In ihrem zwölften Jahr als Band veröffentlichen Lausch ihr fünftes Studioalbum. Ein Grund zu reden.

Spätestens mit ihrem Album „Canada is Falling“ im Jahr 2012 begann für das Wiener Alternative-Rock Trio Lausch ein anhaltender Höhenflug. Mit ihrem 2015er Album „Glass Bones“ setzen sie noch einen drauf. Momentan sieht es so aus, dass der Erfolg auch mit ihrem fünften Album „Quiet Men„, das Anfang Oktober erschien, weitergeht. Zwar blieb der große kommerzielle und internationale Durchbruch in der Karriere der Band bislang aus. Doch wirft man einen Blick in Szene, wird man schnell merken, dass Lausch zur Konstante ebenjener geworden sind. Unermüdlich spielen sie energiegeladene Konzerte im ganzen Land, begeistern mit jedem neuen Album und sind von allen Seiten hochangesehen. Hinzu kommt, dass Frontmann, Gitarrist und Sänger Alexander Lausch mit seinem listencareful Tonstudio die Finger bei Produktionen von The Crispies, Parasol Caravan, The WarHoles, Mother’s Cake und weiteren etablierten Rock-Acts des Landes im Spiel hatte. Nicht viele Menschen am heimischen Musikmarkt haben im vergangenen Jahrzehnt so viel Erfahrung gesammelt.

music-news.at: Welche Themen, Probleme, Freuden oder Sorgen haben euch im Laufe des Entstehungsprozesses von „Quiet Men“ beschäftigt?

Alexander Lausch: Die gleichen Dinge, die uns immer, auch außerhalb des Entstehungsprozesses dieses Albums, beschäftigen. Zukunft, Familie sowie die heiße Luft, die so viele Menschen, sei es im Musikbusiness oder in der Politik, von sich geben.

music-news.at: Die Songs auf „Quiet Men“ sind gar nicht so quiet. Kannst du uns über den Titel aufklären?

Lausch: „Quiet Men“ nimmt Bezug auf unsere Meinung, dass man nicht immer der Lauteste sein muss, um etwas zu erschaffen, was andere im Kern bewegen kann, und dass man einfach mal die Maske runternehmen und sein soll, wer man wirklich ist. Kein Schauspiel, kein Megaphon. Wir möchten die Leute abholen, die sich selber zwar vielleicht sprach- aber nicht aussagelos fühlen.

Lausch – (c) Andreas Jakwerth

music-news.at: Was sind eure Gedanken hinter „Let’s Be Strangers“? Denkst du, dass man einen Menschen wirklich kennen kann?

Lausch: Einerseits sehe ich die Aussagen in „Let’s Be Strangers“ im gesellschaftlichen Kontext der in letzter Zeit überhand nehmenden Angst vor dem Fremden. Im Grunde stehen wir uns zu Beginn immer als Fremde gegenüber, haben aber selbst in der Hand, ob wir diesen Umstand ändern oder nicht. Andererseits ist Fremdsein in einer Beziehung vielleicht nach vergangener Zeit ein Zustand, den man sich zurück wünscht, um die Aufregung einer beginnenden Annäherung wieder zu spüren.

music-news.at: Nun ist euer bereits fünftes Studioalbum am Markt. Business as usual?

Lausch: As usual insofern, als auch dieses Album dafür steht, was wir gerne tun. Wir spielen gerne, erschaffen gerne etwas Musikalisches und der Prozess des Schaffens hält uns jung im Kopf. Der Markt ist ein Raum, der es anderen Menschen ermöglicht, an dem, was wir tun, teilzuhaben. Unser Kreis erweitert sich dadurch, was uns ruhiger schlafen lässt.

music-news.at: Wenn man eine Band schon so lange betreibt, gibt es da noch Zukunftsträume?

Lausch: Geträumt wird bis zum Schluss. Also ja, es gibt immer noch Zukunftsträume, wobei es Träume sind, die nicht in unerreichbarer Distanz liegen. Dazu gehört, Menschen mit unserer Musik zu erreichen und zu berühren. Das gelingt uns immer wieder, also gehen regelmäßig kleine Träume in Erfüllung, was wiederum für Motivation sorgt. Weltherrschaft steht nicht auf unserem Whiteboard. Das würde uns am Ende nur zermürben, und wir finden, das Leben ist zu kurz für negative Gefühle und Gedanken.

music-news.at: Nur eine Woche nach dem Release von „Quiet Men“ findet die österreichische Nationalratswahl statt. Hat der Wahlkampf eure Musik beeinflusst?

