Was für die Mehrheit mindestens anstrengend, wenn nicht beängstigend, klingt, war für Lukas Weiser aller Dinge Anfang: Als Busker bewies er sich und seine Musik auf offener Straße vor fremdem Publikum und verdiente sich seinen Sold, um durch die Welt zu reisen.

Der Geschichtenerzähler Lukas Weiser kam früh zum Vorschein. Schon in der Schule forderten die Mitschüler immer neue Geschichten von ihrem Onkel Lukas. Später trug der überzeugte Vollbartträger seine Geschichten vom Bleiben und Gehen als Onk Lou hinaus auf die Straßen der Welt. Bärtiger als Jack Johnson und sympathischer als Frank Turner präsentierte sich Onk Lou seinen Zuhörern, die er mit eingängigen Melodien, Akustikgitarre und seiner rauen, souligen Stimme fesselt. Im Frühjahr 2017 machte der Niederösterreicher den Schritt von den Straßen in die Charts und Radios. Seine Singles „In The Morning“ und „Drum Stick Move“ erhalten ausgiebiges Airplay auf den großen Radiostationen des Landes und machten ihn in Österreich zum heißesten Eisen der Singer/Songwriter-Szene. Doch immer noch zieht es ihn hinaus auf die Straßen fremder Länder…

PARADOX: WIE ZUFRIEDEN BIST DU MIT DEN REAKTIONEN AUF DEIN NEUES ALBUM „BOGUS“?

Onk Lou: Na mega! Ich sitze gerade hier und beantworte deine Fragen: Das spricht doch Bände!

PARADOX: „BOGUS“ BEDEUTET SO VIEL WIE „GEFÄLSCHT“ ODER „NACHGEMACHT“, GLEICHZEITIG IST ES EIN SLANGAUSDRUCK FÜR „UNCOOL“. IST DIESER AUSDRUCK FÜR EINEN ALBUMTITEL NICHT EHER UNGEEIGNET?

Onk Lou: You got a point here! Aber mir hat eigentlich die Entstehungsgeschichte des Wortes gefallen. Die stammt aus den USA des 18. Jahrhunderts, da waren gefälschte Münzen „bogus coins“. Mir ist dabei gleich der Vergleich zwischen Münze und dem Spruch, „Die zwei Seiten einer Medaille“, gekommen. Es geht dabei immer um Ambivalenz und ein großes ABER: Mir ziehen gewisse Zustände die Zehennägel hoch, ABER DU weißt nicht, warum ich dem entfliehen will, (ABER) DU weißt nicht, warum man etwas dagegen machen sollte. Ja, vielleicht entsteht sogar ein großes ABER in Songs, in denen der Protagonist über Liebe singt, man es ihm aber nicht ganz abkaufen will… Ich hab es schön gefunden, dabei das Gute aus den schlechten Dingen zu ziehen. Außerdem ist „Bogus“ für mich ein starkes Wort, vor allem für einen Albumtitel. Wesentlich besser als beispielsweise „C’est la vie“. Und sollte sich jemand nach Anhören des Albums darin bestätigt fühlen, das Album nach deiner dritten Auslegung zu deuten, kann ich auch nichts machen. Das gehört wohl dazu.

PARADOX: MIT DEM ALBUM WILLST DU LAUT EIGENER AUSSAGE „DER DINGE GEDENKEN, DIE UNS VON ZEIT ZU ZEIT VORGESETZT WERDEN, MIT DENEN WIR UNS ABER NICHT ANFREUNDEN KÖNNEN.“ DU SAGST SELBER, DASS JENE DINGE „UNS ZU GROSSEN TATEN VERHELFEN: SIE TREIBEN UNS DAZU AN, UNS ZUSAMMEN ZU TUN, UM FÜR DIE GUTE SACHE ZU KÄMPFEN.“ GIBT ES DINGE, FÜR DIE DU DICH PERSÖNLICH STARKMACHEN MÖCHTEST, DINGE, DIE DU VERÄNDERN MÖCHTEST?

Onk Lou: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Wir sollten einander schmieden lassen und uns dabei behilflich sein und auch auf diejenigen ein Auge haben, die sich momentan dabei schwertun… Schmalz!

Onk Lou in den Straßen Kubas – (c) Bernhard Kaufmann

PARADOX: INWIEWEIT IST DEINE BAND „THE BETTER LIFE INC.“ IN DAS SONGWRITING UND DEN ENTSTEHUNGSPROZESS DES ALBUMS INVOLVIERT GEWESEN?

Onk Lou: „The Better Life Inc.“ ist und war immer ein Kollektiv aus Leuten, mit denen ich es liebe, live zu spielen. Sie verändert sich immer und ist auch heute nicht mehr dieselbe, wie sie es noch vor fünf Monaten beziehungsweise vor einem Jahr war, als die Aufnahmen begonnen haben. Im Studio war ich allein mit den Produzenten Florian Richling und Michael Schatzmann, um an dem Sound und der Umsetzung meiner Lieder zu arbeiten. Für die Aufnahmen habe ich mir Studiomusiker eingeladen.

