Über die Vergangenheit und Zukunft des beliebten Wiener JumpUp-Events

SWITCH!, ein Wort das allen Dnb-Heads in Wien und Umgebung ein Begriff für JumpUp Drum and Bass Parties geworden ist, ist das Synonym für ein langjähriges Projekt, dass sich in 2 Teile gliedert. Als erfolgreiche Veranstaltungsreihe und Musiklabel zugleich, stellt SWITCH! eine Größe in der österreichischen Szene dar, die nicht mehr wegzudenken ist. Auch durch die gut gepflegten Kontakte zur UK Szene und das Mitwirken eines UK Artists (Coda), ist die veröffentlichte Musik bereits über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Der Stammclub war jahrelang die Wiener Camera, jedoch hat diese ja kürzlich zugesperrt. Wir haben uns gefragt wie es wohl weitergehen wird mit SWITCH! und haben uns die Veranstalterin und Chef-DJ Katja aka Pandora geschnappt um unseren Wissensdurst zu stillen und Ihr noch die ein oder andere Story zur Entstehung von SWITCH! zu entlocken.

pandora

Katja aka DJ Pandora

www.music-news.at: Warum der Name SWITCH!?

Pandora: Namen sind wie immer das Resultat von langem Brainstorming, so natürlich auch dieser. Gepasst hat es dann für uns, also Coda und mich, weil wir genau das wollten: Einen Switch! Von den in Wien damals vorwiegend darken, neurolastigen DnB-Clubs zu einem Club, der (für uns) mehr Partyvibes hat.

www.music-news.at: Wie lange gibt es SWITCH! schon und was hat dich dazu bewegt?

Pandora:Coda und ich haben SWITCH! im Jahr 2007 gegründet. Ein Freund hat uns gefragt, ob wir nicht einen Freitag im Monat in der Fluc Wanne übernehmen möchten. Nach sehr kurzer Überlegung waren wir eigentlich beide Feuer und Flamme dafür, die kurze Überlegung gab es nur, da Coda, gebürtiger Engländer der bis 2006 in Wien gelebt hatte, gerade nach London zurückgegangen war und sich die Frage stellte, wie er das von dort aus angehen wollte. Alleine wollte ich es nicht durchziehen und als Partner kam einfach musikalisch aus meiner Sicht nur er in Frage. Dennoch war klar, in Wien gibt es keine Parties so, wie wir sie uns wünschen würden und mit ihm war ich musikalisch genau auf dem gleichen Nenner, somit musste das durchgezogen werden. Ich kann den Stil gar nicht beschreiben, bestimmt war es JumpUp-lastig, aber nicht nur, es war einfach insgesamt eher etwas britischer und mehr „Dancefloor“ als der Neuro-Stil, der sich in Europa bis dahin so stark durchgesetzt hatte. Oder auch einfach offener, denn Neuro war eigentlich immer ein kleiner Bestandteil von unseren Sets. Übrigens haben wir es damals nicht als JumpUp-Club gegründet, davon war keine Rede. Es ging nur darum, einen anderen Vibe zu bringen. Zu JumpUp hat es sich eigentlich erst mit der Zeit hinentwickelt. Nach wie vor bemühen wir uns, neben dem, wofür wir stehen und bekannt sind, also eben JumpUp, auch noch darüber hinaus eine große Bandbreite zu bieten. Natürlich wird man bei uns kaum ganze Neuro-Sets hören, aber DJs, die eine breit gefächerte Selection spielen sind bei uns immer herzlich willkommen und werden regelmäßig eingesetzt. Stichwort Twenty Freeze oder Doree, die ja beide nicht notwendigerweise für JumpUp bekannt sind, aber unsere meistgebrachten Residents abgeben.

www.music-news.at: Was war zuerst da, die Veranstaltungsreihe oder das Label?

