Die Sofa Surfers machen nicht bloß Musik, sie kreieren zeitlose Klassiker.

Die Künstler veröffentlichten am 23. Oktober ihr neues Album „Scrambles, Anthems and Odysseys“, damit errichtete die Band eine teils dystopische, teils hoffnungsvoll mutige Parallelwelt. Massive Trap- und Electrobeats treffen auf Rave-Referenzen, sowie auf dezente Anleihen aus den 1980er-Jahren – und auf Mani Obeyas mitreißend klare, bei Bedarf wunderschöne Stimme, die den erzählerischen Bogen mühelos zu spannen vermag.

Das Quartett überzeugt jeher durch mitreißende Beat-Arrangements und atmosphärisch dichte Melodie- und Vocal-Parts. Lange Zeit bevor das kommerzielle und internetbasierte Gastfreundschaftsnetzwerk „Couchsurfing“ in die Öffentlichkeit trat, formte sich ein anderer Begriff, der ähnlich klingt.

Die Sofa Surfers, bestehen aus Michael Holzgruber, Wolfgang Frisch, Markus Kienzl und Wolfgang Schlögl (ausgestiegen), stammen allesamt aus Wien. Seit über zehn Jahren bereichtert Soul-Sänger Mani Obeya das Projekt mit seiner einzigartigen Stimme. Der Musikstil der Gruppe lässt sich nur schwer einordnen. Der erste Erfolg kam zusammen mit Richard Dorfmeister, der einen Remix des Songs „Sofa Rockers“ für Kruder & Dorfmeister auf dem Album „The K&D Sessions“ veröffentlichte.

In der europäischen Dub- und Techno-Szene sorgte 1997 das Album „Transit“ mit den beiden Singleauskopplungen „The Plan“ und „Sofa Rockers“ bereits für reges Aufsehen, aber erst durch die anschließende Tour erntete man Begeisterungsstürme. Cargo“, das zweite Album zeichnet sich durch Minimalismus und viele Breakbeat-Elemente aus. Die darauffolgenden Platten lassen sich eher in die Kategorien Downbeat bzw. Trip-Hop einordnen. Im Jahr 2005 erschien ein weiterer Longplayer von den Sofa Surfers, der sich grundsätzlich von den vorherigen Alben unterschied. Mit dem Tonträger „Sofa Surfers“ war erstmals ein ein Schlagzeuger und ein Gitarist, sowie Sänger Mani Obeya zu hören.

Die vier Musiker wurden vom Unternehmen Apple als Untermalung zu den Willkommen-Videos für seine verschiedenen Betriebssysteme ausgewählt. Für sämtliche Verfilmungen der Wolf-Haas-Krimis rund um den fiktiven Privatdetektiv Simon Brenner, steuerte die Band Soundtracks bei. Auch der Film Anatomie, mit Franka Potente, enthält ein Lied der Sofa Surfers. 2012 erschien das Album „Superluminal“, mit dem die Sofa Surfers bei den Amadeus Austrian Music Awards 2013 die Kategorie „Alternative“ gewannen.

Da die Sofa Rockers zu den bedeutendsten Musikern Österreichs gehören, haben wir Michael Holzgruber einige Fragen gestellt.

Sof Surfers im Interview

music-news.at: Ihr habt vor 18 Jahren euer erstes Album „Transit“ veröffentlicht, seit wann gibt es eure Formation denn eigentlich schon? Was waren eure musikalischen Grundlagen?

Sofa Surfers: Wir feiern 2016 unser 20-jähriges Jubiläum. Markus Kienzl, Wolfgang Schlögl (der 2014 die Band verließ) und ich waren schon zuvor (seit 1991) in einer anderen Band zusammen aktiv. Zu dieser Zeit waren wir einerseits von den 80er Indie-Bands und andererseits von den aufstrebenden Bands der Anfang 90er inspiriert. Indie Rock vermischt mit elektronischen Einflüssen usw. Mitte der 90er haben uns dann neue elektronischen Richtungen wie Techno, Drum ’n ’Bass usw. doch recht stark inspiriert, auch der neue Do-it-Yourself-Gedanke dieser Zeit war ein maßgeblicher Einfluss. Wolfgang Frisch haben wir dann 1996 kennengelernt und beschlossen, unser musikalisches Schaffen unter einen neuen Namen zu stellen, eben den Sofa Surfers. Mani Obeya kam dann 2004 dazu und bereichert bis heute unsere Musik maßgeblich.

