Zumindest als Liveband sind Pflichttermin keine Newcomer mehr. Seit 2007 spielen die Wiener auf den verschiedensten Bühnen in Österreich und in Deutschland. Nun haben sie sich endlich entschlossen, das Studioalbum „Kopfkino“ auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis ist stilistisch schwer einzuordnen, weil sich die Musiker, aus den verschiedensten Musikrichtungen kommend, erst bei Pflichttermin gefunden haben.

Wir haben Sängerin und Texterin Marsha Renell, Gitarrist Gerfried Aigner und Bassist Maxi Orth zu den Erfahrungen und den Erlebnissen befragt, die zu einer abwechslungsreichen Rockscheibe mit Mundarttexten, die das Leben schreibt, geführt haben.

PARADOX: Nach neun Jahren Pflichttermin gibt es nun das erste Album, warum hat es so lange gedauert?

Gerfried Aigner: Für uns ist unsere bisherige Bandgeschichte ein Reifungsprozess gewesen, wir wollten schauen, wo wir gemeinsam hin wollen und erst nach der Finalteilnahme vom Local Heroes Bandcontest 2013 hat es „Klick“ gemacht.

Marsha Renell: Dort haben wir Feedback von Leuten bekommen, die uns noch nie gehört hatten und mit denen wir nicht befreundet oder verwandt waren.

Aigner: Wir haben auch gelernt innerhalb von 25 Minuten unsere Message rüber zu bekommen, mit dem Publikum umzugehen, die Spannung zu halten. Die Verbindungen zu anderen Bands und Veranstaltern haben uns sicher auch geholfen.

Renell: Ich würde es aber nicht mehr wieder machen.

Aigner: Es war auch sicher gut, dass wir so weit gekommen sind. Bands, die in den Vorrunden ausgeschieden sind, haben sicher nicht so viel davon gehabt.

PARADOX: Das Songmaterial für das Album ist aber schon älter, oder?

Renell: Es gibt Songs, die sehr alt sind, wie den “Cowboysong”.

Aigner: Da muss ich widersprechen, die Songs sind nur zu einem Teil alt. So wie wir sie jetzt aufgenommen haben, das ist erst im letzten Jahr entstanden.

Renell: Nein, den “Cowboysong” hab ich vor 10 Jahren als Ballade geschrieben.

Aigner: So lange kennen wir uns ja gar nicht, sind ja erst neuneinhalb Jahre, dass wir einander kennen.

Orth: Diese Varianten sind eineinhalb Jahre alt.

PARADOX: Wogegen habt ihr in eurer Soundfindungsphase kämpfen müssen?

Renell: Ich bin froh, dass es noch Fans gibt, die uns seit fast zehn Jahren die Treue halten, ich habe damals noch Akustikgitarre gespielt.

Aigner: Ich habe brachialen Metal gespielt, das hat zu Marshas Gitarrespiel gar nicht gepasst und als dann Maxi dazugekommen ist und Richard gegangen ist, haben wir uns konstruktiv zusammengesetzt und überlegt, wie wir es nun professioneller angehen. Maxi am Bass hat unsere Musik insgesamt verbessert. Wir sind nun weg vom Keyboard, weg vom Hard Rock.

Orth: Ich hab beim Sound weniger an die Band gedacht, sondern eher, wie mein Bass klingen soll, und es ist dann kontinuierlich gewachsen. Ich habe ohne große Vorbereitung das erste Konzert gespielt und da habe ich Heidi auf der Bühne erlebt und gesehen, dass es einfach um sie geht und ich ihre Show unterstützen muss.

PARADOX: Welche Angebote gab es, die ihr doch lieber nicht angenommen habt?

Renell: Wir waren auf einem 88.6 Rocksampler mit „Bau mir meine Welt“ vertreten und es ist jemand an uns herangetreten, der uns angeboten hat, für 10.000 Euro für den Song eine Top-Chartplatzierung zu kaufen. Wenn wir dann berühmt sind, hätten wir genug Angebote für ein Album.

Aigner: Aus einer wirtschaftlichen Perspektive macht es sicher Sinn, weil du an Leute herankommst, die sich sonst nie für dich interessiert hätten. Die Frage ist, woher nimmst du die 10.000 Euro. Aber aus künstlerischer Sicht war es abzulehnen, es soll ja um die Musik und um uns als Band gehen.

Renell: Ich hätte mich mit dem Song in der damaligen Version auch nicht ausreichend identifizieren können, das hätte mir nicht gefallen, wenn wir mit der Version in die Charts gekommen wären.

PARADOX: Welchen Stellenwert hat bei euch die Liveshow im Gegensatz zum Songwriting?

Orth: Ich würde sagen, wir sind eine Partyband, wir probieren viele Versionen unserer Songs live aus und was am besten ankommt nehmen wir ständig ins Live-Programm.

Renell: Ich will Pflichttermin nicht als Partyband sehen, ich schreibe alle Songs und will auch etwas damit aussagen und dem Publikum vermitteln. Wir sind sicher keine Band, bei der das Publikum wie im Bierzelt auf den Tischen steht und mitgrölt. Wir machen auch eine Zuhörmusik mit Texten, die unter die Haut gehen.

Aigner: Ich würde eher sagen, wir sind eine Festivalband. Dieses Jahr beim Frequency habe ich gemerkt, unsere Stärke liegt in den Auftritten auf großen Bühnen mit Publikum, das uns noch nicht kennt.

Orth: Wir sind Tom von Kiwisound auch sehr dankbar, dass er immer sehr konstruktives Feedback gibt, auch nach unserem Auftritt am Frequency, also nicht nur im Studio.

PARADOX: Was erhofft ihr euch von 2017?

Renell: Unbedingt auf einer großen Festivalbühne spielen, also die Bühne kann nicht groß genug sein. Leute abholen und eine tolle Zeit auf der Bühne verbringen.

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