The Bongo Club sind nicht hier, um die Rockmusik neu zu erfinden. Sie sind hier, um sie in neue Höhen zu treiben.

Booklet Framsida Be Careful Not To Stare

Oldschool sind diese vier Kerle, die sich in einen zu kleinen Bus setzen, um sechs Wochen durch Europa zu touren. Oldschool sind vier Kerle, die auf Computer und DJ verzichten und die Menschen mit ihrer Musik begeistern. Schlagzeug, Gitarre, Bass, Stimme, das ist oldschool. Oldschool sind vier Kerle, die auch vor sieben Leuten spielen, als würden sie vor siebentausend stehen. The Bongo Club sind oldschool.
Genau genommen sind The Bongo Club Jesper Jansson, Erik Ahlblom, Fabian Brogeby, Jonatan Andrén. Schon seit geraumer Zeit pfeifen die vier Schweden auf sämtlichen modernen Schnickschnack, den die Musikgeschichte in der jüngeren Vergangenheit abgeworfen hat, und machen ihr Ding. Durchschlagenden, gitarrenverzerrenden Indierock mit dem Popappeal, der den schwedischen Rock so erfolgreich macht. Im Gegensatz zu Artgenossen wie Mando Diao, bleiben The Bongo Club geradlinig bei der Sache, nehmen ihre Alben im Studio live auf und liefern genau die energiegeladene Musik, die man auf ihren Konzerten um die Ohren bekommt. Kein Wunder also, dass die europäischen Clubs im letzten Winter unter der Gewalt ihrer Auftritte zusammenzukrachen drohten und die Fans sich in Ekstase tanzten, egal ob es nun derer sieben oder siebzig waren. Mit „Be Careful Not To Stare“ steht seit einigen Wochen der erste Longplayer der Vier zum Verkauf. Aufgenommen wurde mit der Unterstützung von Kultur Ungdom, einer schwedischen Non-Profit Organisation zur Förderung junger Kulturschaffender, die auch bei der Planung der Europatour unterstützend zur Seite stand.

PARADOX: Was sind eure Beweggründe, die Musik zu machen, die ihr macht? Warum nicht zum Beispiel Drum’n’Bass oder Jazz?
The Bongo Club: Zuallererst ist das die Musik die wir selbst hören. Wir hätten möglicherweise eine Jazzband sein können, hätte früher jemand unsere iPods damit gefüllt. Da das nicht passiert ist, sind wir nun hier.

PARADOX: Wie kam es zum Bandnamen The Bongo Club?
The Bongo Club: Es ist wirklich ein alberner Name. Wir haben nicht viel darüber nachgedacht. Wir saßen im Studio, haben mit Ideen um uns geworfen und plötzlich war er da. Wir sind davon ausgegangen, dass
der Name hängen bleiben würde, also blieben wir dabei. Dahinter versteckt sich keine tiefere Bedeutung.

Natürlich sind wir uns gegenseitig auf die Nerven gegangen. Wer würde das nicht? Fünf Männer, die jede Minute jedes Tages gemeinsam verbracht haben, für sechs Wochen. Man muss schon der Dalai Lama sein, um nie genervt zu sein.

PARADOX: Letzten November und Dezember habt ihr sechs Wochen auf Tour quer durch Europa verbracht. Welche Ereignisse sind euch im Kopf geblieben? Gibt es lustige Anekdoten von der Tour zu erzählen?
The Bongo Club: Wir wollen nichts an die große Glocke hängen, also werden einige Dinge wohl mit ins Grab genommen. Gentlemen’s agreement und so. Aber wir haben viele interessante Menschen getroffen und einige großartige Shows gespielt. Die vorletzte Show war verrückt. Unser Bassist hat drei Stage Dives gemacht … nach der Show. Das will schon was heißen oder?

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© Mário Macedo

PARADOX: Gab es Zeiten auf Tour in denen ihr euch gegenseitig auf die Nerven gegangen seid? Natürlich sind wir uns gegenseitig auf die Nerven gegangen. Wer würde das nicht?
The Bongo Club: Fünf Männer, die jede Minute jedes Tages gemeinsam verbracht haben, für sechs Wochen. Man muss schon der Dalai Lama sein, um nie genervt zu sein. Alles in allem waren wir aber in einer wirklich guten Stimmung. Im Endeffekt hatten wir die Zeit unseres Lebens.

PARADOX: Wie läuft bei euch für gewöhnlich das Songwriting ab? Alle zusammen oder einer alleine?
The Bongo Club: Neuerdings versuchen wir die Songs gemeinsam zu schreiben, um den ganzen Prozess so demokratisch wie möglich zu gestalten. Auch wenn es vielleicht der schwerste Weg ist einen Song zu schreiben, ist es ein unheimlich gutes Gefühl, wenn wir vier uns schlussendlich auf eine Sache einigen. Wenn jeder von uns das mag was wir schreiben, ist es wohl das Zeichen für einen guten Song. Die Texte jedoch schreibt beinahe zu hundert Prozent Jesper alleine.

PARADOX: Habt ihr schon mal darüber nachgedacht einen Song über IKEA zu schreiben?
The Bongo Club: Nein, absolut nicht. Nein, nein, nein, nein, nein!

PARADOX: Wen würdet ihr als eure größten musikalischen Einflüsse bezeichnen?
The Bongo Club: Wir werden vor jedem neuen Song, den wir schreiben, von einem Haufen Dinge und vielen verschiedenen Musikern beeinflusst. Aber der Haupteinfluss ist wohl eine Mischung aus einigen der großen schwedischen Rockbands, wie The Hives, Mano Diao und so weiter, und dem Großteil der britischen Gitarrenmusik der letzten 25 Jahre.

PARADOX: Im März erschien euer Debütalbum „Be careful not to stare“, wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
The Bongo Club: Wir versuchen dieses Jahr wirklich verdammt beschäftigt zu sein. Bucht uns und wir werden spielen! Das Hauptziel für 2015 ist es, auf einigen Showcase Festivals zu spielen, damit die Leute merken, wie irre gut wir live sind. Pass auf Europa – Bongo kommt zu euch!

PARADOX: Habt ihr Brotjobs, um eure Musik zu finanzieren?
The Bongo Club: Ja haben wir, unsere Vermieter lassen uns unsere Wohnung nicht gratis bewohnen. Es ist Schwachsinn, aber wir machen die Regeln nicht. Noch nicht…

PARADOX: Was verbirgt sich eurer Meinung nach hinter dem internationalen Erfolg schwedischer Musiker?
The Bongo Club: Es hat viel mit Wohlfahrtsorganisationen und anderen staatlichen Mitteln zu tun. Die Menschen haben es ziemlich gut hier oben. Wir haben auch von klein auf ein großes Angebot an Musikkursen in den Schulen. Das muss damit zu tun haben. Oder könnte es unser gutes Aussehen sein?

Wir neigen dazu Iglus zu bauen und uns Faustkämpfe mit Eisbären zu liefern.

PARADOX: Was treibt man während des schwedischen Winters, wenn man nicht gerade dröhnenden Indierock spielt?
The Bongo Club: Wir neigen dazu Iglus zu bauen und uns Faustkämpfe mit Eisbären zu liefern. Ist nicht auch Weihnachten irgendwann zu dieser Zeit?

PARADOX: Mit welchen drei Worten würdet ihr eure Heimat Schweden beschreiben?
The Bongo Club: Nicht groß genug.

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