R.G. Kooper plaudert über seine nächsten Projekte, Bandcontests und das Reunion-Konzert seiner Ex- Band Salt Department.

An einem sonnigen Juniabend treffe ich R.G. Kooper im Schanigarten des „Domizil“ im 3. Wiener Gemeindebezirk. Ich habe ihn dorthin eingeladen, weil wir beide im 3. Bezirk wohnen und ich seit einigen Monaten immer wieder die Blues-Session besuche, die jeden dritten Donnerstag im Monat dort organisiert wird. Wir setzen uns auf die gemütlichen Sofas auf dem Gehsteig der Blattgasse und philosophieren über das Leben als Musiker in Wien, untermalt wird unser Gespräch von der Musik der jammenden Bluesmusiker im Lokal.

www.music-news.at: Ich habe gehört, du planst ein Reunion-Konzert einer deiner ehemaligen Bands im Weberknecht im Herbst diesen Jahres. Um welches Projekt geht es da?

R.G.Kooper: Es geht um meine ehemalige Band Salt Department, auf wienerisch auch „Salzamt“ genannt. Die Band ist ein Fun-Punk-Projekt. Da teile ich mir die Frontmannfunktion mit Steve Destiny, von Black Mariah. Mit ihm habe ich Salt Department gegründet und das funktioniert nach wie vor sehr gut. Salt Department ist eine Dreierformation: Schlagzeug, Gitarre, Bass. Daher ergibt es sich fast zwangsläufig, dass wir das zu zweit machen.

www.music-news.at: Was ist in nächster Zeit sonst noch musikalisch auf dem Plan?

R.G.Kooper: Ich nehme unter meinem Pseudonym R.G. Kooper im Herbst auch eine EP auf. Nächstes Jahr werde ich mit diesem Material wieder regelmäßig Konzerte spielen.

www.music-news.at: Du hast ja in vielen Projekten gespielt, was sind so die Highlights?

R.G.Kooper: Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Bandprojekte gehabt, darunter waren Dust N‘ Bones, und Bad Girls Magazine. Das waren in erster Linie Hard Rock Bands. Inzwischen bin ich da sehr flexibel geworden. Es gibt inzwischen fast kein Genre, das ich nicht spielen würde – außer Volksmusik vielleicht (lacht). Ich habe mich auch schon einmal in der elektronischen Musik versucht. Das war einfach zum Ausprobieren.

www.music-news.at: Mit welcher Software hast Du das damals gemacht?

R.G.Kooper: Mit Fruity Loops.

www.music-news.at: Warst Du mit dem Ergebnis zufrieden?

R.G.Kooper: Ja, doch, also in Zukunft wird es sicher wieder den einen oder anderen Ausflug in diese Richtung geben. Aber natürlich liegt der Fokus auf Hard Rock und Punk. Mir ist wichtig, dass meine Musik melodiös bleibt, also Metal bin ich nicht abgeneigt, aber Blackmetal mit Growlen ist nicht meines. Es hat sicher alles seine Berechtigung, aber das ist nicht die Richtung, die ich musikalisch machen will.

Welches Instrument spielst du nicht?

www.music-news.at: Für Dich ist es aber schon wichtig der Frontman deiner Projekte zu sein? Du hast ja auch schon in einigen Bands als Instrumentalmusiker mitgemacht.

R.G.Kooper: Ja, ich habe mit 15 als Schlagzeuger angefangen. Als Stehschlagzeuger, Vorbild war damals Bela B. Ich spielte in einer Punkband namens Vollmacht. Da war ich ganz hinten auf der Bühne, aber im Stehen. Ich war Bassist in Bands, ich bin auch Gitarrist. In vielen Bands war ich einfach als Sessionmusiker dabei. Ich habe bei Ecliptica bei Livekonzerten Keyboard gespielt. Ich war mit Boon im Studio. Piano hört man von mir auf dem aktuellen Album von Reverend Backflash. Ich mache immer wieder Ausflüge, bei denen ich überhaupt nicht Frontman bin, sondern im Hintergrund mitspiele. Mir geht es da um das gemeinsame Musikmachen. Es ergibt sich einfach oft, dass ich Frontman bin. Für meine eigenen Bands bin ich der Songwriter und da will ich die Songs dann auch live performen. Bei Salt Department teile ich mir diese Funktion mit Steve Destiny, den ich schon ewig kenne.


www.music-news.at: Du bist also schon dafür, wenn Du Songs selber schreibst, sie selbst zu interpretieren.

