Musik ist Kunst, aber macht diese Tatsache gleichzeitig einen Musiker zum Künstler? Diese Frage haben wir uns anhand von RAF Cmora gestellt – einem Mann, der es in den letzten Jahren mit seiner Musik im deutschsprachigen Raum zu viel gebracht hat. Neben seiner Musik ist er seit kurzer Zeit Gründer des Modelabels Cørbo, zu dem er uns einige Fragen beantwortet hat.

Im gängigen Jargon werden Musiker heutzutage auch als Künstler bezeichnet. Doch um als Künstler akzeptiert zu werden, bedarf es weit mehr als in ein Mikrofon zu singen beziehungsweise zu rappen. Im Falle von RAF Camora haben wir weit mehr als nur einen Musiker auf der Bildfläche. Als Musiker weiß der gebürtige Schweizer schon seit den frühen 2000er Jahren zu begeistern. Seinen Durchbruch schaffte er Ende der 2000er Jahre mit seinem ersten Soloalbum „Nächster Stopp Zukunft“. Seither vergingen sieben Jahre, RAF Camora ist aus der Rapszene nicht mehr wegzudenken. Das aktuellste Release des in Wien aufgewachsenen Musikers ist „Ghøst“. Platz 6 wurde damit in den österreichischen Albumcharts erreicht. Das Album bietet eine breite Palette an Einflüssen aus den verschiedensten Genres. RAF Camora lässt sich somit in keine Schublade stecken. Damit alles zu 100 Prozent nach seinen Vorstellungen klingt, ist er selbst der Executive Producer seiner Alben und verleiht diesen den letzten Schliff. Begonnen hat das schon im Jahr 2006, als er zum ersten Mal für das Album „Skandal“ als Produzent angeführt wurde. Jedoch nicht nur bei seinen eigenen Platten produziert der mittlerweile in Berlin lebende Künstler.

RAF Camora hatte seine Rabenfeder (der Rabe ist sein Markenzeichen) schon bei anderen Musikern aufgezeigt. So zum Beispiel bei Joshi Mizu, Sierra Kidd und auch Pedaz. Nicht nur durch solche Tätigkeiten hat RAF Camora einen bleibenden Eindruck in der Rapszene hinterlassen. Er war auch einer der ersten Künstler, die sich getraut haben, einen anderen Sound zu etablieren. Mit seinem Ego „Camora“ hat er Trap-Einflüsse für Deutschrap wieder salonfähig gemacht. Mit seinem zweiten Ego „3.0“, das auch auf „Ghøst“ zu hören ist, bringt er eine Dancehall/Reggae-Mischung in die Ohren der Hörer. Das ist leider nichts Selbstverständliches heutzutage. Viele Musiker finden einen Sound für sich und bei dem bleiben sie auch. Selten findet künstlerische Entwicklung statt, sie treten auf der Stelle und liefern Jahr für Jahr Einheitsbrei ab. Ob das gewünscht ist, entscheiden letztendlich die Hörer. Um als Künstler akzeptiert zu werden, sollte man sich vor einer Entwicklung nicht verschließen, und das tut RAF Camora keinesfalls. Wenn man seine Outputs hernimmt, seien es EPs, Mixtapes oder Alben, klingt keines wie das vorherige. Ra der Lehra zeigt Jahr für Jahr eine neue Facette. Ein banales Beispiel dafür ist sein Markenzeichen: der Rabe. Am Anfang nur ein Vogel als Metapher für das Düstere, wurde er Anfang 2012 robotisiert, bis er heute im Jahr 2016 digitalisiert wurde. Das Design veränderte sich laufend und so geschieht das auch mit seiner Musik. So sehr man RAF Camora das Faible zum Designen schon damals angemerkt hat, jetzt kann man ihn offiziell als Designer bezeichnen: Er gründete Ende letzten Jahres sein Modelabel Cørbo. In den USA ist es keine Seltenheit, dass Musiker diesen Schritt wagen, im deutschsprachigen Raum ist er einer der Ersten. Auch das ist ein Puzzleteil, das RAF Camora noch mehr zum Künstler macht. Er wagt sich an Dinge, die andere aufgrund des Risikos scheuen. Doch es hat sich voll ausgezahlt: Cørbo kommt gut bei den Leuten an.

PARADOX: Was hat dich dazu bewogen, ein eigenes Modelabel zu gründen?

RAF Camora: Ich bin zwar keiner, der sich gerne auf Modemessen rumtreibt, aber ich sehe den Kleiderstil eines Künstlers als Teil des gesamten „Werkes”.

PARADOX: Was zeichnet die Marke Cørbo aus?

RAF Camora: Cørbo heißt auf Französisch „Rabe”, vereinfacht geschrieben. Außerdem steht es für Crows & Robots. Genau danach sieht es auch aus. Wie Urbane Street-Goth-Samurai Klamotten.

PARADOX: Welche Tätigkeiten hast du bei Cørbo? Entwirfst du die Klamotten selbst?

RAF Camora: Ich entwerfe sie zusammen mit den Designern und mache mir Gedanken über die Konzepte der Kollektionen. Da viel Herzblut drinnen steckt und ich die Marke als Teil meiner Identität sehe, versuche ich natürlich auch die Brücke zu bilden zwischen meiner Musik-Promo und den Releases der Kollektionen.

PARADOX: In den Videoauskopplungen zum Album „Ghøst“ präsentierst du Sachen der Marke Cørbo. Welche Rolle spielt Mode für dich in der Musikszene?

RAF Camora: Die Musikwelt hat sich geändert. Heutzutage musst du deine Kunst 360 Prozent leben und repräsentieren, dazu gehören deine Videos, Social Media und natürlich auch die Outfits, die du dort trägst.

PARADOX: Du bist Musiker, produzierst Songs für andere Künstler, hast ein Modelabel und mit Indipendenza eine Plattenfirma. Wie bringst du alles unter einen Hut?

RAF Camora: Ich arbeite 14 Stunden am Tag. Aber da es keine richtige Arbeti ist, sondern ich das wie ein Real Life Computerspiel sehe, das ich mit Leidenschaft spiele, sind meine Reserven noch sehr groß und ich freue mich auf die nächsten Levels.

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