Seit nunmehr 22 Jahren unterstützt mica – music austria Musikschaffende in und aus Österreich. Der 1994 auf Initiative der Republik Österreich gegründete gemeinnützige Verein ist hierzulande eine der ersten Anlaufstellen für Musiker und Musikerinnen, die vor Karrierehürden stehen.

Im Interview gibt die Geschäftsführende Direktorin Sabine Reiter Einblicke in die Arbeit des Vereins.

PARADOX: Kannst du uns erläutern, was mica – music austria macht?

mica – music austria ist ein Vernetzungsknotenpunkt für Musikschaffende, MultiplikatorInnen und Musikinteressierte.
Wir unterstützen österreichische beziehungsweise in Österreich lebende Musikschaffende durch Beratung und Information und leisten so Hilfe zur Selbsthilfe.
Außerdem betreiben wir Forschung auf dem Gebiet der Gegenwartsmusik und stellen Informationen über das Musikleben Österreichs zur Verfügung.
Eine sehr wichtige Funktion ist auch die Verbreitung heimischen Musikschaffens durch Promotion im In- und Ausland.
Darüber hinaus arbeiten wir auch an der Verbesserung der Rahmenbedingungen des Musikschaffens in Österreich.

PARADOX: Mit welchen Problemen können MusikerInnen zu euch kommen?

Mit allen berufspraktischen Themen, von Ausbildung über Förderungen, Fragen zum Veranstalten oder zum Spielen von Livekonzerten, zu Urheberrecht und Verwertungsgesellschaften und wie man damit Geld verdienen kann, bis hin zur Frage, welches Label zur eigenen Musik passt oder wie man selbst eines gründet, zu Fragen zum Musikexport beziehungsweise zum Schritt aus Österreich hinaus

PARADOX: Welche sind die häufigsten Anfragen?

Am häufigsten nachgefragt wird zum Thema Musikverträge, im Jahr 2015 online mit 11.300 Usern beziehungsweise 22.500 Zugriffen pro Jahr, mit fast 200 Beratungen nur zu diesem Thema. Erst mit Abstand folgen dann die Themen Förderungen, Urheberrecht, Verwertungsgesellschaften, Label und Liveauftritte und andere.

PARADOX: Kannst du abschätzen, wie vielen MusikerInnen und Bands ihr in den vergangenen Jahrzehnten weiterhelfen konntet?

Unser Online-Praxiswissen wird mittlerweile von 41.500 Usern im Jahr benutzt. In der Beratung sind es über 1000 Musikschaffende pro Jahr, mit den Workshops erreichen wir weitere 600. Jeder, der über berufspraktische Themen im Internet recherchiert, landet irgendwann auf unserer Website.

PARADOX: Welche Erfolge konntet ihr auf eurem zurückliegenden Weg verbuchen?

Alles, was Musikschaffenden hilft, ist als Erfolg zu werten. Was uns ganz besonders freut ist, wenn wir unterstützen können, wenn es haarig wird, zum Beispiel haben wir schon Mediation bei Vertragsproblemen gemacht. Erfolg ist auch, wenn unsere Exportmaßnahmen zu Bookings führen. Ein nach außen hin weithin sichtbarer Erfolg der letzten Jahre war der Österreich-Schwerpunkt beim wichtigsten europäischen Showcase-Festival Eurosonic im Jahr 2014 mit 18 österreichischen Acts. Wir finden auch gut, dass wir mittlerweile über 30 Workshops in ganz Österreich anbieten können und dass wir so viele Anfragen beantworten können.

PARADOX: Was waren die größten Rückschläge?

Kürzungen von Förderungen sind natürlich Rückschläge, auch wenn sie klein sind. Es hat natürlich auch schon Aktivitäten gegeben, die nicht funktioniert haben, zum Beispiel ein Vorteilsclub nach dem Ö1-Modell, der an zu wenigen Ressourcen gescheitert ist.

PARADOX: Gemeinsam mit dem Österreichischen Musikfonds seid ihr Teil des Austrian Music Export, was ist das?

AME fördert Labels und Musikschaffende mit Reisekostenunterstützung, organisiert Austauschprogramme und Networkingevents im Ausland, Showcases bei entsprechenden Festivals wie Great Escape, Reeperbahn, Eurosonic, Networkings mit der Branche in anderen Ländern, Österreich-Schwerpunkte bei diversen Festivals im Ausland, lädt internationale MultiplikatorInnen zu Festivals mit österreichischen Musikschaffenden im Inland ein und fungiert als Informationsstelle und Netzwerkknotenpunkt bei Messen.

PARADOX: Was sind deiner Meinung nach die größten Stärken und Schwächen des heimischen Musikmarktes?

Die Stärken sind einfach: Es gibt hier derzeit einfach unglaublich viel spannende Musik aus verschiedensten Genres. Da hat sich im letzten Jahrzehnt sehr viel getan. Ein Manko ist nach wie vor der Mangel an professionellen und mit allen Wassern gewaschenen MusikmanagerInnen. Außerdem ist der Markt für österreichische Musik in Österreich winzig, man muss also ins Ausland. Auch sehr schade ist die mangelnde Präsenz und Resonanz in den Medien, wobei ich mich hier nicht auf Ö3 beschränken möchte.

PARADOX: Welche Strategien sollte man verfolgen, um die Chancen von MusikerInnen aus Österreich am internationalen Markt zu steigern?

Musikschaffende und ihr wirtschaftliches Umfeld, so vorhanden, sollten auch im Bereich Musikexport auf Professionalisierung setzen. Auf dem internationalen Markt ist sehr viel Fördergeld im Spiel. Da kann Österreich mit den geringfügigen Summen, die zur Verfügung stehen, nicht wirklich mithalten, sondern nur Impulse setzen.

PARADOX: Wer sind aktuell deine Top 3 der heimischen Musikszene?

Ich könnte dir 300 großartige KünstlerInnen aus allen Genres nennen, aber mit der Einschränkung auf nur drei kann ich diese Frage unmöglich beantworten. Und dass ich das nicht kann, spricht für die musikalische Qualität in diesem Land.

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