R.G.Kooper: Ja absolut, ich muss mich mit den Texten auch identifizieren können, und daher ist mir das sehr wichtig, sie selbst zu performen.

www.music-news.at: Wie stehst Du zu Covers?

R.G.Kooper: Ich covere auch, aber da ist mir wichtig, dass es nicht ein eins-zu-eins Cover ist. Zum Beispiel ist mir wichtig, dass das Cover in einem anderen Stil gecovert ist. Also dass aus einer Punk-Nummer eine Ballade wird oder umgekehrt.

www.music-news.at: Für Sängerinnen in der Band hast Du noch nicht geschrieben? Also dass Du die „Kapellmeisterfunktion“ inne hattest und jemand anderer Deine Songs performt hat?

R.G.Kooper: Nein, das habe ich noch nicht gemacht, aber es könnte in Zukunft durchaus sein, dass mich das auch einmal reizt.

R.G. und Bandcontests

www.music-news.at: Du hast ja inzwischen schon einige Erfahrungen mit Bandcontests? Du hast einen gewonnen und letzte Woche warst du zum ersten Mal Juror beim SPH-Bandcontest.

R.G.Kooper: Mein erster Einsatz als Juror letzte Woche war sehr interessant und ich freue mich auch schon auf nächsten Samstag, an dem ich zum zweiten Mal Bands bewerten darf. Es war sehr spannend.

www.music-news.at: Wie war es in der Rolle des teilnehmenden Künstlers?

R.G.Kooper: Ja, ich habe natürlich nicht nur Bandcontests gewonnen. Im Laufe der Jahre habe ich an verschiedenen Contests teilgenommen, und konnte 2004 mit meinem „R.G. Kooper“ – Line-up den ABC-Contest spielen und da wurden wir beste Wiener Band. Der Contest ist damals vom Planet-Music veranstaltet worden. Das Wien-Finale hat damals im Wiener Prater beim Mai-Fest stattgefunden. Dabei haben wir die Band erst ein halbes Jahr zuvor gegründet. Das war sehr lustig.

www.music-news.at: Ja, aber Ihr habt ja sicher nicht ein halbes Jahr zuvor mit dem Musikmachen begonnen?

R.G.Kooper: Nein, natürlich nicht. Es hat uns trotzdem überrascht, dass wir eine Vorrunde nach der anderen gewonnen haben. Und plötzlich war er da, der erste Mai und wir sind im Prater vor 2000 Leuten gestanden!

www.music-news.at: Aber mit Salt Department gab es ja dann auch einen Contest-Erfolg?

R.G.Kooper: Ja, genau mit Salt Department haben wir 2011 den „Addicted to Rock“ – Contest im U4 gewonnen.

www.music-news.at: Also du bist grundsätzlich dafür als junge Band Contests zu spielen?

R.G.Kooper: Ja, sicher man sammelt viele Erfahrungen. Wobei dazu zu sagen ist, dass man nicht nur positive Erfahrungen macht. Mir ist aufgefallen, dass man von den versprochenen Preisen oft gar nicht so viel hat, wie einem zuerst versprochen wird. Beim ABC-Contest 2004 war es so, dass einige Bands, die wir in den Vorrunden geschlagen haben vom Planet-Music gefragt wurden, ob sie beim Donauinselfest spielen wollen und wir sind da nie gefragt worden. Ich kann mich auch erinnern, wie mir Muff Sopper die Urkunde für den Gewinn des Contests in die Hand gedrückt hat und nicht einmal der Bandname war ausgefüllt.

www.music-news.at: Den habt ihr selber eintragen müssen?

