Betritt man einen Saal, in dem sich Nowhere Train auf einen Gig vorbereiten, wuselt es. Natürlich tut es das, hat doch die Band nach unbändigem Drang zur Vermehrung mittlerweile acht Mitglieder.

Banjos und Ukulelen, ein bisschen Schlagzeug, ein unhandlicher Kontrabass, im Zuschauerraum liegt eine Lap Steel Gitarre. Das sind Nowhere Train, die nun endlich die Fragen beantworten, die wir uns schon immer stellten.

PARADOX: Wohin fährt der Nowhere Train?
Stefan Deisenberger: Tja, der Name ist Programm: Wir wissen es nicht. Der Weg ist das Ziel.
Ian Fisher: Von Tag zu Tag…

PARADOX: Das heißt es gibt keine größeren Ziele, die erreicht werden sollen?
Deisenberger: Für uns ist es wichtig, dass wir für uns gute Musik spielen. Ob sie wen erreicht oder nicht, darauf haben wir es nicht angelegt. Sonst würden wir klingen wie Mumford & Sons und das wäre auch wieder fad. Von dem her haben wir keine großen kommerziellen Interessen. Wenn kommerzieller Erfolg passiert, werden wir uns nicht wehren, aber es geht eigentlich eher um uns. Es ist also eine sehr egoistische Haltung.
Fisher: Es geht aber auch um unsere Fans, denn die sind beinahe Mitglieder der Band.
Deisenberger: Deswegen stehen immer 60 Leute auf der Gästeliste und wir verdienen noch weniger.

PARADOX: Wie schwierig ist es für acht Alphafiguren gemeinsam Musik zu machen?
Fisher: Am Anfang war es schwierig. In den letzten zwei Jahren ist es besser geworden. Wir sind von einer Band zu einer Familie geworden.
Deisenberger: Das Problem ist eher terminlich und weniger zwischenmenschlich. Ich möchte das mit den Alphafiguren etwas relativieren, das ist irgendwie Quatsch.

PARADOX: Aber man hört es dennoch immer wieder über euch.
Fisher: Ja, das ist wohl wie es früher war, aber es ist besser geworden. Wir hatten viele Erlebnisse zusammen und haben Zeit gemeinsam verbracht.
Deisenberger: Wir wissen genug über den anderen, dass man ihn ordentlich unter Druck setzen kann. (lacht)

PARADOX: Wie funktioniert bei euch das Songwriting?
Fisher: Es gibt fünf Liederschreiber, jeder schreibt total seperately.
Deisenberger: Jeder für sich schreibt Lieder. Es spielt ja auch jeder in anderen Bands und teilweise haben wir die eigenen Bands gecovert. Erst die jüngste Entwicklung war so, dass gezielt für Nowhere Train geschrieben wurde. Im Live-Set ist aber nach wie vor beides enthalten.

PARADOX: Was sind eure Pläne für die nähere Zukunft?
Fisher: Wir spielen auf zwei Festivals im Sommer, beim Donauinselfest und Acoustic Lakeside. Im Dezember machen wir eine Tour durch Österreich und Deutschland.
Deisenberger: Da wissen wir aber noch nichts genaues, das ist gerade im Booking.

PARADOX: Gibt es darüber hinaus schon Pläne oder Ideen?
Deisenberger: Es gibt den Wunsch wieder einmal so eine Reise zu machen, wie mit dem Zug damals, aber eben nicht mehr mit dem Zug, sondern mit etwas anderem. Was das sein wird, das wissen wir noch nicht.

PARADOX: Muss man dann konsequenterweise den Bandnamen ändern?
Deisenberger: Nein der Name wird sich nicht ändern.
Fisher: Nowhere Plane…
Deisenberger: Eher Nowhere Rescue Boat, irgendwas das wir uns leisten können. (lacht) Es hat die Idee gegeben mit einem Hausboot den Mississippi runterzutuckern, aber das ist schlicht unbezahlbar. Irgendwann wird es bestimmt wieder etwas geben, aber im Moment haben wir noch keine Ahnung was es sein wird.

PARADOX: Ich habe das Video zu „Play in the Sun“ gesehen. Gibt es etwas das euch peinlich ist?
Deisenberger: Nun, ich muss die Würde meines Oberkörpers bewahren, ich würde mich nicht unbedingt ausziehen, sonst ist mir alles wurscht. Peinlich ist immer Ansichtssache. Ich finde es peinlicher, wenn Leute Videos machen und sich in eine Position begeben, die ihnen nicht zusteht. Irgendwelche Bands die Glamourvideos machen, die schauen total panne aus. Das ist zehnmal peinlicher, als wenn wir den Trottel machen. Ich glaub es ist in Zeiten wie diesen kein Fehler, sich nicht zu ernst zu nehmen.

PARADOX: Habt ihr eine Bezeichnung für eure Musik?
Fisher: Ne, wir bekommen diese Frage immer, aber haben nie eine gute Antwort.
Deisenberger: Es gibt kein Genre dafür aber es sind in Wirklichkeit unsere österreichischen Popsongs auf Country interpretiert.

PARADOX: Wer beeinflusst Nowhere Train?
Deisenberger: David Guetta… (lacht) Nein, jeder von uns hat andere Einflüsse, meine sind unter anderem Neil Young, Gram Parsons.
Fisher: Hank Williams, Willie Nelson…

PARADOX: Gibt es Musik die ihr abgrundtief hasst?
Deisenberger: Nickelback! Ich glaube Nickelback sind das Böse. Soll ich noch mehr sagen? Da schließt sich nämlich auch der Kreis mit dem Video und wie man unfreiwillig peinlich ist. (alle lachen)

PARADOX: Was denkt ihr über die österreichische Musikszene, gibt es gute Bands?
Deisenberger: Absolut. Es sind gerade völlig zu Recht zwei Bands richtig dick am durchstarten und zwar Bilderbuch und Wanda. Es sei ihnen auch von ganzem Herzen gegönnt, dass in diesem Land etwas größer funktioniert, gerade aus dem Indie Bereich. Parov Stelar funktioniert eh schon lange super.
Fisher: Auch ältere österreichische Musik gefällt mir sehr. Ambros. Ich find das geil.

PARADOX: Was denkt ihr über die heimische Musikförderung?
Deisenberger: Ich finde es ist ein komplexes und schwieriges Thema, ob man Musik überhaupt fördert. Wenn man sich ansieht wie das mit dem österreichischen Musikfond läuft. Ich will nicht kritisieren, dass es ihn gibt, aber hin und wieder versteht man die Jury-Entscheidungen einfach nicht. Man denkt sich, ob es nicht besser wäre, wenn man gar nicht fördert. So würden nur Bands nach oben schwimmen, die es wirklich wollen. Der Rest lässt es bleiben.
Ich hab mir nur ein paar Gedanken dazu gemacht. Wichtiger wäre, dass man Veranstaltungsorte fördert. Ob es was bringt Bands Geld in den Arsch zu schieben, dass sie eine CD aufnehmen. Jede Band, die das wirklich will kann das selber machen. Mit voller Hose ist es leicht stinken. Ich bin auch schon vom Musikfond gefördert worden, aber ich glaube das trotzdem.
Fisher: Vielleicht sollte man Tourneen fördern oder auch mehr Geld in Künstlerversicherungen und derartiges investieren.

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