Marina and the Kats – wie die Aristocats sind sie zu dritt: eine Lady und zwei Gentlemen. Natürlich sind sie auch wahnsinnig musikverliebt und, genauso wie die Disney-Kätzchen, der reinste Augenschmaus. Die drei Musiker sind Jazz-Cats mit Haut und Haaren und haben unserem Radioprogrammchef Ronny Priesching einige Fragen, unter anderem zu ihrem neuen Album, beantwortet.

music-news.at: Ihr bezeichnet euch selbst als die kleinste Big-Band der Welt – wie ist das zu verstehen?
Marina Zettl: Big Bands sind ja meistens um die 20 Leute und waren meistens die Orchester zum Fortgehen in den 30ern und 40ern. Das hat uns inspiriert – da eine solche Band auch eine Kostenfrage ist, haben wir uns gedacht wir bleiben besser zu Dritt. Ein Journalist hat uns dann betitelt als die kleinste Big-Band der Welt und das hat uns so gut gefallen, dass wir das dann übernommen haben.

music-news.at: Jetzt ist Paprov Stelar so ein riesengroßes Ei, schwimmt man da auch mit, so als Swing-Band, auch wenn er mittlerweile mehr macht als Swing-Electronic?
Thomas Mauerhofer: Absolut. Der Electro-Swing-Hype ist auch noch da, ist aber schon etwas im Abflauen. Wir machen auch nichts elektronisches und setzen uns ab von dieser Electro-Swing Geschichte. Wir gehen in die Richtung „so ist die Musik gewesen damals“ und spielen ganz akustisch. Natürlich nehmen wir in unsere Musik mit rein, was wir uns denken – das ist der musikalische und textliche aktuelle Bezug.

music-news.at: Vor ein paar Monaten ist ein Video von euch veröffentlicht worden, in dem steht ihr in einer Garage zwischen „coolen Karren“ – wo ist das entstanden?
Marina: Unser Produzent, Peter Schenker, ist eines Tages herumgewandert und hat dann diese Werkstatt entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt haben wir schon wochenlang überlegt, wie wir das Video machen. Wir haben weder ein Datum gehabt, noch einen Ort, noch eine Idee und auf einmal ist es zack-zack gegangen. Wir haben wirklich nur vier oder fünf Takes gemacht, es war auch nicht mehr Zeit. Die Tänzer haben wir auch erst vor Ort kennengelernt, da wir sie via Facebook gesucht haben.

music-news.at: Swing ist bei dem deutschen Label O Tone Music erschienen. Wie hat man sich gefunden?
Thomas: Das war eine lange Reise. Wir haben angefangen mit zwei Alben unter Marinas Namen – Marina Zettl – und die bei einem Wiener Label veröffentlicht. Über dieses Label sind wir dann zu einem Holländer gekommen, bei dem wir ein drittes Album ebenfalls unter Marina Zettl aufgenommen haben. Zu diesem holländischen Booker haben wir dann gesagt, wir würden gerne mehr in Deutschland spielen und dieser hat dann mit seine Datenbank einfach alle [Labels] in Deutschland angeschrieben. Es war eine lange Vorarbeit, wir haben auch lange verhandelt. Nach ein paar Monaten haben wir ihnen das neue Projekt präsentiert und ihnen mitgeteilt, dass wir auf Swing umsteigen. Sie sind darauf eingestiegen.

Marina: Mir war es damals wichtig, dass wir „Marina Zettl“ und das Projekt trennt wegen den Bandcollegen.

music-news.at: Warum heißt es euer erstes Album „Small“?
Marina: Small, natürlich wegen der kleinsten Big-Band der Welt. Das zieht sich irgendwie durch und ich bin nicht so groß und es ist mir schon oft passiert, dass Leute mich nach dem Konzert angesprochen haben – immer auf meine Körpergröße bezogen. Die Leute haben es als Kompliment gemeint ‚So eine kleine Frau und so eine große Stimme‘, mich hat es jedoch immer irritiert. Wenn man klein ist, wird man nicht für voll genommen, wird verniedlicht, ist süß. Zu einem Mann darf man doch auch nicht sagen, er sei süß.

music-news.at: Wie sieht es mit eurem neuen Album aus?
Thomas: Das neue Album wird auch wieder auf Vinyl erscheinen, wir haben zwei möglichen Daten: entweder der 21. oder der 28. Oktober. Wir sind uns noch nicht ganz einig, aber angesichts der Menge der Lieder könnten wir sogar ein Vinyl-Doppel machen.

music-news.at: Ihr habt für euer Projekt ja die quasi Rollen getauscht. Marina spielt „Beserl-Snare“ und Jörg findet man am Bass statt am Schlagzeug. Wie kam’s dazu?
Thomas: Es war ein Ding der Notwendigkeit. Beim alten Projekt hab ich achtsaitige Gitarre und ein bisschen Bass gespielt, der Jörg hat Schlagzeug gespielt und die Marina gesungen, nur das ließ sich jetzt nicht machen. Das hängt ein bisschen von der Spielart ab: Wenn es ein Plektrum-geschlagenes Ding ist, kannst du keinen Bass mehr daneben spielen – damit ist das für mich weggefallen. Der Bass ist jedoch essentiell für die Musik, den muss wer machen, und da ist nur mehr der Jörg übrig geblieben, weil die Marina hat so kleine Hände, das geht sich nicht aus.

music-news.at: Ist der 20er Jahre-Style etwas, das ihr in euer Privatleben mitnehmt?
Marina: Optisch? Ich lass das schon hängen, mir gefällt das schon. Für die Bühne überlege ich mir nur etwas besonderes. Die ganze Zeit muss ich auch nicht so herumrennen, denn dann wäre es für mich auch nichts mehr Besonderes und Alltag.

Thomas: Ich glaube auch, je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr nimmt es auch Einzug in den Alltag.

Antonia Renner

music-news.at: Bei der ersten Produktion seid ihr aber schon mehr als zu dritt oder? Es ist jetzt zum Beispiel auch noch eine Hammond drauf.
Marina: Ja. Wir haben auch teilweise mit Bläsern gespielt. Bei der zweiten Platte werden aber auch Gäste dabei sein. Wenn man uns zu Dritt erleben will, kommt man zu einem Konzert, das hat eine ganz andere Energie.

music-news.at: Hast du auch das Beserl-Set gespielt am Record?
Marina: Teilweise. Aber es hat schon der Jörg gemacht. Ich habe ja nur für das Projekt angefangen Snare zu spielen, wobei mir der Jörg einen Crash-Kurs gegeben hat. Beim ersten Konzert im Februar 2015 hab ich Blut und Wasser geschwitzt. Aber jetzt gefällt es mir sehr und ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

music-news.at: Ein Video gibt es auch zum neuen Album?
Thomas: Oh ja. Wir haben schon gedreht. Es gibt ein Motorrad mit Beiwagen aus dem Jahre 1934 – eine Puch 500, aber mehr wird noch nicht verraten.

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