Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens erzählen uns die steirischen Death Metaller von ihren Lieblingsfestivals, ihrem ersten Konzert und Wörterbüchern.

Mitten in den Neunzigern, im Jahr 1995, um genau zu sein, trafen sich ein paar Jungs zufällig beim Fortgehen und kamen sogleich ins Gespräch. Alle waren sie damals schon aktive Musiker in der Metalszene. Man vereinbarte also ein Treffen, musizierte ein wenig gemeinsam und schon war es passiert – die Metal Band Scarecrow ward gegründet. Nach diversen Line-Up-Wechseln und Stilveränderungen „vom Death Metal, über sphärischen Techno Metal, weiter zu Viking und Bombast“ wurde das bescheidene N.W.A., eine Abkürzung für „New World Annihilation“, hinzugefügt. Da ist das 20-jährige Jubiläum ein guter Grund, um gemeinsam mit Sänger Bernd sowie mit Lead-Gitarristen und Gründungsmitglied Alex in die Vergangenheit zu reisen und auch gleich einen kleinen Blick in die Zukunft zu riskieren.

www.music-news.at: Erzählt doch mal… Wo habt ihr vor, euer 20-jähriges Bestehen zu feiern?

Alex: Speziell werden wir das nur in Graz feiern, im Wakuum. Dort ist man stets willkommen und die Leute sind super nett. Auch unser letztes Video zum Song „At Dead of Night“ ist dort entstanden. Dort fühlt man sich einfach wohl und familiär. Die haben uns verdient (lacht). Ansonsten feiern wir unseren 20er bei jedem Auftritt auf die eine oder andere Art.
Bernd: Am Kaltenbach Open Air beginnt die Party und endet … ja, enden wird sie auch irgendwann.

www.music-news.at: Was kommt euch denn in den Sinn, wenn ihr an die letzten 20 Jahre denkt?

Alex: Die sind sehr verschwommen (lacht). Nein, es ist/war eine wunderbare Zeit, die ich nicht missen möchte. Man lernt so viele nette Menschen kennen. Man kommt mit Musikern, die man verehrt, fast freundschaftlich ins Plaudern. Die Konzerte, neue Locations, … es sind schon sehr schöne Jahre. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, aber an die erinnert man sich nach einiger Zeit nicht mehr so genau.
Bernd: Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die, als vor knapp 15 Jahren so ein großgewachsener, finster dreinblickender Metaller auf mich zukam und mich fragte, ob ich bei ihnen singen will.

www.music-news.at: Was waren die bisherige Highlights eures Bestehens?

Alex: In den Jahren hat man durchaus die Gelegenheit, mit Größen aus dem Musikbiz die Bühne zu teilen. Am Rock in Allhau waren da zum Beispiel Bands wie Manowar, Overkill, Labyrinth. Später dann kam der Support-Slot bei Within Temptation im ausverkauften Orpheum Graz. Aber auch die Festivals Kaltenbach Open Air, Summernights, Metalfest und viele andere waren nennenswerte Highlights.
Bernd: Ein weiteres Highlight war sicher unsere knapp zweieinhalbstündige Show zum Release von unserem Album „Transgression“ im prallgefüllten und gefühlt 50°C heißen Wakuum … das trennt die Spreu vom Weizen. (lacht)

www.music-news.at: Gibt es eine Band, mit der ihr gerne einmal die Bühne teilen würdet, es bisher aber noch nicht getan habt?

Alex: Nachdem das mit Dream Theater nichts werden wird, würden mir Arch Enemy, Symphony X und einige andere durchaus zusagen.
Bernd: Ich teile meine Bühne nicht gern. (grinst)

www.music-news.at: Auf welchem Festival habt ihr am liebsten gespielt und auf welchem würdet ihr gerne mal spielen?

Alex: Mir gefiel es am Kaltenbach Open Air immer sehr gut. Die Location ist super, das Publikum fast familiär und man wird als Band ausgesprochen gut behandelt. Dort macht es mir am meisten Spaß und ich hoffe, dass es auch heuer so sein wird. Ich hätte in den 90ern gerne auf einem Dynamo Fest in Holland gespielt. Aktuell gibt´s ja nicht mehr so viele Festivals bei uns in Österreich und wenn doch, spielen dort immer die gleichen Bands, nach denen kein Hahn mehr kräht.
Bernd: Ja das Kaltenbach Open Air ist definitiv DAS Festival für mich … Spielen würde ich gerne mal am Tuska Festival in Helsinki beziehungsweise auf einem anderen Festival in Finnland oder Skandinavien. Und ein Slot beim 70000 Tons of Metal hätte sicher auch was…

Scarecrow NWA Transgression

Auch das Release vom Album „Transgression“ wurde im club wakuum gefeiert.

www.music-news.at: Reisen wir doch zu euren Anfängen zurück… Wo war euer erstes Konzert und wie war es?

Alex: Das erste Konzert war, ohne unser Wissen, ein Bandwettbewerb in Bärnbach (Steiermark). Wir hatten gerade mal drei Songs fertig und sind nichtsahnend zur Location gefahren. Dort wurden wir ob des Wettbewerbs informiert. Wir dachten zuerst: „Na toll, das wird was werden…“, aber es wurde tatsächlich was, nämlich der erste Platz in der Vorrunde des damals „ABC“ genannten Bandwettbewerbs. Der Sieg in der Vorrunde brachte uns dann gleich ins Finale, welches im Planet Music in Wien stattfand und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

www.music-news.at: Was zeichnet eure Live-Auftritte aus?