R.G.Kooper: Ja, da haben wir uns schon ein wenig vor den Kopf gestoßen gefühlt, aber es ist schon klar, dass es bei einem Bandcontest darum geht vor größerem Publikum zu spielen, also nicht nur vor den eigenen Freunden und Fans, sondern auch vor den Fans anderer Bands. In erster Linie sollte es einmal Spaß machen. Um’s Gewinnen geht es natürlich auch, ist immer schön, aber es gab immer wieder Aspekte, die etwas enttäuschend waren. Auch beim „Addicted to Rock“-Contest gab es solche Geschichten, die nicht sehr schön waren. So war als Preis die Aufnahme einer EP versprochen worden. Der Sponsor GAB-Records sollte diese Aufnahme ermöglichen. Georg Gabler leitet das Label. Wir wurden dann mit einer Singelaufnahme abgespeist. Eine EP ist ein Tonträger mit Aufnahmedauer von 21 Minuten, das weiß man als Musiker, und keine Single. Das war das eine. Dann ist angekündigt worden, das wird im U4 promotet, aufgelegt werden, auch Radiopräsenz wurde versprochen, eingehalten wurde davon nichts. Das Problem bei Bandcontests ist als Musiker immer: Wo willst du dich beschweren? Wir haben ja als Musiker keine Lobby.

www.music-news.at: Ja, Bandcontests sind natürlich private Veranstaltungen und wenn die Sponsoren dann die Preise im Endefekt kleiner machen, als sie vorher versprochen wurden, dann hat man wenig Möglichkeiten dagegen etwas zu tun.

R.G.Kooper: Wir haben ja dann bei den Organisatoren nachgefragt, aber es ist nichts zurück gekommen. Wir hatten dann einen Auftritt im U4 im Rahmen des Bandcontests und mussten feilschen ob wir vier oder fünf Songs spielen durften, dann kam die Rückmeldung, dass wenn eine Live-Band spielt, das Publikum keine Getränke konsumiert.

www.music-news.at: Interessante Theorie.

R.G.Kooper: Ja, hab ich auch gefunden, ich hab die E-Mail Korrespondenz noch heute, also das kann ich alles schriftlich belegen. Da waren wir schon ein wenig enttäuscht.

www.music-news.at: Ja, es wird leider immer mehr versprochen, als gehalten.

R.G.Kooper: Ich möchte trotzdem jungen Bands empfehlen, zwecks der Connections, an solchen Wettbewerben teilzunehmen. Man lernt immer neue Leute kennen, bekommt vielleicht mehr Fans. Also, macht’s es, aber man soll sich nicht zu viel erwarten!

www.music-news.at: Mich stört ja an Bandcontests auch, dass oft junge Musiker, die gerade 18 Jahre alt geworden sind, genötigt werden, mittels Kartenverkäufen diese Contests zu finanzieren. Wie siehst Du das?

R.G.Kooper: Ja, das ist sicher auch ein Problem, wir hatten ja keine Probleme, Publikum für unsere Konzerte aufzutreiben, daher möchte ich mich auch bei all unseren Fans bedanken. Aber es kann sicher schwierig sein für Bands Publikum aufzutreiben. Diese Auflagen haben sicher immer einen bitteren Nachgeschmack für junge Bands, für uns persönlich war es sicher nicht so sehr das Problem, sonst hätten wir ja nicht gewonnen.

Leben als Musiker in Wien?

www.music-news.at: Du sagst, du nimmst immer wieder im Studio auf, hilfst bei anderen Bands aus, wie ist es bei dir mit der Finanzierung von Tonträgeraufnahmen?

