Vor ein paar Tagen hat die R’n’BRASS BAND ihr erstes Musikvideo veröffentlicht. Wir waren bei Bandleader und Bassisten Lukas Rappitsch zu Besuch, um herauszufinden was hinter der elfköpfigen Formation aus Wien steckt.

Die rein aus Wiener Musikstudenten bestehende R’n’Brass Band gibt es seit Frühjahr 2015. Mit ihrer Musik wandern sie ein wenig in den Spuren von Formationen wie der Youngblood Brass Band und diesen Sommer haben sie mit einigen Guerilla Gigs in den Städten Österreichs auf sich aufmerksam gemacht. Grund genug, um Bandleader Lukas Rappitsch einen Besuch abzustatten.

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Lukas Rappitsch (c) Phillipp Annerer

music-news.at:Hallo, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Was kann man sich jetzt also unter der R’N’Brass Band vorstellen? Wie würdet ihr Leuten, die euch noch nie vorher gehört haben, erklären welche Musik ihr macht?

Lukas:Wir sind eine bunte Mischung aus Hip Hop, Reggae, Dub, diesem ganzen modernen R’N’B Zeugs und Jazz. Und zwar diesem New Orleans Jazz und den Marching Bands. Unser Leitspruch heißt: „Wir packen Hip Hop auf Jazz, vermischen Rhythm mit Brass“. Weil wir sind nicht nur eine Brass Band, wie es schon viele gibt, sondern wir packen dieses Konzept einer Brass Band auf eine Live Hip Hop Band bei der wirklich auch die Bläser im Vordergrund stehen und haben zusätzlich einen MC vorne, der seine Texte dahinlabbert. Spaß und Spannung sind also garantiert, würde ich sagen. Und in musikalischen Stilbezeichnungen lehnen wir uns an Vorbildern, wie die Young Blood Brass Band oder Moop Mama, an und nennen das ganze Riot Jazz oder Urban Brass.

music-news.at:Wie läuft das Songwriting bei euch ab? Ist das die Rolle eines Einzelnen oder ist das eher ein kollektiver Prozess?

Lukas:Das Songwritting ist meine Arbeit, das ist mein Beitrag für die Band. Da sitz ich vorm Computer oder vorm Klavier und schreib auf was mir in den Sinn kommt. Beim Arrangieren bin ich zum Glück nicht ganz auf mich allein gestellt, sondern hab hier und da mal coole Hilfestellungen. Ganz besonders von Bernhard Maurer, den ich hier jetzt auch vielleicht erwähnen darf. Ein großartiger Komponist, der mir hier und da mal über die Schulter schaut und mir gute Tipps gibt. Größtenteils ist es aber Einzelarbeit.

music-news.at:Das heißt also, dass er euch hilft, aber kein fixes Bandmitglied ist?

Lukas:Wir haben Bernhard als „zwölftes Bandmitglied“. Er macht wahnsinnig viel für uns und ich bin ihm sehr dankbar für seine Arbeit. Er hilft uns bei Buchungsfragen, schaut hier und da mal über die Arrangements, macht die ganze Fotoarbeit und hilft uns bei der Promotion.

music-news.at:Wie schaffst du es eigentlich alle Bandmitglieder zu den Proben zusammenzutrommeln? Kann man bei elf Leuten noch von einer Band reden, oder fühlt sich das schon mehr wie eine Firma an?

Lukas:Es fühlt sich auf jeden Fall wie eine Band an, manchmal vielleicht wie ein Ensemble. Wir sind aber alle sehr gute Freunde und hängen nicht zusammen ab, weil wir Musiker sind, sondern hauptsächlich, weil wir Freunde sind, das ist dann natürlich ganz was Anderes. Die Probearbeit ist geteilt in Rythm Section Proben, wo wir nur als Hip Hop Band arbeiten und große Proben, die gibt’s gar nicht so oft wie man denkt. Es ist auch nicht so schwer, man muss halt weit im Voraus planen. Meistens muss ich es schon zwei Wochen vorher ausschreiben bis eine Probe zusammenkommt.

music-news.at:Im Sommer habt ihr ja schon mit einigen Straßengigs, wie zum Beispiel den beim Museumsquartier in Wien, auf euch aufmerksam gemacht. Wo konnte man euch sonst noch bewundern und wie ist es so als elfköpfige Band auf Tour zu sein?

