Eine starke Frau spielt nur eigene Produktionen und lässt ihre Hörerschaft träumen.

Lucid dreaming – ein Traum, in dem der Träumer sich vollends bewusst ist, dass er wirklich träumt. Nächtliche Episoden, in denen man nach eigenem Entschluss kreieren kann. Die Berlinerin hat ein passendes Schlagwort für ihre Musik gefunden.

Nadja Lind, die weibliche Hälfte von Klartraum ist sich immer treu geblieben. Ihre Sets sind legendär, steht sie hinter den Reglern brennt die Tanzfläche. Sie spielt nur selbst produzierte Tracks oder eben „Lucidflow“ Songs, die dort erschienen sind. Dies bereichert ihre Performance und reicht auch völlig aus. Denn der qualitative Output ist enorm und besitzt zudem seinen ganz individuellen Sound.

Solo oder an der Seite von Helmut Ebritsch wird mit viel Liebe und Hingabe zum Detail gearbeitet, die Tracks sind immer fein arrangiert und grooven lockerleicht aus den Speakern. Tracks, die zum Tanzen animieren oder mit sehr deepen unterschwelligen Synths und Piano Riffs ausgestattet sind.

music-news.at:Seit wann machst du Musik, wie hat alles begonnen?
Nadja Lind:Ich ging meinen Eltern schon sehr früh mit Blockflöte und Heimorgel auf die Nerven. Später bin ich dann auf ein Gymnasium, in dem Musik Hauptfach war, spielte Gitarre und sang im Chor.
Kurz nachdem ich auf Vinyl sammeln und Dj-ing hängengeblieben bin, habe ich die ersten Gehversuche mit elektronischer Musik ca. im Jahr 2004 gemacht.

music-news.at:Als Kind wolltest du sein wie . . .?
Nadja Lind:Eine gute Fee in Disney World.

music-news.at:Was ist deine Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writing?
Nadja Lind:In Bezug auf elektronische Musik halte ich das für Hochstapelei. Würdest du dir von einem Ghost-Friseur einen neuen Look verpassen lassen wollen? Ist doch ok wenn man DJ ist, aber warum sich dann Producer nennen, wenn man es nicht ist? Ich käme mir wie ein Blender vor, wenn ich Interviews zu Ghost-Produktionen geben und mit Fans sprechen würde, die mir schreiben wie viel ihnen die Musik bedeutet. Wenn’s ums Geld geht, wird halt überall beschissen. Ich finde das enttäuschend, meinen Respekt haben jedenfalls die Selber-Macher.
Aber vielleicht bin ich bei Musik auch zu sentimental. Mir macht es einfach immer wieder Freude, wenn ich Musik mache und auf satten Clubanlagen und Festivals spiele, wo ich dann mit Gänsehaut und tanzenden, tobenden und lachenden Leuten auf der Tanzfläche belohnt werde. Unbezahlbar. Bei anderen Musikrichtungen hingegen sehe ich das etwas anders: Bei Künstlern und Acts zum Beispiel, die außer Stücke nur abzuspielen auch noch etwas Künstlerisches leisten: Singen, Performen und ein echter Typ sind, ohne die das Musikstück gar nicht so zum Wirken und Glänzen käme. Es gibt Menschen, die dazu geboren sind, Musik zu schreiben. Zum Beispiel Nile Rodgers, der schreibt seit mehreren Dekaden dermaßen viele Hits für so verschiedene Bands, Künstler und Stilrichtungen, dass er das alleine gar nicht alles hätte aufführen können. Das ist aber etwas anderes. Aber die nennen sich dann auch nicht „Ghost“, sondern einfach nur Writer oder Producer.

music-news.at:Welches Equipment, welche DAW benutzt du für deine Musik?
Nadja Lind:Seit einigen Jahren Ableton. Es ist einfach bisher die schnellste Lösung für mich, um eine Idee in die Realität umzusetzen.

music-news.at:Was ist deine Lieblingszahl?
Nadja Lind:Elf.

music-news.at:Und dein Lieblingsfilm?
Nadja Lind:Forrest Gump. So ein fein abgestimmtes Meisterstück aus entsetzlichen Dramen, die durch diesen „zufälligen“ Witz so viele Twists und Leichtigkeit erzeugen. In dieser ganzen Schwere und das ganz ohne reißerischer „auf die Fresse“ oder blutrünstig zu sein.

music-news.at:Welchen Song würdest du als deinen Liebling bezeichnen?
Nadja Lind:Klartraum – Angelo.

music-news.at:Warum werden Zigaretten an Tankstellen verkauft, wo das Rauchen verboten ist?
Nadja Lind:Ich rauche zum Glück schon sehr lange nicht mehr, deshalb halte ich mich da raus.

music-news.at:Nenne etwas, was du schon immer mal machen wolltest, dich aber nie getraut hast.
Nadja Lind:Freestyle Extrem Skiing.

music-news.at:Schenke uns eine Lebensweisheit.
Nadja Lind:Ho’oponopono: „Es tut mir leid. Vergib mir. Ich danke dir. Ich liebe dich.“ Kann man zu sich selbst sagen, bevor man etwas Destruktives denkt oder sich aufregt. Das ist ein Hawaiianisches Heilungsritual und es hilft. Probiere es aus.

