Die Neuauflage des Nuke Festivals 2015 war ein Erfolg. 20.000 Menschen feierten gemeinsam und schwiegen in Andacht. Bei all diesen positiven Erlebnissen waren Mängel bei der Trinkwasserversorgung und Wartezeiten an den Bars schnell vergessen. Was blieb war die Erinnerung an einen Spätsommertag mit Freunden und gewaltiger musikalischer Vielfalt im Zentrum von Graz. Diesen September setzt der Veranstalter Arcadia Live auf Konstanz in der Qualität und Wachstum im Angebot.

Das Nuke ist ein Festival der musikalischen Vielfalt. So reicht das Line Up auch 2016 von Hip-Hop über Pop zu Electro und Rock. Als schillernde Headliner prangen Die Fantastischen Vier an der Spitze. Nachdem die HipHop Pioniere ihr 25-jähriges Jubiläum über die Bühne gebracht haben, ist es Zeit, die Zukunft in Angriff zu nehmen. Dass am Nuke ein Best Of-Set zu erwarten ist, sollte nicht stören. Als der Konsens-Act des Festivals erscheint Annenmaykantereit. Wen man fragt, Liebhaber oder Skeptiker, jeder ist gespannt, wie die jungen Kölner den blueslastigen Rock mit der markanten Stimme live rüberbringen. Auch heuer ist wieder ein wesentlicher Teil des Line Ups aus Österreich. Neben Granada wären da zum Beispiel Dawa, mit Cello bewaffnet und akustischen Folk-Pop verbreitend. Oder Farewell Dear Ghost, die ein Heimspiel feiern, was bedeutet, dass am Nachmittag ein ganzer Haufen Grazer (und Nicht-Grazer) zu melancholisch bis launigem Indie Pop abgehen wird. In der kollektiven Erwartungshaltung vielleicht als das Highlight gelten 5/8erl in Ehr’n. Für sie spricht nicht nur ihr Wiener Soul. Auch ihr soziales Gewissen und ihre künstlerische Intelligenz beeindrucken. Während der neugeschaffenen, die Nacht durchtauchenden Beatpatrol Nights wird es mit Camo & Krooked, Paul Kalkbrenner und vielen anderen elektrisierend.

Das reicht noch nicht? Wir haben mit Arcadia Live Chef Filip Potocki geredet.

Filip Potocki im Interview

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Arcadia Live Boss Filip Potcki (c) Ingo Pertramer

PARADOX: Abgesehen davon, dass das Festival 2016 zweitägig sein wird: Welche Neuerungen erwarten die Besucher dieses Jahr?

Filip Potocki: Wir haben letztes Jahr von den Besuchern viel Feedback zum Nuke Festival bekommen und konnten daraus wertvolle Schlüsse ziehen. Die oft gewünschte Aftershow Party werden wir im Rahmen der Beatpatrol Night in der Stadthalle umsetzen und damit die Möglichkeit bieten, bis in die frühen Morgenstunden. Am Samstag werden wir auch eine zweite Bühne bespielen und somit noch mehr Acts präsentieren. Wir arbeiten kontinuierlich an vielen weiteren Details.

PARADOX: Ein wesentlicher Bestandteil eines Festivals ist für viele das Feiern am Campingpatz. Seht ihr hier einen Nachteil für ein innerstädtisches Festival?

Filip Potocki: Das Nuke war von Anfang an als „Inner City Festival“ konzipiert und daher haben wir das Festival bewusst in Graz im urbanen Raum platziert. Wer die Nacht zum Tag machen möchte, kann das bei der Beatpatrol Night in der Stadthalle tun und anschließend entweder ganz bequem im eigenen Bett übernachten oder aufgrund der guten Infrastruktur ein naheliegendes Hotel nutzen.

PARADOX: Das Nuke 2015 war zwar insgesamt ein sehr gelungenes Event, doch es gab noch die eine oder andere Kinderkrankheit. Konntet ihr hier nachbessern? Wird es 2016 Gratis-Trinkwasser am Gelände geben?

Filip Potocki: Ja, allein durch die Öffnung des Stadthallen Foyers werden weitere Trinkmöglichkeiten und wassergespülte Sanitäreinrichtungen angeboten. Zudem wollen wir mehr Food Trucks anbieten und die Positionen der Bars optimieren, um Wartezeiten zu verkürzen. Ganz allgemein soll das Festivalgelände den Besuchern mehr Platz bieten, ohne dass wir dabei mehr Tickets auflegen.