R.G.Kooper: Wie so viele Musiker in Wien lebe ich dieses leicht schizophrene Leben, tagsüber arbeiten gehen und nachts Musik machen. Das ist aber mitunter auch ganz witzig, dass man praktisch als „Niemand“ von der Arbeit kommt und sich bei einem Lokal in die Schlange stellt und dann kommt wer auf dich zu und lässt dich als VIP in das Lokal hinein. Es ist ein wenig seltsam, aber es ist so: Musiker sein in Wien ist ein teures Hobby. Mir ist es immer in erster Linie ums Musikmachen gegangen und nicht ums berühmt werden und Geld verdienen. Sollte sich mehr daraus ergeben, natürlich gerne, keine Frage. Aber mir ist es wert private Mittel in meine Musik zu investieren. Es ist ja nicht nur das Studio, das Geld kostet, es fängt ja schon mit Proberaumerhaltung, Equipment und so weiter an. Zum Glück ist man ja nicht alleine. Man ist ja in einer Band und hat Freunde, die einen unterstützen. Zum Beispiel meine letzten Aufnahmen habe ich bei Andy Storm von Storm-Records gemacht, der ist ein alter Freund von mir. Ich war auch Sänger in seiner Band Solid Station. Da kommt man sich entgegen, betreffend Studiokosten. Im Laufe der Jahre kennt man dann doch eine Menge Leute und hat die Connections, da kann man sich zusammenreden und das funktioniert dann.

www.music-news.at: Wie laufen deine Studiosessions meist ab?

R.G.Kooper: Ich bin sehr gerne im Studio, ich nehme auch gerne alleine auf. Ich spiele Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboard, bin Sänger, schreibe die Songs selber, komponiere, arrangiere. Daher stelle ich mich gerne alleine ins Studio und nehme die Songs mal auf.

www.music-news.at: Zuhause hast du noch kein Studio?

R.G.Kooper: Naja, ein professionelles Studio geht sich zuhause finanziell noch nicht aus, aber für Homerecordingzwecke und Demo-Produktion ist es ausreichend. Ich stelle auch viel von diesen schnellen Aufnahmen auf Youtube, wenn ich die Aufnahme für gut genug halte. Ich persönlich finde, Songideen müssen jetzt nicht total „Highend“ produziert sein. Mir geht’s da um den Song und wenn ich glaube der Song ist gut genug zur Veröffentlichung, dann poste ich das Ergebnis auch.

www.music-news.at: Du verfolgst eher die Strategie Tonträger gratis ins Netz zu stellen und nichts dafür zu bekommen, dafür aber mehr Leute zu erreichen?

R.G.Kooper: Absolut. Ich gebe gerne ganze Songs „for Free“ ins Internet und freu mich daran, wenn sie gehört werden.

www.music-news.at: Die Erwartungen als Musiker mit Tonträgern viel Geld zu verdienen sind heute nicht mehr so hoch.

R.G.Kooper: Eh nicht. Natürlich!

www.music-news.at: Die Erwartungen der Fans sind natürlich immer hoch.

R.G.Kooper: Ja genau, und das ist auch immer ein toller Ansporn, was qualitativ Hochwertiges zu produzieren.

www.music-news.at: Also in Österreich im Rock-Bereich gibt es sicher wenige, die vom Tonrägerverkauf leben können.

R.G.Kooper: Ja, in Wien ist es sicher schwierig, auch in anderen Genres. Ich bin aber trotzdem gerne in Wien, ich bin ja eigentlich ein gebürtiger Vöslauer und habe dann beschlossen: Musik machen einmal im Jahr am Feuerwehrheurigen ist mir zu wenig und bin nach Wien gezogen. Ich habe es nicht bereut.

www.music-news.at: Gab es „am Land“ so wenig Möglichkeiten für angehende Musiker, Vöslau ist ja nicht gerade weit von Wien entfernt?

R.G.Kooper: Da hat sich meines Wissens nicht viel geändert, um Roland Düringer zu zitieren: „Vöslau ist am Land, aber doch noch nicht g’schert.“ In der Gegend fällt mir eigentlich nur die „Fun Factory“ ein. Die gibt’s auch noch nicht so lange, also wie ich „jung“ war, hat es die noch nicht gegeben.

www.music-news.at: Naja, jung, ich versuche ja Leute zu interviewen, die schon länger „dabei“ sind und da ist man ja mit über 30 schon bei der „erfahreren Musikern“, oder?

R.G.Kooper: Ja, „erfahren“ ist schön formuliert. (lacht)

www.music-news.at:Deine Tätigkeit als Musiker ist bis jetzt auf die Umgebung von Wien beschränkt. Gibt es da Pläne Deinen Aktionsradius zu erweitern.

