Rock’n’Roll und Punk haben es der Wiener Band Reverend Backflash angetan und mit ihrem Sound beweisen sie, wie sich die beiden Elemente gekonnt miteinander verbinden lassen. In den mittlerweile 13 Jahren Bandgeschichte hat sich so einiges getan. Im Interview haben uns Jack Nasty und Captain Stevo, die Hälfte der vierköpfigen Band, verraten, was an ihrer neuen EP „Holy Shit“ anders ist und warum sich über die „rote“ Gitarre streiten lässt.

PARADOX: Ihr mixt Rock’n’Roll und Punk – warum gerade dieser Mix? Was fasziniert euch daran?

Jack: Am Anfang haben wir mit Metal und Bossa Nova experimentiert. Klang aber scheiße. Nein ernsthaft, it’s called Punkrock, it´s been out there for 40 years.

PARADOX: Bei euch sind sehr viele unterschiedliche Elemente vorhanden: Punk-, Power-Pop- und Country-Einflüsse. Diese Elemente sind auch in eurer neuesten EP „Holy Shit“, die im Jänner erschienen ist, vertreten. Was hat euch zu diesem Album inspiriert? Es ist doch anders als eure bisherigen Produktionen.

Stevo: Inspirieren lassen wir uns von den Dingen, die uns so im Leben passieren. Meistens Rotwein, Schnaps oder Bier, aber auch Sex, Kiffen und Koks. Und Arschlöcher.

Jack: Ich finde die neuen Songs gar nicht so anders als die alten, aber wir haben bei der neuen EP sowohl in einem anderen Studio aufgenommen als auch wo anders mixen lassen und das hat sich alles in allem ziemlich ausgezahlt. Liebe Grüße an dieser Stelle an Penzing Records und Toni Meloni.

PARADOX: Würdet ihr sagen, dass ihr euch in den vergangenen Jahren weiterentwickelt habt?

Stevo: Auf jeden Fall, wir sind viel getourt und haben als Musiker aber auch als Songwriter viel gelernt. Wäre ja traurig, wenn nicht.

PARADOX: Ihr habt uns bereits im Vorhinein verraten, dass ihr immer versucht, etwas Neues und immer etwas Anderes zu machen als die anderen. Ist euch das rückblickend gelungen?

Jack: Damit ist gemeint, dass wir nicht drauf schauen, was die Anderen machen oder welche Musik gerade „in” ist, sondern unser Ding durchziehen.

PARADOX: Auf der EP „Holy Shit“ ist der Song „Alright Alright“ zu finden. Dazu gibt es auch ein Video. Habt ihr da eure heimliche Liebe zum Glitter zum Ausdruck gebracht oder was ist euch da in den Sinn gekommen? Und was hat es mit der pinken Gitarre auf sich?

Jack: That’s Glamrock, baby. Siehe auch David Bowie, T-Rex oder New York Dolls.

Stevo: Die Gitarre ist rot!

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(c) Francisco Falcão

PARADOX: Als Zuseher bekommt man schon fast einen Drehwurm. Wie ist es euch selbst beim Dreh ergangen?

Jack: Gottseidank hat sich ja nur die Kamera gedreht und nicht wir. Insofern war das kein Problem.

Stevo: Allerdings gab‘s Schwierigkeiten mit dem goldenen Lametta. Wir haben erst einmal einen Tag gebraucht, um das Ganze an den Wänden zu befestigen. Als wir dann am nächsten Tag in der Früh drehen wollten, lag alles am Boden. Da haben wir gedacht, dass wir alles absagen müssen. Irgendwie haben wir‘s dann aber doch wieder drangekriegt. Außerdem ist das Material extrem leicht brennbar und die Scheinwerfer werden bei längerem Betrieb ziemlich heiß – wir hätten fast alles abgefackelt. „Wiener Rock’n’Roll-Band verbrennt sich selbst“ fand ich als Schlagzeile aber nicht so prickelnd. Glück gehabt.

PARADOX: Es handelt sich bei euch um Eigenproduktionen. Warum habt ihr den Entschluss gefasst, selbst zu produzieren?

Stevo: Wir legen einfach gerne selbst Hand an. Da weiß man, was man hat.

PARADOX: Ihr tourt gerade durch Österreich, Italien und so weiter. Habt ihr bis jetzt einen Favoriten?

Stevo: Ich bin gerne im Ausland, wo man mich nicht versteht.

Jack: Ich bin auch gerne in Ländern, wo man Stevo nicht versteht.

Stevo: In Italien ist das Essen besonders gut, dafür hat man kein Internet am Handy. In Ungarn sind die Frauen ziemlich hübsch. Internet gibt’s da aber auch nicht für uns. Schwierig.

PARADOX: Geht man sich nach dieser langen Zeit nicht schon einmal auf die Nerven? Euch gibt es ja schon über zehn Jahre…

Jack: Lustig, dass du fragst, wir sitzen gerade im Tourbus und streiten uns fürchterlich über die Antworten für dieses Interview.

Stevo: Aber wir fetzen uns eigentlich schon seit wir uns kennen, das gehört wohl irgendwie dazu. Spontane Mordversuche im Proberaum sind durchaus an der Tagesordnung.

PARADOX: Vielleicht könnt ihr uns und anderen Bands Tipps geben, wie man es so lange miteinander aushält?

Jack: Wie in jeder Beziehung sind gegenseitiges Verständnis, Wertschätzung und regelmäßiger Geschlechtsverkehr das Um und Auf für ein harmonisches Miteinander.

Stevo: Bier und Ohropax.

PARADOX: Würdet ihr uns noch verraten, wie es eurer Vorstellung nach mit euch weitergehen soll? Was erwartet ihr noch?

Stevo: Wir werden dieses Jahr wieder viel live spielen und die Platte promoten. Außerdem haben wir zwei bis drei neue Party-Rock-Songs. Ich sag’ mal, wenn wir so weitermachen, sind wir Ende des Jahres wieder im Studio – oder im Krankenhaus.

PARADOX: Was möchtet ihr noch gerne machen? Vielleicht in Bezug auf Musikvideos?

Stevo: (sieht aus dem Fenster) Irgendwas mit Kühen. Oder Autobahnen.

Jack: Gottseidank haben wir noch zwei Videos für „Crazy Love“ und „Burning Down“, die wir in den nächsten Monaten rausschießen werden, und sind nicht auf Stevos Ideen angewiesen.

PARADOX: Könntet ihr euch noch weitere Einflüsse, außer Country, Pop, Rock’n’Roll, vorstellen?

Jack: Vegetarian Progressive Grindcore.

Stevo: Stonehenge?

Jack: Sicher nicht.

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