Am 10.September feierte das Wiener Neustädter Jugend- und Kulturhaus Triebwerk sein 20-jähriges Jubiläum im Rahmen des Schlachthof Open-Airs.

Mit Punk Rock, Grunge, Heavy Metal, New Wave und Kabarett wurde dem Wiener Neustädter Publikum am Schlachthof Open-Air ein bunter Mix an heimischem Kulturgut geboten.

Conrad Heszler©Mathias Schranz/NÖN

Conrad Heszler©Mathias Schranz/NÖN

Rund 800 Besucherinnen und Besucher feierten mit Per Three, Leberzerroze, Aivery, Roadwolf, Astpai, Totgeglaubt, Drescher, maschek., den Bloodsucking Zombies From Outer Space und Turbobier – zumindest fast.
Triebwerk-Chef Conrad Heßler, gewährt music-news.at einen Blick in die Organisation des Open-Airs und berichtet über seine persönlichen Highlights des Geburtstagsfests.

music-news.at: 20 Jahre Triebwerk – gratuliere zum Jubiläum!
Conrad Heßler: Danke schön.

music-news.at: Von welchen Bands wurde das Triebwerk denn bisher so bespielt?
Heßler: Hauptsächlich von jungen, unbekannten Bands aus der Wiener Neustädter Gegend, die endlich mal auf die Bühne müssen.

Per Three©Mathias Schranz/NÖN

Per Three©Mathias Schranz/NÖN

Es waren aber auch ein paar Bekanntere, wie Kreisky, Kettcar oder Terrorgruppe dabei. Kurz vor ihrem Durchbruch hatten wir auch Bilderbuch auf unserer Bühne.
Genauso sind aber auch einige der jungen, regionalen Bands mittlerweile schon zu altbekannten Bands geworden – und ein paar davon haben wir auch zum Schlachthof Open-Air eingeladen.

music-news.at: Seit dem Schlachthof Open-Air sind ja nun schon ein paar Tage vergangen – wie fühlt sich das im Nachhinein an?
Heßler: Also das Putzen haben wir zumindest mal erledigt.
Wir haben über 600 Karten verkauft – mit den Acts und der kompletten Crew sind wir so insgesamt auf ungefähr 800 Leute gekommen. Jetzt im Nachhinein haben wir noch recht viel aufzuarbeiten, aber langsam tritt Entspannung ein.

music-news.at: Hat alles nach Ablauf geklappt?
Heßler: Im Großen und Ganzen: ja. Turbobier mussten wegen eines Stromausfalls leider nach der ersten Nummer abbrechen – das war der große Wermutstropfen eines sonst ziemlich genialen Open-Airs.

„Diesmal wollten wir das Open-Air direkt vor unserer Haustüre machen“

Schlachthof Open-Air 2016©Mathias Schranz /NÖN

Schlachthof Open-Air 2016©Mathias Schranz /NÖN

music-news.at: Wie lange hat es gedauert, ein Open-Air in dieser Größe auf die Beine zu stellen?
Heßler: Darüber nachgedacht haben wir natürlich schon ziemlich lange, da wir ja wussten, dass unser 20.Geburtstag vor der Türe steht. Gedanklich haben wir uns sicher über ein Jahr damit beschäftigt – da war die Idee relativ naheliegend, dass wir zu unserem 20.Geburtstag, wie auch schon zu unserem 15.Geburtstag, ein Open-Air machen wollen. Doch diesmal wollten wir es eben direkt vor unserer Haustüre machen und den alten Wiener Neustädter Schlachthof, auf dem das Triebwerk beheimatet ist, als einmalige Location nutzen. Anfang des Jahres haben wir mit dem Booking begonnen, weil die Bands – die ja teilweise auch international bekannte Acts sind – ihr Tourjahr planen müssen.

music-news.at: Wie ist es als non-profit orientierte Organisation möglich, ein derartiges Geburtstags Open-Air zu organisieren und auch zu bezahlen?