R.G.Kooper: In den Bundesländern war ich mit meinen Projekten schon, international habe ich noch nicht viel gemacht, es ist auch nicht einfach, über die Landesgrenzen hinaus etwas auf die Beine zu stellen und zu finanzieren. Aber ich bin im Großen und Ganzen zufrieden, wie es derzeit läuft, die Ambition wäre natürlich schon da, auch international etwas zu machen, aber das ist schon etwas schwierig, das organisatorisch hinzubekommen.

www.music-news.at: Klar, mit fixem Job ist es sicher schwierig auf Tour zu gehen. Könntest du jobmäßig einfach ein Monat auf Tournee gehen, wenn sich die Gelegenheit bieten würde?

R.G.Kooper: Es ist sicherlich möglich, dass man sich von seinem Job freistellen lässt, wenn die Tour dann diesen Verdienstentgang auch wieder hereinbringt, und daran scheitert es oft.

R.G. Kooper im Studio

www.music-news.at: Du wirst ja jetzt ins Studio gehen, wen wirst du da mitnehmen, das wird ja nicht mit Salt Department sein?

R.G.Kooper: Genau, ich werde meine EP solo aufnehmen. Das habe ich auch früher so gemacht, dass ich alleine im Studio war. Wenn die EP fertig ist, werde ich einige Freunde und Kollegen fragen, ob sie Lust hätten, meine Songs zu spielen und dann werden wir ein paar Konzerte mit diesem Programm machen. Außerdem steht ja der Reunion-Gig von Salt Department im Weberknecht am 18. September 2015 an.

www.music-news.at: Werdet Ihr dann als Salt Department auch weiter Konzerte geben?

R.G.Kooper: Ich bin draufgekommen, dass einzelne Bands in Wien eigene kleine Festivals veranstalten. Zum Beislpiel machen Mortal Strike das Strikefest, oder Dragons Cry von Dragony. Die machen mit befreundeten Bands einmal im Jahr kleine Festivals. So etwas ähnliches könnte ich mir für Salt Department auch vorstellen, weil Steve Destiny ja auch seine Band Black Mariah hat, die sehr gut läuft. Ich glaube wenn wir jedes Jahr in einem Lokal wie dem Weberknecht oder dem Aera unsere befreundeten Bands zusammenrufen und gemeinsam einen oder zwei Abende gestalten, könnte das sehr vielversprechend werde. Dieses Jahr gehen wir das sehr locker an, Support wird dieses mal Mr. White sein, das sind auch ganz nette Leute und wir schauen einmal wie es heuer läuft und vielleicht entwickelt sich daraus etwas Dauerhaftes. Wenn es uns Spaß macht, machen wir nächstes Jahr wieder einen Abend unter dem Titel Salt Department Reunion Teil III.

www.music-news.at: Ja, da bin ich schon sehr gespannt. Aber wie ist das bei dir wenn du mit einer Band ins Studio gehst? Wie ist das mit dem Bandgefüge, es ist ja für Sänger und Komponisten oft nicht einfach mit anderen Leuten ein gemeinsames Projekt zu entwickeln.

R.G.Kooper: Ja, man sagt mir nach, ich wäre da ein bisschen ein Diktator (lacht).

www.music-news.at: Naja, wenn du die Lieder schreibst, dann ist es klar, dass du fixe Vorstellungen hast, wie die Lieder werden sollen.

R.G.Kooper: Ja, du nimmst mir die Worte aus dem Mund, wenn ich einen Song schreibe, dann ist er in meinem Kopf schon fertig. Ich will es dann schon, dass der als Band einmal so gespielt wird, wie ich ihn mir vorstelle und wenn das klappt, bin ich offen für Verbesserungsvorschläge der einzelnen Musiker.

www.music-news.at: Und das findet dann erst im Studio statt? Das stelle ich mir ein wenig teuer vor.

