Der Multi-Künstler erklärt sein Schaffen und seine Herangehensweisen.

Exzellente Wortwahl und der passende Ausdruck sind seine Begleiter auf den lyrischen Reisen. Am 21. November 2016 erschien das zweite Buch „Eine Art Mosaiksprache des österreichischen Musikers und Autors Markus Keimel (Lydia’s Gemstone, SUMOSTAR), welches wir ausgiebig rezensiert haben. Es wurde mit über 100 kleinen und großen Texten unser Dasein definiert. Das Gesamtwerk besitzt 70 Seiten. Der Allrounder konnte sich über zahlreiche positive Kritiken freuen, daher haben wir ihm ein paar Fragen gestellt.

music-news.at:Was kannst du über den Entstehungsprozess des Buches erzählen, was war die Grundidee?
Markus Keimel:Der Entstehungsprozess hat sich über etwa zehn Monate gezogen und war wirklich sehr intensiv. In dieser Zeit war ich fast permanent am Schreiben und habe mich gänzlich in die kreative Entstehung fallen lassen. Wenn es eine einzige bestimmte Grundidee überhaupt gegeben hat, außer jene grundlegende künstlerische, sich selbst zu verwirklichen, seine Gedanken und Emotionen kreativ zu verarbeiten, und mit anderen Menschen zu teilen, dann die, eine andere Seite von mir zu zeigen und Themen beziehungsweise Meinungen aufzugreifen, die in bisherigen Veröffentlichungen keinen Platz fanden. Wie etwa eine bestimmte Form von Humor einzubauen oder vor allem sozial- und systemkritische Inhalte zu transportieren. Da ich ein besonders experimentierfreudiger Mensch und Künstler bin, wollte ich auch neue Stilformen der Lyrik ausprobieren.

music-news.at:Inwieweit kannst du „Eine Art Mosaiksprache“ mit „Wörter haben Seele“ vergleichen?
Markus Keimel:Diesen Vergleich würde ich am liebsten euch Redakteuren und den Lesern überlassen. Für mich persönlich unterscheiden sich die beiden überwiegend in der Grundstimmung und Aussage, die sie in Summe vermitteln. „Wörter haben Seele“ thematisiert die negativen Seiten des Lebens, die Abgründe des Menschen, seine Vergänglichkeit und grenzenlose, komplexe Blödheit, mit der er alles kaputtmacht, wenn man so möchte. „Wörter haben Seele“ hat eine unglaubliche Tiefe und Dramatik. „Eine Art Mosaiksprache“ hingegen hat Farbe, trägt sicher mehr Hoffnung in sich und ist im Ganzen definitiv bunter. Zweifellos hat es auch sehr viel an Tiefgang, ist vermutlich aber etwas leichter zu verdauen.

Markus Keimel Promo1 (c) Markus Keimel Promo (c) MIKA HINTERBERGER

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music-news.at:Wann hast du denn das erste Mal etwas „freiwillig“ für dich aufgeschrieben und wann kam der Punkt professionell zu schreiben?
Markus Keimel:Ich kann mich erinnern bereits im Kindesalter damit begonnen zu haben, Gedichte zu schreiben. Da dürfte ich um die acht Jahre alt gewesen sein. Es scheint also bereits damals ein Verlangen in mir geschlummert zu haben, sich über diese Art und Weise auszudrücken. Die Erstfassung von „Wörter haben Seele“ habe ich mehr oder minder als Experiment als E-Book veröffentlicht. Das war 2011 wenn ich mich recht entsinne. Das Feedback war dann aber dermaßen groß und positiv, sodass es ab diesem Zeitpunkt für mich begonnen hat, professionell zu schreiben. Zumindest endgültig mit der Neuveröffentlichung des Buches im Jahr 2015.

music-news.at:Wer oder was sind deine Inspirationsquellen, gibt es da gewisse Rituale, wie du auf deine Ideen kommst?
Markus Keimel:Ich bin gesegnet mit einer unglaublich intensiven Wahrnehmung und bin daher in der Lage in allen Dingen das Detail zu sehen, den Hintergrund zu lesen beziehungsweise zu erkennen. Ich habe öfters gesagt, dass ich es vermag in jedem Grashalm ein kleines Wunder zu sehen. Das ist, denke ich, eine schöne und sehr verdeutlichende Metapher. Frauen, Wein und Natur sind oftmals die letzte Instanz der Inspiration, grundlegend ist es eher diese Gabe einer versierten und sehr intensiven Beobachtung meiner gesamten Umwelt. Natürlich aber auch persönliche Erfahrungen die ich verarbeite. Ritual hatte ich beim Schreiben von „Eine Art Mosaiksprache“ besonders eines, und dieses war so viel wie es ging in der Natur zu arbeiten. Ich habe da ein spezielles Plätzchen, nicht unweit von mir zuhause, eine Waldlichtung in der ich einen spirituellen und inspirierenden Input fühle, der es mir erleichtern, gewisse Gedanken zu Ende zu denken. Einige Male habe ich so manche Flasche Wein geleert und mich dann ans Schreiben gemacht, was überwiegend gut funktioniert hat. Bei vielen der, meiner Meinung nach, besten Texten hat ein kühler Weißwein beim Führen der Feder geholfen.