music-news.at: Wie kam der Zusammenschluss zustande, was war der Grundgedanke?
Sofa Surfers: Der Grundgedanke war sicher, dass die Experimentierfreudigkeit immer im Vordergrund stehen soll. Abseits von Schubladendenken an Tracks/Songs zu arbeiten. Wir ändern uns ja ständig, entwickeln uns im alltäglichen Leben weiter. Das reflektiert sich sicher auch musikalisch in unseren Alben, die doch recht unterschiedlich klingen und ein Spiegelbild unseres jeweiligen Zustands zu der Zeit sind. Der rote Faden bei jedem Album ist meiner Meinung nach immer da, also die Essenz der Sofa Surfers. Jedoch macht es uns einfach Spaß, jedem Album einen anderen Schwerpunkt zu geben. So bleibt es für uns auch immer interessant und herausfordernd.

"Scrambles, Anthems and Odysseys" Album Cover - (c) Bruno Biazotto

„Scrambles, Anthems and Odysseys“ Album Cover – (c) Bruno Biazotto

music-news.at: Wie hat sich euer Soundbild seitdem verändert?
Sofa Surfers: Die 90er waren vor allem eine Phase der Experimente, beeinflusst von den elektronischen Richtungen dieser Zeit. Viel instrumentale Tracks, 2001 dann „Encounters“, ein Album mit vielen Gastsängern und stärkeren Einflüssen von Hip-Hop als auch Sing and Songwriting. 2005 dann das selbstbetitelte Album erstmals mit Mani Obeya, das uns als Live-Musiker und weniger als Produzenten in den Vordergrund rückt, die Electronics stark in den Hintergrund gerückt. 2010 dann „Blindside“, unser Wunsch mal ein rockiges Album zu machen, 2012 „Superluminal“, wieder ein Best of both worlds-Album (Live/Electronics).
Unser neues Album ist schließlich unser erstes komplett elektronisches Album! Auch wenn manche meinen, unsere ersten Alben wären rein elektronisch. Damals haben wir viel mit Samples gearbeitet, teilweise von Platten, teilweise uns selbst gesampled, vieles war auch live gespielt. Diesmal eben der Wunsch mal ein komplett elektronisches Album zu machen, was für uns eine ziemliche Herausforderung war und ein ganz neuen Arbeitsprozess erfordert hat.

music-news.at: Musste euch Richard Dorfmeister wirklich überreden als Gruppierung durchzustarten?
Sofa Surfers: Nein, das ist ein Gerücht, das von irgendeiner Zeitung erfunden wurde. Wir hatten unser erstes Album bereits fertig gestellt und haben Richard gebeten, einen Remix von „Sofa Rockers“ zu machen. Kruder & Dorfmeister waren zu dem Zeitpunkt erst kurz vor ihrem internationalen Durchbruch und Richard hatte noch die Zeit und auch den Willen für ein Freundschafts-Honorar einen Remix für uns zu machen.

music-news.at: Ihr habt ja sogar mal ein breakbeat-lastiges Album produziert. Die Musikindustrie kategorisiert ja bekanntlich ganz gerne. Wie würdet ihr euren Stil mit den eigenen Worten beschreiben?
Sofa Surfers: Welches war unser breakbeat-lastiges Album?? Ich habe viel Breakbeats/Nu School Breakz aufgelegt, aber unsere Alben waren da doch weit davon entfernt. Außer man definiert Bands der 90er, die viel mit vertrackten Drum-Samples gearbeitet haben, als Breakbeats. Egal, das ist eine Definitionssache. Unseren Stil zu beschreiben ist eine Aufgabe für andere, wir wollen uns damit nicht wirklich auseinandersetzen. Nicht aus Arroganz, sondern weil es einfach nichts bringt. „Immer offen für neues“ ist, wenn schon, unsere Devise.

music-news.at: „Cargo“ könnte man meiner Meinung als breakbeat-lastig bezeichnen. Stichwort: Melancholie, wie traurig seid ihr wirklich?
Sofa Surfers:Traurig sind wir nicht, nachdenklich natürlich schon. Ich persönlich empfinde z.B. unser neues Album überhaupt nicht als traurig. Für mich ist da ganz viel Energie dahinter und viel Nachdenkliches in den Texten von Mani Obeya. „Grass under your feet“ wirkt auf manche vielleicht düster, beinhaltet aber eine positive, hoffungsvolle Message.

music-news.at: Hat sich schon mal ein Major-Label bei euch gemeldet?
Sofa Surfers: Wir hatten bei den ersten Alben immer Major-Labels als Lizenzpartner. D.h., dass man einfach sein Ding macht und sie nehmen es dann in Lizenz oder nicht. Mittlerweile sind wir unser eigenes Label, „Monoscope Productions“ ohne Major-Label-Partner.