R.G.Kooper: Ja, so ist es, aber ich habe jetzt eher gemeint, wenn man sich im Proberaum für das Studio vorbereitet, dass da noch herumgespielt wird, bis wir bereit für die Aufnahme sind. Es gibt sicher auch die Methode, dass man als Band einen Song erarbeitet, das macht sicher auch viel Spaß, aber bei mir war es immer so, dass ich mit meinen fertigen Songs gekommen bin, sie der Band vorgespielt habe und die Musiker auch erst überzeugen musste, dass die Songs gut sind. Das hat auch so immer funktioniert und schließlich haben wir ja mit meinen Songs auch die Bandcontests gewonnen, also so schlecht konnten sie ja auch nicht sein. Eben auch der Song, der uns Addicted-to-Rock gewinnen ließ. Dieser Song hat mich übrigens 30 Minuten meines Lebens gekostet, ihn zu schreiben.

www.music-news.at: Ja, 30 Minuten ist eigentlich eh recht lange, heißt es nicht, wenn die Entstehung eines Songs länger als zehn Minuten dauert, wird es kein Hit mehr?

R.G.Kooper: Ja, da stimme ich absolut zu, ich habe kaum länger als 30 Minuten an einem Song gearbeitet, dann steht das Ding, du hast dann noch zwei Wochen „Evaluierungsphase“, in der du am Song herum doktorst, aber an sich entsteht das Wesentliche eines Song in den ersten zehn Minuten, 30 Minuten braucht man dann für die restlichen Strophen, Bridges, oder sonstige kleinen Besonderheiten des Songs. Nur für einen Song habe ich mehr als vier Jahre gebraucht, der heißt Canada, der ist auch bis jetzt mein Lieblingssong. Ich habe den Song angefangen, bei mir ist es ja so, dass ich nie genau erklären kann, wie die Songs entstehen, die sind einfach da. Es ist sehr schnell beides da, also Text und Harmonien. Ich muss den Song einfach nur aufschreiben. In diesem Fall war der Refrain da und auch die Musik für die Strophen, nur der Text hat mir gefehlt. Aber da Canada ein sehr persönlicher Song ist, hat sich die Entstehungsgeschichte des Strophentextes über vier Jahre hingezogen.

www.music-news.at: Also bei dir entstehen die Songs über die Refrain-Riffs?

R.G.Kooper: Muss gar nicht sein, manchmal ist eine Strophe da, manchmal die Bridge, oder der Refrain, das ist ganz unterschiedlich. Während dem Aufschreiben kommt der Rest dazu, alles nach Gefühl.

www.music-news.at: Du schreibst also keine Gedichte und vertonst sie dann, sondern das kommt alles gemeinsam?

R.G.Kooper: Ja, es ist alles in einem innerhalb einer halben Stunde da.

Live Auftreten in Wien? Ja, aber wo?

www.music-news.at:Wie stehst du zu den Auftrittsmöglichkeiten in Wien? Wo wird live gespielt? Gerade für deine Musik?

R.G.Kooper: Ich glaube, es finden sich immer gute Auftrittsmöglichkeiten, es kommt immer auf die eigenen Ansprüche an. Es ist schon so, dass man sehr früh reservieren muss, um einen guten Termin zu bekommen, also wenn möglich einen Freitag, oder Samstag.

www.music-news.at:Wann habt ihr für die Salt Department-Reunion angefragt?

R.G.Kooper: Naja, das war vor einem Monat und bis September ist noch ein wenig Zeit. Sonst ist zu Auftrittsmöglichkeiten zu sagen: Schade, dass es das Planet Music nicht mehr gibt! Das war für mich persönlich meine Lieblingslocation, überhaupt als es noch Rockhaus hieß. Also ich habe noch 1998 im Rockhaus gespielt, mein erster Auftritt war 1996 im Bach. Ich habe danach im Shelter, im Unplugged, im Replugged, im Aera, in der Arena, in der Szene, bis hin zum Donauinselfest gespielt. Klar jedem Musiker wäre es natürlich recht, er spielt jedes Jahr am Donauinselfest, aber das ist ja auch nicht mehr ganz so einfach.

www.music-news.at: Da wird aber auch nicht gerade viel gezahlt?