Pandora:Das Event. Alles weitere entwickelte sich erst daraus. Das Label gibt es seit 2012, unsere erste Release war sogar noch auf Vinyl. Dann kam es leider schnell, dass Vinyl für JumpUp gänzlich uninteressant wurde, daher war es ab der Nummer 002 digital. Das Label resultierte daraus, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits für einen Sound standen, aber sehr lokal, im Klub in Wien, und uns überlegten, diesen nun auch international mit Releases vertreten zu wollen. Vor allem wollten wir damit auch zeigen, dass es auch in Europa, also nicht nur im britischen Mutterland des Drum`N`Bass, qualitative JumpUp-Produzenten gibt, was wir mit Dorian & Skore (AT), Bassface Sasha (DE), Roy Green & Protone (AT) und den Ungarn 2N eindeutig zeigen konnten. Es sollte ein internationales Label sein, das eine europäische Perspektive auf JumpUp bringt. Eine, die nicht den manchmal so verpöhnten Quietsch-JumpUp präsentiert, sondern eine die aufzeigt, dass es qualitativ hochwertige und gleichzeitig höchst partytaugliche JumpUp-Tunes gibt!

PANDORA @ SWITCH! 13/03/15 by Switch! on Mixcloud

www.music-news.at: Wer sind für dich die entscheidenden Schlüsselfiguren für den Erfolg von SWITCH!? Was waren so die Hürden die es zu überwinden gab?

Pandora: Schlüsselfiguren, schwer zu sagen. Also zur Gänze dahinter stecken nach wie vor ausschließlich Coda und ich. Aber natürlich haben uns über die Jahre so viele Menschen geholfen und supported, es wäre anders gar nicht möglich gewesen! Alle Namen jetzt zu nennen wäre unmöglich, zumal sich über die Jahre Crew und Supporter immer wieder geändert haben. Ein Name allerdings muss hier fallen, denn mit ihm steht und fällt jede Party quasi seit dem Anfang und das ist unser lieber Bombaman MC. Unser Partykonzept funktioniert nur mit MCs und der Mann ist seit Jahren auf jedem SWITCH! auf der Bühne, rockt sie von Anfang bis Ende und ist nicht nur Markenzeichen sondern bestimmt auch Aushängeschild für uns geworden! Wichtig war uns immer, die MC-Kultur im möglichen Ausmaß hierher zu bringen, daher luden wir auch immer wieder MCs aus England mit ein.

Die größte Hürde waren wohl einfach die ersten Jahre. Anfangs gab es wenig Anhang für den Sound den wir machten, nicht viele Leute interessierte es. Wir grundelten jahrelang mit der kleinen aber immerhin stabilen Fanbase von 150 Leuten vor uns hin, mal mehr, mal weniger, in für uns suboptimalen Clubs wie dem The Zoo oder dem Badeschiff, wo es leider immer wieder große technische Defizite gab. Aber dennoch, so oft wir überlegt hatten aufzugeben, blieben wir aus unerfindlichen Gründen dran. Gottseidank. Mit der Camera hatten wir einen Spot gefunden, der für uns perfekt gepasst hat. Sie war für Drum`N`Bass schon ein wenig bekannt und auch gut zentral gelegen, so konnten wir dort dann schon bis zu 500 Leute erreichen. Damit kann man dann natürlich auch mehr anbieten, quasi eine Spirale nach oben.

www.music-news.at: Was macht SWITCH! für dich einzigartig?

Pandora: Der Sound, der Partyvibe, das MC-Konzept. Ich denke nicht, dass es vergleichbares in Wien gibt, so wird es mir auch immer wieder zugetragen. Womit ich um Gottes willen alles andere was es gibt um nichts schlechter ranken will – Respekt an alle Veranstalter da draußen an dieser Stelle, Wien ist so reich an Events und Möglichkeiten für Drum`N`Bass heute, das ist großartig! Aber ich denke wir haben immer schon eine Nische abgedeckt, die sonst keiner bedient hat und so sind wir, so wie die anderen Veranstalter auch, einzigartig. Wichtig ist immer, etwas zu tun was sonst keiner macht. Sonst macht es ja keinen Sinn. Und das hat sich bei uns gut gefügt, weil wir es ja im Endeffekt genau deswegen gemacht haben, weil es sonst keiner macht. Außerdem denke ich, dass wir eine ganz nette Crew sind.

www.music-news.at: Was hat sich für dich als langjährige Wiener DJane verändert seit du SWITCH! begründet hast?

