Martin Neumayer ist nicht nur Lehrer, sondern auch Initiator und Moderator der „altmodischen Sendung“ auf PARADOX radio. Seit Mai 2016 wird im Wochentakt eine neue Folge ausgesendet. Wir sprachen mit dem Grazer darüber, was ihm Austropop bedeutet und wie es mit der Sendung weitergehen wird.

In „Die altmodische Sendung“ greift Martin Neumayer auf eine Vielzahl heimischer Klassiker aus der legendären Austropop Ära der 70er und 80er Jahre zurück. Akribisch achtet Neumayer darauf, nicht nur die Hits von damals zu spielen, sondern auch die unbekannten Perlen zutage zu fördern. Doch altmodisch heißt nicht gleich alt. So findet sich eine Vielzahl aktueller Austropop Hits von Seiler & Speer, SolozuViert und Christoph & Lollo in den Playlists wieder. Die Sendung hat sich im Laufe der vergangenen Monate unter Fans des alten wie des neuen Austropops große Beliebtheit errungen. Regelmäßig gibt es Spezialsendungen, die aktuelle Themen wie dem Geburtstag oder Todestag eines Künstlers oder etwa der Bundepräsidentenwahl (wobei diese Sendung nicht so oft wiederholt wurde wie die Wahl) gewidmet sind.

Martin Neumayer im Interview

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(c) Martin Neumayer

MUSIC NEWS: Martin, wo liegt für dich die Faszination im Austropop Genre?

Martin Neumayer: Zuerst: Ich finde der Name Austropop ist furchtbar. Pop impliziert für die meisten Leute eher 0815-Musik, die im Hintergrund läuft. Aber der Begriff hat sich über die Jahre und Jahrzehnte so festgesetzt, vielleicht auch in dem Sinne, dass der österreichische Pop anders ist. Das ist der Punkt, der mir gut gefällt, dass diese Künstler, die man dem Austropop zuordnet – Danzer, Fendrich, Ambros, STS et cetera – in ihrer Musik textlich etwas Anderes drin haben. Wenn man auf die Texte hört, da ist was dahinter. Das ist nicht wie im Schlager, wo man sich die Texte nicht anhören kann, ohne sich fremdzuschämen, sondern da ist in jedem Lied etwas hintergründig Witziges oder etwas, das einen zum Nachdenken bringt, drinnen. Das ist der Punkt, der mich persönlich anspricht.

MUSIC NEWS: Also hast du den Begriff Austropop bewusst im Titel der altmodischen Sendung vermieden?

Martin Neumayer: Auch, ja. Ich wollte mit einem Augenzwinkern ein bisschen mit diesen Wörtern spielen. Was ist altmodisch? Das ist immer eine relative Sache. Ich hebe diesen Geist, diese Ideen und Qualitäten von Früher hervor und führe sie weiter. Man sagt, Tradition ist das Weitergeben des Feuers und nicht das Bewachen der Asche.

MUSIC NEWS: Bist du selbst in irgendeiner Hinsicht altmodisch?

Martin Neumayer: Schwer zu sagen. In manchen Bereich vielleicht. Vielleicht in der Hinsicht, dass ich mich als jüngerer Mensch mit dieser Musik auseinandersetze und das auch offen sage. Für manche Leute ist das vielleicht schon etwas uncool. Andererseits bin ich wieder überhaupt nicht altmodisch. Das ist auch nicht die einzige Musikrichtung, die ich höre. Ich liebe Heavy Metal, vor allem auch Progressive Metal, Progressive Rock, Porcupine Tree und diese ganzen Sachen, Steven Wilson… Quer durch die Bank. Jeden Musikstil, der gut ist, der qualitativ ansprechend ist. Wenn Steven Wilson oder Porcupine Tree ein Lied machen, dann hört man ja auch, wo die Wurzeln liegen – zum Beispiel, dass sie Pink Floyd gehört haben. Das war der Grund, warum ich das mochte, und diesen Spirit möchte ich weiterragen.

MUSIC NEWS: Was ist deine erste Erinnerung an den Austropop?