music-news.at: Schenkt uns bitte eine Lebensweisheit.
Sofa Surfers: Nicht jammern, einfach tun

music-news.at: Das Cover zu eurem aktuellen Album stammt vom brasilianischen Künstler Bruno Biazotto. Dieser ist normalerweise in der Gaming-Szene aktiv. Wie interpretiert ihr seine Arbeit und inwieweit hat dies eure Musik beeinflusst?
Sofa Surfers: Ich habe vor einiger Zeit ein PC-Trading Card Spiel namens „Hex TCG“ auf Kickstarter unterstützt, Teil meines Perks war, dass mein Antlitz auf einer Karte verewigt wird. Bruno ist freiberuflicher Graphic Artist und bekam schließlich den Auftrag vom Spielehersteller, meine Wenigkeit zu malen. Er hat meinen Namen einfach so aus Interesse mal gegoogelt und gesehen, dass ich Teil der Sofa Surfers bin. Ihm hat unsere Musik immer schon sehr gut gefallen, kennt all unsere Alben und hat mich dann auf Facebook angeschrieben. Das war natürlich toll, dass Bruno als Fan mit Begeisterung an der Umsetzung der Karte gearbeitet hat und wir haben uns während dieser Zeit schon regelmäßig per Skype unterhalten. Unser Verhältnis wurde immer freundschaftlicher, das Artwork für die Karte letztendlich hervorragend.
In der Band gab es immer schon den Wunsch ein gemaltes Cover-Artwork zu haben, sodass ich schließlich Bruno schon ganz am Anfang des Album-Produktionsprozesses der Band vorgeschlagen habe. Alle waren einverstanden und auch Bruno war begeistert das Artwork zu übernehmen. Er bekam schon frühe Demos von uns zu hören und entwickelte erste Cover-Layouts passend zur Stimmung. Wir hatten dann immer die aktuellsten Layouts von ihm am PC-Schirm, während wir an den Tracks weitergearbeitet haben. Er bekam dann eben wieder die neuesten Demos zu hören und arbeitete am Artwork weiter. Er hat somit auf jeden Fall unsere Musik beeinflusst und wir natürlich sein Artwork, ich denke, dass man das auch gut am finalen Resultat sehen kann, dass Artwork und Musik perfekt zusammenpassen. Uns verbindet die Liebe zu den gleichen Sci-Fi Filmen und auch wir waren immer schon begeisterte Gamer (PC/Konsole) gewesen. Ich für meinen Teil habe lange Trading Cards-Tournaments in Europa, als auch in den USA gespielt. Bruno steht zwar noch ganz am Anfang seiner Karriere, hat aber eine äußerst vielversprechende Zukunft vor sich, zurzeit arbeitet er an einem Projekt mit Hellboy-Erfinder Mike Mignola!

Mani Obeya Live

Mani Obeya Live (c) Oliver Jiszda

music-news.at: Wo seht ihr die Musikszene in 50 Jahren?
Sofa Surfers: Puh, weiß nicht, schwierig, wahrscheinlich wiederholt sich alles immer wieder…

music-news.at: Ist es möglich in Zukunft mit deutschen Texten zu musizieren oder ein absolutes No-Go für euch?
Sofa Surfers: Deutsch als Gesangssprache ist nicht unbedingt etwas, was wir uns für unsere Songs wünschen. Mani, unser Sänger, ist ja in England aufgewachsen, so dass sich die Frage bei uns nicht wirklich stellt. Wir versuchen ja auch Publikum außerhalb des deutschsprachigen Raumes zu erreichen, so dass die Wahrscheinlichkeit von deutschen Texten (z.B. mit Gastsängern) bei uns eher gering ist. Das heißt aber nicht, dass wir keine deutschsprachige Musik hören. Ich für meinen Teil höre gerne Jan Delay.

music-news.at: Was ist eure Meinung zu Ghost-Producing bzw. Ghost-Writing?
Sofa Surfers: Hmm, denke, dass man immer dazu stehen sollte, was man produziert oder schreibt, deswegen halte ich eher nicht viel davon.

music-news.at: Habt ihr nach so einer langen Zeit noch unerfüllte musikalische Ziele oder Träume?
Sofa Surfers: Ja sicher, vor allem am Beginn einer neuen Album-Produktion ergeben sich ganz neue Ziele und Herausforderungen. Ohne neue Ziele würde einem ja die Motivation fehlen was Neues zu machen. Nach Fertigstellung eines Albums denkt man eigentlich immer „Ja, nicht schlecht, aber beim nächsten Album bekommt man es noch besser hin“.

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