R.G.Kooper: Ja, das kommt darauf an, ob es einem um die Bezahlung geht. Mir ist es immer um das Spielen gegangen. Mit Null aussteigen war immer das Ziel, und auch das ist nicht immer gelungen. Auch die Einnahmen aus Tonträgern waren mir nie wichtig. Bei Konzerten ist es ähnlich, mich freut es, wenn die Menschen Freude an meiner Musik haben, die ich mit meinen Freunden auf der Bühne präsentiere. Alles andere ist ein Bonus. Donauinselfest ist in den letzten Jahren wieder so, dass man über Bandcontests noch am ehesten dazu kommt, dort spielen zu dürfen, wenn man nicht jemanden kennt. Mit Connections geht sicher vieles. Es ist halt auch so eine Frage der „Freunderlwirtschaft“, aber klar, wenn man die Möglichkeit hat, warum soll man das nicht nutzen. Ich bin das niemandem neidig.

www.music-news.at: Und bezogen auf Lokalitäten?

R.G.Kooper: In den letzten Jahren haben viele tolle Lokale zugemacht. Rockpub, Krebitz, Benjamin, Steinzeit, gibt es nicht mehr. Das waren doch die Lokale, wo man sich getroffen hat, und wo man auch seine Fans rekrutieren konnte. Mich findet man noch immer in meinem Stammlokal im Graffiti, das war das erste Lokal, das ich in Wien kennen gelernt habe, und das ist noch immer mein Wohnzimmer.

www.music-news.at: Das gibt es noch immer?

R.G.Kooper: Ja das gibt’s noch immer, seit 1984 die Nummer 1 in punkto Hard Rock. Ich habe dort auch meine Fanbase gehabt. Die sind dann auch zu meinen Konzerten gekommen. Aber sonst ist es ein wenig „mau“ geworden in der Lokalszene.

www.music-news.at: Gut, Lokale schließen, ist normal, aber gerade in Deinem Genre machen keine neuen Lokale auf?

R.G.Kooper: Ich wüsste spontan kein Lokal, das in letzter Zeit auf meinem Sektor neu aufgemacht hätte.

www.music-news.at: Die Hardrockszene und Punk-Szene war ja in Wien immer eher eine kleinere Subkultur, oder?

R.G.Kooper: Habe ich so gar nicht empfunden, aber inzwischen ist es sicher so, dass die ganze Musikszene in Wien, alle Musikrichtungen betreffend, explodiert. Immer mehr Leute haben ihre eigenen Homestudios und es gibt viel mehr Bands, die überall auftreten wollen, weil das Equipment nicht mehr so teuer ist wie vor 15 Jahren. Jetzt kommt es immer öfter vor, dass irgendwer beschließt, er wird jetzt Musiker, weil er sich ein Studioequipment kauft und zuhause was aufnimmt. Man liest ja im Internet und da besonders in Facebook. Alle halben Stunden gibt es eine neue Band, die mit Posts, wie „bitte liked unsere Seite“, auf sich aufmerksam machen will. Man sollte meinen, dass sich die Situation der Liveauftrittsmöglichkeiten verbessern würde.

www.music-news.at: Ja, aber dadurch, dass immer mehr mittelmäßige „Bands“ immer öfter in verschiedensten Lokalen auftreten, kommen natürlich die ernsthafteren Bands unter die Räder, weil niemand mehr zu Livemusik geht, weil das Angebot in der Mehrzahl einfach zu uninteressant ist?

R.G.Kooper: Ich stelle schon fest, wenn ich auf Konzerte von befreundeten Bands gehe, dass sich die Besucherzahl verringert hat. Ich weiß nicht, ob es auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführen ist, oder darauf, dass die „Musikszene“ einfach so überlaufen ist, es heutzutage nichts mehr besonderes ist auf ein Konzert zu gehen. Täglich gibt es an die zehn Konzerte in Wien. Wir reden ja nicht nur von Hardrock. Sicher ist es so, dass die Betreiber der Lokale damit Geld verdienen wollen, und daher so ein großes Angebot besteht, aber ich hoffe, dass es sich wieder bessern wird in den nächsten Jahren. Wäre schade, wenn nicht.

www.music-news.at: Ja, es gibt in Wien derzeit ja auch eine Form der Livemusik, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut, die Sessions. So wie hier im Domizil wird einmal im Monat eine Blues-Session organisiert. Die Musiker können kommen und ein zwei Lieder mitspielen und je mehr Musiker, umso interessanter wird die Veranstaltung. Du bist ja nicht so ein „Sessiongeher“?