Alex: Wir spielen live immer volles Programm; soll heißen, dass es für uns keinen Unterschied macht, ob wir vor drei oder tausend Leuten spielen. Alle, die uns die Ehre geben, sollen das Beste erhalten und das bekommen sie auch.
Bernd: So ist es. Und es ist jedes Konzert für sich einzigartig, weil wir uns immer weiterentwickeln. Also sollte man am besten keines verpassen.

www.music-news.at: Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Alex: Wir haben im Wörterbuch geschmökert und sind bei Scarecrow hängen geblieben. Der Name klang für uns gut und passend.
Bernd: Das N.W.A. kam dann später dazu, weil wir uns verändert hatten, aber umbenennen zu mühsam gewesen wäre. Da wollten wir das so zum Ausdruck bringen.

www.music-news.at: Wie funktioniert bei euch der Songwriting-Prozess? Wer schreibt die Lyrics, wer die Riffs?

Alex: Zum Songwriting gibt es gar nicht so viel zu sagen. Meist hat einer ein Riff ausgearbeitet oder einen plötzlichen Geistesblitz und dann wird aus dem Riff ein Song gemacht. Die meisten Songs entstehen beim freien Proben, würde ich sagen.
Bernd: Also bei all seiner Bescheidenheit möchte ich den Alex doch als Hauptsongwriter bezeichnen. Die Texte stammen von mir und kommen meist erst am Ende eines Songs dazu. In den Texten geht es dann, vereinfacht gesagt, um aktuelle Probleme und Ereignisse, die ich gerne in Geschichten verpacke beziehungsweise metaphorisch beschreibe. Beim Album „Ishmael“ war das anhand der „Moby Dick“-Story und auf „Transgression“ ging es im Großen und Ganzen um das Böse in uns.

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www.music-news.at: Auf eurer Homepage bezeichnet ihr euren Stil als „powerful Deathmetal with strong Melodic – and Black Metal influence“. Was zeichnet euch in dieser Hinsicht besonders aus?

Alex: Ja, unseren Stil zu beschreiben, ist recht schwierig. Waren die Einflüsse zu Beginn eher Iron Maiden, Sepultura oder Pantera bis hin zu Rhapsody und COF, sind es heute eher die progressiven Metal Bands wie Dream Theater, Symphony X und natürlich diverse Death Metal Größen. Mir ist wichtig, dass die Songs ein gewisses Maß an Anspruch beinhalten und auch die Melodie darf nicht zu kurz kommen. Alles andere ergibt sich von selbst.
Bernd: Ich hab den Stil ja mal als „Advanced Deathmetal Art“ bezeichnet, weil es eine Kunst ist, alle unsere Ideen unter einen Hut zu bringen und meist kommt etwas Death Metal-artiges dabei raus (grinst). Aber ich bin sowieso kein Freund vom „Abschubladisieren“ …

www.music-news.at: Jetzt einmal ganz etwas Anderes … Was macht ihr eigentlich außerhalb der Band?

Alex: Wir sind alle berufstätig, haben Familien und ein mehr oder weniger geregeltes Leben. So wie man sich den Metaller von heute vorstellt.

www.music-news.at:Was steht in naher Zukunft an und was steht für weitere 20 Jahre an?

Alex: Nach einer kurzen Schaffenspause starten wir wieder mit live Auftritten: im August am Kaltenbach Open Air, später im Herbst dann in Graz und Wien. Aktuell sind wir auch wieder am Song-Schreiben, sprich, wir planen ein neues Release; wann und in welcher Form können wir heute aber noch nicht sagen.

www.music-news.at: Und noch eine Frage zum Abschluss: Was wünscht ihr euch für die Zukunft der Metalszene?

Alex: Man möge die Zeit doch bitte nicht dauernd vor dem Bildschirm verbringen, sondern lieber in stickige, verrauchte Kellerlöcher gehen und sich die Bands ansehen, die versuchen, ihr Bestes zu geben und die Szene aufrecht halten. Wenn das wieder mehr Zuspruch findet, denke ich, werden auch wieder große Acts, abseits von AC/DC und Metallica, in Österreich zu sehen sein.
Bernd: Es gibt bei uns einige tolle Idealisten, wie die Jungs rund ums Kaltenbach Open Air oder den Nino mit seinen Black Death Events. Diese Leute haben es verdient, dass man sie unterstützt. Aber bei uns rennt man ja lieber auf diverse Abzockfestivals an ’nem verdreckten See, um sich dann über dieses und jenes zu beschweren, als den eigenen Leuten eine Chance zu geben. Und ich würde mir wünschen, dass die Bands (junge wie alte) sich mehr auf sich besinnen und mehr Stolz haben. Dann werden solche Sachen wie Pay to Play oder Votings bald Geschichte sein.
Alex und Bernd: Und euch sagen wir danke fürs Interesse und an unsere Fans auch ein großes Danke für den Support und so … Cheers!

Credits: Anna Grivas

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