Wie ergeht es eigentlich einem Tyrannen? Im Falle der Wiener Sic Semper Tyrannis wohl ziemlich gut.

Die Band aus unserer Hauptstadt hat im Dezember ihr Debüt „World Ablaze“ veröffentlicht, machte sich in und um Wien bereits einen Namen und hat für die nahe Zukunft einiges vor.

HOCHPOLITISCHER MELODIC METAL

Vor etwas über vier Jahren wurde Sic Semper Tyrannis von den beiden Gitarristen Lukas Edtmayer und Alexander Soecknick – der auch als Frontmann fungiert – als Nebenprojekt ins Leben gerufen. Nachdem ihm erste Demos untergekommen waren, begann Daniel Pirker das Projekt zu unterstützen und stieg schließlich als fixer Schlagzeuger ein. Bassist Florian Gabriel komplettierte das Line
Up 2013 und aus dem anfänglichen Nebenprojekt wurde schließlich eine richtige Band. Ihren klingenden Namen hat das Quartett der Schulbildung von Alexander Soecknick zu verdanken. „Ich habe in der Schule Altgriechisch und Latein gelernt und mir zu beiden Sprachen eine große Vorliebe erhalten. Frei aus dem Latein übersetzt heißt Sic Semper Tyrannis ‚Das ist das Schicksal eines jeden Tyrannen'“, erläutert er. Im Juni, nachdem die Bandaufstellung komplett war, wurde das erste Demo veröffentlicht und die junge Band begann, auch live aufzutreten. Mithilfe ihres eingängigen Melodic MetalSounds und im Vorprogramm von Bands wie Dreaded Downfall oder Close Your Eyes konnten sie rasch erste Fanherzen erobern. Kurz darauf hatten die vier bereits den Status „vielversprechender heimischer Metal-Act“ inne und veröffentlichten im darauffolgenden Jahr ihre erste LP. Dass das Thema Tyrannei nicht nur bei ihrem Bandnamen, sondern auch lyrisch eine tragende Rolle spielt, kristallisiert sich schnell heraus. „Auch, wenn wir uns mit der Band prinzipiell nicht zu politischen Themen äußern wollen, sind die Texte im Grunde hochpolitisch. Grundsätzlich nutze ich das Schreiben von Texten als Ventil für meinen Ärger über gewisse politische Strömungen in unserem Land oder über den sorglosen Umgang mit der Umwelt. Dementsprechend sind die Texte eigentlich sehr persönlich und lassen viel Spielraum für Interpretation“, erklärt Alexander Soecknick. Musikalische Einflüsse und Inspirationen kommen von mehreren Seiten. Das Zusammenspiel von Melodie und Harmonie wurde schon immer bevorzugt. Nachdem erste Experimente im Heavy Metal-Bereich eher unbefriedigend verliefen und Schlagzeuger Daniel dazustieß, kamen Thrash Metal-Einflüsse hinzu und Alexander Soecknick entdeckte seine Vorliebe für Mehrstimmigkeit wieder. Durch Gitarrist Lukas‘ und Bassist Flos Einflüsse aus dem Melodic Death Metal-Bereich der alten Göteborger Schule á la In Flames fanden Sic Semper Tyrannis schließlich ihre ideale Nische: Melodic Metal. Dass dieser Stil sie auch in den nächsten Jahren noch begleiten wird, ist zwar fix, Weiterentwicklung ist aber genauso ein wichtiges Thema. „Ich finde es schön, regelmäßig zurückzublicken und zu sehen, wie man sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Man freut sich über jeden Ton, den man vor ein paar Monaten noch nicht so leicht gesungen hat, aber auch über das stetige Zusammenwachsen beim Musizieren – live sowie im Proberaum“, erzählt Soecknick. Mit „World Ablaze“ erschien im vergangenen Dezember schließlich ihr Debütalbum, das die Band in Eigenregie aufgenommen hat.

DIE ZUKUNFT DER TYRANNEN

Dass sich Hobby und Beruf ab einem gewissen Grad nicht immer optimal verbinden lassen, mussten Sic Semper Tyrannis im Jänner am eigenen Leib erfahren. Gründungsmitglied und Gitarrist Edtmayer musste die Band verlassen. Ein würdiger Ersatz wurde in Dominic Grünanger gefunden, der der Band – egal ob als Gitarrist, Bassist, Roadie oder Tontechniker – schon in einigen Belangen zur Seite stand und außerdem bei Halo Creation und Chaos Remains tätig ist. In den nächsten Wochen und Monaten gilt es also, Grünanger Zeit zum Erlernen der Songs zu geben und für ein sauberes Zusammenspiel zu sorgen. Trotz bandinterner Änderungen und dem erst kürzlich veröffentlichten Album will sich die Band aber keinesfalls eine kreative Pause gönnen. Tatsächlich wurde bereits Anfang des Jahres wieder an neuem Material gearbeitet.
„Im Laufe des Jahres wollen wir noch ein bis zwei Videos zu unserem Album machen. Sonst konzentrieren wir uns speziell aufs Songwriting und wollen nach Möglichkeit bald eine weitere CD releasen, diesmal eine EP. Details dazu folgen natürlich noch, aber ich bin schon sehr zufrieden mit den aktuellen Konzepten“, erzählt Sänger Alexander Soecknick. Obwohl sie in den nächsten Monaten noch viel vorhaben, betrachten Sic Semper Tyrannis den Traum vom Rockstarleben eher nüchtern. „Bandintern reden wir immer von einem ‚professionellen Hobby‘. Wir sind alle berufstätig oder studieren noch. Wir wollen einfach Spaß haben und so professionell wie möglich auftreten, sehen die Musik aber vorwiegend als Hobby an. Es gibt für uns nichts Schöneres als zu merken, dass das, was man gerne macht, auch den Leuten gefällt. Das ist uns Lohn genug.“ Man darf also gespannt sein, was da noch auf uns zukommt, denn eines ist gewiss: Die Zukunft mag vielleicht nicht den Tyrannen gehören, dafür aber mit Sicherheit den vier Wienern von Sic Semper Tyrannis.

[Ein Text von Angelika Oberhofer]

[Dieser Artikel erschien im Sommer 2017 in PARADOX #05]

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.