music-news.at:Was sind denn deine persönlichen literarischen Vorlieben?
Markus Keimel:Da gibt es erstaunlicherweise gar nicht so viele. (lacht) Da ich in den letzten Jahren eigentlich permanent am Schreiben bin beziehungsweise war, habe ich eigentlich recht wenig gelesen. Erst kürzlich habe ich „Tod und Teufel“ von Frank Schätzing gelesen. Nicht sonderlich berauschend. (lacht) Es gibt zwar einige Klassiker der Weltliteratur die ich extrem stark finde, überwiegend haben mich aber recht wenige Bücher nachhaltig begeistert. „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse zum Beispiel, oder „Der Alchemist“ von Paulo Coelho finde ich ziemlich gut. Ab und an darf es auch gerne ein Bukowski sein. Ansonsten lese ich eher gerne Fachliteratur und Sachbücher. Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für Haie. Da habe ich jetzt ein superfettes Buch zuhause, welches ich studiere. Ansonsten lese ich ab und an in philosophischen Werken von Nietzsche oder Schopenhauer. Unglaublich finde ich die Werke von J.R.R Tolkien. Nicht aufgrund literarischer Qualitäten, aber aufgrund der imaginären. Ein Vorzeigefantast, der eine unvergleichbare originelle, spannende und detailreiche Welt erschaffen hat. Das ist schon wirklich faszinierend.

music-news.at:Wo siehst du die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen könnten sich ergeben?
Markus Keimel:Ich glaube, dass hinsichtlich Produktionen dieser völlig übertriebene Hang zum Perfektionismus irgendwann wieder nachlassen wird, weil die Musikwelt ein Stück weit Gefahr läuft immer mehr nach Plastik zu klingen. Ich denke, man wird sich in absehbarer Zeit wieder etwas mehr nach Natürlichkeit sehnen und Ecken und Kanten, einfach kleine Fehler wieder zulassen. Etwas wirklich Revolutionierendes erwarte ich persönlich nicht, diese Jahrzehnte liegen, wie ich befürchte, bereits hinter uns. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Markus Keimel Promo (c) MIKA HINTERBERGER

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music-news.at:Eine Klassikerfrage, die ich öfters mal stelle. Da kommt meistens etwas Lustiges zustande. Was ist das Peinlichste, dass du je erlebt hast?
Markus Keimel:Puh. (lacht) Also mir würde ja partout etwas Schräges einfallen, das sollte ich aber vermutlich besser bei mir behalten. Aber eine kleine Geschichte kann ich schon auspacken. Ich will ja kein Spielverderber sein. Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Job-Interview mit einer Personalchefin, die, wie soll ich sagen, zwei Medizinbälle in ihrem bescheidenen Dekolleté zur Schau trug. Und ich musste da permanent hinsehen. Je mehr ich mich bemühte nicht hinzusehen, desto öfter sah ich der Dame in den Ausschnitt. Mein Kopf war vermutlich rot wie der Arsch eines Pavians, irgendwie war ich machtlos. Den Job habe ich dann übrigens nicht bekommen.

music-news.at:Schenke uns eine Lebensweisheit?
Markus Keimel:Da passt einer meiner Lieblingsauszüge aus „Eine Art Mosaiksprache“.
„Geliebte Brüder und Schwestern,
lasst euch die Flügel nicht rauben,
denn ihr flogt einst aus euren Nestern,
um die Blüten dieser Welt,
mit euren Träumen zu bestäuben“.

Markus Keimel Promo 3 (c) MIKA HINTERBERGER

music-news.at:Was ist deine Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writing?
Markus Keimel:Finde ich fürchterlich und verlogen. Entweder du kannst selbst schreiben beziehungsweise produzieren oder du lässt es bitte bleiben.

music-news.at:Erzähl uns zum Abschluss noch ein wenig über deine Zukunftsprojekte.
Markus Keimel:Sehr gerne. Im Vordergrund steht für dieses Jahr wieder Musik. Bis zum Sommer werde ich drei neue Singles als SUMOSTAR fertig produzieren und endlich wieder ins Studio gehen. Vor dem Sommer werde ich noch zu einem dieser Songs ein Video produzieren und die Single vermutlich Anfang September veröffentlichen. Darauf freue ich mich schon besonders. Parallel dazu werde ich an meinem ersten Roman weiterschreiben. Dieser wird garantiert erst 2018 erscheinen. Im Sommer beziehungsweise Herbst werde ich dann auch die Vorproduktion für ein bereits fast vollständig geschriebenes Metal-Album starten beziehungsweise beendet haben. Ich gehe davon aus, dass dieses ein Revival von Lydia’s Gemstone nach sich ziehen wird. Auf jeden Fall ganz schön was los bei mir. 2017 ist auf alle Fälle mal fast gänzlich SUMOSTAR gewidmet und diesbezüglich verspreche ich mit Sicherheit nicht zu viel, wenn ich sage, dass man da etwas ganz ganz Fettes erwarten darf.

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