Martin Neumayer: Aus der Kindheit natürlich diverse Fendrich und STS Lieder, die im Radio gelaufen sind. Die erste richtige Erinnerung war, wie ich auch in einer der letzten Sendungen erzählt habe, dass ich meiner Mutter zu Weihnachten eine Austria 3 CD gekauft habe. Die ist dann im Wohnzimmer gelegen und hat auch mir gut gefallen. Vieles hab ich damals noch nicht gekannt, Georg Danzer zum Beispiel war mir bis dahin völlig unbekannt. Ambros eigentlich auch eher von „Schifoan“ und „Zwickts mi“. Dann habe ich mir gedacht, da steckt mehr dahinter, das ist tiefsinniger. Ich habe die CD öfter gehört und irgendwann ist sie wieder in meinen Besitz zurückgewandert. Das war der Beginn, die erste große Erinnerung. Austria 3, die erste Live-CD.

MUSIC NEWS: Was hast du vor „Die altmodischen Sendung“ gemacht? Warst du davor schon beim Radio tätig?

Martin Neumayer: Radiomäßig hatte ich bis zur „altmodischen Sendung“ keine Erfahrung. Ich war immer wieder in Bands tätig. Bei Veranstaltungen bei uns an der Schule moderiere ich als Lehrer sehr gerne. Mich hat es nie gestört vor anderen Leuten etwas zu präsentieren, für andere ist das ja ein rotes Tuch. Der Grund, warum ich mich für PARADOX radio beworben habe, war, dass ich schon in der Schule das Bedürfnis hatte, Lieder, die ich selber mag, meinen Freunden und Bekannten weiterzugeben.

MUSIC NEWS: Gibt es etwas, das du mit deiner Sendung bewirken möchtest?

Martin Neumayer: Zwei Sachen: Zum einen hoffe ich, dass ich mit der Sendung durch diese ganze Vernetzung durch facebook et cetera und als Teil von PARADOX radio Leute erreiche, die diese Musik noch nicht gekannt haben, vielleicht auch jüngere.
Außerdem liegt es mir sehr am Herzen, dass nicht dasselbe mit dem Austropop passiert, was in anderen Radiosendungen passiert – man spielt „Fürstenfeld“, „Großvater“, „Schifoan“ und „I am from Austria“ und das war’s. Ich möchte zeigen, dass es vom Georg Danzer zum Beispiel 50 oder 60 Lieder gibt, die besser und qualitativ hochwertiger als „jö schau“ oder „Hupf in Gatsch“ sind. Ich möchte also die versteckten Perlen an’s Tageslicht bringen.

MUSIC NEWS: Was erwartet uns in Zukunft in „Die altmodische Sendung“? Gehen dir irgendwann die Themen aus?

Martin Neumayer: Diese Befürchtung hatte ich schon früh, deshalb steht nicht jede Sendung unter einem bestimmten Thema. Diese Themen können sehr einengend sein. In den „normalen“ Sendungen bringe ich ein Lied pro Interpret rein – auch viel Moderneres wie aktuell Seile & Speer, SolozuViert, Christoph & Lollo, die sich zwar auch nicht so in diesen Bereich einordnen aber trotzdem auch sehr froh sind, dass ich sie hin und wieder spiele. Die normalen Sendungen sind also ohne spezielles Thema, nur zwischendurch schau ich, ob gerade ein Musiker Geburtstag hat oder eben wie vor einiger Zeit der Todestag vom Georg Danzer. Manchmal gibt es Sendungen zu speziellen Themen wie der Bundespräsidentenwahl, da hab ich mehr die politischen Lieder rausgekramt.

MUSIC NEWS: Bei der Sendung zur Wahl haben wir gemerkt, dass du im rechten Lager musikalisch nicht fündig wurdest.

Martin Neumayer: Um die Objektivität zu wahren, habe ich geschaut, was für politische Lieder es im Austropop generell gibt und ich hab kein einziges Lied gefunden, dass sich rechts einordnen ließe. Alles beschäftigt sich damit, dass man gut zu seinen Mitmenschen sein soll, dass man sich um Menschen kümmert, die Hilfe brauchen et cetera. Selbst Lieder wie ‚I am from Austria‘, das ja von der FPÖ früher zweckentfremdet wurde. Der Fendrich hat dann gesagt hat, das will er nicht, weil er in dem Lied genau über solche Leute singt. Ich denke, dass ist eine sehr deutliche Botschaft all dieser Musiker.

Martin Neumayers Top 3

MUSIC NEWS: Deine Top 3 Künstler des Austropop sind …?

Martin Neumayer: Georg Danzer, STS, Willi Resetarist als Ostbahn Kurti

MUSIC NEWS: Und aus der jüngeren Generation?

Martin Neumayer: SolozuViert, Christoph & Lollo, 11.11

MUSIC NEWS: Danke.

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