Der ehemalige Velojet-Sänger Renè Mühlberger meldet sich mit seinem Soloprojekt Pressyes zurück. Im Zuge der Promo für sein neues Album „On the Run“, haben wir uns mit dem Künstler über seine Vergangenheit, seine Musik und das neue Album unterhalten.

Nach der Auflösung der Band Velojet gab Renè Mühlberger seine Musik nicht auf, sondern machte einfach weiter. Seine Stimmung und sein Stil haben sich dabei weiterentwickelt. Mit der neuen Platte „On the Run“ hat er sich als Pressyes selbst übertroffen. Er hat sich Zeit gelassen, sowohl für die Lyrics als auch die Musik selbst, die nur mit Vintage-Instrumenten, die vor 1978 auf den Markt kamen, aufgenommen wurde. Inspiration fand der Alleskönner auf Reisen in Asien, genauso wie während langen Bastelstunden an seinen beiden alten VW-Bussen. Dieses Album hat definitiven Sommer-Hit-Charakter: Wer Lust auf gute Laune und entspannte Vintage Sounds auf Vinyl und Kassette hat, ist hier genau richtig.
Lest mehr über den Umstieg von Velojet zu einem Soloprojekt, wie das Album entstand und was wir in Zukunft von Pressyes zu hören bekommen:

music-news.at:Woher kommt der Name Pressyes?
Pressyes:Da gibt’s sogar eine Geschichte dazu. Ich habe eigentlich lange nicht gewusst, was das ganze wird. Ich hatte kein Ziel, sondern hab einfach wie immer Musik geschrieben. Irgendwann habe ich dann für eine Förderung eingereicht und da muss man natürlich einen Namen angeben – das war noch im Frühstadium des ganzen Projektes. Kurz vor der Deadline bei der Post war das Feld des Bandnamens noch leer und ich habe bis zum letzten Moment auf eine Eingebung gewartet, und die ist leider nicht gekommen.(lacht)
Dann habe ich mir gedacht, ich schreibe etwas hin, was die ermuntert mir die Förderung zu geben und ich habe gedacht, etwas positives wie Pressyes wäre ganz passend. Das habe ich dann auch draufgeschrieben und ich habe die Förderung sogar bekommen. Davon bin ich eigentlich gar nicht ausgegangen und dann ist es eben dabeigeblieben. Ich habe mich etwas geärgert dann, weil ich mir etwas Besseres ausdenken hätte können, aber das wird sich schon durchsetzen (lacht)

music-news.at:Wie war für dich der Umstieg von der Band Velojet zum Solo-Projekt?
Pressyes:Es war sehr fließend, da ich immer schon Songs schreibe, eigentlich seit ich 13 bin. Und immer irgendwo ein Kassettenrecorder herumliegt, wo ich meine Ideen aufnehmen kann. Ich habe einfach weitergeschrieben, nachdem sich meine letzte Band Velojet aufgelöst hat, nachdem sich alles nicht mehr so frisch angefühlt hat, haben wir das gelassen. Ich habe einfach weitergeschrieben, habe mir auch überlegt unter dem Namen noch etwas zu releasen, das wäre auch für die anderen in Ordnung gewesen, aber ich wollte irgendwo auch, dass es ein neues Signal setzt. Der Umstieg war schon sehr krass. Ich komme halt von dem, dass man sich ein paar Mal die Woche trifft und probt. Und auf einmal bin ich zwei Jahre lang in meinem Zimmer gesessen, habe mir ein Studio gebaut, habe mir die Synthesizer aus dem Proberaum ins Schlafzimmer geholt und habe da einfach aufgenommen. Es hat extrem viel Spaß gemacht einfach nur herumzuprobieren und mit verschiedenen Geräten wie Bandmaschinen oder Kassettendecks zu arbeiten. Ich habe auch ein Jahr an den Schlagzeug-Sounds herumexperimentiert, damit das so klingt, wie ich es gerne hätte – also ein bisschen vintage und 70s mäßig – und am Schluss alles in den Computer gespielt und noch herumgebastelt. Was natürlich anders ist, wenn man alleine im Proberaum steht und zum Beispiel das Schlagzeug aufnimmt, dass man alleine rauchen geht und sich manchmal fragt: Warum ist eigentlich keiner da? Das ist das Einzige, das sich manchmal komisch angefühlt hat. Vor allem weil’s immer noch der gleiche Proberaum ist. Im Grunde hat man aber jede Freiheit und kann sich alles super einteilen und macht‘s einfach, wenn man Spaß daran hat. Eine Spielwiese, wie in einem Kinderzimmer.