R.G.Kooper: Nein, eigentlich nicht, aber wenn es sich ergibt würde ich heute schon gerne mit jammen. Ich möchte ja auch nicht nur auf Hard Rock festgelegt werden, ich bin ja genremäßig sehr aufgeschlossen.

www.music-news.at: Was ist Dein Wunsch für die nächsten Jahre als Musiker und Teil der Szene in Wien?

R.G.Kooper: Ich möchte allen Fans sagen, bitte unterstützt eure Bands, und da möchte ich nicht nur meine Fans ansprechen, sondern die Musikfans allgemein in Österreich. Kauft die Tonträger eurer Bands, geht auf die Konzerte und schaut, dass eure Band auch wirtschaftlich überleben kann.

www.music-news.at: Vielen Dank für das Gespräch.

R.G.Kooper: Vielen Dank für die Einladung!

Who the rock is R.G. Kooper!?

1996:
Erster Auftritt als Lead-Sänger der Metal-Band KILLER INSTINCT, u.a. mit Gitarrist Andi Liu (später bei SHE SAYS)

1996-1998:
Sänger & Steh-Schlagzeuger in Jan Nowotny’s Deutsch-Punk-Formation VOLLMACHT, in der zeitweise auch 12a-Wolf von BOON tätig war.

1998:
Lead-Sänger bei RISING SHADOW, genau wie KILLER INSTINCT übrigens gegründet von Sam Gabriel (heute Drummer & Mastermind bei EASY).

1999-2002:
Lead-Vox bei DUST N‘ BONES, später umbenannt in BAD GIRLS MAGAZINE. Wechselndes Line-Up, aber hauptsächlich Kauz (nun bei INDOCTRINATE) am Schlagzeug, Tommy Wind (a.k.a Johnny Roxx, später bei LOS DEEPEST und jetzt mit damaligen Bassist „Der Elch“ bei BLACKTRAIN) und Chris Animal. Erstes Airplay auf FM4 mit unserer Punk-Coverversion von Limahl’s „Neverending Story“!

2003-2006:
Mit Freunden und Musiker-Kollegen das erste Rock-Line-Up unter meinem eigenen Pseudonym als Bandnamen, R.G.KOOPER, zusammengestellt. 1 Jahr später waren wir die beste Wiener Band (von 244 Bands) bei österreichs grössten Bandcontest, dem „AUSTRIAN BAND CONTEST“!

2006-2011:
Mit Steve Destiny (BLACK MARIAH), der seit 2003 mit dabei war und verschiedenen Schlagzeugern (zB wieder Kauz von BAD GIRLS MAGAZINE) als THE SALT DEPARTMENT Fun-PunkRock betrieben. Gewinner des ADDICTED TO ROCK-BandContests von Niki Fuchs!

2011-2013:
Das zweite Line-Up unter dem R.G.KOOPER-Banner: Wieder mit Kauz an den Drums, und wechselnden Gitarristen und Bassisten, unter anderem Franz Simon von MR. WHITE.

2013-2014:
Mit dem Projekt WIEN:A:BRUT Oldschool-Austropop – und damit einmal etwas völlig anderes – gemacht.

2015:
Habe ich mich nun sogar an elektronische Musik herangewagt, aber auch bereits wieder einige Hard-Rock-Songs produziert & online gestellt. Eine R.G.KOOPER-EP plus eine WIEN:A:BRUT-EP sind beide für Herbst geplant.

Dazwischen aushilfsweise oder als Gastmusiker tätig: bei POETIC JUSTICE, ROAD CREW, FENFIRE und SOLID STATION als Sänger, weiters als Keyboarder bei Aufnahmen von BOON und REVEREND BACKFLASH sowie bei Live-Auftritten von ECLIPTICA.

Foto: R.G. Kooper (li.) im Domizil. Credit: Horst Wimmer, Vienna Projekt
Video: R. G. Kooper

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