PARADOX: DU WARST MIT DEINEM MANAGER BERNHARD KAUFMANN IM JÄNNER MEHRERE WOCHEN IN KUBA. DORT HABT IHR DIE MUSIKVIDEOS ZU DEINEN BEIDEN SINGLES „IN THE MORNING“ UND „DRUM STICK MOVE“ GEDREHT. HAST DU EINE BESONDERE VERBINDUNG ZU DEM LAND? WARUM KUBA?

Onk Lou: Da kommt sogar noch mehr. In vielen Liedern auf dem Album ist der Konsens so ein bisschen „Hinausgehen und Abenteuer erleben“. Von da an war schon klar, dass die Videos irgendwo weiter weg spielen sollten, und da die Stimmung der Singles durch und durch sonnig ist, lag die Karibik beziehungsweise Kuba nicht mehr so weit weg… also gedanklich.

PARADOX: WIE VERLIEFEN DIE DREHARBEITEN IN HAVANNA?

Onk Lou: Crazy! Jeden Tag etwas Neues. Wir haben ja nicht nur in Havanna gedreht, sondern sind über die halbe Insel getuckert auf der Suche nach eindrucksvollen Spots. Echt verdammt spannendes Land! Berichte darüber wären und sind abendfüllend. Aber nur eine Geschichte, weil ich mir selber irgendwie nie vorstellen konnte, dass einem sowas wirklich passiert: Während eines Drehs in Havanna – Tagesziel war es, vor so vielen alten und wunderschönen Gebäudemauern wie möglich zu „acten“ – wurde ich von einem waschechten, karibischen Singvogel angeschwatzt… aber nicht verbal, sondern genau gefinkelt zwischen Genick und Kragen. Aber nach einer kurzen Ekelpause: Abgewischt und weiter gemacht. The Show must ja schließlich go on!

PARADOX: DU BIST EIN LABELKOLLEGE VON GRANADA, HAST AUCH EIN PAAR MAL ALS SUPPORT FÜR SIE GESPIELT UND IM SOMMER SIEHT MAN EUCH DAS EINE ODER ANDERE MAL AM GLEICHEN FESTIVAL. KANNST DU DIR EINE MUSIKALISCHE ZUSAMMENARBEIT MIT DER BAND VORSTELLEN?

Onk Lou: Ich liebe diese Jungs und kann mir alles mit ihnen vorstellen. Könnte man Bands heiraten, dann wäre ich jetzt Johnny Granada & The Granadas.

PARADOX: ED SHEERAN ODER FRANK TURNER?

Onk Lou: Es zu schaffen, Stadien alleine so zu fesseln und dabei eine „Turnerattitüde“ zu behalten. Das wäre doch was!

PARADOX: WAS WAR DAS BESTE KONZERT, DAS DU JEMALS GESEHEN HAST?

Onk Lou: Eines der ersten Konzerte meines Bruders. Ich war damals elf oder zwölf und ich durfte mitfahren, weil er versprochen hatte, auf mich aufzupassen. Das war voll weit draußen in einem Beisl in der niederösterreichischen Provinz. Zuerst haben sie gespielt und dann eine Band namens „Tintifax“. Es war brutal! Die Leute waren sturzbesoffen und haben richtig auf die Kacke gehauen. Alles war mega underground und roh. So etwas mit elf, zwölf zu erleben, macht schon Eindruck. Da hab ich quasi Blut geleckt.

PARADOX: WO MACHT ONK LOU DIESEN SOMMER URLAUB?

Onk Lou: Ich hoffe, diesen Sommer relativ wenig Zeit für Urlaub zu haben. Aber wenn ich nichts zu tun haben sollte und mir langweilig wird, setz ich mich wahrscheinlich in irgendein Auto und buske mich genau dorthin, wo ich in dem Moment gerade gerne wäre. Das ist für mich wie Urlaub.

PARADOX: WER IST LUKAS WEISER, DER MENSCH HINTER ONK LOU?

Onk Lou: Genau derselbe haarige Kerl, der Bock auf Mucke machen hat, wie der, den man auf der Bühne sieht. Der private Lukas Weiser ist nur vielleicht ein bisschen spannender. Der erzählt nicht immer dieselben Geschichten.

PARADOX: WIE SEHEN DIE PLÄNE FÜR DAS ZWEITE HALBJAHR 2017 UND DARÜBER HINAUS AUS?

Onk Lou: Spielen, spielen, spielen. Wird ein spannendes Jahr!

[Dieser Artikel erschien im Sommer 2017 in PARADOX #05]

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.