music-news.at:Konntest du mit Velojet abschließen?
Pressyes:Es hat sicher geholfen, dass ich weitergemacht habe und sich ein neues Bild für mich ergeben hat. Ich treffe mich jetzt halt privat und freundschaftlich mit den Leuten und wir lassen die Bandgeschichte soweit hinter uns. Wir sind auch im Guten auseinandergegangen, es hat gar kein Problem geben, es war nach vier Alben einfach die Luft heraus und es hat keine Vision mehr gegeben. Aber mittlerweile habe ich definitiv abgeschlossen, ich denke einfach sehr gerne an meine verlängerte Jungend und die 400 Konzerte, die wir gespielt haben, zurück. Es war eine großartige Zeit, es hängen wahnsinnig viele Erinnerungen daran. Ich hoffe, dass ich mit dem neuen Projekt auch so viele tolle Erinnerungen sammeln kann, indem wir live spielen. Ich habe jetzt auch eine Live-Band, bei der die Marlene am Bass wieder dabei ist, die auch früher schon dabei war, und einen neuen Drummer, den Alex Kerbel, der mir auch bei den Aufnahmen des Albums teilweise geholfen hat. Wenn ich am Schlagzeug etwas nicht ganz hinbekommen habe, konnte ich ihn einfach anrufen und er hat das dann mit Bravur gemeistert und eingespielt.
Bei diesem Album waren fast mehr Leute involviert als zu Velojet-Zeiten, weil ich einfach oft Leute auf einen Kaffee einlade. Involviert im Sinne von Ideen finden für neue Songs oder einfach zu sagen: Hey, das klingt super, mach damit weiter. Ich habe sehr viel Feedback eingeholt und Inspiration gefunden durch Freunde.

music-news.at:Du arbeitest vor allem mit Retro-Instrumenten, was reizt dich daran?
Pressyes:Ich war schon immer jemand, der wahnsinnig fasziniert ist von solchen alten Geräten. Ich weiß nicht, an was genau das liegt. Ich habe auch alte VW-Bullies, an denen ich gerne als Ausgleich herumbastle und dabei habe ich oft die besten Songideen. Das mach ich immer nur wenn das Wetter wirklich super ist, dann mache ich draußen am Bus etwas und abends schreibe ich einen Song. Das ist meistens der Modus. Ich möchte auch immer wissen, wer die Geräte davor hatte und auch die ganze Haptik ist super für mich. Große Knöpfe und kein Display, auf dem man herumscrollen muss. Ich nehme Demos viel lieber auf Kassette auf, als ein Sprachdemo, bei dem man dann nachschauen muss, wie man’s auf den Computer spielen kann. Dann ist natürlich der Sound, der mich reizt, weil es eine gewisse Assoziation zu den 60er- und 70er-Jahren herstellt, die mir persönlich sehr wichtig ist. Diese Epoche empfinde ich als meine Traumepoche, das wird auch in den Filmen immer sehr schön dargestellt. Da bin ich etwas der Werbung erlegen sozusagen. (lacht)

music-news.at:Wie sieht bei dir das Songwriting aus? Nimmst du dir mehr Zeit für die Lyrics oder die Musik selbst?
Pressyes:Da ich bei diesem Album wirklich viel Zeit hatte – nämlich endlos eigentlich, es gab keine Deadline oder so – habe ich jedes Instrument und den Gesang gleichbehandelt und habe mir für jedes ein paar Monate Zeit genommen. Am Schlagzeug habe ich am längsten herumexperimentiert, weil es da am schwierigsten ist, eine Vorstellung reinzubekommen. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich Mikrofone herumgeschleppt habe und mit dem ganzen Equipment aufs Land rausgefahren bin mit dem Bully, um alles neu aufzunehmen. Es war zwar sehr anstrengend, aber auch wirklich lustig. (lacht)
Bei den Texten habe ich mir auch einfach zwei, drei Monate Zeit gelassen und das teilweise von alten Demos heruntertranskripiert – Stream of Consciousness quasi. Phrasen die ich gesungen habe, ohne zu wissen, dass ich sie singe, also sehr unkonzeptionell quasi. Ich brauche dann aber auch immer wieder Inspiration und lese viele Biografien von anderen Musikern und hole mir da neue Inspiration. Da kommt oft der Antrieb, ähnliches zu erreichen.