Lausch: Die Politik bringt Dinge an die Oberfläche, die in unserer Gesellschaft brodeln. Natürlich sind das Dinge, die sich indirekt auch auf unser Songwriting auswirken. Ein Beispiel dafür ist der Titel „The Highest Bidder“. In diesem Song geht es darum, dass Menschen käuflich sind. Das machen sich Personen in Machtpositionen leider viel zu oft zu Nutze.

music-news.at: Was denkst du, warum ist Musik heutzutage weitestgehend unpolitisch?

Lausch: Ich denke, sehr viel Musik ist nicht wirklich unpolitisch. Politik umschließt für mich in erster Linie Themen rund um das Auskommen in unserer Gesellschaft. Wohnen, Leben, Arbeiten, Älterwerden, Familie – das beschäftigt viele MusikerInnen und KünstlerInnen und spiegelt sich in ihren Werken wider, auch wenn diese keine vordergründig politischen Aussagen enthalten.

music-news.at: Biffy Clyros Simon Neil beklagte in einem Interview mit Visions, dass die Rockmusik und ihre Relevanz darunter leiden, dass ihre Protagonisten zu sehr in der Vergangenheit verhaften und sich gegen moderne Einflüsse verwehren. Rockmusik hat sozusagen sein progressives Element verloren. Kannst du sein Gedanken nachvollziehen? Siehst du das auch so?

Lausch: Was genau sind moderne Einflüsse? Aufnahmetechniken um Musik einzufangen gibt es seit 40 Jahren. Synthesizer gibt es seit 40 Jahren. Werbung und Marketing gibt es seit 60 Jahren. Alles alte Geschichten. Das progressive Element muss sich im Erzählten entfalten. Nur leider haben sogenannte Rocker manchmal viel zu wenig zu sagen. Vielleicht meinte Simon Neil aber im Grunde eh genau das. Viel zu oft geht es um nichts und das ist in meinen Augen Stillstand und vergebene Mühe.

Lausch – (c) Andreas Jakwert

music-news.at: Kannst du dir vorstellen, das musikalische Spektrum von Lausch gravierend auszuweiten, mit Einflüssen aus völlig anderen Stilen zu arbeiten?

Lausch: Ich arbeite als Studiobesitzer täglich mit sehr unterschiedlichen Künstlern aus verschiedenen Richtungen zusammen und deren Wirken beeinflusst mich natürlich. All das fließt in unserer Musik zusammen. Dass zum Beispiel keine Freejazz-Parts in unseren Songs auftauchen, liegt daran, dass ich Jazz nicht studiert habe und mit meinen 34 Jahren wohl auch kein Studium mehr beginnen werde. Was ich damit sagen möchte, ist, wir haben unsere stilistischen Grenzen, die durch unser Können bestimmt sind, und das ist gut so.

music-news.at: Sieht man euch auf der Bühne, wirkst du oft in dich gekehrt, weniger wie die klassische Rock’n’Roll-Rampensau, die das Publikum permanent entertaint. Welche Gedanken und Gefühle ergreifen dich in diesen Momenten? Wie sieht das Innenleben des Alexander Lausch aus, wenn er auf der Bühne steht?

Lausch: Vielleicht, weil ich im Herzen ein Quiet Man bin. Haha. Zu viel Schauspielerei macht mich zynisch und mit Zynisch-Sein möchte ich nicht meine Lebenszeit verschwenden. Abgesehen davon finde ich, dass unsere Musik sehr von Dynamik lebt. Das bedeutet, dass man nicht immer am Gas stehen kann, sondern auch mal in sich gekehrt sein muss, um dem Publikum glaubwürdig zu vermitteln, worum es in unseren Texten und in unserer Musik geht. Ich denke, nur so können die Leute verarbeiten, was da gerade von der Bühne runter auf sie einwirkt.

music-news.at: Hast du in deiner bisherigen Karriere schon den für dich ‚perfekten‘ Song geschrieben?

Lausch: Jeder Song, den wir schreiben, ist für uns zu dem Zeitpunkt, wo wir entscheiden, ihn aufzunehmen, perfekt. (lacht) Wir bemühen uns, die Songs sehr nahe an unsere eigenen Vorstellungen von ‚perfekt‘ heranzuführen. Das ist das, was uns antreibt. Uns ist bewusst, dass nicht jede oder jeder unsere Songs so beurteilt, wie wir es selbst tun. Die Vielfalt der Geschmäcker und Meinungen überwiegt, und das finden wir großartig.

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