Lukas:Nicht gut für die Umwelt auf jeden Fall. Wir sind mit drei Autos zu den Gigs gefahren und gerade diese Straßentouren waren wahnsinnig viel Bürokratiearbeit, weil man braucht für alles eine Genehmigung, obwohl es dann aussieht wie ein Flashmob. Wir haben für die Zukunft schon einige Gigs in Aussicht. Gerade durch diese Straßenauftritte, die uns von Linz bis in die Steiermark führten, haben wir tolle Konzerte angeboten bekommen. Man kann uns nächstes Jahr beispielsweise am Donauinselfest und auf anderen Festivals sehen.

music-news.at:Ihr habt ja gerade erst das Musikvideo zu „Bass auf“ veröffentlicht. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Und wie war es so das Ding in den Kasten zu bekommen?

Lukas:Mit dem Ergebnis bin ich wahnsinnig zufrieden. Es war eine total lustige Produktion. Bernhard Maurer hat hier wieder reife Arbeit geleistet. Im Prinzip war es eine Nacht und Nebel Aktion. Wir haben gesagt: „Ja okay cool, wir brauchen irgendwas, um zu zeigen was wir machen, bevor wir zum ersten Mal auf die Bühne gehen“. Und so haben wir eine Kamera gechekt und sind durch Wien gegangen und haben das Video gedreht. Zum Beispiel hier auf meinem Dach, was natürlich ganz lustig ist, weil es viel größer aussieht, als es eigentlich ist. In der Stadt haben wir nach langer Suche auch Plätze gefunden, die aussehen als wäre es ein kleines Dorf, und wo um vier Uhr am Sonntag Nachmittag niemand auf der Straße war.

music-news.at:Gleichzeitig habt ihr die darauffolgende EP angekündigt. Wann wird die rauskommen? Wird euch da ein Label behilflich sein, oder werdet ihr euch weiterhin versuchen euch selbst zu vermarkten?

Lukas:Wir wären natürlich nicht undankbar, wenn wir einen Partner finden der uns bei Veröffentlichungen und anderen Sachen unterstützt, sind aber nicht darauf angewiesen. Wir sind immerhin zu elft und können dadurch die ganze Arbeit, auch das Management, gut aufteilen, weil alle mithelfen und mitarbeiten. Die CD wird ganz sicher noch dieses Jahr herauskommen. Die Stückzahl ist eben davon abhängig, ob wir jemanden finden, der sie uns vertreibt, oder ob wir uns selber drum kümmern müssen.

music-news.at:Wo wird diese CD dann erhältlich sein?

Lukas:Wenn wir es selber machen, dann hauptsächlich bei uns. Das wir natürlich dementsprechend schwieriger, aber wir haben einen Online-Store eingerichtet. Wenn wir ein Label finden, das gute Konditionen bietet, werden wir sehen wie es sich entwickelt und wo sie dann überall aufliegt.

music-news.at:Euren ersten Auftritt auf einer richtigen Bühne habt ihr ja erst kürzlich in der ((Szene)) hinter euch gebracht. Wie war’s?

Lukas:Sehr lustig. Ein langer Abend mit vielen tollen Überraschungen. Es war ein bisschen im geschützten Raum, also eine getarnte Veranstaltung der Universität. Unsere Show dauert derzeit eine Dreiviertelstunde und die Leute hatten schon ab der ersten Minute sehr viel Spaß mit uns und wir natürlich auch.

music-news.at:Wie sieht’s mit Auftritten in der Zukunft aus? Ist da schon was geplant?

Lukas:Ja einiges! Da wir musikalisch nicht nur Hip Hopper oder die breite Popmasse ansprechen, sondern vom Jazzhörer bis hin zum Blassmusikfan viele Nischen ansprechen können, gibt es viele Veranstaltungen in die wir hineinpassen. Von Bällen, über herkömmliche Gigs bis hin zu Festivals, wo einfach nur die Stimmung zählt. Bei einigen haben wir bereits die Zusage und bei dem einen oder anderen werden wir sicher auch noch antanzen. Natürlich waren die Straßenkonzerte keine einmalige Promoaktion, sondern ein Ausdruck dafür, dass wir Musik und Kultur nicht über die Leute, sondern unter sie bringen wollen!

music-news.at:Danke fürs Interview und noch viel Erfolg.

Lukas:Dankeschön.

Gruppenfoto-Stiege

R’n’BRASS BAND (c) Bernhard Maurer

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