Nadja Lind Promo, (c) Kirill

Nadja Lind Promo, (c) Kirill

music-news.at:Warum laufen Nasen, während Füße riechen?
Nadja Lind:Ich hab gehört, Füße können auch laufen. Aber da müsste ich nochmal googlen.

music-news.at:Wie lautet dein Tipp, um als Newcomer im Business wahrgenommen zu werden?
Nadja Lind:Ich finde es von Vorteil, wenn man wirklich für etwas brennt und dabei bleibt, auch wenn es mal keinen Spaß macht oder sinnlos erscheint. Wenn man etwas wissen will und dann sein Ding macht, Ängste und Scham überwindet und sich weiterentwickelt. Technisch, aber auch menschlich. Wichtig sind auch Beziehungen und Freunde. Und ich glaube, man muss die Balance finden von anderen zu lernen, aber sich nicht selbst zu sabotieren, indem man sich ständig mit anderen vergleicht.

music-news.at:Wo siehst du die allgemeine Musikszene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen könnten sich ergeben?
Nadja Lind:Ich könnte mir vorstellen, dass es dann umso mehr darauf ankommt, eine gute und verlässliche Quelle für seinen Sound zu haben, da durch die Übersättigung viele überfordert sein könnten. Vielleicht werden Hauskonzerte in kleinen Kreisen dann in Mode sein und es gibt spielerisch die Möglichkeit sich die Musik des Abends selbst mit einem elektronischen Instrument der Zukunft zu komponieren. Wer weiß.

music-news.at:Welche drei Dinge nimmst du mit auf eine einsame Insel?
Nadja Lind:Dr. Stephen Wolinskys Bücherband „The Way Of The Human“, einen Stromgenerator und mein MacBook.

music-news.at:Was ist das Peinlichste, das du je erlebt hast?
Nadja Lind:Dass ich am Airport vor einem Flug in die USA festgestellt habe, dass mein Passport im anderen Rucksack zuhause ist. Und das, obwohl ich immer diejenige bin, die alles dreifach überprüft. Ich hatte echt Glück, dass ich immer eher viel zu früh als zu spät zu Terminen komme. Dadurch habe ich es tatsächlich geschafft, dank einem super Henker-Taxifahrer, gerade rechtzeitig mit Pass zurück zu sein. Diese Story wird mir natürlich bei jeder Gelegenheit wieder unter die Nase gerieben. Verständlich.

music-news.at:Wenn du ein Tier wärst, welches und warum?
Nadja Lind:Eine Katze. Ich liebe sie einfach. Ich hatte schon als Baby einen „Wachkater“ im Kinderwagen, der mich vor allen Fremden aufs Blut verteidigt hat. Nur die Familie konnte ungefährdet in den Wagen greifen.

music-news.at:Treibst du Sport? Wenn ja, welche Sportart?
Nadja Lind:Ja, fast täglich. Alles, was mir an Kursen und Geräten im Fitnessstudio Spaß macht. Zusätzlich fahre ich Fahrrad, wann immer es irgendwie geht. Ich hasse die öffentlichen Verkehrsmittel und meinen BMW habe ich vor einigen Jahren endlich verscheuert, weil ich endlich verstanden habe, wie sinnlos es ist in Berlin ein Auto zu haben.

music-news.at:Was war der bester Gig, den du je hattest?
Nadja Lind:Hmm, das ist sehr schwer zu beantworten, denn davon gab es zum Glück zahllose. Aber wenn ich eine nennen muss, dann vielleicht Australien: Afterhour in Sydney, nachdem ich einen unglaublichen Hardcore Gig-Marathon in Melbourne und Sydney an dem Wochenende schon hinter mir hatte. Am Ende des Gigs bin ich zusammengeklappt, war aber glücklich.

music-news.at:Könntest du dir auch mal vorstellen in andere Musikstile einzutauchen?
Nadja Lind:Mache ich schon lange. Ich produziere von Ambient über Hip-Hop, Dub, bis Techno, alles wonach mir gerade ist. Rock und Schlager sind nicht dabei, wobei letzteres fast auszuschließen ist.

music-news.at:Erzähl uns ein paar Sätze über deine zukünftigen Projekte, mit wem sind Kollabos oder andere Dinge geplant?
Nadja Lind:Am 14. März 2016 kommt erstmal meine nächste EP „ignore & Block„. Mit dem lang ersehnten Remixen von Terry Lee Brown Jr, mit dem ich am 15. April auch zusammen in Berlin spielen werde. Ich liebe ihn einfach. Es ist nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich ein super Typ. Und natürlich auch mit Estroe, Satoshi Fumi und Helmut Ebritsch.

Dann steht das Jahr 2016 ganz klar unter dem Zeichen „Zehn Jahre Klartraum“. Hierzu gibt es zuerst unser „Enneagram“ Album, welches in vier Teile aufgeteilt ist, im Ganzen als „E„. Ja genau, E“. Dann ist ein „E Remixes“ Album geplant, dass viele tolle Farbbilder beinhaltet. Ich freue mich schon. Und ein ganz neues Klartraum Album, etwas später zum Herbst hin. Zusätzlich bin ich wieder dabei mit meinem altbekannten Buddy Paul Loraine eine neue EP zu machen. Es ist nur zeitlich immer etwas schwierig.
Ein Nadja Lind Album wird es auch geben, was aber eher in Richtung Techno gehen wird. Meine ‚Turning In‚ binaural Ambient Meditation führe ich nebenbei auch fort, weil die einfach richtig gut ankommt und mir selbst auch schon öfter den Arsch gerettet hat, wenn ich keine Ruhe finden konnte, aber fit sein musste. Ansonsten Remixe, Remixe und noch mehr Remixe. Eine Vinyl auf Wolf Trap, eine Vinyl auf Rhythm Cult, mehr fällt mir gerade nicht ein.

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