Leberzerroze©Andreas Graf

Leberzerroze©Andreas Graf

Heßler: Es ist so, dass wir für unser 20 Jahre Jubiläum eine Sonderförderung vom Land Niederösterreich bekommen haben. Den Rest den man braucht, um eine derartige Veranstaltung auf die Beine zu stellen, ist – meiner Meinung nach – gutes Netzwerken. Einige der Acts sind im Triebwerk ja teilweise groß geworden und uns daher durchaus verbunden – aufgrund der momentan schwierigen Situation des Triebwerks, haben sie sich da solidarisch gezeigt.
Auch was die Infrastruktur anging, bekamen wir viel Unterstützung und konnten viel sparen. Und wir haben natürlich ein Ehrenamtlichen-Team, das mit ganz viel Engagement bei unseren Veranstaltungen mitarbeitet.
Der Rest ist dann 20 Jahre Know-How, das wir genutzt haben. Wir hatten bisher noch nie so ein großes Open-Air – dass es so ein großer Erfolg wird, war zwar geplant, hat uns aber letztendlich doch überrascht.

music-news.at: Nach welchen Kriterien wurden die Bands für das Schlachthof Open-Air denn ausgewählt?
Heßler: Alle Bands haben einen Bezug zum Triebwerk und zu Wiener Neustadt.
Die jungen Bands aus der Gegend, wie Per Three oder Leberzerroze, die das Open-Air eröffnet haben, stehen gerade in den Startlöchern und probieren sich auf Österreichs Bühnen aus. Sie haben sich enorm über die Möglichkeit gefreut, auf unserem Open-Air zu spielen.
Aivery zum Beispiel, haben sich im Jahr 2012 am Girls Rock Camp im Triebwerk zusammengefunden.
Roadwolf – eine für uns vielversprechende Band aus Wiener Neustadt, die bereits am Wacken Open-Air gespielt hat – mussten wir mit ihrem klassischen Heavy Rock natürlich auch auf der Bühne haben.

Roadwolf©Mathias Schranz/NÖN

Roadwolf©Mathias Schranz/NÖN

Wir wollten musikalische Vielfalt und einen Mix an Acts präsentieren: Also von Punk Rock bis Grunge und Heavy Metal. Ich weiß gar nicht, ob so ein wilder Mix, wie wir ihn hatten, bei anderen Festivals funktionieren würde – aber es war eine runde Sache.

maschek.©Mathias Schranz/NÖN

maschek.©Mathias Schranz/NÖN

Robert Stachel von maschek. ist ursprünglich selbst aus Wiener Neustadt und hatte die Idee, das Triebwerk mit einem Solo-Auftritt zu unterstützen.
Auch große Bands wie Drescher haben ein Naheverhältnis zu uns – der Gitarrist Gernot Engel supportet das Triebwerk seit mehreren Jahren als Mäzen.
Die Bloodsucking Zombies From Outer Space hatten vor 15 Jahren tatsächlich ihren ersten Gig im Triebwerk und Sänger und Schlagzeuger Dead „Richy“ Gein hat früher auch im Triebwerk gearbeitet.
Die Musiker von Turbobier kennen unser Jugend- und Kulturhaus nun auch schon seit mehreren Jahren aus anderen Bandprojekten.
Totgeglaubt sind Urgesteine der Wiener Neustädter Musikszene der Achtziger.
Tja und Astpai sind im Triebwerk groß geworden und waren beziehungsweise sind Teil unseres Triebwerk Ehrenamtlichen-Teams.

ASTPAI©Mathias Schranz/NÖN

ASTPAI©Mathias Schranz/NÖN

music-news.at: Wie war die Resonanz der Bands?
Heßler: Die war großartig. Die Bands haben sich sehr gefreut und auch wirklich geschaut, dass sie sich den Termin für das Open-Air freischaufeln können.
Vor allem die Heimspiele der Bands waren toll – normalerweise haben wir bei uns im Club Platz für 100 Leute – jetzt konnten wir den Acts einmal ein Publikum von 800 Leuten bieten. Turbobier fanden es natürlich schade, dass sie nur eine Nummer spielen konnte, doch der Stromausfall war leider nicht mehr behebbar.

Turbobier©Andreas Graf

Turbobier©Andreas Graf

music-news.at: Wie war die Resonanz der Besucherinnen und Besucher?
Heßler: Ich hatte den Eindruck, dass die Besucher vor allem von der Location und der Professionalität des Open-Airs überrascht waren.
Wir hatten Foodtrucks, eine lange Getränke Bar und der lokale Fernsehsender hat uns ein komplettes Team mit Equipment für Live-Schnitt, inklusive Bildschirme zur Verfügung gestellt, auf denen die Shows live am Gelände übertragen wurden.
Abgesehen davon, hab’ ich auch sehr positives Feedback zu den Acts gehört.
Dass Turbobier abbrechen mussten, war natürlich für alle Fans bedauerlich, Beschwerden gab es deswegen jedoch kaum.