Pandora: Vorweg: Bitte nicht DJane. Disk Jockey ist ein Geschlechtsneutrales Wort und DJane ist in meinen Augen schon fast abwertend. Ich kann mit diesem Ausdruck überhaupt nicht umgehen. Danke! Verändert hat sich vor Allem, dass ich für einen Sound, eine Marke stehe. Ich habe ja bereits 1995 begonnen in den Wiener Clubs aufzulegen und obwohl ich durchaus über die Jahre einen Stil entwickelt hatte, waren meine Selections sehr offen. Ich habe mich eigentlich davor nie über einen bestimmten Sound definiert. Jetzt, wo ich so sehr mit dieser Eventreihe assoziiert werde, fällt es natürlich schwer einen Primetime-Slot im Flex mit einem Mellow-Set zu bestreiten, da wären dann doch einige etwas enttäuscht und verwirrt fürchte ich. Dennoch versuche ich und bemühe mich, nicht nur JumpUp in meine Sets einfließen zu lassen, denn Drum`N`Bass ist ein Ganzes und für mich ist es ganz wichtig, dass es das bleibt! Aber ein ganzes Mellow-Set würde ich eigentlich auch nicht spielen wollen, denn ich fahre natürlich total auf JumpUp ab – es ist für mich nach wie vor die ultimative In-Die-Fresse-Partymusik.

www.music-news.at: Da ja jetzt die Wiener Camera ganz unverhofft zusperrt habt Ihr plötzlich Euren Stammclub aufgeben müssen – zumindest vorerst. Wie geht es weiter? Clubwechsel oder Abwarten und Teetrinken?

Pandora:Ja das war sehr hart und traurig für uns. Die Camera war ein Club, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben, das Team war großartig und hat uns immer bestmöglich unterstützt und so konnten wir uns dort gut entwickeln und entfalten. Das war sehr wichtig und hat uns sehr geholfen. Der Vibe dort war großartig. Das Ende war sehr bitter. Aber Gottseidank haben wir in der Auslage ein Platzerl für uns finden können und oft sind Veränderungen, auch wenn sie ungewollt sind, gar nicht so schlecht. Umsiedeln sind wir gewöhnt, die Camera war ja in 7 Jahren schon unsere vierte Location. In der Auslage sind wir im Juli gestartet mit Dj Guv, das fand unglaublichen Anklang! Technisch ist die Auslage auch auf einem sehr hohen Standard, die Lage am Gürtel kommt auch alles andere als ungelegen. Und vor allem: Auch hier passt es mit dem Team sehr gut, wir freuen uns sehr, diese Location gefunden zu haben. Das war natürlich auch Glück, aber das gehört halt manchmal dazu. Also kurz gesagt: Nix Teetrinken, das wäre nicht unser Stil, wir sind weiterhin jeden zweiten Freitag im Monat in Wien, jetzt eben in der Auslage, mit ganz neuen Möglichkeiten. Und freuen uns, dort am 11.9. unser Achtjähriges Bestehen mit Ruffstuff, Upgrade & Skibadee feiern zu dürfen!

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SWITCH! is 8

www.music-news.at: Was darf man in Zukunft auf SWITCH! Recordings erwarten? Kannst du schon etwas verraten?

Pandora: Bei SWITCH! Recordings bleiben wir unserem Konzept treu: Qualitativer JumpUp von internationalen Artists, also nicht nur aus England. Dafür sind wir als Label mittlerweile sogar schon ein bisschen bekannt, wir bekommen gutes Feedback, genau das, auf das wir hingearbeitet haben. Der nächste Release kommt bald und ist eine EP von Jaxx, die „Keep on Rollin“ EP. Danach folgt schon unsere zehnte Release, mit der wir wieder ganz unserem Konzept folgen: Eine Various Artists EP auf der wir Tracks von Produzenten aus Österreich, Deutschland und Ungarn zusammengesammelt haben. Die Tunes auf den nächsten Releases werden bestimmt entsprechende Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so watch this space!

SWITCH! ist here to stay und es gibt alot more to come also watch out und behave bis es diesen Freitag wieder Jump-Up vom Feinsten gibt! Wer sich weiter informieren und/oder up2date bleiben will kann das hier tun:

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