stefan, wie läuft es im Moment mit den Murmeln?

Stefan Kirisits: Danke, bei uns läuft es wunderbar. Wir haben im April 2014 unser zweites Album „Kurze Rede, langer Sinn“ über das hauseigene Label „Klangarm“ veröffentlicht und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

www.music-news.at:: Ich persönlich finde euer Album sehr gelungen, besonders das „Lied der Straße“ hat es mir angetan. Wie entstand dieser Song?

Stefan Kirisits: Nachdem wir in den letzten drei Jahren des Öfteren in der Sporgasse unsere Instrumentalstücke zum Besten gaben und das „Lied der Straße“ am meisten Passanten in ihren Bann zog, beschlossen wir, neben diesem noch ein weiteres Stück ohne Gesang auf das Album draufzupacken. Der Song entstand einfach durch die dortigen Jamsessions.

Silvia versus Meister Proper

www.music-news.at:: Ein weiterer Song eures Albums, der mir ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte ist „Putzfrau“. Warum putzt Sylvia besser als Meister Proper?

GM auf Bankerl

Stefan Kirisits: Erstmal möchte ich eines klarstellen: Sylvia gibt’s wirklich. Hätte sie denselben Friseur wie Meister Proper, würde sie ihm sehr ähnlich sehen. Aber Scherz beiseite: Mir kam die Idee während einer Leonhard Cohen Dokumentation, bei der es um Frauen in seinen Songs ging, die hauptsächlich Models oder Künstlerinnen waren, und da ich auch Sylvias Kunst und Arbeit sehr zu schätzen weiß, widmete ich ihr ein eigenes Lied.

www.music-news.at:: Zwei Worte, die mir beim Hören eurer zwei Alben im Gedächtnis blieben: „Oberflächialität“ und „Jazzgesicht“. Was hat es damit auf sich?

Stefan Kirisits: „Oberflächialität“ ist die Hymne unserer ersten EP „52“. Unser Wunsch, dass sich die Menschen mehr Eigeninitiative zutrauen und sich eine eigene Meinung bilden, wird darin formuliert. In „Jazzgesicht“ geht es um Selbstzweifel und um das Verstecken der eigenen Persönlichkeit hinter Drogenmissbrauch oder kopierten Vehaltensweisen. Beides sind Dinge, die ich nicht gut finde. Eigentlich steckt die Lösung des Jazzgesichts in der Oberflächialität.

www.music-news.at:: Wie ist das zu verstehen?

Stefan Kirisits: Es geht einfach darum, sich im Laufe des Lebens mit sich selbst auseinanderzusetzen, Stärken und Fehler zu erkennen. Wenn man diese Selbstanalyse über mehrere Jahre durchzieht, muss man sich irgendwann nicht mehr hinter dem „Jazzgesicht“ oder einem vom Umfeld aufgezwungenen Lebensstil bzw. Persönlichkeitsprofil, welches zu funktionieren hat, verstecken. Selbsterkenntnis ist nicht immer schmerzlos, und ich finde, dass sich der Großteil unserer Gesellschaft mit genau diesem wichtigen Thema nicht auseinandersetzt. Holzhacken ist deshalb so erfolgreich, weil man beim ersten Schlag schon ein Ergebnis sieht. Selbsterkenntnis dagegen ist ein langer Prozess. Die Mehrheit der Menschheit wird ganz einfach zu Konsumenten ohne Selbstreflektion erzogen, und diese Tatsache finde ich sehr, sehr schade.

Ist Thomas wirklich so wortlos?

www.music-news.at:: Nun kommen wir aber mal auf deinen Mitmusiker Thomas Wortlos zu sprechen. Ich gehe einmal davon aus, dass das nicht sein korrekter Nachname ist?

Stefan Kirisits: Der Name hat sich nach unseren ersten Auftritten entwickelt. Thomas wollte immer nur als der mysteriöse Gitarrist wahrgenommen werden, deswegen einigten wir uns darauf, dass ich der sprechende Teil unserer Band bin , während er der Mann hinter den Gitarrensoli ist.

www.music-news.at:: Hat er bei euren Auftritten wirklich niemals zum Publikum gesprochen?

Stefan Kirisits: Doch: Bei einem unserer Livekonzerte kam ihm das Wort „Astronaut“ über die Lippen.

www.music-news.at:: Wie lange murmelt ihr euch eigentlich schon durch die Szene?

Stefan Kirisits: Unser erster Auftritt war im Jänner 2011 bei einem Bandcontest in Wien. Nachdem uns zwei betrunkene Mädchen motivierten, weiterzumachen, haben wir einfach unser Ding weiter durchgezogen und im August darauf unsere erste EP „52“ veröffentlicht. Nach der  Veröffentlichung spielten wir einige Konzerte in Wien und Graz.

GM live mit Georgeman

Ruhe und Sturm

www.music-news.at:: Aber danach wurde es 2012 und 2013 ziemlich ruhig um euch? Kann man euren Albumrelease 2014 als Comeback sehen?

Stefan Kirisits: Comeback würde ich es nicht nennen. Wir haben einfach viele neue Lieder für die Murmeln geschrieben, die sich im Album „Kurze Rede, langer Sinn“ wieder finden. Ich habe zudem mit einer weiteren Band ein Album aufgenommen. (Downlovers: „Undressed Clowns“, Anm.d.Red.)

www.music-news.at:: Du sagst ja selbst, ihr macht tiefsinnigen Schlager, für mich klingt ihr aber ganz und gar nicht nach Schlager.

Stefan Kirisits: Da könntest du Recht haben, es gibt aber eine Textzeile, die an Schlager erinnert: „Lebenskummer lohnt sich nicht“. Der Song ist auch auf unserem neuen Album. Im Lied gibt sich ein Typ selbst das Eheversprechen indem er behauptet: „In guten wie in schlechten Zeiten steh ich zu mir.“ Ich bin persönlich ein großer Fan des deutschen Schlagers der 60er und 70er Jahre deshalb fand ich die Musikbeschreibung „tiefsinniger Schlager“ sehr interessant.

www.music-news.at:: Und das Lied „Taverne“? auch ein Schlagerlied ?

Stefan Kirisits: In Taverne geht es ganz einfach um eine Schlägerei mit einem Typen, der seinen Ohren zu viel Nick P. zugemutet hat. Also ganz und klar kein Schlagerlied.

www.music-news.at:: Was ist der Unterschied zwischen „tiefsinnigem“ und „normalem“ Schlager ?

Stefan Kirisits: Tiefsinnige Schlagerlieder führen nicht zu Schlägereien!

www.music-news.at:: Abschließende Frage: Wie geht’s weiter, wo kann man eure Musik hören, wann ist euer nächster Auftritt, wann endet das Ganze?

Stefan Kirisits: Unsere Lieder kann man hier downloaden, anhören auch auf Youtube oder Spotify. Was das Ende anbelangt, schaut es eher schlecht aus: Das letzte Ende war 2011, seitdem gibt es „Die Goldenen Murmeln“. Wir arbeiten bereits wieder an neuen Songs und werden demnächst wieder auftreten.

www.music-news.at:: Das Singen lässt du dir wohl nie verbieten ?

Stefan Kirisits: Das Singen nicht und auch nicht meinen Vogelbeerschnaps, danke für das Interview!

www.music-news.at:: Bitte, Stefan.

Fotocredits: facebook.com

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