music-news.at:Welche Themen hast du in diesem Album verarbeitet?
Pressyes:Ich war früher ein sehr großer Melancholiker. Die Platte war für mich wie eine Neugeburt. Ich habe einfach gemerkt, dass es mir viel besser geht, wenn ich mich mit positiven Sachen beschäftige. Ich habe in den letzten Jahren auch sehr viel meditiert und bin sehr viel gereist. Ich merke einfach, dass mir Sonne und gut gelaunte Menschen sehr gut tun. Das möchte ich eben auch rüberbringen. Im besten Fall ist es Musik, die man auf Kassette im VW-Bus hört. Ich hoffe einfach, dass jeder einen VW-Bus hat – wenn nicht, dann könnt ihr euch gerne bei mir melden und ich helfe euch bei der Suche. (lacht)

music-news.at:Wie wichtig ist dir „On the Run“?
Pressyes:Die Zeit zum Album war für mich wahnsinnig schön, es war einfach so ein Selbstfindungsding und mir geht’s jetzt viel besser. Das Album selbst ist jetzt nicht so eine riesen Etappe, weil sich’s für mich nie so angefühlt hat, als würde ich auf etwas hinarbeiten. Ich habe dann einfach das Label gefunden (Ink Music) und es war klar, dass ich ein Album mache. Mir geht’s um die einzelnen Songs und ich versuche schon wieder neue Videoideen zu finden, um das Bild noch zu verstärken. Meine eigene Welt, die ich auch sehr gerne mit den Leuten teilen möchte. Was mit dem Album konkret passiert, ist mir persönlich relativ egal. Ich meine, das ist halt der Output, den die Leute sehen, aber ich bin einer, der ständig Sachen macht. Ich schreibe auch jetzt Stücke – es geht einfach fließend weiter.

music-news.at:Was kannst du uns über dein neues Musikvideo „Hideaway“ erzählen? Du hast dabei den Großteil der Arbeit selbst übernommen.
Pressyes:Es ist das zweite Video, das ich mithilfe der Bassistin Marlene gedreht habe. Beide sind im Urlaub entstanden: Das erste, „On the Rund“, auf Kreta und das zweite in Goa. Ich habe mich aber dieses Mal leider etwas übernommen. Für das erste Video habe ich die Kamera am Vortag gekauft, habe am nächsten Tag gedreht und bin dann draufgekommen, dass man die Blende nicht verstellen kann. Jetzt haben wir jeden Tag nur von acht bis halb neun filmen können, was natürlich durch die Magic Hour super ausschaut. Für das zweite habe ich mir drei Objektive gekauft und dann hatte ich meine Probleme, die Bilder im Zaum zu halten und das war beim Schneiden viel schlimmer und es ist dieses Mal mehr in Arbeit ausgeartet. Also es war dieses Mal etwas langwieriger und es hat beim ersten einfach mehr Spaß gemacht. Ich werde mir mal ein paar Monate Zeit lassen, bevor ich das nächste drehe (lacht).
Aber ich arbeite jetzt auch an einer Dokumentation darüber, wie ich arbeite und wie diese Sounds entstehen. Das können sich die Leute oft nicht vorstellen, wenn sie die Songs hören. Ich habe mich selbst leider recht wenig gefilmt, aber für eine kurze acht Minuten Doku sollte es reichen (lacht).

music-news.at:Freust du dich auf den Release-Abend am 23.5.2018 im B72?
Pressyes:Das wird sicher super. Unser erstes Konzert haben wir schon mit Bravur in Vorarlberg gespielt und das war richtig großartig. Die Leute haben getanzt, das war früher nicht so und da kommt dann wirklich der Vibe rüber. In Wien wird’s sicher ähnlich werden, da muss man die Leute nur reinbekommen zum Konzert.

music-news.at:Möchtest du noch etwas Bestimmtes erreichen oder bist du im Moment zufrieden?
Pressyes:Ja es gibt schon einen Traum. Ich habe mich jetzt mehr aufs Produzieren eingelassen und habe da gerade mehrere Bands im Studio. Das macht wahnsinnig viel Spaß. Da wäre mein größtes Ziel, irgendwann ein Studio zu haben, von dem aus man aufs Meer schauen kann, in Spanien oder so. Oder zumindest meinen VW-Bus so umzubauen, dass ich ein mobiles Recordingstudio da drinnen habe. Das ist auch schon langsam in Planung.

Das Album erscheint am 11. Mai 2018 sowohl auf limitierten weißen Vinyls, als auch auf Kassetten. Die passenden Kassettenspieler gibt es direkt beim Merch-Stand zu kaufen.
Der Releaseabend zu „On the Run“ findet am 23. Mai 2018 im B72 in Wien statt. Tickets findet ihr unter ntry.at.

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