„Ein brennendes Kreuz, eine Hexe und ein Werwolf – was will man mehr?“

Bloodsucking Zombies From Outer Space©Mathias Schranz/NÖN

Bloodsucking Zombies From Outer Space©Mathias Schranz/NÖN

music-news.at: Welche Highlights gab es am Schlachthof Open-Air und wer war dein Lieblings-Act des Tages?
Heßler: Mir ist es immer wichtig, dass auch die unbekannteren Acts ihre Zeit und ihren Raum bekommen. Denn so beginnt es eben einfach mal für junge Bands. Was das Open-Air auch besonders gemacht hat war die Kabarett-Einlage von maschek.
Mein persönliches Highlight waren die Bloodsucking Zombies From Outer Space. Die haben eine Heim-Show hingelegt, von der ich jetzt noch Gänsehaut bekomm’, wenn ich daran denk’. Ein brennendes Kreuz, eine Hexe und ein Werwolf live auf der Bühne – was will man mehr?

music-news.at: Was unterscheidet das Schlachthof Open-Air von anderen Veranstaltungen in Wiener Neustadt, beispielsweise im Vergleich zum City Festival?

SOA16©Mathias Schranz/NÖN

SOA16©Mathias Schranz/NÖN

Heßler: Ich find’, dass man das nicht wirklich vergleichen kann. Das Schlachthof Open-Air konnte jetzt auch nur so stattfinden, weil wir – also das Triebwerk – eine lange Vorgeschichte haben. Die Beziehungen zu den Bands sind über viele Jahre gewachsen und der Anlass war eben auch ein besonderer: ein 20-jähriges Jubiläum feiert man eben nicht alle Tage.
Was das Open-Air auch noch mal besonders macht, ist das Team, das sich auch sonst ehrenamtlich im Triebwerk engagiert und mit persönlichem Interesse dahintersteht.
Ich persönlich würde mich nicht trauen, ohne diesem Hintergrund eine Veranstaltung wie beispielsweise das City Festival auf die Beine zu stellen. Leider hat diese Veranstaltung auch nicht funktioniert – das ist schade, denn eigentlich könnte Wiener Neustadt mehr solcher Veranstaltungen vertragen.

music-news.at: Findest du es wichtig, dass derartige Veranstaltungen in Städten wie Wiener Neustadt stattfinden?
Heßler: Unbedingt. Als alternativer Kulturbetrieb bist du zwar nicht auf den kommerziellen Erfolg fixiert, aber man wünscht sich für die regionalen Bands halt doch Aufmerksamkeit und Publikum – das ist leider nicht immer so einfach. Es war schön zu sehen, dass beim Open-Air ein Publikum aus unterschiedlichen Altersgruppen für Live-Musik zu motivieren ist. Viele waren begeistert, dass die meisten Bands tatsächlich aus Wiener Neustadt kommen.

Totgeglaubt©Mathias Schranz/NÖN

Totgeglaubt©Mathias Schranz/NÖN

music-news.at: Ist nach dem Open-Air vor dem Open-Air?
Heßler: Die Rufe sind jetzt laut, dass wir das Open-Air jedes Jahr machen sollen. Ich bin skeptisch, ob das möglich ist. Das übersteigt unsere Kapazitäten enorm, weil wir in Zukunft auch mit weniger finanziellen Mitteln auskommen müssen. Ich denk’ aber, dass es ein wichtiges Statement war, um zu zeigen, dass solche Veranstaltungen in Wiener Neustadt möglich sind und enormes Potential vorhanden ist.

„Wichtig bleibt, dass es einen Ort für alternative Kultur gibt, an dem es zulässig ist, dass Dinge ohne Druck und Risiko ausprobiert werden können.“

Aivery©Mathias Schranz/NÖN

Aivery©Mathias Schranz/NÖN

music-news.at: Zu guter Letzt: Gibt es noch einen Geburtstagswunsch, der erfüllt werden will?
Heßler: Ganz klar: das Triebwerk soll’s nochmal weitere 20 Jahre geben. Man muss sich den Gegebenheiten natürlich anpassen, denn die Lebenswelten der jungen Menschen schauen heute einfach ganz anders aus als noch vor 20 Jahren. Wichtig bleibt, dass es einen Ort für alternative Kultur gibt, an dem es zulässig ist, dass Dinge ohne Druck und Risiko ausprobiert werden können.

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