PARADOX: Wie zufrieden seid ihr mit dem Messegelände in Graz? Man könnte meinen, dass es nicht mehr viel Wachstumspotential gibt, da das Gelände schon 2015 sehr gefüllt war.

Filip Potocki: Wir wissen den Standort und die Menschen rund um das Festival sehr zu schätzen. Die Zusammenarbeit mit der Messe Graz ist sehr gut und die Erstauflage war ein Erfolg, darauf wollen wir aufbauen. Stichwort Wachstumspotential: Hier gibt es die eine oder andere Idee, deren Umsetzbarkeit wir mit allen Beteiligten prüfen. Dementsprechend ist momentan auch der Plan, mit dem Nuke am Messegelände Graz zu bleiben.

PARADOX: Bezüglich der Präsenz heimischer Acts seid ihr in Österreich führend. Ist es euch ein persönliches Anliegen, die Szene zu fördern, oder steckt dahinter eine Kostenfrage? Bleibt ihr weiterhin eine Anlaufstelle für heimische Musiker/innen?

Filip Potocki: Es ist auch weiterhin unsere Philosophie, vielen heimischen Acts eine Bühne zu bieten. Wir haben unsere Agentur aus dieser Intention heraus gegründet und viele Jahre nationale Acts unterstützt, vom Label, dem Management, über Promo bis hin zum Booking. Es wird auch weiterhin unser Anspruch bleiben, die heimische Szene so gut es möglich ist zu fördern.

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Die Nuke Bühne 2015 (c) Georg Zsifkovits

PARADOX: Riesenrad und Partyzelte: Man bekommt das Gefühl, dass bei Festivals die Musik in den Hintergrund tritt und der Unterhaltungs- und Spaßaspekt immer wichtiger wird. Was muss man den Besuchern heute bieten?

Filip Potocki: Die Musik, die Bands, das Live-Erlebnis bleiben weiterhin im Vordergrund. Das Drumherum gewinnt aber mehr an Bedeutung. Wenn man das richtig anpackt und die richtigen Akzente setzt, kann nicht nur ein zusätzliches Angebot, sondern ein echter Mehrwert für die Besucher geschaffen werden. Es geht um die Liebe zum Detail. Wir glauben ganz fest daran, dass sich Qualität durchsetzt.

PARADOX: Das Nuke war bis 2009 ein erfolgreiches Popfestival in Österreich, veranstaltet von Novamusic und Musicnet. Warum habt ihr euch entschieden, die Marke zu übernehmen, statt ein neues Format zu schaffen?

Filip Potocki: Diese Frage haben wir uns letztes Jahr auch gestellt und dementsprechend lange überlegt. Der Name Nuke Festival hat aber für unsere Ausrichtung gut gepasst und war in der heimischen Festivallandschaft bereits positiv behaftet. Viele Leute haben sich zudem gefreut, dass das Nuke Festival wiederbelebt wurde.

PARADOX: Ihr legt das Nuke Festival als genreübergreifendes Popfestival aus. Bei den härteren Rock-Acts wirkt das Nuke und generell Arcadia Live zurückhaltend. Geschmackssache oder Strategie?

Filip Potocki: Das Nuke Festial ist als vielseitiges Festival mit breiter Ausrichtung angelegt, wir würden also auch einen härteren Rock-Act nicht ausschließen, sofern er in ein stimmiges Line Up passt. Mit dem „And There Come The Wolves“ Festival in Wiesen haben wir aber auch ein Spartenfestival im Programm, das mit Acts wie Sum41, Enter Shikari oder Millencolin genau in diese Kerbe schlägt.

PARADOX: Gibt es bei Arcadia einen Favoriten im Line Up?

Filip Potocki: Pfuh… da gibt es einige Favoriten. Einen, auf den wir uns hier alle einigen können, gibt’s wohl nicht, dafür sind die Geschmäcker zu unterschiedlich. Ich hab vor kurzem AnnenMayKantereit in der Arena gesehen und fand, es war ein großartiges Konzert. Auch The 1975 haben mich bei ihrer Show im Gasometer restlos überzeugt. Die Orsons sind eine fantastische LiveBand, die man nicht verpassen sollte, und auch bei Dawa kann ich eine Empfehlung aussprechen.

PARADOX: Was sollte man am Nuke 2016 unbedingt tun?

Filip Potocki: Man sollte feiern, eine gute Zeit haben, die Vielfalt genießen.

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